Klavier Akkorde nicht komplett spielbar

Hi Leute,
Ich beschäftige mich in letzter Zeit mit den Grundlagen zu Akkorden usw. im zusammenhang mit Jazz!
Eine Ziemlich interessante Frage für mich ist nun ob ich z.b. C 7/9 oder Cm9 im grunde alle Fünfklänge noch mit einer Hand spielen können muss(sollte) oder nicht?

Was mache ich mit sechs Klängen oder sieben Klängen wie zum beispiel Cm13 oder Cmaj7/13 da ich die eh nicht mehr mit einer Hand spielen kann, stellt sich mir die Frage wie ich sie zwischen der linken und rechten Hand aufteile? Oder sehe ich das Falsch muss daran ganz anderers herangehen?

In einem Buch von mir steht:

Die Große Sixte, die der 13 entspricht, kommt besonders oft bei Dur-
Mollakkorden in der Tonikafunktion vor, z.B. C6, Cm6.
Im Akkord taucht damit keine Septime auf. Zu jedem Akkord gehört
immer eine vollständige Tonleiter, die - bis auf wenige Aaausnahmen
aus sieben verschiedenen Tönen besteht und damit auch einen Siebten
Ton, eine Septime hat. Das Akkortspmbol C13 schließt immer die
kleine Septime ein.
Im Gegensatz hat C6 zwar im Akkord keine Septime, dafür aber in der
Tonleiter die große Septime, was bei der Improvisation von
besonderer Bedeutung ist.

Das ist mir noch nicht ganz klar das in der Tonleiter die große Septime da ist bei C6 nicht da ist obwohl sie ja da ist nur nicht gespielt wird. Wie kann ich das bei der Iprovisation mir zunutze machen?

Ich bin in der Musik-Theorie noch unerfahren. Was sollte man in der Praxis bei Jazz alles drauf haben. Sollte man alle Tonleitern sofort spielen können(Bringe ich mir grade bei über zwei Oktaven)? In wie weit brauche ich das Stufensystem in Dur (ionisch, dorisch, phrygisch, lydisch, mixoliydisch, äolisch, lokrisch)? Und die Frage die mich noch mehr quält sollte ich das auf alle Tonleitern anwenden können? Was ist mit Stufensystem in Harmonisch Moll und dem Stufensystem in Melodisch Moll, Sollte ich sie alle aus dem Stehgreif spielen können? Wie viel würde mir das bringen beim Improvisieren von Jazz Musik?

Was sollte ich instgesammt von der Theorie wissen und in die Praxis umsetzen können. Was braucht man? Was ist unnnützlich ich meine was brauche ich auf keinen Fall?

Mit Freundlichen Grüßen

Christopher Weickert

Hallo Chris,

die Erfahrung fürs Jazz-Piano kannst Du am besten im Trio sammeln.
Erst beginnst Du einmal, die Lücken auszufüllen, die Baß und
Schlagzeug offen lassen. Wenn Du die Akkord-Teppiche, die Du
dazwischen hineinlegst, noch weiter reduzierst, dann bist Du auf dem
richigen Weg.

Hallo Christoph,

Eine ziemlich interessante Frage für mich ist nun, ob ich z.B.
C 7/9 oder Cm9 im Grunde alle Fünfklänge noch mit einer Hand
spielen können muss (sollte) oder nicht?

Fünfklänge in einer Hand v.a. links klingen meist sehr dick - das kann ein gewollter Effekt sein, in der Regel würde ich beim Jazz [ich bin selbst „Klassiker“] so dicke Klänge vermeiden. Es kommt auch auf die Oktavlage an. Probier mal aus, auch mit verschiedenen Umkehrungen, und laß verschiedene Töne weg. Hör hin, was sich verändert, was Dir besser gefällt, oder auch, ob es dich an eine bestimmte Aufnahme erinnert.

Was mache ich mit sechs Klängen oder sieben Klängen wie zum
Beispiel Cm13 oder Cmaj7/13? Da ich die eh nicht mehr mit einer
Hand spielen kann, stellt sich mir die Frage, wie ich sie
zwischen der linken und rechten Hand aufteile. Oder sehe ich
das falsch, muss daran ganz anders herangehen?

