Nicht fürs Standesamt, vielleicht für später…
Johann Christian Günther
H o c h z e i t s s c h e r z
Da habt ihr die Zeugin vom ewigen Bunde,
Da kommt nun, da ist nun die selige Stunde!
Da schickt sie die Vorsicht, da wälzt sie der Lauf
Des milden Gestirnes vom Osten herauf.
Die Stunde der Wollust, die Freundin vom Lachen,
Die Mutter voll niedlicher, künstlicher Sachen,
Die Stunde, worinnen die reichliche Glut
Die Schätze der flüchtigen Jugend vertut;
Die Stunde, worinnen Umarmung und Schmeicheln,
Behagliches Schäkern, empfindliches Heucheln,
Und stärkender Atem und brünstiger Wind
Und redliches Schnäbeln verschwenderisch sind.
O glücklicher Jüngling! 0 himmlische" Kind!
O seltenes Beispiel der glücklichsten Bräute!
Nun ruht dir dein heißes Verlangen zur Seite,
Es labt dich dein Liebstes, es schenkt dir die Gunst
Der weisen Vorsehung die würdigste Brunst.
Es schüttert, es freut sich dein doppeltes Bette,
Als wenn es des Glückes Empfindlichkeit hätte.
Nun liebe den Lieben, nun drück und behalt
Den willigen Sklaven in süßer Gewalt.
Es reizt ihn der Aufruhr der blühenden Lüste,
Der jauchzenden Hügel, der hüpfenden Brüste,
Es zieht ihn der Haare gewaltiges Gold,
In welche die Sonn’ ihren Hauptschmuck gerollt.
Es brennt ihn der Augen verschwiegenes Geschwätze.
Nun jagt er die Freiheit, nun läuft er ins Netze.
Jetzt schilt er des Tages beschwerliche Länge,
Jetzt wird ihm der Kleider Gefängnis zu enge.
Er dehnt sich, er wartet, er sehnet und schreit:
Ach, komm doch, du Auge der nächtlichen Zeit!
Die Sonne beschleunigt den Abzug und sinkt,
Nachdem sie vorhero dem Bruder gewinkt.
Der Hesperus, dessen versilberte Wangen
Der Innigverliebte mit Regung empfangen,
Betritt den Gesichtskreis der obersten Welt
Und führet die Sterne durchs ewige Feld.
Nun schleichet dein Schätzchen mit wankendem Schritte,
Nun schleicht sie zu Bette, nun mißt sie die Tritte,
0 welche Veränderung droht ihr der Ort!
Auf, künftiger Ehmann, und mache dich fort
Und laß sie nicht etwan im Kranze zurücke!
Sie zittert, sie bebet, verkleinert die Blicke
Vor Warten der Dinge, die jetzo geschehn,
Sie grämt sich zu fühlen und scheut sich zu sehn,
Verhüllet den Wohlstand der züchtigen Röte,
Und bin ich im Lieben kein fremder Poete,
So mein ich, es lock’ ihr der nahe Verlust
Die frühe’ Bereuung aus Augen und Brust.
Verfolge sie kühnlich und laß dich nicht irren,
Betäub ihr die Seufzer mit Küssen und Kirren,
Verschluck ihr den Kummer, verzehr ihr die Pein
Und sauge die Thränen der Jungfernschaft ein.
Empfängt nun der Brautpfühl die reizenden Glieder
Und zieht dich ihr artiges Lager darnieder,
So bist du vergnügter und glücklicher dran,
Als böte dir Mogul sein Kronengold an.
Hier mache das Vorspiel, hier spitze die Hand,
Und bringe das Hauptwerk der Wollust instand,
Erhitze die Adern durch sanftes Bewegen,
Und klatsch ihr die Backen mit freundlichen Schlägen,
Und küß ihr die Augen und netz ihr das Kinn,
Bald grüble von weitem, bald wälze dich hin,
Bald strecke den Vorwitz der listigen Finger,
Bald kneipe die runden und wonnigen Dinger
Und küsse nach vieler Erfindung und Art,
Und forsche, was Amor am tiefsten verwahrt.
