Klavierlehrbuch für Autodidakten gesucht!

Hallo,

ich (19) möchte während meines Studiums unbedingt mit dem Klavierspielen anfangen, kann mir aber keinen Lehrer bzw. Unterricht leisten. Kann mir jemand ein Lehrbuch empfehlen, dass nicht ausschließlich unterrichtbegleitend, sondern auch zum Selbststudium geeignet ist? Ich muss dazu sagen, dass ich noch nicht mal Noten lesen kann. Aber ich bin ehrgeizig und möchte Klavier spielen lernen.

Jana

Hallo Jana,

so her Dein Ansinnen ist, laß es bitte so sein.
Instrumente zu erlernen, ohne eine fachliche Anleitung zu haben ist nur dann empfehlenswert (zumindestens meistens), wenn das angestrebte Niveau Geklimper (oder Gedudel) sein soll. Ernsthaft ambitionierte Personen kommen üblicherweise ohne Hilfe nicht hin.
Allein der Fingersatz beim Klavier ist so komplex, daß sich ohne Anleitung schnell massive Fehler einschleichen, die später, wenn überhaupt, nur mit großer Mühe ausgemerzt werden können.
Zumindestens für den Anfang solltest Du einen Lehrer suchen, sonst machst Du mehr kaputt als Dir recht sein kann.

Das wolltest Du sicher nicht hören, ist aber leider so.

Gandalf

Hallo Jana,

ich will es mal mit „Piano-Kids“ von einem Herrn Heumann versuchen. 10,90 + 10,90 für das Arbeitsheft sind mir der Versuch wert.
Aber (s.u.) mehr als Geklimper soll es bei mir auch nicht werden.
Amazon hat aber noch nicht geliefert.

Ralf

Bei uns an der Uni wird sehr günstig Musikunterricht von Mitstudenten angeboten, auch Klavier. Erkundige Dich mal, ob es die Möglichkeit auch an Deiner Uni gibt.
Viel Glück!

Hallo, Jana,

Spontan würde mir die „Klavierschule für Erwachsene“ von Uli Molsen
einfallen.
Aber wie Gandalf schon sagte, Klavier lässt sich autodidaktisch
eigentlich nicht erlernen. Nicht nur, dass man über Geklimper nicht
hinauskommt (was Du vielleicht ja gar nicht mal unbedingt willst),
sondern v.a. auch deswegen, weil niemand Dir Deine Körper- und
Fingerhaltung kontrolliert, das kann wirklich Schäden im Nacken und
anderswo verursachen.
Außerdem bezweifle ich, dass Du so jemals richtigen Rhythmus und
richtige Noten kennenlernen wirst. Ich unterrichte selber Klavier,
und ich weiß, dass die Schüler beim Üben zu Hause schon von Woche zu
Woche ganz viel Fehler machen, wie wäre es dann, wenn man ein jahr
ohne anleitung gespielt hat?

Die Variante mit dem Unterricht bei Studenten ist für kleinen
Geldbeutel sehr zu empfehlen.
Jede Musikhochschule bietet die sogen. Übungsschule an, Du kannst
anrufen und fragwen, ob Du bei einem Klavierstudenten Übungsschüler
sein kannst. Das kostet i.A. wenig bis gar nichts. Nachteil ist nur,
dass der Unterricht nicht ganz zuverlässig gehandhabt wird manchmal,
und Du öfter lehrerwechsel in Kauf nehmen musst. Aber ein Versuch ist
es allemal wert.

Grüße

Hallo Jana,

auch wenn man die Warnungen meiner Vorredner ernst nehmen sollte, so bin ich dennoch der Meinung, dass man das Klavier spielen autodidaktisch lernen kann. Die Welt ist voll von Musikern, die sich ihr Können auf einem Instrument selbst beigebracht haben.

Natürlich ist es schwierig, sich falsche Verhaltensweisen wieder abzugewöhnen, aber es gibt Menschen, die ein gutes Gefühl für Bewegungsabläufe und eine ausgezeichnete Körperwahrnehmung haben um falsche Verhaltensmuster schnell korrigieren zu können. Dann ist es auf der anderen Seite so, dass viele Menschen, trotz Musiklehrer, nie dahinter kommen, wie man es wirklich „richtig“ macht.
Man kann viel falsch machen, stimmt, man kann aber auch sehr viel richtig machen. Und es ist sicher besser auch mal etwas falsch zu machen als gar nichts zu machen. Wenn es dir Spaß macht, probier es einfach aus. Was hast du zu verlieren?

