Klassentreffen

Hallo,

vorab entschuldige ich mich für ein zumindest-beinahe Dreifachposting
(in Literatur, Kino und Fernsehen, und Psychologie), dessen Verwendung ich aber im Zweifel rechtfertigen könnte! :smile:

Ich habe gerade den Fernsehfilm „Klassentreffen“ gesehen, und das weckte in mir alte Frage (der ich allerdings lange nicht nicht nachgegeben habe) nach der wirklichen Befindlichkeit der Teilnehmer an solchen Veranstaltungen.

Ich suche Berichte (auch spontane) von Menschen, die an Klassentreffen teilgenommen haben. Unter Umständen würden mir auch ganz spontane Äußerungen zum Thema sehr weiterhelfen. Und es muss auch nicht jeder selbst hier zum Thema posten, aber es wäre nett, wenn er seine (oder sie ihre) Einschätzungen zum Thema mir mitteilen könnte. Ich bin an Einschätzungen von allen Seiten interessiert. Wer das nicht posten möchte: Emails behandele ich sehr diskret.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo -

wir hatten unser erstes Klassentreffen nach dem Abi nach 25 Jahren. Reine Mädchenschule damals, noch Klassenverband. Ich bin da ziemlich mißmutig hingegangen, weil ich bis auf fünf oder sechs Kontakte, die ich auch heute noch habe, mit dem Rest der Klasse nie viel anfangen konnte. Eine richtige „Klassengemeinschaft“ hatten wir damals eigentlich nicht. Und nach so langer Zeit fragt man sich natürlich auch, ob man sich überhaupt wiedererkennt, sich was zu sagen hat, ob Konkurrenzdenken eine Rolle spielen wird. Kurz und gut, ich bin mit SEHR mulmigem Bauchgefühl hingefahren und war vollkommen überrascht. Die Atmosphäre war überaus herzlich, jede war interessiert an allem, was es zu erzählen gab, die meisten hatten sich auch optisch zu ihrem Vorteil entwickelt - einen solche Ansammlung attraktiver Mittvierzigerinnen habe ich selten gesehen. Es wurde viel gelacht an dem Abend, ein paar Lehrer waren auch da, man bekam nachträglich ein paar Einschätzungen zu hören, die richtig gut taten, und wir saßen bis in die frühen Morgenstunden zusammen und hatten immer noch was zu fragen und zu erzählen. Mit einigen habe ich an dem Abend mehr geredet als in den 9 Jahren, die wir in dieselbe Klasse gingen.

Es war ein großartiger ABend.

Gruß
Aia

Hallo,
unsere zehnte Klasse (danach bestand kein Klassenverband mehr) trifft sich im 2-3 Jahres Abstand. Das erste Treffen war bereits 5 Jahre nach dem Abi. Ich habe die Treffen immer als sehr angenehm empfunden, zudem ich zu einigen noch permanten Kontakt habe und die teilweise schon aus dem Kindergarten kenne. Keiner hat sich in seiner Persöhnlichkeit gravierend verändert und gewisse Vorurteile wurden bestätigt (der „Klassenstreber“ ist z.B. bei Arthur Anderson gelandet *g*). Interessant war allerdings, daß einige von mir zu Schulzeiten als „graue Mäuschen“ eingestufte Weibchen zu sehr hübschen Frauen „mutiert“ sind. Irgendwie stellen diese Treffen und diese Menschen neben der Familie einen Ruhepol resp. eine Invariante in meinen Leben dar - etwas das trotz eigener Veränderungen diegleiche Qualität beibehält.

Gruss
Enno

Danke, davon wünsche ich mir mehr!
Hallo Aia,

vielen Dank für deinen Bericht. An genau solche Berichte habe ich gedacht.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Leider keine Klassentreffen
Lieber Thomas,
bedingt durch sehr häufige Schulwechsel habe ich leider nie eine dauerhafte Anbindung an einen sog. Klassenverband entwickeln können, daher wurde ich bisher auch noch nie zu einem Klassentreffen eingeladen.
Ich persönlich bedauere dies, da mir dadurch ein Stück Bezug zu einem doch nicht unwichtigen Stück Vergangenheit genommen ist und ich nie die Chance haben werde, durch Wiederbegegnung und Erinnern ein Stück Vergangenheit wieder lebendig werden zu lassen.
LG,
Anja

Hallo Thomas,
Das erste Klassentreffen fanden im Grunde gar nicht statt, weil von 19 Abschlussschülerinnen gerade einmal 4 kamen. Die anderen entschuldigten sich nicht einmal, ließen nichts von sich hören.
Deshalb dauerte es viele, viele Jahre bis wieder jemand etwas organisierte - genau gesagt 20 Jahre.

