Klagen = eigene Defizite

ihr lieben,

Ich habe folgende Beobachtung gemacht und frage mich, ob ihr das auch kennt oder ob ich das falsch sehe:

Menschen beklagen oft an anderen die „Unsitten“, die sie selber haben.

Besonders fällt mir das bei Menschen auf, die sich über die „Gefühlskälte“ oder mangelnde Hilfsbereitschaft oder den Narzissmus iher Mitmenschen beklagen.

Nach meiner Erfahrung sind das Menschen, die gern von allen hofiert werden. Wenn das nicht geschieht, klagen sie über die Gleichgültigkeit ihrer Mitmenschen.

Insofern bin ich immer skeptisch wenn jemand über die „schlechte Welt“ klagt - denn wie man hereinruft, so schallt es (meist) heraus. Und wenn jemandem NUR schlechte Menschen begegnen, wirds wohl einen Grund haben - oder?

Gruß bixie

Hallo Bixie,

einerseits stimmt es, dass Menschen, die sich an bestimmten eigenen Eigenschaften stören, diese dann auch - teils üppig - an anderen beklagen.

Der Schluss in die andere Richtung klappt aber nicht, und kann zu deutlichen Missverständnissen führen.
Allein daraus, dass sich jemand über etwas beklagt, würde ich niemals schließen, dass derjenige selbst so ist.

Viele Grüße,
Nina

Hallo,

Besonders fällt mir das bei Menschen auf, die sich über die
„Gefühlskälte“ oder mangelnde Hilfsbereitschaft oder den
Narzissmus iher Mitmenschen beklagen.

ja ja, das kenne ich.
Jeder denkt nur an sich, nur ich denke an mich!
Gruß Uwi

Hallo,
Ich denke, dass Leute, die sich beklagen ihre Wahrnehmung in die falsche Richtung lenken. Sie suchen das Negative, die Fehler anderer. Wenn jemand etwas entdeckt, was seiner Meinung nach nicht korrekt ist, sollte er doch mit der betreffenden Person reden, falls es sich lohnt darüber zu reden. Wenn nicht, warum freut er sich denn nicht, dass es verschiedene Meinungen gibt? Warum heben diese Menschen sich selbst auf einen Sockel und stellen sich über die andere (dumme) Person? Weil ihr eigenes Selbstbewusstsein angeknackst ist! Demzufolge ist da Nörgeln ja eigentlich eine Krankheit, oder? Ist es nicht die Bewältigung des schwelenden täglichen Mini-Burnout, wenn man sich über andere stellt? Allerdings treibt man sich damit über Jahre hinweg in eine Abwärtsspirale. Denn: Wer umgibt sich schon gerne mit Miesepetern? Ebensolche. Dadurch wird ihre Wahrnehmung dann noch mehr geschärft.

Alle denken schlecht, alle sind dumm, alle, jeder, immer… Und keiner versteht mich, denn selbst meine beste Freundin hat immer, kann nicht, weiß nicht, merkt nicht, dass man, dass alle, dass sie immer, wie man…

Über kurz oder lang führt das Verhalten bei starker Ausprägung in eine Isolation. Schlimmstenfalls in eine zu behandelde psychische Krankheit. Denn ständige schlechte Laune isoliert. Isolation ist das Gegenteil eines unserer Grundbedürfnisse: Dazugehören!

Hallo!

Menschen beklagen oft an anderen die „Unsitten“, die sie
selber haben.

Ja, das kenne ich. Es geht aber sogar noch weiter: Die Klage darüber, daß sich Menschwen über Unsitten beklagen, die sie selber haben, ist inzwischen so zum Allgemeingut geworden, daß sie von Menschen mit Unsitten als Waffe gegen diejenigen eingesetzt wird, die sich über diese Unsitten beklagen: Der Egoist ist fein heraus, denn diejenigen, die sich über seinen Egoismus beklagen, sind (wie heute jedes Kind weiß), selber Egoisten. :smile:

Und wenn jemandem NUR schlechte Menschen
begegnen, wirds wohl einen Grund haben - oder?

Das halte ich in dieser Puaschalität für ein gefährliches Totschlagargunment. Das ist fast so schlimm wie das „Wenn Du wütend wirst, habe ich recht gehabt“-Argument, mit dem oft Verleumder ihre Behauptungen als wahr zu belegen versuchen - wohl wissend, daß es keine Reaktion dem Verleumdeten noch negativer ausgelegt werden kann.

Gruß,
Max

Auch du klagst :smile:
Hi bixie.