Du mußt nicht alle Töne spielen, das klingt auch meist nicht gut. (s.o.) Experimentier ein bißchen, laß mal die Quinte weg oder die Terz oder beide: z.B. C13 ohne Terz und Quint ergibt ein C im Baß und darüber B-Dur. Wenn du nur die Terz wegläßt, dann ergibt sich C im Baß und darüber Gm7 oder auch B6 (!) [wenn du den Akkord so aufbaust: Töne © B-D-F-G]. Die verschiedenen Umkehrungen bzw. Teil-Umkehrungen wie hier sind immer schöne Variationen.
Das ist ja das Schöne am Jazz, daß man nicht so festgelegt ist.

Die Große Sexte, die der 13 entspricht, kommt besonders oft bei Dur-
Mollakkorden in der Tonikafunktion vor, z.B. C6, Cm6.
Im Akkord taucht damit keine Septime auf. Zu jedem Akkord gehört
immer eine vollständige Tonleiter,

in der Melodie!

die - bis auf wenige Ausnahmen
aus sieben verschiedenen Tönen besteht und damit auch einen Siebten
Ton, eine Septime hat. Das Akkordsymbol C13 schließt immer die
kleine Septime ein.

im Akkord!

Im Gegensatz hat C6 zwar im Akkord keine Septime, dafür aber in der
Tonleiter die große Septime, was bei der Improvisation von
besonderer Bedeutung ist.

Das ist mir noch nicht ganz klar, dass in der Tonleiter die
große Septime da ist, bei C6 nicht da ist obwohl sie ja da ist,
nur nicht gespielt wird.

Du mußt streng unterscheiden zwischen Akkord tönen und den Melodietönen der dazugehörigen Tonleitern.
Die Akkorde bauen sich ja immer aus Terzen von unten nach oben auf (so ist jedenfalls die gängige Lehre). Diese ganzen Terzen aber zählt man nicht alle extra auf: Also, wenn die 13 im Akkord ist, müssen automatisch die 9 und die 7 drin sein - theoretisch zumindest, auch wenn man sie mal nicht spielt… :wink: Bei einem C6-Akkord dagegen kann keine 7 drin sein, weil die erst nach der 6 dran ist und extra erwähnt werden müßte.
Das mit der großen Septime bei C6 bezieht sich nur auf die Töne, die man in der Melodie spielt, nicht auf die Bestandteile des Akkords - anders gesagt: in der Melodie ist die Septe eine mögliche Option. Du kannst diesen Ton in der Melodie verwenden oder nicht, für die Harmonie ist das egal. Du kannst also bei C6 das h in der Melodie spielen (und wieder verlassen), aber nicht als festen Akkordton - das wäre dann die falsche Harmonie, nämlich Cmaj7.
*[Das a, das sowohl zu C6 als auch C13 gehört, hat zwei verschiedene Qualitäten - das a von C6 ist ein hinzugefügter Ton zu einem einfachen Dreiklang, das a in C13 setzt die Terzenreihe darunter voraus.]*

Ich bin in der Musik-Theorie noch unerfahren. Was sollte man
in der Praxis bei Jazz alles drauf haben.

Da rate ich Dir, nimm Dir nicht alles auf einmal vor. Je mehr du kannst, desto besser, aber du mußt das nicht nur im Kopf wissen, sondern in die Finger kriegen. Und das geht nur Stück für Stück. Und spiel mit anderen zusammen (s. Antwort unten). Und versuch, deine eigenen Maßstäbe übers Gehör zu entwickeln.
Hoffe, daß ich dir geholfen habe
Grüße Michael

Eine Ziemlich interessante Frage für mich ist nun ob ich z.b.
C 7/9 oder Cm9 im grunde alle Fünfklänge noch mit einer Hand
spielen können muss(sollte) oder nicht?

es schadet nicht, wenn du es so spielen kannst, aber du solltest es nicht so spielen *g*

folgende töne kannst du in der akkordhand relativ unspektakulär weglassen:

  • grundton: ist doch meist schon im bass, muß nicht unbedingt verdoppelt werden, kann außerdem bei einem major in den umkehrungen neben der großen septime auch stören.
  • quint: ist sowohl in dur als auch in moll vorhanden, gibt dem akkord also nicht wirklich einen charakter. verminderte/übermäßige quint natürlich schon.

wenn zb. bei einem septakkord nur noch terz (ganz wichtig, entscheidet ja über dor oder moll) und septim (ebenso wichtig) übrigbleiben, spricht man von voicings. besonders bei II-V-I-ketten kannst du sehen, wie die töne schöne abwärtslinien bilden.

