Klassische vs. fondsgebundene RV vs. Fondssparen?

Hallo liebe Leute,

ich kriege gleich einen Koller … vielleicht kann mich kurz vorher jemand erlösen? Ich stehe vor dem komplizierten Problem, mich für den ersten Abschnitt meiner privaten Altersvorsorge zu entscheiden. Bin 36 Jahre alt, seit ein paar Monaten selbstständig und würde gern zunächst mal ca. 250 Euro im Monat (oder auch 3000 im Jahr) für später zur Seite legen. Doch was tun???

Zur Wahl stehen:
* Eine klassische Rentenversicherung
* Eine fondsgebundene Rentenversicherung
* Ein Fondssparplan

Die Entscheidung drängt, weil ich im Falle der Entscheidung für eine klassische RV diese bis zum Wochenende abschliessen müsste, um noch die 3,25% Garantierverzinsung zu erhalten (wird zum 1.1. auf 2,75% gesenkt).

Fondsgebunden ist ja etwas riskanter, scheint mir aber eigentlich eine gute Anlageform - nur kann ich leider überhaupt nicht erkennen, was da so alles an Kosten an den Versicherer abgeht, sprich: wo neben dem Kursrisiko der Unterschied zur klassischen RV liegt. Auf welcher Grundlage kann und soll ich das denn entscheiden?

Oder doch am besten einfach ein Fondssparplan? Aber dann muss ich Steuern bezahlen, bzw. kann die Einzahlungen nicht absetzen (oder?). Oder jetzt eine der beiden RV-Varianten (nur welche?) und dann demnächst zusätzlich mit Fondssparen anfangen (ich muss eh insgesamt mehr als 250 Euro / Monat zurücklegen …).

Mir raucht der Kopf!! Das halbe Internet habe ich schon studiert … aber noch habe ich nicht das Gefühl, wirklich schlauer als vorher zu sein. (Na ja, ein bisschen schon … aber :wink: )

Wer weiss Rat?!
1000 Dank und beste Grüße, Kathinka

Hallo Kathinka,

im Forum müßte schon einiges an Informationen zu diesem Thema zu finden sein, aber ich gebe gerne wieder mal meine Meinung dazu ab.

ich kriege gleich einen Koller … vielleicht kann mich kurz
vorher jemand erlösen? Ich stehe vor dem komplizierten
Problem, mich für den ersten Abschnitt meiner privaten
Altersvorsorge zu entscheiden. Bin 36 Jahre alt, seit ein paar
Monaten selbstständig und würde gern zunächst mal ca. 250 Euro
im Monat (oder auch 3000 im Jahr) für später zur Seite legen.
Doch was tun???

Ich weiß zwar jetzt schon einiges, aber das wichtigste weiß ich bis jetzt noch nicht, und das ist z. B.: wie ist Dein Anlageverhalten (Sicherheitsorientiert, Renditeorient,) wieviel gesetzliche Rentenansprüche hast Du bereits, wann willst Du in Rente gehen, wieviel Rente brauchst Du Inflationsbereinigt, mußt Du auf das Geld eventuell mal zurückgreifen, wenn die Geschäfte nicht so toll laufen, willst Du irgendwann mal eine Immobilie erwerben etc. Dann ist noch nicht klar, ob Du ausreichend Schutz hast falls es Dir Gesundheitlich mal längerfristig nicht so gut geht usw.

Was ich damit sagen will ist, dass man diese Informationen eigentlich mit berücksichtigen müßte, weil dass auch Einfluss auf die Anlageentscheidung hat.

Aber gut, im Moment weiss ich es nicht, also gehts also erstmal ein bißchen um die Vor- und Nachteile.

Zur Wahl stehen:
* Eine klassische Rentenversicherung
* Eine fondsgebundene Rentenversicherung
* Ein Fondssparplan

Die Entscheidung drängt, weil ich im Falle der Entscheidung
für eine klassische RV diese bis zum Wochenende abschliessen
müsste, um noch die 3,25% Garantierverzinsung zu erhalten
(wird zum 1.1. auf 2,75% gesenkt).

Das mit 2,75% oder 3,25% solltest Du bei Deiner Entscheidung ganz außen vor lassen. Um Deine Lücke im Alter zu schließen, brauchst Du eine höhere Verzinsung als 3,25%, und auch die meisten Gesellschaften werden in der Regel immer über der Garantieverzinsung liegen, und somit auch automatisch über den 2,75 %. Somit würde sich für Dich, falls Du Dich für eine herkömmliche RV entscheiden solltest (was ich allerdings nicht glaube) nur noch die Frage stellen, welche guten und finanziell starken Gesellschaften gibt es.