Besinn ich mich richtig, so wird sie dich strafen,
So dichtet sie anfangs ein nötiges Schlafen,
So nennt sie dich lose, so zückt sie und rückt,
Soweit sichs im Bette der Breite nach schickt,
Sie droht dir und droht nun, sie will sich erbosen,
Sie stemmt sich, den Angriff zurücke zu stoßen,
Sie wehrt sich mit Thränen, sie krümmet und spricht
Und weinet dazwischen: Ach! thu es doch nicht!
Doch thu es nur immer und halt ihr die Armen,
Denn hierher gehört nicht des Nächsten Erbarmen.
Sie streitet, du streitest, ihr streitet zugleich,
Durch Streiten und Kämpfen mehrt Venus ihr Reich.
Durch Streiten und Kämpfen wächst Cypripors Stärke,
Die Stunden verfließen, drum schreite zum Werke,
Und brauche, sobald du den Vorteil erlernst,
Den lieblichen Notzwang, den scherzenden Enst,
Und prüfe die Schönheit der ganzen Person,
Ein Diener der Liebe besichtigt den Lohn.
Bald senke dich unten, bald breite dich oben,
Verwechsle die Glieder, versuche die Proben:
Sei immer geschäftig und überall da,
Und bring es dem ehrlichen Kinde so nah,
Bis hinten am Rücken und vorne am Leibe
Kein einziges Fleckchen entschuldiget bleibe;
Vom Nacken zum Halse, vom Halse zur Brust:
Hier bläst dir ein Zephir die Fäuste voll Lust,
Noch tiefer, noch weiter, noch mehr zu ergründen,
Ich darf es nicht nennen, du wirst es wohl finden.
Hierunter hat Venus ein Wunder gesenkt
Und Flammen und Funken zusammengemengt.
Umgib es mit tausend ersinnlichen Spielen,
Es läßt sich nicht nennen, es läßt sich nur fühlen.
Vergiß auch nicht Amors beredtes Gefallen,
Die schlüpfrigen Reden, das zärtliche Lallen,
Hier zieren die Fehler der Sprache den Mund,
Hier tut sich die geile Gelehrsamkeit kund.
Verbessre das Stammeln, verbeiß und vermische
Das buhlrische Spritzeln, das geile Gezische:
Verschluck ihr den Kummer, verzehr ihr die Pein
Und sauge die Thränen der Jungfernschaft ein.
Empfängt nun der Brautpfühl die reizenden Glieder
Und zieht dich ihr artiges Lager darnieder,
So bist du vergnügter und glücklicher dran,
Als böte dir Mogul sein Kronengold an.
Hier mache das Vorspiel, hier spitze die Hand,
Und bringe das Hauptwerk der Wollust instand,
Erhitze die Adern durch sanftes Bewegen,
Und klatsch ihr die Backen mit freundlichen Schlägen,
Und küß ihr die Augen und netz ihr das Kinn,
Bald grüble von weitem, bald wälze dich hin,
Bald strecke den Vorwitz der listigen Finger,
Bald kneipe die runden und wonnigen Dinger
Und küsse nach vieler Erfindung und Art,
Und forsche, was Amor am tiefsten verwahrt.
Besinn ich mich richtig, so wird sie dich strafen,
So dichtet sie anfangs ein nötiges Schlafen,
So nennt sie dich lose, so zückt sie und rückt,
Soweit sichs im Bette der Breite nach schickt,
Sie droht dir und droht nun, sie will sich erbosen,
Sie stemmt sich, den Angriff zurücke zu stoßen,
Sie wehrt sich mit Thränen, sie krümmet und spricht
Und weinet dazwischen: Ach! thu es doch nicht!
Doch thu es nur immer und halt ihr die Armen,
Denn hierher gehört nicht des Nächsten Erbarmen.
Sie streitet, du streitest, ihr streitet zugleich,
Durch Streiten und Kämpfen mehrt Venus ihr Reich.
