Klavierunterricht: wie sind Eure Erfahrungen?

Hallo,

meine jetzt 11 jährige Tochter hat seit 15 Monaten Klavierunterricht.
Die Lehrerin steht auf dem Standpunkt, dass Kinder erstmal freies Spiel lernen sollten, also nicht nach Noten, behauptet aber am Telefon auf Nachfrage auch, dass meine Tochter durchaus auch Noten lernt.
Allerdings kann meine Lütte nicht einmal `Alle meine Entchen´ nach Noten spielen, auch nichts anderes.
Es werden immer nur Stücke eingeübt, die kann sie dann nach einer Weile, danach gibts wieder andere Stücke - aber das bleibt ja auf Dauer nicht hängen und selbständig etwas erarbeiten ist so unmöglich.

Da die Lehrerin heute bei der Ansprache zu einer Aufführung ihrer Schüler deutlich übertrieben hat (Kinder hätten einiges selbst komponiert, kein Kind sei länger als ein Jahr dabei etc.), was lt. meiner Tochter so nicht stimmt, habe ich langsam ernsthaft Zweifel, ob das das Richtige ist und ein Wechsel der Lehrerin nicht sinnvoller wäre.

Für 25.- Euro pro Stunde hätte ich gern ein bißchen mehr, als eine reine Spaßveranstaltung, die es bislang zu sein scheint.

Wie sind Eure Erfahrungen in der Hinsicht, was meint ihr, ist sinnvoll?

Vielen Dank, Anne

hallo anne

unsere grosse tochter ist 15 und geht zu einem hervorragenden klavierlehrer, der die schüler enorm begeistern kann und schon mehrere schüler haben mit ihm nationale musikwettbewerbe gewonnen (unsere tochter leider nicht :smile:. er unterrichtet an einer renommierten musikschule.

warum erzähl ich dir das? vier mal einzelunterricht im monat, ingesammt 4 h kosten 80.- euro.

ob es eine noten-freie lernform gibt, kann ich leider nicht sagen, aber wenn dann stelle ich mir das eher als einstieg für kleine kinder vor („unser klavierlehrer“ nimmt schüler ab 5 jahre auf).

fühlt sich denn deine tochter wohl bei der lehrerin? sie unterrichtet demnach erst seit einem jahr?

vg louis

Hallo,

die Klavierlehrerin unterricht länger, nur bei der heutigen Aufführung waren lt. ihrer Ansage nur Schüler mit weniger als 1 Jahr Unterricht dabei.

Meiner Tochter gefällt es prima, es macht ihr Spaß. Nur habe ich nicht den Eindruck, dass sie etwas lernt. Und für den Preis einer Fahrstunde hätte ich schon gern mehr als nur Spaß.

Vor Beginn des Unterrichts war auch die Rede von Lehrbüchern, die innerhalb des ersten viertel Jahres angeschaft werden sollten - das ist völlig untergegangen. Es gibt kein Lehrbuch, keine Noten, nur das Einüben von Stücken, inzwischen ca. ein etwas komplizierteres 4 Minutenstück im Vierteljahr, daneben ein paar kleinere einfache Sachen.

Gruß, Anne

Hallo Anne,

zwar bin ich keine Expertin zum Thema, musste/durfte aber den Umgang mit drei Musikinstrumenten erlernen. Mein Lehrer war menschlich unter aller Kanone aber fachlich ein Ass, was mir ziemlich imponiert hat. Aus der Erinnerung heraus würde ich sagen, dass der Unterricht zu gleichen Teilen aus Musiktheorie, Etüden und dem Erlernen von klassischen Stücken bestand.
Vor allem das Wissen zur Musiktheorie ist für mich heute ungemein wichtig. Ich kann aus dem Stand, wenn auch etwas holprig, aus Notenheften spielen, obwohl ich viele Jahre kein Instrument mehr angefasst hatte. Auch die Beurteilung von Stücken, die ich von Tonträgern oder in Konzerten höre, fällt mir leicht.
Mein Mann hatte im gleichen Alter Klavierunterricht und ebenso wie Deine Tochter nie Noten gelernt oder danach gespielt. Er kann heute nichts mehr spielen.
Das sind ganz subjektive Erfahrungen.
Sicherlich ist es leichter, Kinder zum Freispiel als zur Musiktheorie zu motivieren, aber wenn es Dir nicht ausschließlich um den Spaß geht, was auch ok wäre, dann gehört ein gewisses Grundwissen zu Intervallen, Harmonielehre etc. einfach dazu. Ich fürchte, über reines Herumklimpern nach Gehör wird Deine Tochter sonst nicht hinaus kommen.

