Kirchliche Ethik

Wieviel Gutes könnte man tun, wenn man die (meist schlecht frequentierten) Kirchengebäude auf der ganzen Welt zu Geld machen würde! Man stelle sich vor: die ganzen Grundstücke (hunderttausende an der Zahl), die riesigen Bauten, die Türme samt Glocken – von den Unterhaltskosten ganz zu schweigen. Wenn das nicht ausreichte, um die gröbste Not zu lindern, gäbe es da noch die Ausbildungsstätten und die fürstlichen Gehälter der Kirchenmänner, die sich zu einer sagenhaften Hilfsaktion addieren ließen. Wäre, könnte, müsste. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Für den Papst ist das ganze Jahr über rund um die Uhr ein ganzes Stockwerk im Gemelli-Krankenhaus reserviert, egal ob er krank ist oder nicht. Und jetzt sagt mir bitteschön: Wo bleibt da die Ethik? Oder weniger anspruchsvoll: ein Minimum an Solidarität und Anstand?

Hallo.

Also gegen dieses Posting muss ich protestieren:
die Kirche ist nicht dafür zuständig ihren Schäfchen ein üppiges materielles Dasein zu ermöglichen. Dafür soll man schön selbst arbeiten gehen !! In der Bibel heisst es doch so schön: „Gib ihm einen Fisch und er hat für einen Tag zu essen. Gib ihm ein Boot und er hat für ein ganzes Leben lang zu essen“ (so in etwa). Daraus folgt, dass der Einzelne durchaus in der Lage ist für sich selbst zu sorgen. Wenn man nicht gerade rein zufällig sein Geld ‚zum Fenster rauswirft‘… Ausserdem wird unterstellt, dass der Reichtum der Kirche reichen würde die Armut in der Welt zu beseitigen. Wenn man eine Einmalzahlung der Gelder beachtet mag das durchaus stimmen. Aber da die Kirche ihr Geld noch nicht selbst druckt, wird dieses wohl kaum zur Kirche zurückfinden. Oder für Aktionen ausgegeben, welche nicht im Sinne der jeweiligen Heilslehre liegen müssen. Und irgendwie muss die Kirche auch in der Lage sein zu helfen. Oder umgekehrt gefragt: würde man eine Kirche ohne Geld (für Bedürftige) und Prestigeobjekte überhaupt ernstnehmen ? Einer solchen Institution (=Armenkirche) würde man wohl eher den Rücken kehren, da man sich damit einfach nicht identifizieren wollte…

Klar, man kann es mit materiellen Reichtümern auch übertreiben. Deswegen soll der Reiche ja auch was davon an Ärmere abgeben. Aber sich deswegen selbst kaputtmachen wird nicht verlangt ! Bei einem Wasserbrunnen will man ja auch nicht gleich das ganze Wasser desselben sondern nur soviel, dass die Bedürfnisse gedeckt werden. Und die Quelle nicht versiegt.

HTH
mfg M.L.

Oder umgekehrt gefragt: würde man

eine Kirche ohne Geld (für Bedürftige) und Prestigeobjekte
überhaupt ernstnehmen ? Einer solchen Institution
(=Armenkirche) würde man wohl eher den Rücken kehren, da man
sich damit einfach nicht identifizieren wollte…

Wenn man die „Kirche“ als etwas betrachtet, das rein spirituelle Werte zu vermitteln hat, die auf keine Weise in Bezug zu Materiellem zu setzen sind ?
Ein Beispiel wären die Bettlerorden des Mittelalters( Franziskaner) oder
buddhistische Wandermönche.
Nach deren Anschauung ist Armut eine Voraussetzung für erfolgreiches spirituelles Leben.

( …nach dem Reich Gottes trachtet und alles andere wird Euch gegeben werden.)

Angel

Nochmal hallo.

Wenn man die „Kirche“ als etwas betrachtet, das rein
spirituelle Werte zu vermitteln hat, die auf keine Weise in
Bezug zu Materiellem zu setzen sind ?
Ein Beispiel wären die Bettlerorden des Mittelalters(
Franziskaner) oder
buddhistische Wandermönche.
Nach deren Anschauung ist Armut eine Voraussetzung für
erfolgreiches spirituelles Leben.

( …nach dem Reich Gottes trachtet und alles andere
wird Euch gegeben werden.)