Durch Streiten und Kämpfen wächst Cypripors Stärke,
Die Stunden verfließen, drum schreite zum Werke,
Und brauche, sobald du den Vorteil erlernst,
Den lieblichen Notzwang, den scherzenden Enst,
Und prüfe die Schönheit der ganzen Person,
Ein Diener der Liebe besichtigt den Lohn.
Bald senke dich unten, bald breite dich oben,
Verwechsle die Glieder, versuche die Proben:
Sei immer geschäftig und überall da,
Und bring es dem ehrlichen Kinde so nah,
Bis hinten am Rücken und vorne am Leibe
Kein einziges Fleckchen entschuldiget bleibe;
Vom Nacken zum Halse, vom Halse zur Brust:
Hier bläst dir ein Zephir die Fäuste voll Lust,
Noch tiefer, noch weiter, noch mehr zu ergründen,
Ich darf es nicht nennen, du wirst es wohl finden.
Hierunter hat Venus ein Wunder gesenkt
Und Flammen und Funken zusammengemengt.
Umgib es mit tausend ersinnlichen Spielen,
Es läßt sich nicht nennen, es läßt sich nur fühlen.
Vergiß auch nicht Amors beredtes Gefallen,
Die schlüpfrigen Reden, das zärtliche Lallen,
Hier zieren die Fehler der Sprache den Mund,
Hier tut sich die geile Gelehrsamkeit kund.
Verbessre das Stammeln, verbeiß und vermische
Das buhlrische Spritzeln, das geile Gezische:
So girren die Täuber, so spielet der West,
Wenn Mittag und Sommer die Wälder verläßt.
Sobald nun die Pfeile des mächtigen Knaben
Den kindischen Ekel gebändigt haben,
So gibt sie es näher, so gibt sie sich drein,
Im Purpur der Keuschheit gefällig zu sein.
Drauf flicht sie wohl selber die fleischlichen Schlingen,
Sie weigert sich fälschlich, du sollst sie nur zwingen,
Denn so überwunden, heißt siegreich gemacht;
O dreimal und drüber bestätigte Nacht!
Nun lernt sich die furchtsame Schönheit bequemen,
Entzückung zu geben, Entzückung zu nehmen
O selige Ruhe! O himmlisches Bild,
Das gleiche Vergnügung mit gleicher vergilt.
Jetzt hauchen die Lippen ein kräftiges Leben,
Jetzt suchen die Seelen am Gaumen zu kleben,
Jetzt taumelt der einmal begierige Geist,
Wohin ihn die blinde Gelegenheit reißt.
O Himmel! wie kitzelt das züngelnde Spiel!
O Liebe! wie machst du der Freuden so viel!
Jetzt nimmt sie dem Finger o sollt’ er mich rühren! –
Die künstliche Freiheit herumzuspazieren.
Jetzt dehnt sie den Zeiger, jetzt zieht sie ihn zu
O dreimal und drüber beseligte Ruh!
Ergreift doch, ruft Amor, ergreift doch die Waffen!
Mein Bräutgam soll köstliche Beute verschaffen,
Nun mache dich fertig und tritt ins Gewehr,
Die friedliche Feindin rückt plötzlicher her.
Bemüh dich, die schleudernde Lanze zu senken,
Ihr christlicher Blutdurst begehrt sich zu tränken:
Jetzt springt sie, jetzt schnappt sie, jetzt reißt sie sich los,
Erlaub’ ihr doch endlich den sehnlichen Stoß!
Begleite den Nachdruck mit Hüften und Händen,
Befördre die Arbeit der hurtigen Lenden,
Versüß es dem Mädchen, gewähr ihr den Mann,
Und streich ihr die Nieren, bis keines mehr kann,
Bis Geister und Glieder verschäumen und weichen,
Bis Nerven und Brüste sich legen und keuchen,
Bis Nebel und Schlafen das Auge verstellt,
Und Schlummer und Ohnmacht den Willen befällt . . .