Schöne Grüße
Andrea
P.S.: Toll, dass Ihr das Eurem Kind überhaupt ermöglicht!

Hallo Anne!

Ich kann Talüü nur beipflichten. Mir geht es genauso.

Ich habe im zarten Alter von 8 angefangen Klavier zu lernen. Das machte mir sehr viel Spaß. Aber bei mir war es genau umgekehrt: Meine Eltern wechselten die Lehrerin (von einer recht mäßigen zu einer hervorragenden), weil ich fast ein Jahr lang, kein Klavier gerührt habe. Ich wußte nicht einmal wo „Do“ ist! (Bei uns gibt es eine andere Notenbezeichnung als in Deutschland).

Das war mir auch sehr öd, hatte aber der inmensen Vorteil, daß als ich an einem Klavier herangelassen wurde, konte ich Noten bestens lesen (1); in Musiktheorie war ich sehr bewandert(1); und wir hatten sehr, sehr viel (1) „solfeo“ gemacht (Noten singen, begleitet von einem Klavier -gespielt von meiner Lehrerin).

So ging das mit dem Klavierspielen hinterher sehr rasch und so „überholte“ ich Mitschülern, die schon von Anfang an Klavier gespielt hatten. Mir fehlte allerdings etwas „Gymnastik an den Finger“, wie wir das nannten (Also Fingerfertigkeit).

Noch heute kann ich recht mühelos Noten lesen, in alle drei Noteschlüsseln. Auch bei Liedern (zB. im Radio) „merke“ ich mir relativ leicht die Melodien.

Kurz: Müßte ich wieder von null anfangen, würde ich es auch so machen, allerdings nicht ein ganzes Jahr „ohne“ Klavier. 3 oder 4 Monate mit 2 St. wöchentlich würden reichen.

Für mich hört sich Deine Erzählung so an, als ob es nur um den Spaß geht und sonst nichts. Für mich, genauso wie es kein Sprachenlernen ohne Grammatik gibt, gibt es auch kein Instrumenten-Unterricht ohne Musiktheorie. Sicher, kann ich lose Sätzen lernen und diese auch irgendwann mal so gut ausprechen und artikulieren, daß Muttersprachler denken ich bin ebenfalls eine. Aber das ist für mich ganz bestimmt nicht was ich „Sprachen lernen“ nenne. Und genauso wenig, was ich unter „Klavier lernen“ bzw. „Musikunterricht“ verstehe. Höchstenfalls ist es für mich ein „AllemeineEntchenschwimmenaufdemSee“- Auf-dem-Klavier-hammern, aber nicht mehr ;o))) Aber dafür zahle ich ja keine 20 EURO im Monat!

Das ist aber nur meine Meinung.

Schöne Grüße,
Helena

(1) Im Vergleich zu Mitschüler(inne)n, die zeitgleich mit mir angefangen hatten und die vom ersten Tag an ans Klavier herangelassen worden waren.

Hallo Anne,

so wie das klingt, halte ich das auf keinen Fall für gut und richtig.

Es mag vielleicht Instrumente geben, bei denen man ohne Notenlesen klar kommt. Das Klarvier gehört sicher nicht dazu. Deine Tochter ist derzeit nicht in der Lage, wenn sie selbst mal ein nettes Stück hört, sich das selber - außerhalb des Unterrichts - beizubringen. Zumindest nicht über das Nachspielen der Melodie hinaus. (Eine Melodie kann man sich noch nach Gehör zusammenbasteln, die Begleitung nicht).

Notenlesen ist einfach zwingende Voraussetzung dafür. Notenlesen würde ich auch nicht einmal auf der Ebene Musiktheorie ansiedeln. Es gehört schlicht rudimentär zum Klavierspielen dazu. Und eine 11-Jährige ist locker in der Lage, das Nebenbei zu lernen.

