Kann man in der Hauptschule grundsätzlich eine Klasse überspringen oder muss ein Kind bei guten Leistungen in die nächsthöhere Schulform ?
Hi,
Kann man in der Hauptschule grundsätzlich eine Klasse
überspringen oder muss ein Kind bei guten Leistungen in die
nächsthöhere Schulform ?
das ist das erste Mal in meinem Leben, dass jemand niht will, dass das Kind die Hauptschule in Richtung nächsthöhere Schulform verläßt … gerade am Wochenende habe ich mich heftig mit jemandem gestritten, der die Hauptschule so schrecklich findet, weil man da ja angeblich keine Zukunft nachher hat, und weil ja die Gesamtschule das Allheilmittel ist …
Oder missverstehe ich nur die Formulierung?
Ansonsten muss man sachen wie Klassen überspringen oder auf die nächsthöhere schulform nicht, man kann. Man muss nur die Klasse wiederholen, wenn man keine ausreichenden Leistungen erbracht hat, aber nicht mal dann muss man auf die nächstniedrige Schulform wechseln. es wird dann nur dringend empfohlen. Das wird in NRW vermutlich nciht anders sein als hier in Bayern, aber ich überlasse da die entscheidung den Lehrern aus NRW.
Die Franzi
Hallo Franzi,
ich weiß dass man meine Frage merkwürdig erscheinen mag, aber wir hatten richtig Glück mit unserer Hauptschule, das sie sehr gut personalisiert ist und daher sehr gut auch auf Teilleistungsschwächen eingehen kann. Meinem Sohn gefällt es da sehr gut, und dass man mit Hauptschulabschluss keine Berufschancen hat, sehe ich auch anders.
Wir haben nur aktuell das Problem, dass unser Kind eigentlich sehr gute, bis gute Leistungen bringt, aber er will auf gar keinen Fall die Schule wechseln.
Daher hatten wir die Idee, dass er vielleicht eine Klasse überspringen könnte, da er auch etwas älter ist als seine Klassenkameraden.
Die Schulleitung hat rigoros abgelehnt, denn ein leistungsstarkes Kind „muß“ auf die Realschule.
Deshalb würde wir gerne wissen ob schon jemand damit Erfahrungen gemacht hat?
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Hi,
aso, jetzt ist einiges logischer.
Um es sicherheitshalber nochmal zu sagen, ich unterrichte in einem anderen Bundesland, es kann also möglich sein, dass das in NRW anders gehandhabt wird. Bildung ist ja Ländersache.
Hier ist es so, dass ich bei einem bestimmten Leistungsstand des Schülers den WEchsel auf eine andere Schulart mehr oder weniger dringend empfehlen kann. Ich glaube, bei Gefährdung der Versetzung oder bei Nichterreichen des Klassenziels (Sitzenbleiben) MUSS diese Empfehlung sogar ausgesprochen werden. Aber es ist und bleibt eine Empfehlung. Selbst in meiner kurzen Zeit am Gymnasium hab ich es oft genug erlebt, dass man die Empfehlung ausspricht (Kind bleibt sitzen und den Eltern wird empfohlen, die klasse an der Realschule und nicht am Gymnasium wiederholen zu lassen) und die Eltern kommen der Empfehlung nicht nach (Mein kind muss aber das Gymnasium machen). Und diese Wechselrichtung ist ja die für das Kind wichtigere, weil ja die Gefahr besteht, dass die Abschlussprüfung nicht bestanden bzw gar nicht erst erreicht wird (Wiederholungsverbot usw.). Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass die Schule mit dem „er muss wechseln“ ein rechtliches „muss“ meint. Eher glaube ich an ein „es gebietet sich“ oder „es ist vernünftig“. Aber da warte ich mal auf die meinung eines Lehrers aus NRW.
Mir ist natürlich absolut klar, dass man mit einem sehr guten bis vernünftigen Hauptschulabschluss durchaus einen Ausbildungsplatz bekommt, und durchaus auch den gewünschten. Probleme gibt es nur in gewissen Problemgebieten in Großstädten, aber auch da - wenn man vernünftig besteht und ein ordentlicher Kerl ist, hat man seine Chancen.
