Liebe Experten,
ich bräuchte die Hilfe der Literatur-Spezialisten in folgender Angelegenheit:
In einem Übersetzerforum wurde „Das Sprichtwort“ von Klabund als Ausgangstext für die Übersetzung in die Fremdsprache gewählt. Nun gehen dort die Meinungen darüber sehr weit auseinander, was eigentlich die Kernaussage dieser Kurzgeschichte ist.
Da sie wirklich sehr kurz ist, poste ich sie hier:
Das Sprichwort
Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, dachte die Kröte. Denn sie war den ganzen lieben langen Tag und die ganze lange liebe Nacht allein. Niemand mochte sie, niemand ging mit ihr spazieren, niemand spielte mit ihr im Kaffeehaus Tarock, niemand verstand sie.
Es war ein schauderhaftes Leben.
«Zahlen!» zischte sie an der Bar, wo sie bösartig auf einem hohen Schemel hockte und Glühwein trank, was ihr sowieso nie bekam, zog sich ihre Regenhaut an und begab sich zum Schöpfer aller Dinge.
Sie lüftete höflich ihren braunen Plüschhut und trug ihm ihr Anliegen vor.
«Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei», sagte sie weinerlich und betrübt, «habe ich jemandem etwas Leides getan? Ich sehe nur so aus.»
«Entschuldigen Sie», sagte der liebe Gott, «ich verstehe Sie nicht recht - aber Sie zitierten soeben ein Sprichwort: sind Sie vielleicht ein Mensch?»
Betroffen dachte die Kröte nach, und kleinlaut gab sie schließlich zu: «Nein.»
«Also», sagte der liebe Gott. -
Die Kröte lebte hinfort einsam weiter. Was blieb ihr auch anderes übrig? Sie war der Dialektik des lieben Gottes nicht gewachsen.
Haben wir hier Fachleute zu Klabund (oder gerne auch andere Literaturinteressierte) unter uns, die mehr dazu sagen können?
Schlüsselfragen:
- Was soll der Leser gegenüber der Kröte empfinden?
- Ist die Kröte boshaft?
- Ist die Kröte Sinnbild für einen Menschen?
- Empfindest Du die Kröte als gemein und heuchlerisch?
- Wie interpretierst Du das „Also“ Gottes?
- Wie interpretierst Du das Verhalten Gottes?
- Was ist die Absicht des Autors?
Sorry, falls es etwas lang geworden ist und schon mal vielen Dank allen, die ihre Meinung dazu äußern.
Viele Grüße
Roland