Klar dass es auch solche Gruppierungen gibt. Aber auch diese brauchen ihre Orte an denen sie sich versammeln können. Und die religiösen Symbole nicht zu vergessen. Wie ‚reich‘ der Einzelne einer solchen Gemeinschaft ist ist eigentlich völlig bedeutungslos. Allerdings muss ich zugeben dass jemand mit finanzieller & materieller Armut auch mehr Zeit hat sich um andere Dinge zu kümmern als sich z.B. zu fragen, wo man sein Geld ausgibt :wink:
Und im Originalposting ging es darum, die Kirchen auf das rein spirituelle zu reduzieren, ihre Sachen zu verkaufen und das Geld zur Bekämpfung der Armut einzusetzen. Sprich von Luft und Liebe zu leben…

mfg M.L.

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hi markus,

Und im Originalposting ging es darum, die Kirchen auf das rein
spirituelle zu reduzieren, ihre Sachen zu verkaufen und das
Geld zur Bekämpfung der Armut einzusetzen. Sprich von Luft und
Liebe zu leben…

na und dieser Gedanke ist ja auch ( wie schon gesagt) uralt.
Jesus war zwar im Gegensatz zu Johannes d. Täufer kein Asket,
aber materiell orientiert war er auch nicht.

Er war überzeugt,immer alles zu bekommen, was man nötig hatte,
weshalb nicht allzuviele Gedanken an materielle Themen verschwendet
werden sollten. (siehe Bergpredigt - „Vögel auf dem Felde“, siehe Fisch- und Brotvermehrung.)
Das nennt man Gottvertrauen.
Sollte gerade die „Kirche“ mit einem Mangel an dieser Eigenschaft
diesen wichtigen Glaubensgrundsatz in Zweifel ziehen, anstatt mit gutem Beispiel voranzugehen ?

Angel

Hi,

Klar, und die ganzen Kunstwerke aus Gold einschmelzen, als nächstes dann verbieten mit Kirchenmusik Geld zu verdienen, weil der arme Bach hat ja auch nix davon gehabt.

Kein Weihnachtsoratorium im Stephansdom mehr, stimmungsvolle Orgelmusik nur noch aus dem Synthesizer (Kirchen-Hall-Effekt).

Da würde allein schon kulturpolitisch einiges verloren gehen.

Sollen sie lieber einem ausgewählten Verrückten verbieten Blut als Kunstwerke auszugeben.

Andere Einsparungsmaßnahmen mit ähnlichen Erfolgsaussichten: Einstellung der Weltraumforschung (wer braucht schon Hubble-Bilder, oder „was kümmert mich der Urknall“?), Wer braucht Spitzensportler wie David Beckham und weiter: Einstellen der Forschung zur Verbesserung von Nordic-Walking-Stecken.

Gruß
M.

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Auch hi(gh) :----| :smiley:

Er war überzeugt,immer alles zu bekommen, was man nötig hatte,
weshalb nicht allzuviele Gedanken an materielle Themen
verschwendet

Warum wohl ? Er war davon ja auch nicht abhängig…

werden sollten. (siehe Bergpredigt - „Vögel auf dem Felde“,
siehe Fisch- und Brotvermehrung.)
Das nennt man Gottvertrauen.
Sollte gerade die „Kirche“ mit einem Mangel an dieser
Eigenschaft
diesen wichtigen Glaubensgrundsatz in Zweifel ziehen, anstatt
mit gutem Beispiel voranzugehen ?

Wieso Mangel ? Wenn ich der Kirche eine (grosszügige) Spende/Schenkung mache kann sie diese behalten. Und was sie mit dem Geschenk macht ist nicht meine Sache…
Wenn natürlich keiner auf seine rechtlichen materiellen Ansprüche ein Anrecht erhebt könnten alle wie im Schlaraffenland leben. Genau das macht die Kirche ja auch: Sozialdienste, Jugendarbeit… Und mit finanziellen Problemen hat diese auch zu kämpfen (kath. Gemeinde in Berlin als Bspl.)
Aber das sich einige Kirchenmänner auf den Standpunkt versteifen, dass man materiellen Gütern grösste Bedeutung zuweisen muss, spricht nicht für die Mehrheit der Kirchenleute. Wie schon gesagt: die Kirche muss in der Lage bleiben helfen zu können. Dazu braucht sie Leute, die auch ein paar Annehmlichkeiten zur Ausübung ihres Dienstes akzeptieren :wink:

mfg M.L.