Der einzige Vorteil liegt meines erachtens wirklich nur in der Garantieverzinsung. Die Nachteile sind eindeutig die unklare Kostenstruktur bei den meisten deutschen Gesellschaften und die niedrige Verzinsung insgesammt. Außerdem erfolgt die Anlage in Geldwerte, dass bedeutet, falls wir Inflation haben, kann es passieren das die Kaufkraft von Deinem ersparten abnimmt, da hilft Dir auch der Garantiezins nicht mehr.

Fondsgebunden ist ja etwas riskanter, scheint mir aber
eigentlich eine gute Anlageform - nur kann ich leider
überhaupt nicht erkennen, was da so alles an Kosten an den
Versicherer abgeht, sprich: wo neben dem Kursrisiko der
Unterschied zur klassischen RV liegt. Auf welcher Grundlage
kann und soll ich das denn entscheiden?

Diese Anlageform unterliegt Aufgrund des hohen Aktienanteils den Schwankungen der Börse, und ist deshalb riskanter. Die Kostenstrukturen sind gewöhnlich auch nicht undurchsichtiger als bei einer herkömmlichen RV, bei einigen Gesellschaften sind Sie aber ausgewiesen. In der Vergangenheit war die Fonds LV / RV von den Ablaufleistungen einer klassischen RV deutlich überlegen, was bedingt durch den Zinseszinseffekt schon das zwei bis sechsfache an Kapitalauszahlung ausmachen kann (Laufzeitbedingt). Vorteil gegenüber dem Fondssparen ist, wie schon erwähnt die (noch) steuerfreie Auszahlung. Es ist damit zu rechnen, dass dieses Privileg irgendwann mal wegfällt, derzeit ist wieder einmal von 2005 die Rede. Noch dazu kommt die steuerliche Absetzbarkeit.

Oder doch am besten einfach ein Fondssparplan? Aber dann muss
ich Steuern bezahlen, bzw. kann die Einzahlungen nicht
absetzen (oder?).

Stimmt. Vorteil des Fondssparplanes ist die Nutzung des Cost-Average Effekts bei starken Kursschwankungen, und die hohe Verfügbarkeit des Geldes. Außerdem kannst Du deine Strategien leichter ändern. Es besteht die Möglichkeit, höhere Wertzuwächse zu erzielen, als bei einer Fonds LV. Risiko ist dabei, dass Du das Geld benötigst, wenn der Kurs ziemlich weit unten ist.

Oder jetzt eine der beiden RV-Varianten (nur
welche?) und dann demnächst zusätzlich mit Fondssparen
anfangen (ich muss eh insgesamt mehr als 250 Euro / Monat
zurücklegen …).

Am Rande sei noch erwähnt, das es auch Vorteile haben könnte sich für eine Englische Lebensversicherung zu entscheiden, und es Liechtenstein Policen gibt, die Pfändungssicher sind. Auf weitere mögliche Geldanlagen will ich jetzt erst mal nicht weiter eingehen, sonst wird es zuviel. Es ist aber im allgemeinen zu empfehlen, dass Du Dein Geld in möglichst breit streust, um somit das Risiko von Verlusten zu senken.

Mir raucht der Kopf!! Das halbe Internet habe ich schon
studiert … aber noch habe ich nicht das Gefühl, wirklich
schlauer als vorher zu sein. (Na ja, ein bisschen schon …
aber :wink: )

Wahrscheinlich bist Du jetzt genauso schlau wie zuvor :wink: Vollständig ist mein Kommentar leider immer noch nicht, aber vielleicht hilft er trotzdem ein bißchen.

An Deiner Stelle würde ich erst einmal die Eingangs gestellten Fragen abklären. Bei Bedarf kann ich Dir auf Wunsch einen Fragebogen zusenden, in dem zumindest ein paar Sachen drinn stehen. Wenn Du willst werte ich Ihn aus.

Sollte das bei Dir schon alles geklärt sein, würde ich Deine 250,-- € erst einmal in zwei Anlagen aufteilen. Je nach Verfügbarkeit und Anlagehorizont evtl. in eine Fonds LV oder eine Englische Police, und für die Verfügbarkeit einen Teil in Fonds.

Gruß, Micha

Hallo Kathinka,

ich kriege gleich einen Koller … vielleicht kann mich kurz
vorher jemand erlösen?

*schweb daher*: Ich versuche mein Bestes :smile:

Um es mal anders zu betrachten und Zeit zum Entscheiden zu gewinnen (schließlich geht es um Deine Altersvorsorge, da ist Zeitdruck besch***): Du stehst vor drei Möglichkeiten. Du möchtest Dich schnell entscheiden, um die 3,25% mitzunehmen.

