Hi
Das geht jetzt so ein wenig in den Bereich Soziologie/Bio …
Basically, Ich habe die volle Auswahl, während Männer sich um ein „Weibchen“ bemühen müssen. (Und das gilt natürlich nicht nur für Beziehungen sondern für fast jeden intergeschlechtlichen Kontakt. Auch das mit der Auswahl. Auch wenn man nicht mainstream attraktiv ist, gibt es genug Bewerber. Die wollen nur nicht unbedingt das, was man selbst will, aber das ist in diesem Falle irrelevant und basiert eben darauf, dass wir Menschen mit höherem Denken und entsprechend höheren Ansprüchen sind).
Wirklich gleichzeitig lernt man sich fast nie kennen. Das wäre die Situation, in der sich die Blicke zweier Menschen in der U-Bahn oder so treffen, sie aufeinander zugehen und sagen „Hey ich heiße so und so und ich find dich interessant“ (etc.).
Natürlich sollte es eine gewisse Sympathie geben, die durchaus unterschiedliche Ausprägungen hat (von „Ich hab ja sonst nichts zu tun“ über „Nicht mein Typ, scheint aber nett zu sein, kann man ja mal versuchen und sich nen schönen Abend machen“ bis „OH MEIN GOTT. Diese Person ist mein Traum. Ich würde jetzt sofort alles für sie tun.“).
Aber für gewöhnlich gibt es doch eine viel früher aktive Person.
Für gewöhnlich die Person, die eine andere attraktiv/sympathisch/beides findet und sie als erstes bemerkt. Wenn sich diese erste Person also entscheidet, dass sie eine Ansprache wagen will, beginnt das Werben.
Ob diese Person Mann oder Frau ist, ist völlig egal. Diese Person befindet sich ab jetzt im Werbezustand und ist dabei, sich so sympathisch, vorteilhaft und lebensgünstig darzustellen wie möglich, um die Aufmerksamkeit und Zuneigung des ausgewählten Subjekts zu gewinnen.
Natürlich zwingt niemand Person A, irgendetwas zu tun oder irgendwie zu sein. Person A ist als Person A vollkommen in Ordnung und es gibt sicher genug Interessen an Person A 1.0.
Aber Person A will ja nicht irgendwen, sondern Person B.
Also versucht sich die erste Person als Person A 2.0 auszugeben um _genau für Person B_ attraktiv zu sein.
Person B hat nun eine gewisse Auswahl an möglichen Partnern und interessiert sich nur für einen Bruchteil davon (angeblich jede 13. Person). Das sind immernoch genug Personen 1.0 und Person A muss nun versuchen auf seinen Status als 2.0 aufmerksam zu machen.
Da 2.0 besser als 1.0 ist, erhöht sich die Chance von Person A von Person B ebenfalls als bester möglicher Partner ausgewählt zu werden. Ist Person B überzeugt, haben wir ein Pärchen.
Aufgrund der Bevölkerungsverteilung ist Person A meistens männlich, aber heutzutage schon lange nicht immer. Das Verhältnis gleicht sich immer mehr aus, umso attraktiver (körperlich als auch gesellschaftlich) Person B ist, da somit die Ansprüche von Person B steigen.
Wenn mich also ein Mann anspricht, ist das schön, heißt aber noch lange nicht, dass ich ihn automatisch mag, nur weil er mich anspricht.
Wenn mich also ein Mann anspricht, der sympathisch ist, heißt das noch lange nicht, dass ich ihn als Freund oder gar Partner haben will.
Wenn mich ein Mann anspricht, der so sympathisch ist, dass ich mir mehr vorstellen kann, ist das schön, aber dennoch muss er etwas tun, damit ich mich für ihn *entscheide*.
Damit ist jetzt nicht bewusstes denken von „So jetzt leg dich mal ins Zeug und mach 15 Liegestütze um zu zeigen wie stark du bist“ gemeint, diese Entscheidungen laufen eher unterbewusst ab.