Besonders fällt mir das bei Menschen auf, die sich über die
„Gefühlskälte“ oder mangelnde Hilfsbereitschaft oder den
Narzissmus iher Mitmenschen beklagen.

Andere wiesen schon darauf hin, dass das nicht automatisch bedeutet, dass sie unrecht haben.

Nach meiner Erfahrung sind das Menschen, die gern von allen
hofiert werden. Wenn das nicht geschieht, klagen sie über die
Gleichgültigkeit ihrer Mitmenschen.

Ich denke, dass du da Fälle thematisierst, die nicht gerade massentypisch sind. Wie realistisch du die von dir beklagten Fälle überhaupt einschätzt, kann ich nicht beurteilen.

Nehmen wir an, deine Einschätzung ist realistisch. Dann sieht es doch so aus: diese Leute leiden und brauchen in irgendeiner Weise Zuspruch und Unterstützung oder zumindest Verständnis. Wenn man sie einfach nur verurteilt (wie du es machst), hilft das keinem. Im Gegenteil, es bestärkt im Grunde nur die Einstellung dieser Leute, dass ihre Mitmenschen „kalt“ und gleichgültig sind.

Insofern bin ich immer skeptisch wenn jemand über die
„schlechte Welt“ klagt - denn wie man hereinruft, so schallt
es (meist) heraus.

Jein. Natürlich sind die Schlechte-Welt-Beklagenden auf ihre Projektionen fixiert, aber das muss nicht ihre absolut eigene Schuld sein. Viele haben real schlechte Erfahrungen gemacht (wurden z.B. von Eltern verprügelt) und von daher ein negatives Menschenbild.

Gruß

Horst

da hast du nicht unrecht…
mit deiner Betreffzeile

womit bewiesen wäre, was ich sage: man beklagt stets die Macken, die man selber hat :smile:

Andere wiesen schon darauf hin, dass das nicht automatisch
bedeutet, dass sie unrecht haben.

stimmt, sie habe nicht automatisch unrecht, aber kritisch überdenken sollte man die Möglichkeit schon.

Nehmen wir an, deine Einschätzung ist realistisch. Dann sieht
es doch so aus: diese Leute leiden und brauchen in irgendeiner
Weise Zuspruch und Unterstützung oder zumindest Verständnis.

mag sein. Aber wer gibt sie ihnen? Im Grunde sind doch die meisten Mitmenschen von Miesepetern genervt - ich selber eingeschlossen.

Viele haben real schlechte Erfahrungen gemacht

(wurden z.B. von Eltern verprügelt) und von daher ein
negatives Menschenbild.

Das ist nun gar kein Grund. 95% aller Menschen mindestens haben schon mal schlechte Erfahrungen gemacht. Ebenso viele haben aber auch schon gute Erfahrungen gemacht - möchte ich mal unterstellen. Denn es gibt ja immer beides im Leben. Die Frage ist, worauf man schaut.

Womit der Kreis sich schließt: Wenn jemand „noch nie“ gute Erfahrungen mit seinen Mitmenschen gemacht hätte, sollte er sich doch fragen, woran das liegt…

Grüße von bixie

Hallo Thomas,

Ich denke, dass Leute, die sich beklagen ihre Wahrnehmung in
die falsche Richtung lenken. Sie suchen das Negative, die
Fehler anderer. Wenn jemand etwas entdeckt, was seiner Meinung
nach nicht korrekt ist, sollte er doch mit der betreffenden
Person reden, falls es sich lohnt darüber zu reden.

wenn es um ganz konkrete Personen geht, stimme ich dir zu - immer nur vor sich hin nörgeln aber nie das Problem bzw. die zugehörige Person ansprechen, ist etwas, das ich auch absolut nicht leiden kann. Und schon gar nicht wird so an der Situation etwas verbessert.

Was aber, wenn man diese Personen nicht ansprechen kann, weil eine solche Person gerade gar nicht in greifbarer Nähe ist bzw. man nicht mal weiß, um welche Person es sich handelt (z.B. bezüglich des über den Zaun geworfenen Mülls, der Kaugummis auf dem Sitz…)?

Wenn
nicht, warum freut er sich denn nicht, dass es verschiedene
Meinungen gibt? Warum heben diese Menschen sich selbst auf
einen Sockel und stellen sich über die andere (dumme) Person?

Da stimme ich dir zu.
Außer Meinungen gibt es aber auch andere Dinge, die Menschen beklagen, z.B. Dinge, die einem höflichen Verhalten widersprechen oder die sogar eine Straftat darstellen. Sich hierüber zu beklagen, empfinde ich nicht als „sich auf einen Sockel stellen“.