Zum ersten muss die Entscheidung nicht heißen: Entweder oder, Du kannst auch 100€ in die RV stecken, 100€ in eine fondsgebundene RV und 100€ in Fonds.

Zum zweiten ändert sich zum Jahreswechsel bei Fonds nix, ebenso wenig bei der fondsgebundenen RV, die sind ebenfalls bereits bei 2,75%. Bleibt nur die Entscheidung mit der RV. Ist doch schonmal nicht schlecht, oder?

Wenn Du (auch) eine RV machen möchtest, kannst Du diese sofort abschließen. Zum Mindestbeitrag, am besten. Nachdem Du alles überlegt hast und zum Schluss gekommen sein solltest, dass Du mehr in die RV einzahlen möchtest, sagst Du das der Versicherung. Die freut sich, denn sie berechnet dann die Kosten für die Versicherung bei einem höheren Beitrag, und für den Vertreter springt wieder Provision heraus. Erhöhen geht also immer. Andersrum ist schlecht, wenn Du Dich jetzt für 200€ entscheidest und im Februar sagst: nur noch 50€. Denn die Abschlusskosten bleiben bei den allermeisten Tarifen für 200€ berechnet. So hättest Du die 3,25% mitgenommen, ohne Dich sofort und komplett entscheiden zu müssen. Zeit gewonnen. Und lass Dich bloß nicht vom Vertreter besabbeln, die Leute stehen oft selbst so unter Erfolgsdruck, dass sie mit allen möglichen Argumenten kommen.

Fondsgebunden ist ja etwas riskanter, scheint mir aber
eigentlich eine gute Anlageform - nur kann ich leider
überhaupt nicht erkennen, was da so alles an Kosten an den
Versicherer abgeht, sprich: wo neben dem Kursrisiko der
Unterschied zur klassischen RV liegt. Auf welcher Grundlage
kann und soll ich das denn entscheiden?

Das ist ein allgemeines Problem bei Versicherern. Während Kreditinstitute die Kosten offenlegen müssen (effektiver Zinssatz etc.), dürfen Versicherer mit 3,25% werben, obwohl beim Nachrechnen nur noch irgendwas um 2,4-2,6% davon übrig bleiben.

Dann gibt es das Argument: Bei uns können Sie aber kostenlos zwischen den Fonds wechseln, die Aufgabeaufschläge fallen weg. Ist an sich nicht schlecht, das Argument. Nur: Consors, Maxblue oder sonstige Internet-Brokern bieten auch meistens Rabatte (bis zu 100%) auf die Ausgabeaufschläge. Es ist also die Frage, ob man Fonds bei einer Versicherung macht, an die man eine feste Zahl von Jahren gebunden ist und deren Kosten man nicht nachvollziehen kann, oder direkt bei einer Bank. Die Entscheidung kann ich Dir nicht abnehmen, ich für mich habe mich zumindest aufgrund der Kostentransparenz für Bank bzw. Internet-Broker entschieden.

Oder doch am besten einfach ein Fondssparplan? Aber dann muss
ich Steuern bezahlen, bzw. kann die Einzahlungen nicht
absetzen (oder?).

Steuern. Absetzen kannst Du die Beiträge sowieso nur bis zu einem gewissen Betrag (bei mir als Verheiratetem ist es irgendwas über 6000€). Da zählen aber Krankenversicherungsbeiträge und so auch mit, absetzen kannst Du also die Beiträge (auch für die RV) kaum in der vollen Höhe.

Was Fonds & Steuern angeht, bin ich nicht ganz sicher. Auf jeden Fall ist es so, dass man, wenn man Wertpapiere mehr als ein Jahr hält, die 20% Spekulationssteuer oder wie die heißt, nicht zahlen muss. Ich habe es so verstanden, dass der Verkauf (bzw. der Gewinn) von mehr als einem Jahr gehaltenen Wertpapieren, Fondsanteilen etc. komplett steuerfrei ist. Da gibt es hier aber Experten zu.

Gruß
Oskar van der Kaalstraat

Nachtrag
Jetzt ist mir wieder eingefallen, was ich noch schreiben wollte:

Ein Argument der Versicherer für Fonds bei ihnen statt reines Fondssparen ist, dass Du bei ihnen (zumindest bei vielen Tarifen) mindestens Dein eingezahltes Geld zurück erhältst. Keine Frage, nicht schlecht. Du musst nur bedenken: Jede Versicherung, in diesem Fall die Risikoabsicherung, kostet Geld, hier Rendite.