Mein Sohn hat jetzt relativ spät mit Gitarre angefangen. Nachdem er eine zeitlang autodidaktisch Akustikgitarre geübt hat (nach Grifftabelle - ohne Notenlesen), hat er jetzt Unterricht in E-Gitarre. Bei einem aktiven Rockgitarristen. Er kam nach der ersten Stunde nach Hause. War völlig begeistert, hatte schon eine Menge mitgebracht, mit dem er richtig loslegen konnte. Und dann kam, leicht grummelnd: „Der hat auch gesagt, dass ich sofort ans Notenlesen ran muss.“ Ich, die ich selber jahrelang aktiv Musik gemacht habe, früher auch „Musikalische Früherziehung“ gegeben habe (übrigens auch im zweiten Teil rudimentär mit Noten, allerdings nur für Melodie), habe gegrinst. (Innerlich breiter als äußerlich). Inzwischen sind 4 Wochen vergangen und die Noten innerhalb der Linien kein Problem - trotzdem hat er in der Zwischenzeit auch viel aktiv am eigentlichen Spiel gelernt. Das heißt: Freude am Spiel und trotzdem ist das Notenlesen dabei. Und das bei einem Instrument, dass sich grundsätzlich auch ohne Noten nur mit Grifftabelle spielen ließe.

Dein Eindruck ist also aus meiner Sicht überhaupt nicht falsch. Irgendwelche Sorgen, dass deiner Tochter die Freude durch Notenlesen genommen werden könnte, brauchst du dir nicht machen. Kein vernünftiger Lehrer wird sagen: erst Notenlesen üben, dann darfst du die Tasten anfassen.

Habt ihr keine Musikschule vor Ort? Ich würde eigentlich immer erst mal den Weg über eine Musikschule probieren. Dort arbeitet man in der Regel mit vernünftigem Konzept. Und man hätte für solche Fälle auch immer einen Fachberater, den man mal fragen kann.

LG Petra

Hallo Anne,

ein Instrument nicht nach Noten zu lernen, ist anfangs gar nicht schlecht, weil man sich viel mehr auf den Klang etc. konzentrieren kann und das ganze weniger intellektuell angeht. Das gilt für jedes Instrument, nicht nur fürs Klavier.
Nach 15 Monaten sollte ein 11-jähriges Kind aber schon mit Noten konfrontiert werden.
Im Grunde ist es am besten, wenn man ein Instrument weder nur nach Noten noch nur nach dem Gehör erlernt.
Deine Tochter hat privaten Unterricht, habe ich das richtig verstanden?
Ich würde mich auch leicht oder schwer verarscht fühlen, wenn die besagte Lehrerin behaupten würde, das Kind hätte auch mit Noten zu tun. Es geht nicht, daß dir etwas anderes gesagt wird als tatsächlich der Fall ist.
Ein ernsthaftes Gespräch mit der Lehrerin wäre angebracht.
Wenn man ein Instrument neu lernt, ist eine Musikschule eigentlich am geeignetsten, da dort auch wirklich Wert auf Notenkunde, Instrumentallehre etc. gelegt wird.
Privater Unterricht ist meiner Meinung nach eher geeignet, wenn man schon weiter ist (ich selber hatte 15 Jahre lang ausschließlich Privatunterricht).
Mir scheint, die besagte Lehrerin möchte eher sich selber in ein gutes Licht stellen als wirklich Klavierunterricht zu geben.
In jedem Fall ist die Musikschule eine überlegenswerte Alternative, schon allein finanziell betrachtet!

Schöne Grüße,
Corinna

Hallo,

Die Lehrerin steht auf dem Standpunkt, dass Kinder erstmal freies Spiel lernen sollten, also nicht nach Noten, …

Den Standpunkt finde ich grundsätzlich nicht so verkehrt, ebenso wie man ja zunächst frei sprechen lernen sollte, bevor man Lesen und Schreiben und Grammatik lernt.

Allerdings finde ich es mit 10 bis 11 Jahren etwas spät, damit anzufangen, und vor allen Dingen ist da eine Stunde in der Woche reichlich wenig dafür. Sprechen lernt man ja auch nicht nur eine Stunde in der Woche, sondern jeden Tag viele Stunden, und immer wieder.

Ich denke, dieses freie Spiel zu lernen ist mit einem normalen Instrumentalunterricht einmal die Woche nicht wirklich zu machen.