Es waren auch einige alte Lehrkräfte dabei. Es kamen übrigens nicht alle 19 aber beinahe alle.

Kaum saßen wir um den Tisch herum im Kreise unserer ehemaligen Lehrer benahmen wir uns wie vor 20 Jahren. Lauter erwachsene Frauen, die plötzlich total das Schüler-Lehrer-Spiel spielten. Und zwar genau so wie es damals in der Klasse war. Die Frechen waren frech, die Ruhigen ruhig, die Gehemmten gehemmt.

Natürlich wurde jeder nach seinem Werdegang gefragt, Beruf, Familie etc. und ich hatte das Gefühl, dass jeder sich so eine kleine Rede eingeübt hatte, um möglichst „gut auszusteigen“.
Man spürte so ein Konkurrenzgehabe beinahe körperlich.

Außerdem hatte ich den Eindruck, dass viele einfach nichts erzählen wollten, private Dinge nicht Preis geben wollten - es gab einige peinliche Momente.

Es war eine gut inszenierte Show und ein totaler Spiegel unserer ehemaligen Klassengemeinschaft.
Es gab damals Grüppchen und genau diese Grüppchen fanden dann im Laufe des Abends zusammen und in 3er oder 4er Gesprächen kam dann schon etwas Atmosphäre rein, aber alles in allem war es eine „Pflichtveranstaltung“, die wir bis jetzt nicht wiederholt haben.
(heuer hätten wir 30jähriges Jubiläum).

Grüße
Irene

Hallo Thomas,

mit den Leuten aus der SChule hab ich mich nie mehr getroffen, nur einige wenige ‚private‘ Kontakte sind übriggeblieben.

Allerdings treffen ich mich jedes Jahr mit ex Studienkollegen, die ursprünglich aus dem Dunstkreis des Fachschaftrates stammten. Inzwischen kommen aber auch ‚normale‘ Exer.
Dazu mieten wir eine Haus (bisher immer das gleiche) und verbringen ein langes Wochenende.
Es kommen nicht alle jedes Jahr, aber ein harter Kern ist immer dabei. Insgesamt sind das zwischen 15 und 30 Leutchen.
Es geht völlig ohne ‚offizielles‘ Programm, man sitzt zusammen, klönt, spielt, trinkt, läßt den Herrgott einen guten Mann sein.

Inzwischen toben dort ettliche Kinder mit rum und das ganze wandelt sich mehr und mehr zu einem Familientreffen.

Das Treffen ist, nicht nur für mich, inzwischen zu einem festen Termin geworden, den ich nur ungern aufgeben wollte.
Es werden Informationen ausgetauscht, die auch beruflich relevant sind, aber das ist mehr oder weniger ein schönes Abfallprodukt. Man kennt sich und wenn man sich helfen kann, tut man es eben. Aber völlig ungezwungen.

Gandalf

Hallo Thomas

bei mir gibts so mehr oder weniger 2 Arten von Klassentreffen, einmal mit den
Leuten vom Gymnasium, wo unsere Klasse bis auf 2 ausnahmen eigentlich auch mein
Freundeskreis war, und die Klasse von der FOS mit denen ich nie warm geworden
bin.
Bei den ersteren gibts mehr oder weniger inoffizielle Klassentreffen, weil
Weihnachten und Pfingsten eh fast alle iins KAff nach HAuse kommen, und wir uns
da immer in einem Club treffen,( es gibt nur einen). NAtürlich versteh ich mich
nicht mehr mit allen so gut wie früher, klar, nach 2 JAhren leben im Ausland sind
die Oberflächlichen Freundschaften nicht mehr da.

Bei den anderen gabs bis jetzt zum Glück kein Wiedersehen, also ich wurde auf
jeden Fall noch nicht auf eins eingelanden, sollte es eins geben, würde ich wohl
einiges an Vorbereitungen treffen, also Stylisten beauftagen, das er mir ein
Chanel-Kostüm besorgt, oder ähnliches, hoffen das ich bis dahin genügend
abgenommen habe und warscheinlich meine besten Freund fragen, ob er sich als mein
Freund ausgegen würde.
Warum ? In der Schulzeit mit denen haben sie mich immer wie den letzen Dreck
behandelt, und jetzt würde ich ihnen gerne zeigen, das was aus mir geworden ist,
damit diese aroganten Tussen mal denken müssen.

Julia

Hallo Thomas,

Ich habe gerade den Fernsehfilm „Klassentreffen“ gesehen, und
das weckte in mir alte Frage (der ich allerdings lange nicht
nicht nachgegeben habe) nach der wirklichen Befindlichkeit der
Teilnehmer an solchen Veranstaltungen.

