Hallo alle,
sowohl ich als auch andere haben hier schon nach einer Erklärung zu dem Spruch
„Klappe zu -Affe tot“ gefragt. Ich habe jetzt auf der website der „Süddeutschen
Zeitung“ Erschöpfendes gefunden:
_Fragen der Leser
’Nei und Frieden
Richard Bernhard aus Glattbach fragt, woher die Redewendung „Klappe zu, Affe tot“
kommt von
Alex Rühle
Lieber Herr Bernhard,
dass der Mensch seit dem Mittelalter
eine sprachliche Affenliebe zu allen Primaten hegt, verdanken wir einer frühen
Ich–AG. Eines Abends im Mittelalter kam einem geschäftstüchtigen Minnesänger,
Scherenschleifer oder anderem Freiberufler ohne festen Wohnsitz auf einer
blühenden Vogelweide die clevere Idee der Werbepause: Immer nur schleifen, immer
nur minnen, das langweilt die Kundschaft und Prinzessinnen. So wird das nix mit
der Expansion. Für mîn lêhen brauch ich mehr. So ging er hin, kaufte sich einen
Affen, setzte ihn auf seinen Schleifstein und brauchte sich um sein Lehen nicht
mehr zu sorgen: Alles stand begeistert um seinen Affen herum, 150 Prozent
Umsatzsteigerung in einem
Quartal, doppelt soviele Zuschauer zur primetime.
Der Schleifer starb zwar reich, wurde dann aber zügig vergessen. Sein Affe war
klüger. Er siedelte noch vor seinem Ableben in die Sprache über, wo er seither
redewendig herumturnt: Wir haben einen Affen an ihm gefressen, wofür wir ihm
mächtig Zucker geben; im Gegenzug laust er uns oder drückt die Soldaten, die
ihren Rucksack, als der noch Tornister hieß, gerne auch „Affen“ nannten.
Der Affe schlich sich also auf einem mittelalterlichen Jahrmarkt in die deutsche
Sprache ein. Man könnte sagen Klappe zu, Affe tot, was ja bedeutet, dass eine
Sache erledigt ist. Ist sie aber nicht. Die Wendung „Klappe zu, Affe tot“ taucht
nämlich bei keinem der mittelalterlichen Dichter auf. Oswald von Wolkenstein
seufzt zwar in seinem Tagebuch: „Ich hân einen Affen gefressen an minher Königin,
glaube aber, sie findet mich blöd.“ Und Walther von der Vogelweide schreibt in
einem Brief an den Rasenden Roland: „Ich saz ûf eime steine und hab’ mir
ordentlich einen Affen angetrunken.“ Aber nirgends nichts von einem verklappten
Affen.
Die Wendung „Klappe zu, Affe tot“ taucht erst Mitte des 20. Jahrhunderts in
deutschen Wörterbüchern auf. Und sie klingt in ihrer absurden Lakonie auch eher
nach dem Berlin der 20er als nach dem Wolkenstein des 15. Jahrhunderts. Passend
dazu erklärte Günther Jauch einmal in einer dieser Jahresrückblickssendungen, der
Ausdruck stamme aus Berlin. Dort habe es um die Jahrhundertwende einen Zirkus
gegeben, in dessen Eingangsbereich ein kleiner Affenkäfig mit offener Klappe
stand. Als die Klappe eines Tages zu war, sei der Verdacht aufgekommen, dass der
Affe tot sei. Aber auch wenn Jauch alle Millionärsfragen dieser Welt richtig
beantworten kann: Diese Erklärung klingt, als hätte sie sich ein Vierjähriger
ausgedacht.
Es kursiert noch eine andere, ganz ähnliche Anekdote, derzufolge der Schimpanse,
der in den Tarzan-Filmen mit Johnny Weißmüller Cheeta darstellte, an einem
Hitzschlag gestorben sei, den er nur bekam, weil einer seiner Wärter im
Hochsommer eine Lüftungsklappe undsoweiter.
Da das alles doch eher selbstgestrickt klingt, versuchen wir es jetzt mit
handfester Sprachwissenschaft: Im Wörterbuch der deutschen Altagssprache wird
erklärt, dass der Affe in dieser Wendung ursprünglich gar kein Primat ist,
sondern vom mittelhochdeutschen apenbar, also von offenbar kommt. Das Wort
Affenschande ist eine verschliffene Kurzform der mittelalterlichen „apenbaren
Schanne“: einer offenbaren Schande. „Tot“ kommt der Erklärung zufolge vom
niederländischen „toe“, was „zu“ bedeutet. Der Spruch wäre dann eine doppelte
Bestätigung einer vollbrachten Leistung: „Klappe zu, offen zu.“
Richtig überzeugend klingt das auch nicht. Irgendwie hängen all diese Erklärungen
in der Luft. Darum zuletzt ein Anruf im Affenhaus des Tierparks Hellabrunn, bei
den Empirikern. Der Tierpfleger Markus Klostermeier hebt ab und sagt aufgeräumt,
ja das wisse er schon, der Spruch komme daher, „dass der Aff’ sehr impulsiv is’
und aufbrausend. Nur wennsd’n amal in an Kasten neisperrst, is Frieden. Der
stirbt ja net, der Aff’, in dem Sinne, dass er tot is’. Der gibt bloß endlich
amal a Ruh.“_
In der Hoffnung, dass jetzt a Ruah is –
Bolo2L