Allerdings würde ich nach einem guten Jahr Unterricht nicht den Lehrer wechseln. Das sollte man entweder sofort machen oder erst später, wenn das Kind auch schon mal das Gefühl hat, da nichts mehr lernen zu können o.ä. So als Faustregel: Alle 3 Jahre ein neuer Lehrer.

Optimal wäre: Noch einen zweiten Lehrer, bei dem sie nach Noten spielen lernt …

Für 25.- Euro pro Stunde …

Ok, vergiss es.

Wie sind Eure Erfahrungen in der Hinsicht, was meint ihr, ist sinnvoll?

Wenn sie dadurch Spaß am Musikmachen bekommt, ist es auf jeden Fall sinnvoll. Oder was genau macht deiner Tochter bei dem Unterricht Spaß, weißt du das? Spielt sie denn auch zwischendurch Klavier, oder macht sie es nur genau im Unterricht?

Vielleicht lässt du dir mal das Konzept dieser Lehrerin genau erläutern, und zwar nicht am Telefon, sondern persönlich, und nicht in Anwesenheit deiner Tochter.

Viele Grüße
Simsy

PS: Auf die Dauer macht Klavierspielen nur Spaß, wenn man es kann.

Kombination macht es
Hallo Ann,

ich hätte mir damals (und auch heute noch im Nachhinein) so eine Klavierlehrerin gewünscht!

Ich habe mit neun Jahren mit Klavierunterricht angefangen, konnte aber schon seit meinem 4. Lebensjahr (durch „musikalische Früherziehung“) und anschließendem Block-Flötenunterricht Noten lesen. Aber das, was mir niemand „wirklich“ beigebracht hat, war Musik zu „spüren“.

Meine Klavierlehrerin hat es versäumt, mir das „freie Spielen“ nahe zu bringen - und genau dies habe ich bei anderen beneidet. Denn daraus entwickelt sich in den Jahren, wo man die Lust verlieren könnte, der Spaß, den man schlicht haben muss.

Die Begeisterung und das Gefühl für das Instrument, etwas auf dem Gefühl, dem Gehör nachspielen zu können - das ist die Motivation, die über Jahre andauern kann.

Ich denke, die Kombination macht es. Natürlich sollten auch Les-/und Interpretationformen gelehrt werden.

Viele Sonntagsgrüße

Kathleen

Hallo,

die Klavierlehrerin arbeitet wohl auch in einer Musikschule mit, kommt aber freundlicherweise für ein paar Privatstunden in die Grundschule bei uns.
Das ist natürlich ausgesprochen praktisch.

Ich werde mal nach Musikschulen in der Nähe gucken, Danke für den Tip.

Gruß, Anne

Hallo,

erstmal Danke für Deine Antwort.

Meine Tochter hat Zuhause bislang nur ein Keyboardd, auf dem sie schon mal spielt (ich bin grad auf der Suche nach einem E-Piano - Klavier ist in einem Mehrfamilienhaus nicht ganz das Wahre).
Ihr macht das Spielen schon Spaß, sie übt auch Zuhause die angesagten Stücke, also das geht ganz gut.

Ein ernsthaftes Gespräch mit der Lehrerin ist irgendwie schwierig - Künstlernatur versus Naturwissenschaftlerin - das geht schlicht aneinander vorbei und ich kann auch nicht mit musikalischem oder Fachwissen oder Lernkonzepten aufwarten.

Kurz: ich kann mit der Frau nichts anfangen und wenn ich sage, meine Tochter ist Zuhaus mit Hänschenklein nach Noten überfordert kommt von ihr, sie würden doch Noten lernen und meine Tochter könne schon einiges und und und (viel Gelaber halt).

Ich habe hingegen den starken Eindruck, dass mein Sohn (2 Klassen weiter) im Schulmusikunterricht mehr Noten lernt, als meine Tochter im Klavierunterricht.

Gruß, Anne

Hallo,

Vielen Dank Euch allen für Eure hilfreichen Antworten.

Habe jetzt doch ein bißchen mehr Durchblick.

Gruß, Anne

Hallo,

Meine Tochter hat Zuhause bislang nur ein Keyboardd, auf dem
sie schon mal spielt (ich bin grad auf der Suche nach einem
E-Piano - Klavier ist in einem Mehrfamilienhaus nicht ganz das
Wahre).

