Klassische Konditionierung

Guten Tag

Wenn ich das Futter vorbereite, beginnen die Pferde zu wiehern und zu brummeln, sobald sie das Scheppern des Eimers hören (obwohl das Futter noch nicht in Sicht ist). Ist dies auf die klassische Konditionierung zurückzuführen?

Viele Grüsse
Michaela

Hallo Michaela,

eindeutig JA.

Und es kann solche Ausmaße annehmen, daß ein Höllenlärm im Pensionsstall entsteht, Wiehern, Boxenwände einschlagen, Krippenwetzen usw., daß man sein eigenes Wort mehr versteht. Und ganz fix ist aus der Konditionierung eine elendige Unart geworden, die man kaum noch raus kriegt.

Es hat auch was mit der Haltungsform zu tun. Ein Pferd, daß 23 Stunden in einer Box steht, oft dabei noch zu wenig Rauh- und zu viel Kraftfutter bekommt neigt natürlich durch Langeweile, Unausgeglichenheit und Magenknurren sehr viel mehr zu dieser Art nicht beabsichtigter Konditionierung, als ein Pferd, daß mit Kumpels bei unbegrenzt Heu im Offenstall steht.

Und es ist auch eine Erziehungssache. Auch einem Pferd kann man „Benimm beim Essen“ beibringen, sofern man selbst versorgt und somit Einfluß hat. Wiehern hört man noch gern, aber er sich bei mir vor lauter Ungeduld schlechte Manieren erlaubt, bekommt einen Rüffel.

Gruß Steffi

Danke schön!
Hallo Steffi

Vielen Dank für deine Antwort!

Und es ist auch eine Erziehungssache. Auch einem Pferd kann
man „Benimm beim Essen“ beibringen, sofern man selbst versorgt
und somit Einfluß hat. Wiehern hört man noch gern, aber er
sich bei mir vor lauter Ungeduld schlechte Manieren erlaubt,
bekommt einen Rüffel.

Ja, da hast du Recht! Schlechte Manieren werden bei mir auch mit einem Rüffel quittiert. Wiehern und Brummeln stören jedoch nicht.

Liebe Grüsse
Michaela

Hallo Michaela,

eindeutig JA.

eindeutig NEIN

Klassische Konditionierung verknüpft einen Reflex auf einen Reiz mit einem zweiten Reiz (Pawlow: Futter -> Speicheln, Glocke -> nichts; Futter mit Glocke -> Speicheln, später dann Glocke -> Speicheln)
Speichelentwicklung, wenn man Nahrung erwartet, ist ein Reflex! Da kann selbst der besterzogendste Gentleman nichts machen, wenn’s gut riecht, läuft der Sabber!!!
Das Herumpoltern der Pferde hingegen ist ein willkürliches Verhalten, ob Du’s als Vorfreude bezeichnen willst oder als umgeleitete Erregung, also sozusagen eine Ersatz- oder Übersprungshandlung, kannst Du halten wie Du willst! Tatsache ist aber, daß alle Tiere in der Erwartung von Nahrung anfangen zu speicheln (Reflex), aber die Pferde unterschiedliche Handlungen in Erwartung des Futters zeigen, die Du dann wahrscheinlich auch problemlos unterbrechen kannst (ansprechen, aus der Box holen, in die Box gehen) - also kein Reflex!
Ich denke, es ist die Gier bzw. die Langeweile, die die Pferde so reagieren läßt und die dazu führt, daß sie rumpoltern, weil sie mal gelernt haben - wenn ich poltere (oder wiehere oder brumme) kommt jemand!
Und wie bei dem Hund und dem Briefträger, der ja auch immer geht, wenn der Hund nur lange genug kläfft, glaubt jedes Pferd, es muß nur zur Futterzeit brummen (poltern, wiehern) um sein Futter zu bekommen! Bisher hat es immer geklappt, denn natürlich hörst Du nicht mit dem Füttern auf, nur weil eines der Tiere lärmt. Also bestärkt sich das Pferd jeden Tag in seinem Verhalten selbst! Es hört die Futterkarre, es brummt, es gibt was zu essen - Yau!!!
Langer Rede kurzer Sinn: was Du beschreibst, ist erlerntes Verhalten auf einer steuerbaren, willkürlichen Ebene, im Gegensatz zu klassischer Konditionierung, die auf der unwillkürlichen Ebene abläuft
Damit genug klug geschissen für heute!
Schönes Wochenende wünscht
Archie!

Hey Archie!

Danke für deine Antwort.

Was wäre denn ein anderes Beispiel für klassische Konditionierung beim Pferd?

MfG
Michaela

Hi Michaela!

Okay… wir suchen einen bedingten Reflex beim Pferd, einen Reiz, bei dem immer die gleiche Reaktion abläuft… denk…

Gut - korrigier mich, aber ich glaube, daß ein Pferd immer mit dem Ohr schnippt, wenn eine Fliege auf der Spitze sitzt. Wenn Du jetzt ein Pferd immer wieder an der Ohrspitze kitzelst, so daß es schnippt, und unmittelbar vorher einen anderen Reiz setzt, z.B. ein Licht aufleuchten läßt, einen bestimmten Ton pfeifst oder einen Eimer fallen läßt (blödes Beispiel, dann würde es nicht mehr am Ohr kitzelig sein), würde es nach einer Weile auch dann mit dem Ohr schnippen, wenn Du nur pfeifst oder das Licht leuchtet. Das gleiche gilt für Blinzeln mit dem Auge bei Berührung der Wimpern u.Ä., was man nicht steuern kann, wo aber mehrere Wahrnehmungen über das Gehirn mit einander verknüpft werden.
Nicht funktionieren tut das mit unbedingten Reflexen wie dem Kniesehnen-(Patellar-)Reflex, weil das Abläufe sind, in denen das Gehirn überhaupt nicht involviert ist.
Ich hoffe, das hat Dir geholfen!
Liebe Grüße

Archie

Hallo Archie,

wissenschaftlich hast du mit deiner Korrektur recht. Pawlow bezieht sich auf unwillkürliche Reaktion.

Mir schien, daß das Wort klassisch in der Frage nicht streng wissenschaftlich gemeint war. Sondern gemeint war, ob dieses Verhalten das ist, was man unter Konditionierung versteht. Und das sehe ich durchaus so, denn es funktioniert ähnlich dem Clickertraining.
Geräusch oder Handlung (z.B. Hafereimer klappern) löst Reaktion aus. In diesem Fall nur eben nicht absichtlich.

Eine Übersprungshandlung ist es meiner Ansicht nach nicht, denn es ist ja nicht Ersatz für eine gewollte Handlung. Eine Übersprungshandlung liegt z.B. bei meinem Hengst vor. Um dem Rüffel wegen besagtem ungebührlichen Benehmens beim Füttern zu entgehen, steht er brav still und ‚übt‘ statt Steigen Zungenschleppen.

Gruß Steffi

Hallo Steffi!

Dann haben wir jetzt beide Recht - denn eine Konditionierung im weitesten Sinne findet bei jedem Lernprozess statt. Da ich mich mit Pferden nicht hinreichend auskenne, hab ich ja auch in der Antwort die Wahl gelassen zwischen Übersprungs- und Ersatzhandlung, wobei da die Grenzen durchaus fließend sein können!
Viel Spaß am Wochenende (mag das Wetter auch noch so scheußlich sein)!

Archie

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VIELEN DANK!!!
Hey Steffi und Archie!

Euch beiden ein gaaanz grosses Dankeschön!

Liebe Grüsse
Michaela