Nun ja, ich hatte vor etwas über 1 Jahr das 10 jährige Abitur.

Meine Befindlichkeit vorher: Freude über das Treffen mit an sich verloren geglaubten. Neugier, was bei den mich interessierenden in der Zwischenzeit passiert ist und wie sie aussehen. Neugier, wer alles (und mit wem) in die Fortpflanzung eingetreten ist.

Meine Befindlichkeit während: Zumeist Kontakt mit Leuten, mit denen ich eh’ Kontakt habe. Einige Schwanzvergleiche, die eigentlich ungemein langweilig waren. Ein paar negative Überraschungen von Leuten, die sich in meinen Augen sehr zu ihrem Nachteil entwickelt haben und viele positive Überraschungen von wirklich positiven Entwicklungen.
Ein wenig Enttäuschung bei der Feststellung, dass ich kaum mehr Berührungspunkte mit eigentlich ganz guten, ehemaligen Freunden hatte…
Ein wenig Verwunderung, wie viele ihre „Ideale“ mittlerweile aufgegeben haben (gerade in der ehemaligen Ökotanten-Fraktion waren interessant viele Ausreisser in die Richtung stilvolle Karrieristinnen, was aber eher eine positive Entwicklung für mich ist:wink:)

Meine Befindlichkeit danach: Nun ja, einmal alle paar Jahre auszuhalten, muß aber sicher nicht jährlich stattfinden. Dazu waren, sind und bleiben mir die meisten doch zu fremd…

Grüße
Jürgen

Lieber Thomas Miller,
von allen Klassentreffen sind mir zwei in den letzten 10 Jahren besonders in Erinnerung: Das (schwer arrangierbare) Treffen mit der Grundschulklasse nach 40 Jahren und das 30-Jahre-Abiturtreffen. Schon zahlenmässig verliefen beide sehr unterschiedlich. Aus der Grundschulzeit kamen 7 Menschen zusammen, darunter leider nur 2 Frauen, weil es -durch Heirat Veränderung des Nachnamens- eben schwer war, die Leute aufzufinden. Einer davo ist nach wie vor ein guter Freund von mir (seit Ostern 1956), obwohl er in Westdeutschland lebt seit Jahrzehnten.
Das 30jährige Abi-Treffen war amüsanter, weil sehr lebendig und gut besucht. Fast alle ca. 20 Leute kamen, sogar der inzwischen noch mehr verfettete und damals das Abi nicht geschafft habende Mann stieß trotz Terminschwierigkeiten schließlich dazu und wurde mit ernsthaft frenetischem Applaus begrüßt.
Interessantester Aspekt vielleicht, dass die Persönlichkeiten sich nicht so sehr verändert hatten. Manche haben sicherlich eher Karriere gemacht als andere (bei manchen war man darüber mehr erstaunt als bei anderen), aber die Typen waren großenteils erhalten gebliueben und man verstand sich überwiegend gut und lachte viel.
Soweit dazu -es grüßt Dich:
Branden

Klassentreffen: Einschätzung / Meinung
Servus Thomas !

Im Sinne von ‚Ladies first‘ zunächst ein Stichwortbericht meiner damaligen Frau zum 10-jährigen Abi-Treffen mit ihrem Abschlußjahrgang. Nach Klärung der Standardpunkte (Wohnort, Familienstand, Beruf, finanzielle Verhältnisse) zunächst wenig Überraschendes. Wie jemand anderer unten schon geschrieben hat, die Lauten waren laut und die Ruhigen ruhig. Mit der Zeit sitzt man mit den 2-3 Leuten zusammen, bei denen das persönliche Interesse schon damals über die schulischen Alltäglichkeiten ("… Laß’ mich 'mal eben die Latein-Hausaufgabe abschreiben … brauchste die Kurvendiskussion? …") hinaus ging. Fazit: eher „a fade G’schicht“ und mit den oben erwähnten 2-3 hätte man sich auch so 'mal auf ein Bier treffen können.