Mir stellt sich gerade die Frage, ob du möchtest, daß deine Tochter ernsthaft Klavierspielen lernt oder nur ein bißchen spaßhalber nebenher, weil es vielleicht ganz gut sein könnte.
Es ist sehr wichtig, was du ihr vermittelst.
Ein richtiges Klavier könnte die Sache ernsthafter werden lassen und damit auch deiner Tochter vermitteln, daß es nicht nur um Spaß geht, sondern daß Ernsthaftigkeit und Noten auch dazugehören.

Ihr macht das Spielen schon Spaß, sie übt auch Zuhause die
angesagten Stücke, also das geht ganz gut.

Die Frage ist eben, ob es „nur“ Spaß machen soll oder ob du auch einen Sinn im Klavierspielen siehst und vermittelst oder nicht…

Ein ernsthaftes Gespräch mit der Lehrerin ist irgendwie
schwierig - Künstlernatur versus Naturwissenschaftlerin - das
geht schlicht aneinander vorbei und ich kann auch nicht mit
musikalischem oder Fachwissen oder Lernkonzepten aufwarten.

Künstlertum und Naturwissenschaft schließen einander nicht grundsätzlich aus, keineswegs!

Kurz: ich kann mit der Frau nichts anfangen und wenn ich sage,
meine Tochter ist Zuhaus mit Hänschenklein nach Noten
überfordert kommt von ihr, sie würden doch Noten lernen und
meine Tochter könne schon einiges und und und (viel Gelaber
halt).

Deine Tochter wird bestimmt auch bald nichts mehr mit dem Klavierspielen anfangen können, weil du nicht mit der Lehrerin auskommst…

Ich habe hingegen den starken Eindruck, dass mein Sohn (2
Klassen weiter) im Schulmusikunterricht mehr Noten lernt, als
meine Tochter im Klavierunterricht.

Gut möglich.

Gruß, Anne

Vielleicht kannst du mit meinen Gedanken ja was anfangen.
Schöne Grüße

Hallo,

also ich überlasse es meiner Tochter, mit welcher Intension sie daran geht - allerdings ist sie schon etwas sprunghaft und lernt nicht gern, wenn es keinen Spaß macht. Also sich mal durch zähere Sachen durchboxen ist nicht ihr Ding.

Ich gehe auch nicht davon aus, dass sie Pianistin wird.
Aber ich habe klavierspielende Bekannte, die eben einfach für sich selbst gern mal spielen (natürlich auch nach Noten) und Freude daran haben.
Diese Möglichkeit möchte ich meiner Tochter schon eröffnen.
Die Bekannten spielen übrigens teils auch auf E-Pianos, es gibt da schon gute Geräte und der Vorteil ist, man kann jederzeit spielen, auch wenn die Nachbarn ev. schon oder noch schlafen und eben auch mal 3 Stunden am Stück.

Mein Problem mit der Klavierlehrerin schreckt meine Tochter nicht - soviel eigene Meinung hat sie schon.
Mich schreckt nur, dass meine Tochter halt garnichts spielen kann, was sie nicht von ihrer Lehrerin gezeigt bekommt.
Manchmal möchte sie schon aktuelle Sachen spielen, aber die Noten nutzen ihr nichts und der Klavierunterricht reicht dafür natürlich nicht aus.

Es fällt mir nicht leicht, mich da zu entscheiden, zumal ich selbst nie ein Instrument erlernt habe. Aber wie gesagt - nur für den Spaß ist mir das Ganze denn auch ein bißchen zu teuer. Für den Preis sollte etwas langfristig Wirkendes herauskommen.

Und natürlich widersprechen sich Kunst und Naturwissenschaften nicht zwangsläufig, in diesem Fall aber schon in der klischeemäßig zu erwartenden Weise. Leider. Mir wärs anders lieber, aber ich sehe da kein Licht.

Gruß, Anne

Ein bisschen wider den tierischen Ernst
Hallo

Mir stellt sich gerade die Frage, ob du möchtest, daß deine Tochter ernsthaft Klavierspielen lernt oder nur ein bißchen spaßhalber nebenher …
… Ein richtiges Klavier könnte die Sache ernsthafter werden lassen …

Wenn es was werden soll, dann muss es auch soweit machbar sein, ohne dass sich die Nachbarn ständig beschweren bzw. ohne dass die Mutter ständig Angst hat, die Nachbarn könnten sich beschweren.