Und um deine Frage zu beantworten, es gibt Lehrbücher, die auch für Autodidakten geeignet sind (über die Qualität kann ich nichts sagen, da ich diese Bücher nicht kenne). Wahrscheinlich wird darin auch ausführlich auf korrekte Haltung und Fingersatztechnik eingegangen. Und wenn Hörproben dabei sind, die den Unterschied zwischen legato und staccato klar machen, so steht einem Versuch, so das Klavier spielen zu lernen eigentlich nichts im Wege.

Eine kleine Auswahl:

http://www.kaleidoshop.de/produktkatalog/14315279.html
ISBN: 3527700129 Buch anschauen
http://www.schott-music.com/shop/show,37889.html
http://www.musik-service.de/AMA-Piano-Basics-prx3957…

Und wenn nicht irgendwas wichtiges davon abhängt, so ist es meiner Meinug nach besser es so zu versuchen, wie du es vorhast, als es gar nicht zu probieren.

Viel Spaß dabei und viel Erfolg wünscht dir

Roland

Vielen Dank erst einmal für eure ausführlichen und ehrlichen Antworten! Es ist sicherlich richtig, dass ein qualifizierter Musiklehrer mehr zu gutem Klavierspiel beiträgt als ein Buch es kann, und falls ich tatsächlich die Chance bekommen sollte, günstigen und guten Unterricht zu bekommen, dann werde ich sie wahrnehmen. Ich hatte halt ständig im Kopf, Musikunterricht sei wahnsinnig teuer und käme bei meinen finanziellen Verhältnissen nicht in Frage.
Dennoch bin ich davon überzeugt, dass ich bei meiner Liebe zur Musik im äußersten Fall auch ohne Lehrer klarkommen kann. Wenn ich etwas wirklich will, dann schaffe ich es auch, und das ist keine hohle Phrase!

Danke, Orlando, für die Buchempfehlungen!

Einen schönen Abend/eine gute Nacht,

Jana

Hallo,

ein kostenloses Lehrbuch in deutsch (Original englisch) gibt es im
Internet:

http://www.schulseiten.de/fopp-de/index.html

Um damit einsteigen zu können, sollte man aber die Grundlagen wie
Notenschrift schon können. Ich (kein Anfänger) habe damit meine
Lerngeschwindigkeit deutlich steigern können. Die Behauptung darin,
daß ein Klavieranfänger es mit dieser Schule in drei Monaten schafft,
auf das Niveau von „Jugend musiziert“ zu kommen, halte ich aber für
etwas übertrieben.

Der chinesische Autor Chuan C. Chang geht auch auf die Hintergründe
beim Lernen von Musik ein. Leider wird die 7-Sekunden-Regel für das
Üben nicht erwähnt (oder ich habe sie noch nicht gefunden). Es gibt
auch Hinweise zum Stimmen von Klavieren und zur Auswahl beim Kauf
eines solchen.

Vorsicht mit dem Ausdrucken! Es sind über 280 Seiten. Im Internet kann
man das Buch kapitelweise anschauen, aber auch komplett herunterladen.

Viele Grüße
Michael

7 Sekunden?
Hallo Michael!

Leider wird die 7-Sekunden-Regel
für das
Üben nicht erwähnt

Kannst du bitte erklären, was ist das und was das bedeutet?

Gruß

Hallo peet,

Leider wird die 7-Sekunden-Regel
für das
Üben nicht erwähnt

Kannst du bitte erklären, was ist das und was das bedeutet?

wenn man eine schwere Stelle übt, sollte man den Abschnitt nicht länger
als 7 Spielsekunden wählen. Beim langsamen Spielen passen in die 7
Sekunden natürlich weniger Noten hinein.

Der Grund ist folgender: beim Lernen muß das Gelernte erst ins
Kurzzeitgedächtnis, bevor es nach einer Weile ins Langzeitgedächtnis
diffundiert, wo man das Geübte ja hinhaben will. Das Kurzzeitgedächtnis
hat aber eine sehr begrenzte Kapazität, eben wenig mehr als die 7
Sekunden. Alles, was man vor dieser Zeit gespielt hat, ist wieder weg,
war also verlorene Liebesmühe.

Also: schwierige Stellen in Häppchen zu maximal 7 Sekunden üben. Ich
habe es ausprobiert, es funktioniert wirklich.

Diese Regel habe ich bei Professor Dr. Martin Sander, Heidelberg
(http://www.martinsander.de) gelernt.

Gruß
Michael

Ok
Hallo Michael,

alles klar, eine weitere didaktische Erfindung, die dem hilft, der an sie glaubt. Lustig, aber clever! Ich hoffe nur, dass sich keine 6- oder 8-Sekunden-Parteien bilden, um miteinander zu konkurrieren. :smile:

Gruß