DEnnoch würde ich den Wechsel auf die Realschule ernsthaft erwägen. An der Realschule wird mehr Stoff angeboten, er wird also mehr lernen, mehr wissen und mehr fähigkeiten erwerben. Das kann später nur von vorteil sein, egal, wie der Ausbildungsweg weitergeht. Auch lernen will gelernt sein, und alles was er jetzt lernt, muss er später nicht mehr lernen und kann sich auf anderes konzentrieren. Ich spreche hier von Sachen wie selbständiges Arbeiten (muss nicht bei jedem Hauptschüler fehlen, das weiß ich, es fehlt aber oft), Mathekenntnisse (da fehlt Hauptschülern im Vergleich zu REalschülern sehr viel), Textversstehen und logisches Denken. Ich habe selbst vor meinem Studium eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau gemacht, und glaub mir, man erkennt die unterschiede zwischen REal- und Hauptschülern. Ich erkenne sie auch jetzt bei meinen Schülern an der Fachoberschule. Das hat auch nicht nur etwas mit der Intelligenz zu tun - ein Schüler kann ja nur das lernen, was er angeboten bekommt, verstehst du mich? Und ein Hauptschüler hat in der Berufsausbildung dann einiges nachzuholen. Kaufmännische Berufe haben als Prüfungsfach Rechnungswesen. Realschüler haben das im Unterricht, Hauptschüler nicht. Zwar beginnt die Berufsschule bei Null, aber es geht schon recht zügig vorwärts.
Natürlich sind die sozialen Aspekte ein Argument, das Wohlfühlen. Auch die Lernatmosphäre an der Schule. Zweifellos. Aber er soll ja nciht umziehen, er kann ja seine freunde behalten, und es findet sich sicher eine gute Realschule. Auch wird es für ihn eine Erfahrung sein, endlich auf seinem Niveau gefordert zu sein. Das ist etwas angenehmes. Auch wenn er dann mehr leisten muss, um das gleiche ergebnis zu bringen.
Ich bin ein DDR-Kind. Bei uns sind alle SChüler von Klasse 1 bis 10 auf die gleiche Schule gegangen und haben die Mittlere Reife gemacht, so eine Art GEsamtschule, erst danach hat man in zwei Jahren sein Abitur gemacht. Ich habe mit dem gleichen Lernaufwand bei der Mittleren Reife 3 mal note 2 gehabt (Sport, Kunst, Wirtschaft) der rest (9 Fächer) ne 1 und im Abi nen Schnitt von 1,7, nur 1 und 2. Und bis zur 10. Klasse hab ich mit leuten in einer Klasse gesessen, die selbst in der 10. Klasse nicht fließend lesen konnten. Ich musste nie etwas tun und habe das Arbeiten bis heute nicht gelernt, es ist für mich immer noch eine Qual, weil ich mich nicht lange konzentrieren kann (= nie gelernt).
Nicht, dass ich jetzt zu altklug erscheine: Nach der 3. Klasse hätte ich auf eine Sprachschule gehen können, wo man drei statt zwei Fremdsprachen hätte und die direkt zum Abi geführt hätte. Ich wollte nicht hin, weil ich meine Klasse hätte verlassen müssen. Und die konnten mich nciht einmal leiden! Ich weiß also schon, denke ich, wovon Du redest.
Ich hoffe, ich konnte doch ein bisschen helfen,
Die Franzi
Hi,
aso, jetzt ist einiges logischer.
…
Ich hoffe, ich konnte doch ein bisschen helfen,Die Franzi
Hi Franzi,
vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort.
Sie hat mich wieder ins Grüblen gebracht, da deine Argumente ja schon stichhaltig sind. Leider gibt es hier bei uns keine „gute“ Realschule,
jedenfalls nicht so wie wir uns das vorstellen. Die Schule hier im ort ist sehr klein, und zweizügig, und nimmt nach der 5. Klasse keine neuen Kinder mehr auf.
Die größere hat gleich über tausend Kinder und die Klassenstärke ist bei 32 Kindern. Außerdem müssen die Kinder morgens 25 Minuten Busfahrt in Kauf nehmen. Diese Nachteile überwiegen die Vorteile m.E. zumindest jetzt noch in der Erprobungsstufe.
Eine Gesamtschule gibt es bei uns nicht, die unsere Probleme erst gar nicht entstehen ließen.
Deshalb ist für uns im Moment noch die Hauptschule mit den kleinen Klassen (15 Kinder) die bessere Wahl.
Sind denn die 1B Abschlüsse der Hauptschule nicht gleichwertig mit der mittleren Reife?
–
Überflüssiges Vollzitat entfernt!
CM
Hi Moki,
vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort.