In verschiedenen Kulturen ist das Werben auch ganz unterschiedlich, genau wie es in der Tierwelt verschiedene Rituale gibt (bunte Farben, Balztänze, was für die Partnerin jagen, etc.). So kann ein Mann um eine Frau mit Gütern werben (was heute oft als „sich eine Frau kaufen“ gesehen wird, das trifft aber nicht immer zu.), durch in der gesellschaft festgelegte Handlungen, durch das Treffen in einem Werbehaus (bekannnt sind die z.B. in der Miao Minderheit in China), indem er die Familie der Frau eine Zeit lang mit Gütern versorgt (früher v.a. durch Jagd). Aber auch Frauen können durch Jagd werben (Nye) oder sie gehen in den Haushalt der Eltern des Mannes um ihre Fähigkeiten in der Hausführung unter Beweis zu stellen.
In unserer Gesellschaft ist eine der wenigen gebliebenen Möglichkeiten, sein Interesse und Werben zu bekunden, eben die Einladung.
Diese kann wie erwähnt von beiden Geschlechtern ausgesprochen werden. Es kommt drauf an, wer es zuerst tut.
Durch unsere Rollenverteilung KANN es noch vorkommen, dass Frau einen netten Mann anspricht und ER dann trotzdem eine Einladung ausspricht.
Das kann verschiedene Gründe haben, z.B. aufgrund eines Pflichtgefühls, dass ihm durch Umwelt und Erziehung auferlegt wurde; oder durch das Bedürfnis aufgrund einer starken Sympathie, ein eigenes Werben aufzunehmen, damit aus der Bekanntschaft auf jeden Fall mehr wird.
Es kommt also zu einem „Ich tu etwas für dich, damit du mir Zeit und Aufmerksamkeit schenkst und daraus etwas wird.“
Wenn manche Frauen also denken, dass aus der Einladung des Mannes zu schließen ist, dass dieser mehr erwartet, so ist das nicht falsch.
Im Gegenteil, es ist der natürliche Lauf der Dinge.
NATÜRLICH will er was von dir, sonst hätte er dich nicht eingeladen.
ABER: Die Frau hat die Wahl. Sie muss nichts tun, was ihr nicht gefällt. Sie muss für die Einladung auch nicht das tun, was der Mann will.
Wenn der Mann in einer Disko einen Drink ausgibt, weil er mit der Frau ins Bett will, muss sie das nicht tun. Sie könnte ihm auch einfach noch einen Drink ausgeben oder, wenn er das nicht akzeptiert, ihm das Geld für ihr Getränk hinlegen.
Eine Revanche muss auch nicht sofort geschehen, ich kenne Männer, die würden das nicht wollen. Sie ziehen ein längeres „Werben“ vor um sicher zu gehen oder einfach, weil es ihnen gefällt, sich so zu geben. Einladungen müssen nicht 1:1 abgerechnet werden, aber man sollte daran denken, dem Gegenüber etwas zurückzugeben.
Eine Einladung anzunehmen und sich dann völlig zu verdünnisieren finde ICH absolut nicht okay. Auch wenn der Typ einem unsympathisch ist. Sich einladen zu lassen und dann zu sagen: So ich bin dann weg.
Das ist total unhöflich und auch kränkend.
Daher ist es kontraproduktiv, jemanden in ein Lokal zu laden und dann zu sagen „geteilte Rechnung“ oder auf das Zahlen der Frau (es gibt wie gesagt auch den umgekehrten Fall) zu bestehen, da beim potentiellen Partner dann eine falsche Botschaft ankommt von wegen „Huh, was will der jetzt? Wofür sind wir hier jetzt hingegangen? Hab ich was falsch gemacht? Hat er doch kein Interesse?“.
Dementsprechend:
Wenn ich auf einem Date bin, erwarte ich, eingeladen zu werden. Der Mann will ja was von mir und ich entscheide, ob ich auch was von ihm will. Essen gehen kann ich schließlich auch alleine.
Ausschlussgründe und Ausnahmen habe ich ja bereits erwähnt.
Wenn ich jemanden einlade, zahle selbstverständlich ich und würde nicht erwarten, dass auch dann der Mann zahlt.
lg
Kate