Ein richtiges Klavier ist defininitiv besser und klingt auch schöner, aber natürlich hört da immer das ganze Haus mit, und das Üben ist dann nur zu bestimmten Zeiten möglich. Das sind starke Gründe dafür, evtl. eines Tages gar nicht mehr zu üben. - Es gibt auch Pianisten, die konnten zu Hause nur auf einer stummen Klaviatur üben (mindestens einen, habe leider vergessen, wer das war).

…und damit auch deiner Tochter vermitteln, daß es nicht nur um Spaß geht, sondern daß Ernsthaftigkeit und Noten auch dazugehören.

Und was hat das für einen Sinn, wenn die Lehrerin da anderer Ansicht ist?

Ihr macht das Spielen schon Spaß, sie übt auch Zuhause die
angesagten Stücke, also das geht ganz gut.

Die Frage ist eben, ob es „nur“ Spaß machen soll oder ob du auch einen Sinn im Klavierspielen siehst und vermittelst

Welchen Sinn hat es denn, wenn nicht letzten Endes irgendwie Spaß machen?

Wobei ich sagen muss, dass es ganz erheblich viel mehr Spaß macht, wenn man die Sache beherrscht.

Deine Tochter wird bestimmt auch bald nichts mehr mit dem Klavierspielen anfangen können, weil du nicht mit der Lehrerin auskommst…

Im Moment ist es aber nicht so, und das muss man auch nicht herbeireden.

Viele Grüße

Gespräch mit der Künstlerin
Hallo

Ihr macht das Spielen schon Spaß, sie übt auch Zuhause die angesagten Stücke, also das geht ganz gut.

Das ist meiner Meinung nach das Wichtigste. Das wirkt auch dauerhaft nach. Erstens spielt sie ja definitiv irgendwas und lernt die Fingerfertigkeit, und zweitens lernt sie, dass Musikmachen Spaß macht, was sie dazu motivieren könnte, auch irgendwann Noten zu lernen.

Es gibt wirklich etliche Musiklehrer (die gab es jedenfalls früher haufenweise), die ihren Schülern für alle Zeiten den Spaß an der Musik verderben. Das passiert hier wenigstens nicht.

Ich hoffe nur, dass sie die richtige Anschlagstechnik vermittelt.

Ein ernsthaftes Gespräch mit der Lehrerin ist irgendwie schwierig - Künstlernatur versus Naturwissenschaftlerin - das geht schlicht aneinander vorbei und ich kann auch nicht mit musikalischem oder Fachwissen oder Lernkonzepten aufwarten.

Ich meinte ja, dass du dir ihr Konzept erklären lassen solltest. Dafür brauchst du ja nicht mit Fachwissen aufwarten.

Kurz: ich kann mit der Frau nichts anfangen und wenn ich sage, meine Tochter ist Zuhaus mit Hänschenklein nach Noten überfordert kommt von ihr, sie würden doch Noten lernen und meine Tochter könne schon einiges und und und (viel Gelaber halt).

Hmmm aber wenn nur sowas kommt, das würde ich auch nicht verstehen können …

Ich würde aber trotzdem jetzt weitermachen. Es kann ganz leicht passieren, dass so ein Kind plötzlich keine Lust mehr hat, ein Instrument zu lernen, und der Draht, den das Kind zum Lehrer hat, ist ganz wichtig, denn er motiviert das Kind. Und ohne Motivation läuft da wirklich überhaupt nichts.

Meine Tochter hatte auch lange Zeit einen Lehrer, wo ich zu 50 % dachte, der macht ja gar nichts (da war es allerdings auch nicht so teuer). Aber es kam irgendwann von alleine (viel früher als ich dachte), dass ihr das nicht mehr reichte, und dann ist der richtige Zeitpunkt zum Wechseln.

Vielleicht kannst du dich schon mal umgucken, wo man bei euch noch Klavier lernen kann. Eine städtische Musikschule habt ihr nicht bei euch in der Gegend?

Ich habe hingegen den starken Eindruck, dass mein Sohn (2 Klassen weiter) im Schulmusikunterricht mehr Noten lernt, als meine Tochter im Klavierunterricht.

Noten lernt sie anscheinend da ja definitiv nicht.