Sie hat mich wieder ins Grüblen gebracht, da deine Argumente
ja schon stichhaltig sind. Leider gibt es hier bei uns keine
„gute“ Realschule,
jedenfalls nicht so wie wir uns das vorstellen.
eine Schule nach Deinen Wünschen wirst Du so gut wie nie und nirgends finden
Mach das Beste aus dem, was Du hast
Die Schule
hier im ort ist sehr klein, und zweizügig, und nimmt nach der
5. Klasse keine neuen Kinder mehr auf.
Die größere hat gleich über tausend Kinder und die
Klassenstärke ist bei 32 Kindern.
Na und? „Wir“ waren nie weniger als 36 - auf dem Gymnasium …
Außerdem müssen die Kinder
morgens 25 Minuten Busfahrt in Kauf nehmen.
Na und?
Pendeln ist Lebensalltag. Was Dein Kind jetzt lernt, macht ihm später im Beruf keine Beschwerden mehr
Diese Nachteile
überwiegen die Vorteile m.E. zumindest jetzt noch in der
Erprobungsstufe.
Eine Gesamtschule gibt es bei uns nicht, die unsere Probleme
erst gar nicht entstehen ließen.
glaube mir: die Gesamtschule ist nicht die Lösung aller Probleme. Wäre sie es, gäbe es nach 30 Jahren Gesamtschule (in Bayern) kein Gymnasium und keine Realschule mehr
Deshalb ist für uns im Moment noch die Hauptschule mit den
kleinen Klassen (15 Kinder) die bessere Wahl.
Sind denn die 1B Abschlüsse der Hauptschule nicht gleichwertig
mit der mittleren Reife?
die gelernten Inhalte, die zum Abschluss geführt haben, sind nicht gleich.
DAS ist der Unterschied.
viele grüße
Geli
Hallo Geli,
deine „na und“ Antworten kenne ich mittlerweile zur Genüge (nicht böse gemeint).
Ich weiß, dass man sich als interessierte Mutter sehr weit aus dem Fenster lehnt, wenn man gegen die Masse argumentieren muss.
Ich finde unsere Kinder hätten ein besseres Schulsystem durchaus verdient! Und da meine ich auch schon so selbstverständliche Dinge wie Achtung und Respekt vor den Kindern. Leider ist dies kein gelebter Alttag, und deshalb ziehe ich es vor, auch wenn es schwierig ist,das kleinste Übel, sprich die bestmögliche Schule, zu suchen.
Hast du eine Ahnung wie es morgens in den überfüllten Bussen zur Sache geht?Ich kann dir ein Lied davon singen. Meine Tochter ist jahrelang Bus gefahren und hat mir immer davon berichtet. Zum Glück konnte sie sich ganz gut zur Wehr setzen, was mein Sohn leider nicht kann.
Ich nehme die Probleme der Kinder sehr ernst und werde deshalb alleine schon nicht sagen können: Na und, da muss man durch!!
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Hallo,
ich bin zehn Jahre lang mit dem Bus zur Schule gefahren… Das waren 45 Minuten für eine Tour in einem völlig überfüllten Bus. Es gab eben keine andere Wahl. Weiterführende Schulen bedeuteten weit über eine Stunde mit Bus und Bahn und das hat sich bis heute nicht geändert. So ist das Landleben. Das aber nur b.t.w.
Ich möchte nur sagen, dass Hauptschülern bestimmte Berufe schon aus Prinzip nur seltenst erlernen können. Fast die gesamte kaufmännische Schiene ist mittlerweile schon kaum noch möglich. Z.B. ist es schon ganz schön schwierig geworden, mit einem Realschulabschluss Industriekaufmann zu erlernen. Genauso ist das mit Berufen im IT-Bereich. Nicht die Lehre an sich ist zu schwierige, es fehlt schlichtweg die „Eintritsskarte“ für solche Berufe. Und das sind nur Berufszweige, die ich kenne.
Es ist natürlich schwer abzuschätzen, ob Dein Sohnemann in anderen Klassenstärken oder im überfüllten Schulbus „untergeht“… oder aber, ob er sogar mit dieser Aufgabe wächst, neue Perspektiven kennen lernt usw.
Ist es vielleicht möglich, mal eine Art Probewoche oder -monat in einer anderen Schule zu probieren?
VG
Monroe
[MOD] zu, da schwer oT! owT.
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Warum wurde der Artikel geschlossen?
MfG Moki
Hallo!
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Warum wurde der Artikel geschlossen?
MfG Moki
Weil das Ganze schwer off Topic ist und Ihr Euch wunderbar auch per E-Mail austauschen könnt!
Gruß
CM