Weiterhin ist, wie Micha (da haben wir uns überschnitten) erwähnt hat, das Risiko bei Fonds, dass Du Geld brauchst, wenn der Kurs gerade abgesackt ist. Bei Fonds empfiehlt es sich daher, gegebenenfalls andere Ersparnisse zu haben, mit denen man ein paar Jahre überbrücken kann, bis der Kurs wieder besser geworden ist. Das wäre im übrigen bei der fondsgebundenen RV zu prüfen, ob Du an den Endtermin gebunden bist, oder noch fünf Jahre das Geld drin lassen oder ein Jahr vorher alles herausholen kannst.

Gruß Oskar

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Hallo ihr beiden,

vielen, vielen Dank für eure ausführlichen Antworten! Mir ist klar, dass man für eine „echte“ Finanzberatung mehr Infos braucht, als ich sie angegeben hatte - aber ich wollte das Brett auch nicht dazu missbrauchen, eine kostenlose, umfassende Beratung zu ergattern. An dem Test wäre ich allerdings durchaus interessiert, Micha, wäre toll, wenn du mir den mal schicken könntest.

Der vielleicht wichtigste Hinweis für den Moment war, dass ich mich jetzt wegen der 3,25 bzw. dann 2,75 Prozent nicht kirre machen soll. Es ist tatsächlich so, dass ich kurz davor war, vor lauter vermeintlichem Zeitdruck (da hat die Versicherungswerbung anscheinend ganz gut funktioniert …) einfach „irgendeine“ Entscheidung zu treffen. Dass das das schlechteste Kriterium ist, wusste ich - aber es musste mir offenbar nochmal gesagt werden. Also danke dafür!

Auch die Einzelinfos zu den verschiedenen Möglichkeiten waren sehr hilfreich für mich. Obwohl ich mich vorher wirklich schon ziemlich ausführlich im Netz und bei Finanztest informiert hatte, habe ich die Infos bisher selten in dieser pointierten Klarheit bekommen.

Übrigens hatte ich in einem anderen Forum neulich auch mal eine ähnliche Frage gestellt (allerdings eher zur Beurteilung eines bestimmten Finanzberatungsunternehmens). Dort hat mir jemand noch einen Verweis auf die Homepage des Bund der Versicherten (http://www.bundderversicherten.de) gegeben - den hatte ich bis dahin seltsamerweise völlig übersehen. Dort gibt es jede Menge Infos und Merkblätter über verschiedenste Versicherungsarten. Interessanterweise rät der BdV von jeder Art der Kapitallebensversicherung (zu denen ja auch klassische und fondsgebundene RVs gehören) ab - und zwar ziemlich nachdrücklich.

Na ja, mal schauen. Fazit für den Moment ist: Nicht kirre machen lassen, schon gar nicht von Versicherungen und provisionsgebunden „Beratern“, sondern noch mehr informieren und dann wohlüberlegt eine (voraussichtlich aktienfondsorientierte) längerfristige Anlagestrategie wählen.

Das mit den englischen und liechtensteiner Policen werde ich mir aber auch noch mal anschauen.

Also nochmal vielen Dank - ihr habt mich tatsächlich vom Koller erlöst! :smile:)

Viele Grüsse, Kathinka

PS: Wollte noch sagen, den Hinweis auf den BdV aus dem anderen Forum habe ich auch erst gestern abend erhalten. Nicht, dass ihr denkt, ich frage hier Dinge, die ich längst weiss … :wink: Gruss nochmal, Kathinka

Hallo Kathinka !
Es spricht für dich, dass du dich intensiv mit der Thematik Anlegen / Sparen fürs Alter beschäftigst. Es gibt jedoch keinen Grund, sich zur Altersvorsorge für 20 oder mehr Jahre auf Gedeih und Verderb an eine Gesellschaft zu binden. Altersvorsorge ist meiner Meinung nach keine Frage einer Versicherung, sondern viel zweckmäßiger und vor allem flexibler im Anlagebereich durchzuführen.
Wenn du erst seit kurzem selbständig bist, kann es ja sein, dass die Einkünfte schwanken und notfalls finanzielle Reserven da sein müssen, auf die du bei Bedarf kurzfristig zurückgreifen kannst, ohne dass gravierende Kursrisiken in Kauf genommen werden müssen. In solch einem Falle geht Liquidität vor Rendite ! Also vielleicht z.B. eine Kombination von höherverzinslicher Tagesgeldanlage mit vorerst schwankungsärmeren Fonds. Erst bei ausreichend dickem finanziellen Polster Wechsel in Fonds mit höherem Chance-Risiko-Verhältnis. Und auch dann nur mit ausreichender Streuung über unterschiedliche Anlageklassen und Gesellschaften.
Versicherungen sind natürlich für die notwendige Absicherung existenzieller Risiken (Tod, BU etc.) erforderlich, sollten aber nicht unbedingt mit Sparen verbunden werden.
Ich hoffe, dir etwas geholfen zu haben.

Viele Grüße
Uwe