Viele Grüße
Simsy

Hallo,

ich hänge das jetzt mal hier dran, hätte auch ein anderer Strang sein können:

Für mich gehen hier zwei Sachen durcheinander, die so nichts miteinander zu tun haben: Spass am Spiel zu vermitteln und Grundlagen schaffen schließen sich nicht aus! Ein wirklich guter Lehrer macht beides!

Das hier ist nämlich der Knackpunt:

Manchmal möchte sie schon aktuelle Sachen spielen, aber die
Noten nutzen ihr nichts und der Klavierunterricht reicht dafür
natürlich nicht aus.

Mit der Methode ist sie völlig abhängig von ihrer Klavierlehrerin. Was die ihr nicht gezeigt hat, kann sie nicht. Das sehe ich nicht als Förderung von Kreativität und erstickt in meinen Augen auch eher, sich selbst zu entwickeln.

also ich überlasse es meiner Tochter, mit welcher Intension
sie daran geht - allerdings ist sie schon etwas sprunghaft und
lernt nicht gern, wenn es keinen Spaß macht. Also sich mal
durch zähere Sachen durchboxen ist nicht ihr Ding.

Auch damit kann ein guter Lehrer umgehen.

Ich habe selber früher jahrelang Instrumentenunterricht genossen. Als ich in die Pubertät kam, war stundenlanges Üben auch nicht mein Ding. Meine Lehrerin hat da im stetigen Wechsel Zuckerbrot und Peitsche schwingen lassen :wink:… In der ärgsten Phase, das war etwa ein halbes Jahr lang, hat sie die Leine ganz lang gelassen und mich praktisch nur das spielen lassen, was ich wollte. Nix mit Etüden. Ich bin ihr sehr dankbar dafür, weil ich so über 13 Jahre durchgehalten habe und es auf ein anständiges Niveau gebracht habe.

Dieses auf den Schüler und seine Motivation Eingehen macht guten Unterricht aus. Nicht der Punkt, wie „schonend“ er die Theorie vermittelt bekommt. Die in diesem Fall nicht dröge ist, sondern schlicht notwendiges Werkzeug.

Ich hatte schon erwähnt: Ich habe selber früher Musikalische Früherziehung gegeben. Auf selbst gebauten Instrumenten. Inklusive Noten! Wer sie nutzen wollte, konnte sie nutzen. Sie waren aber nicht nötig, um spielen zu können. (Das hing in Form von Plakaten an der Wand. Kurze Töne als Kreise, lange als liegende Ovale) Auch habe ich es natürlich nicht genau genommen mit der Tonhöhe: Das hat sich alles noch zwischen den 5 Linien abgespielt. Aber - Ergebnis war: Fast alle der Kindergartengruppe kannten bei der Einschulung die Noten innerhalb dieser 5 Linien! Und das weit ab von „Zwang“, dröger Theorie o.ä.

LG Petra

Hallo,

du hast absolut recht, es ist nur die Frage, ob ein guter Lehrer zur Verfügung steht. Ich finde, es dauert sehr lange, bis man beurteilen kann, ob ein Lehrer seines Kindes gut oder nicht ganz so gut ist, und Experimente sind in der Phase einfach schlecht.

Nun gut, es wäre sicher gut, sich schon mal umzugucken und Meinungen einzuholen, aber ich würde mir unbedingt dabei Zeit lassen, und den laufenden Unterricht nach Möglichkeit nicht stören (z. B. durch vor dem Kind geäußerter Kritik o.ä.)

Viele Grüße

Hallo,

nein, Noten lernt sie definitiv nicht. Nachdem ich das vor einem halben Jahr schon mal angefragt habe, hat sie vielleicht5 oder 6 Noten der Tonhöhe nach gelernt (nicht die Notenlängen etc.), aber die kann sie inzwischen auch nicht mehr richtig, weil so lange für die Aufführung geübt wurde.

Natürlich sollte ihr der Spaß daran nicht verdorben werden, ich will auch keine sturen Notenpaukunterricht. Aber wenigstens ein drittel der Unterrichtsstunde, also eine viertel Stunde, Noten oder ein bißchen Musiktheorie fände ich inzwischen schon angesagt. Und vielleicht hin und wieder ein den Fähigkeiten entsprechendes kleines Notenstück für Zuhause zum üben.

Was hat sie nacherher davon, wenn sie sich nichts nach Noten selbst erarbeiten kann?

Gruß, Anne