Ich selber hatte nie ein Klassentreffen, weder mit den Leuten aus meiner Kölner Zeit (bis 10. Klasse), noch aus der Düsseldorfer (10-13). Es war mir auch nie ein Bedürfnis. Wir waren nie die idealisierte „verschworene Gemeinschaft“, sondern eben eine zusammengwürfelte Truppe, bei der es hin und wieder parallele Vorlieben, Hobbies etc. gab. Was also könnte das Interesse an einer solchen Veranstaltung wecken? Vielleicht will man ja wissen, was aus den anderen geworden ist. Aber wenn ich das weiß, was fange ich dann mit dieser Information an? Emotionale Befindlichkeit? Bestätigung (der Karrierist hat Karriere gemacht)? Überraschung (aus dem Haupt-Chaoten ist doch noch ‚was anständiges‘ geworden)? Neid (das Klassen-A****loch hat eine Millionärin geheiratet)? Schadenfreude (der Ober-Labersack hat’s nur zu einem Teilzeitjob als Aushilfsmüllmann gebracht)? Ich nehme - wenn ich es zufällig erfahre - solche Dinge mit der gleichen Ergriffenheit zu Kenntnis, wie wenn in Bremen 'ne Bratwurst platzt, da mir aufgrund der zufälligen Zusammensetzung der damaligen Gruppe(n) und der damit verbundenen sehr geringen emotionalen Bindung die meisten eigentlich egal sind. Und (s.o.) die 2-3, die mich interessieren, kann ich auch ohne institutionalisierte Aufarbeitung der Schulvergangenheit treffen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Klassentreffen, hm, nö, brauch ich nicht.

Grüße aus Wien
Helmut

Ganz toll! Herzlichen Dank an alle! owT.

'n Biss-chen hintendran…
Hai, Thomas,

ohne die anderen Postings gelesen zu haben…

Der für mich verblüffenste Effekt wahr, daß ich mich plötzlich mit den Leuten unterhalten konnte, die ich früher für unmöglich gehalten habe und mit denen ich, außer in der gleichen Klasse zu sein, keinerlei Kontakt hatte. Dazu muß man sagen, daß sich unsere Klasse (Mittelstufe) aus 24 Leuten zusammensetzte, die exakt je 50% Jungs und Mädchen und ebenso exakt 50% In- und Nicht-In-Menschen waren.
Ich, w und ehemals Nicht-In, konnte plötzlich mit den anderen Mädchen, mit denen ich während der Schulzeit überwiegend Umgang hatte, nichts, aber auch gar nichts, anfangen - sowas von spießige Langweiler :wink: - dafür saß ich plötzlich mit den Clique der ehemaligen In-Jungs zusammen und wir stellten übereinstimmend fest, daß wir schon damals mehr Gemeinsamkeiten hatten, als wir bemerkt hatten.

Reizend fand ich auch, daß einige Leute offenbar versuchten, die Position, die sie in der Klasse damals innehatten, auch auf dem Treffen wieder einzunehmen (z.B. die Super-Schickse, die die inoffizielle Klassenchefin war).

Insgesamt hat sich die Konzentration auf Außerlichkeiten, die während der Schulzeit noch so vordergründig war, bei den meisten unserer Klasse in Wohlgefallen aufgelöst.

Gruß
Sibylle

Hi,

unser Abi-Jahrgang trifft sich jedes Jahr am 23.12., ich war bisher fast jedes mal dabei.

Befindlichkeit:

Die meisten Leute kotzen mich an, „Und, was machst Du so beruflich?“-Fragen finde ich unerträglich. Besonders die Frauen zeigen sich da doch sehr auf „Ansehen“ getrimmt… Beim letzten Mal hab ich festgestellt, daß sich viele nicht sonderlich verändert haben, sowohl äußerlich als auch von der Art her. Manche allerdings haben richtig was aus sich gemacht, die von Enno erwähnten „Mauerblümchen“ z.B., oder der Klassendepp, der mittlerweile mit Klavierkabarett einen guten Lebensunterhalt verdient und echt locker geworden ist.

Ich selbst halte mich an die ein, zwei Leute, die sich - in meinen Augen - zwar weiterentwickelt haben, aber vom Verhältnis untereinander nicht einen auf „Ich bin jetzt ein anderer Mensch“ machen. Mit denen fühle ich mich auf dieser Veranstaltung recht wohl, unverkrampft. Gemeinsames Betrinken, danach ein wenig wehmütig durch die alten Clubs ziehen und gut is.

Stetigen Kontakt pflege ich zu keinem aus meinem Abi-Jahrgang.

Gruß,

Malte.

Bolkerstraße?

Bolkerstraße?

Kenn ich nicht. Falls Du Dich auf die Ortsangabe „Essen“ beziehst: Trugschluß, ich bin in Lübeck an der Ostsee aufgewachsen, und das Klasentreffen ist entsprechend auch dort.

Gruß,

Malte.

Kenn ich nicht. Falls Du Dich auf die Ortsangabe „Essen“
beziehst: Trugschluß, ich bin in Lübeck an der Ostsee
aufgewachsen, und das Klasentreffen ist entsprechend auch
dort.

Ihr seid nicht die einzigen die sich am 23.12 jährlich treffen. Finde ich im übrigen eine gute Sitte. Ich habe meinen Jahrgang erst zum 20jährigen wiedergesehen und bin bald wieder heim gefahren, bevor ich vor langeweile einschlafe.

AndyM