Hallo Pit,
ja, leider ist das auch vereinzelt meine Erfahrung, obwohl ich als Schüler darüber noch froh war, muss ich zugeben.
Ich hatte einen Mathelehrer, der weitgehend unfähig war unserer Klasse Mathe beizubringen. Wir rechneten Aufgaben vor der letzten Stunde, die nur mit anderen Zahlen dann drankamen. In der Abi-Prüfung (Pflichtfach) kam sogar eine Aufgabe 1:1 dran. Er hat sich später im Unterricht darüber beschwert, dass einige Schüler sich zu auffällig darüber gefreut hätten, weil es für ihn schlimme Konsequenzen haben könnte.
Einmal habe ich eine komplette Klausur abgeschrieben (10. Kl.), die verkehrt herum auf dem Lehrerpult lag. Heute kann ich mir kaum vorstellen, dass die Lehrerin das nicht gemerkt haben sollte. Das Resultat war, dass der Schnitt erheblich gesenkt wurde und man mit wenigen Fehlern schon eine 3 bekam. Leider fielen wenige Schüler, die nicht mehr informiert wurden oder der Sache nicht glaubten, extrem hinten runter.
Ein Bio-Lehrer wurde an unserer Schule des Schuldienstes verwiesen. Es war schon immer sehr lax und man lernte außer Ökosachen und Bildchen malen nicht viel. Deswegen wollte ich ihn auf keinen Fall im Abi haben.
Die Abituraufgaben hat er mit der Klasse vorher durchgesprochen und ihnen Musterlösungen gegeben. Bei einer Abiturprüfung fiel das auf, weil einem Schüler ein Kommentar herausrutschte als der Direktor noch anwesend war, der sofort nachhakte. Die Schüler schafften es nicht mehr, das zu vertuschen. Der Lehrer erlitt noch vor Ort einen Schwächeanfall und kam ins Krankenhaus. Die Prüfung wurde abgebrochen und musste wenige Wochen später wiederholt werden. Ein anderer Lehrer (mein Bio-Lehrer) unterrichtete die Schüler in diesen Wochen. Dass die Prüfung wohl kaum anders ausgesehen haben dürfte als die erste, dürfte wohl klar sein, denn niemand kann den Stoff aus zwei Jahren LK in wenigen Wochen nachholen. Die Vorbereitung wird sehr spezifisch gewesen sein müssen. Die armen Schüler. Schließlich kam wenige Monate später doch noch die mündliche Prüfung.
Ich kann für meine Stadt sagen, dass es große Unterschiede in der Qualität der Gymnasien gab. Mein Gymnasium würde ich zu meiner Zeit als ein "Unterschichten-"Gymnasium betiteln wollen, weil dort sehr viele Schüler aus nicht-akademischen Haushalten stammten. Gleichzeitig war es direkt an eine Real- und Hauptschule angegliedert, wodurch wohl allein durch die Nähe eine häufigerer Wechsel innerhalb der Schulformen stattfand.
Dazu mal ein Off-Topic-Bild: http://img337.imageshack.us/my.php?im…
An der Uni habe ich das nicht wieder erfahren. Natürlich gibt es dort Klausuren zur Vorbereitung einzusehen. Es handelte sich aber immer um alte Klausuren. Ein spezifisches Auswendiglernen für eine Prüfung war unmöglich. Zur Vorbereitung war es sehr nützlich diese durchzuarbeiten, um sich auf den Fragestil des Prüfers einzustellen, die Schwere der Prüfung und ein Durchkommen oder Nicht-Durchkommen einzustellen.
Dass Klausuren vorher bekannt waren ist mir nie untergekommen. Ich weiß, dass die auch erst kurz vor der Prüfung vom Prof. mitgebracht, dann kopiert und verteilt wurden.
Allerdings haben auch ca. die Hälfte das Studium nicht mit Diplom beendet (Wirtschaftswissenschaften). In Sozialwissenschaften beendeten ca. 90% das Studium nicht mit Diplom, was aber viel mehr Gründe hat, als dass es nur schwer gewesen wäre. Mit Klausuren vorher kennen, war in meinem Studiengängen nichts zu machen.
Schönen Gruß.