Weil ihr eigenes Selbstbewusstsein angeknackst ist! Demzufolge
ist da Nörgeln ja eigentlich eine Krankheit, oder?

Krankheit: Dauernörgeln ja, etwas nicht gut finden und sich bei Bedarf mal darüber beklagen, nein (auch „sich Luft machen“ muss mal sein, kann sogar gegen schlechte Laune helfen).

Über kurz oder lang führt das Verhalten bei starker Ausprägung
in eine Isolation. Schlimmstenfalls in eine zu behandelde
psychische Krankheit. Denn ständige schlechte Laune isoliert.

Das vermute ich auch!

Viele Grüße,
Nina

Hallo Denker,

Ja, das kenne ich. Es geht aber sogar noch weiter: Die Klage
darüber, daß sich Menschwen über Unsitten beklagen, die sie
selber haben, ist inzwischen so zum Allgemeingut geworden, daß
sie von Menschen mit Unsitten als Waffe gegen diejenigen
eingesetzt wird, die sich über diese Unsitten beklagen: Der
Egoist ist fein heraus, denn diejenigen, die sich über seinen
Egoismus beklagen, sind (wie heute jedes Kind weiß), selber
Egoisten. :smile:

genau das.
Oder auch allgemein:
A regt sich über etwas auf, B passt das nicht und nutzt nun den Trick, A als mit genau dieser Eigenschaft behaftet darzustellen - „Wer sich über etwas beklagt, hat genau diese Eigenschaft“.

Das halte ich in dieser Puaschalität für ein gefährliches
Totschlagargunment. Das ist fast so schlimm wie das „Wenn Du
wütend wirst, habe ich recht gehabt“-Argument, mit dem oft
Verleumder ihre Behauptungen als wahr zu belegen versuchen -
wohl wissend, daß es keine Reaktion dem Verleumdeten
noch negativer ausgelegt werden kann.

Genau, so sehe ich das auch. Das ist das „getroffene-Hunde-bellen“-(Pseudo-)Argument.

Viele Grüße,
Nina

1 „Gefällt mir“

Verallgemeinerungen und Übertreibungen
Hi bixie.

womit bewiesen wäre, was ich sage: man beklagt stets die
Macken, die man selber hat :smile:

Das ist eine Verallgemeinerung, der ich widersprechen muss. Wenn ich z.B. das Verhalten von Hooligans beklage, heißt das nicht, dass ich selbst ein solches Verhalten praktiziere.

Dann sieht es doch so aus: diese Leute leiden und brauchen in irgendeiner Weise Zuspruch und Unterstützung oder zumindest Verständnis.

mag sein. Aber wer gibt sie ihnen?

Kommt auf das Umfeld der Leute an. Jedenfalls gibt es genug Menschen, die das können - und ggf. auch wollen.

Im Grunde sind doch die meisten Mitmenschen von Miesepetern genervt - ich selber eingeschlossen.

Man muss erst mal bei sich selber anfangen, ehe man etwas bei anderen beklagt. Die Nervung durch andere relativiert sich, wenn du innerlich stabil und zielorientiert bist.

Viele haben real schlechte Erfahrungen gemacht (wurden z.B. von Eltern verprügelt) und von daher ein negatives Menschenbild.

Das ist nun gar kein Grund. 95% aller Menschen mindestens
haben schon mal schlechte Erfahrungen gemacht.

Ich meinte wirklich krasse Misshandlungen, und das kennen gewiss nicht „95 % aller Menschen“. An deiner Antwort spüre ich, dass dir das reale Leiden anderer Leute nicht wirklich nahe geht. Ich kenne z.B. einen Fall, bei dem jemand als Kind regelmäßig von seinem Vater verprügelt wurde - meistens mit einem Gürtel. Heute ist er jemand, der ständig über die schlechte Welt und die bösen Menschen klagt. Zugleich hat er ein gutes Herz und ist für alle Weisheiten offen. Daran sieht man, dass seine negative Einstellung nur ein Produkt der väterlichen Aggressivität ist.

Womit der Kreis sich schließt: Wenn jemand „noch nie“ gute
Erfahrungen mit seinen Mitmenschen gemacht hätte, sollte er
sich doch fragen, woran das liegt…

Keine Ahnung, auf wen oder was du damit anspielst. Vielleicht konstruierst du die von dir angesprochenen Leute komplett aus der Phantasie, oder sie sind real anders, als du sie interpretierst.

Gruß

Horst

2 „Gefällt mir“

„Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche“ … Man stößt sich an anderen zumeist an den eigenen, nicht integrierten Anteilen.