Was mache ich mit sechs Klängen oder sieben Klängen wie zum
beispiel Cm13 oder Cmaj7/13 da ich die eh nicht mehr mit einer
Hand spielen kann, stellt sich mir die Frage wie ich sie
zwischen der linken und rechten Hand aufteile? Oder sehe ich
das Falsch muss daran ganz anderers herangehen?

grundton und quint weglassen, terz eine oktav nach oben legen (zwischen 9 und 11). jenach dem, ob 9 oder 11 eine kleine sekund von der terz entfernt sind (zb. bei cm11 die 9, bei C13 die 11), kann man den betreffenden ton weglassen, dann hast du nicht mehr zu viel übrig.

Das ist mir noch nicht ganz klar das in der Tonleiter die
große Septime da ist bei C6 nicht da ist obwohl sie ja da ist
nur nicht gespielt wird. Wie kann ich das bei der Iprovisation
mir zunutze machen?

für die improvisation gilt generell: du darfst alle tonleitern spielen, die alle töne des gespielten akkordes enthalten.
C6 taucht in der regel als I. oder IV. stufe auf, aber es wäre auch nicht falsch, in einer entsprechenden umgebung die F-durtonleiter zu nehmen (in diesem fall wäre C die V. stufe). du darfst also auch die kleine septime verwenden (das wird nur dann auffallen, wenn im ganzen restlichen stück kein b, sondern immer wieder das h auftaucht - aber auch dann muß es nicht schlecht klingen).
ganz gefinkelt wäre zu C6 natürlich eine sog. halb-ganztonleiter (die abwechselnd aus halb- und ganztonschritten aufgebaut ist), denn auch die enthält alle akkordtöne. auch da hätten wir eine klene septim.

In wie weit brauche ich das Stufensystem in Dur
(ionisch, dorisch, phrygisch, lydisch, mixoliydisch, äolisch,
lokrisch)?

das ist ansichts- bzw. verständnissache.
ich habe die jazztheorie ohne kirchentonarten gelernt. kurzfassung:
auf den stufen der C-durtonleiter kann man folgende akkorde aufbauen:
C(maj7/9), d(7/9), e(7/-9), F(maj7/9), G(7/9), a (7/9), h-5(7/-9).
sprich: zu all diesen akkorden darf ich ohne nachzudenken die C-durtonleiiter spielen.
wie man aber sieht, kann zb. ein maj7/9 sowohl als I. als auch als IV. stufe (in diesem fall C und F) vorkommen, also darf ich nicht nur die tonleiter der I. stufe dieses akkords (C-dur) spielen, sondern auch die V. (sic! - da die I. stufe die V. stufe der IV. stufe ist :wink:, also zu Fmaj7/9 eben auch C-dur (aber hier könnte man natürlich auch die entsprechende kirchentonart auspacken).
wenn du das selbe spiel mit allen skalen (natürliches moll kannst du auslassen, harm. und mel. sind aber interessant) durchspielst, weißt du zu jedem akkord, welche skalen in frage kommen. für die meisten akkorde hast du mehrere möglichkeiten.

eigentlich ist die sache noch einfacher. du stellst dir den akkord als terzenschichtung vor, diese töne müssen in der tonleiter vorkommen. die zwischentöne sind generell erlaubt.
bei einer großen terz wirst du einfach eine große sekund als zwischenton spielen, oder aber alle halbtöne (chromatische skala).
bei einer kleinen terz spielst du entweder halb+ganzton oder ganz+halbton (oder wieder alle halbtöne chromatisch).

bei cm7 hast du also c, es, g, b. du darfst dich nun zwischen des und d und as und a entscheiden. dafür ist das f so gut wie fix. du darfst natürlich auch die möglichkeiten mischen, das macht die sache spannender!
du hättest also die tonleitern B-dur (mit d und a), Es-dur (mit d und as), As-dur (mit des und as) und b mel (mit des und a) zur verfügung.