Habe ich das richtig verstanden: Man bringt der Kirche Respekt entgegen, weil sie reich ist? Das wäre ja wirklich ein Armutszeugnis. Die Kirche als Quelle finanzieller Segnungen, die nicht versiegen darf? Reine Augenwischerei. Die eigentliche Quelle sind jährliche Milliardenzuwendungen aus öffentlicher und privater Hand. Nachzulesen bei http://www.stop-kirchensubventionen.de

wer sagt daß diese hilfe überhaupt erwünscht ist :smile:

dataf0x

Hi,

Klar, und die ganzen Kunstwerke aus Gold einschmelzen, als
nächstes dann verbieten mit Kirchenmusik Geld zu verdienen,
weil der arme Bach hat ja auch nix davon gehabt.

Warum das Gold einschmelzen? Ich wette dass ein paar Sammler den künstlerischen wert sehen und bezahlen eine Schule, Krankenhaus usw. extra.

Kein Weihnachtsoratorium im Stephansdom mehr, stimmungsvolle
Orgelmusik nur noch aus dem Synthesizer (Kirchen-Hall-Effekt).

Gute Idee! Mit dem Verkauf der CD kann die Heizung des Kindergartens Murmansk bezahlt werden.

Da würde allein schon kulturpolitisch einiges verloren gehen.

Ein goldener Engel im tausch gegen eine Ausbildung, eine Orgelpfeife im tausch gegen eine Impfung.
Manchmal frage ich mich warum die Kirche den Wert von Steinen höher einstuft als Menschenleben.

Sollen sie lieber einem ausgewählten Verrückten verbieten Blut
als Kunstwerke auszugeben.

Die Kirche gab für jahrhunderte vor was Kunst ist, und was nicht.
Es muss grausam sein das selbst auf diesem Gebiet der Einfluss auf beinahe null zurückgegangen ist.

Andere Einsparungsmaßnahmen mit ähnlichen Erfolgsaussichten:
Einstellung der Weltraumforschung (wer braucht schon
Hubble-Bilder, oder „was kümmert mich der Urknall“?),

Einstellung der Forschung? Guter Plan. Besonders wen die Kongruenz auch gleich ausgeschaltet wird.

Wer

braucht Spitzensportler wie David Beckham und weiter:
Einstellen der Forschung zur Verbesserung von
Nordic-Walking-Stecken.

Richtig! Nieder mit dem Sport. Wozu ein gesunder Körper wen der Glaube Berge versetzen kann.

Du wirst es kaum glauben
aber bei uns spenden Leute Geld, damit die Kirche renoviert werden kann und schön aussieht. Und warum? Weil sie Ehrfurcht vor dem haben, was diese Kirche für sie bedeutet: ein heiliger Ort, ein Ort des Glaubens, der Gemeinschaft, eine Heimat mitten in einer Welt mit Mobilitätswahn, ein Ort der Ruhe inmitten der Hektik…kurzum: Die Kirche ist ihnen schlichtweg heilig.

Und noch etwas: Wer sagt dir eigentlich, dass die „Bischöfe“ mit ihrem „fürstlichen“ Gehalt nicht viel Gutes tun? Schau mal in den Haushalt eines Bistums, (d)einer Pfarrei und du wirst dich wundern, wie viel Geld da für gute Zwecke fließt!

Viele Grüße von einem Insider!

G. Wagner

aber bei uns spenden Leute Geld, damit die Kirche renoviert
werden kann und schön aussieht. Und warum? Weil sie Ehrfurcht
vor dem haben, was diese Kirche für sie bedeutet: ein heiliger
Ort, ein Ort des Glaubens, der Gemeinschaft, eine Heimat
mitten in einer Welt mit Mobilitätswahn, ein Ort der Ruhe
inmitten der Hektik…kurzum: Die Kirche ist ihnen
schlichtweg heilig.

Hallo, Gerd,
in der Tat, auch ich, der der Kirche sehr, sehr fern steht und auch das Christentum nicht unbedingt auf seine Fahnen geschrieben hat, würde für die Erhaltung einer Kirche spenden. Aus dem gleichen Grund, aus dem ich die Erhaltung eines denkmalwürdigen Industriebauwerkes tun würde: Beide sind Teil unser Kultur und erhaltenswürdig.
Gruß
Eckard