Liebe Community,
Katastrophale Arbeitsbedingungen in der Kleidungsproduktion von Aldi, Lidl und Kik! Seit Jahren versprechen die Discounter eine Verbesserung. Doch laut der sogenannten „Clean Clothes Campaign“ (CCC) sind die angekündigten Verbesserungen bis heute ausgeblieben. Das Sündenregister der neuen, gestern veröffentlichen Studie ist erneut ellenlang. Dem CCC zufolge bleiben den Angestellten in Billiglohnländern wie Bangladesch neben schlechter Bezahlung auch Diskriminierung und sexuelle Belästigungen nicht erspart. Diese Bedingungen sind wohl auf die „Kampfpreise“ zurückzuführen, mit denen die Ketten ihre Textilien vertreiben. Achtet ihr beim Kauf von Kleidung auf das Herkunftsland? Seid ihr dazu bereit einen höheren Preis zu bezahlen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern?
Letzte Frage: JA
Vorletzte Frage: Nicht immer, ab heute noch etwas bewusster.
Die Discounter sind meine letzte Adresse bim Einkauf von Kleidung. Das ist ein gelegentliches „Mitnehmen“.
Ihr Engagement an sich ist gut. Nur hier in diesem Medium meines Erachtens etwas fehl am Platz.
Ich anworte auch nur wegen der „guten Sache“.
Michael Hacker
mit den höheren Preisen wird es wohl keine verbesserung geben…
als ich in bangladesh war habe ich viele outletstores gefunden: esprit, beneton, mango, … usw. diese firmen verkaufen ihre kleidung zu wesentlich höheren preisen, die arbeitsbedingungen sind aber die gleichen!!! das hat nichts mit discountern zu tun!
um mit einem guten gewissen kleidung zu tragen müsste man auf konventionelle kleidung komplett verzichten und kleidung z.b. aus deutschland kaufen oder eben aus sozialen projekten.
auf der anderen seite sind die meisten familien in bangladesh darauf angewiesen, dass ihre kinder arbeiten gehen. sicherlich müssten die bedingungen verbessert werden, aber der verzicht auf kinderarbeit ist eine sehr westliche, realitätsferne, naive und elitäre vorstellung! das leben der meisten familien ist purer überlebenskampf. wer einmal da war sieht das leben mit anderen augen!
Hallo,
die Fragestellung ist relativ komplex und muss auf jeden Fall von mehreren Seiten betrachtet werden. Ich kenne mich relativ gut in Bangladesch aus und das Textilgeschäft ist auf jeden Fall ein riesiges Gewerbe, das in die ärmsten Länder verschoben wird. Grundsätzlich verdient der Arbeiter etwa 1% des Verkaufspreises für den angefertigten Artikel, die Firma in Deutschland oder einem anderen Land hat eine sehr große Gewinnspanne. Gleichzeitig streicht der Fabrikbesitzer vor Ort auch einen großen Anteil (etwa 15%) ein und fährt meist in luxuriösen Fahrzeugen vor. Auch in Bangladesch selbst wird damit sehr viel Geld verdient. Alleine um und in der Hauptstadt Dhaka gibt es mittlerweile etwa 2500 Fabriken für Textilien. Deshalb ist die Frage ob man einen höheren Preis bezahlen würde falsch gestellt, da es im Endpreis keinen Unterschied macht, ob der Arbeiter beispielsweise das doppelte verdient (für diesen aber sein gesamtes Leben komplett verändern würde).
In Dhaka gibt es Kleiderbasare, wo einige der Produkte aus den Fabriken landen und zum wahren Preis immer noch mit Gewinn verkauft werden (dort kosten T-Shirt um 1 Euro, Jeans 2-4 Euro ) Neben den in Deutschland besonders kritisierten Discountern wie KiK etc. werden dort auch G-Star, Hugo Boss, Zara etc verkauft, die erstmal nicht dieses Image haben. Allerdings unterscheiden sich bis auf wenige Ausnahmen die Arbeitsbedingungen im Produktionsland in keinster Weise von denen, die bei KIK so kritisiert werden. Der Unterschied besteht meiner Meinung nach eher in der Unternehmenspolitik in Deutschland. KIK ist als Arbeitgeber auch ausbeuterisch seinen Angestellten in Deutschland gegenüber, während Hugo Boss so weit ich das beurteilen kann, gute Gehälter für die deutschen Angestellten zahlt.
Ein anderer Aspekt, der hier kaum beachtet wird, ist, dass Arbeit in einer Textilfabrik in Bangladesch, seien die Arbeitsbedingungen aus unserer Sicht auch noch so schlecht, für viele eine sehr attraktive Arbeit dar stellt und unter den einfachen Arbeiten so etwas wie high-end darstellt. Bangladesch hat so eine massive Überbevölkerung und einen sehr großen Anteil von Menschen, die als extrem arm gelten und kaum Bildung besitzen, dass jede Art von Industrie sowohl von der Politik vor Ort als auch den Menschen willkommen geheißen wird. 10-12 Stunden bei 40 Grad zu nähen und dabei gerade 15-20 euro im Monat zu bekommen mag aus deutscher Sicht eine extreme Form von Ausbeutung darstellen ist aber im Kontext der Armut, die dort besonders in den Städten herrscht, eine relativ angenehme Arbeit. Vielfach arbeiten Frauen als Steineklopfer, Hausangestellte oder Bettlerinnen, die vielfach verstümmelt werden um mehr Geld einzubringen. Hausangestellte haben keine Art von Priuvatleben, arbeiten von 5 Uhr morgens bis in die Nacht, verfügen oft über keine Privatgegenstände und gehören zum Inventar, das den Besitzern ausgeliefert ist. Schläge, Vergewaltigungen und Misshandlungen sind so an der Tagesordnung. Da die Anzahl der Armen so immens ist ( etwa 60 der Bewohner von Dhaka, also 10 Millionen gelten als arm) hat schon jede Familie der Mittelschicht eine Hausangestellte, bei der Oberschicht sind es bis zu 4-5 Personen, die dort „dienen“. Mit der Textilindustrie konnten sich ganze Generationen von Frauen emazipieren, davor waren die Frauen besonders wenn sie gänzlich mittellos waren bedingungslos ausgeliefert, da sie in den meisten Berufen nicht arbeiten konnten. (Rickshaw fahren oder das Baugewerbe sind beispielsweise ausschliesslich männliche Arbeitsbereiche) Es gibt Untersuchungen der Dhaka University, dass durch die Textilproduktion gerade die Lage der Frau immanens gebessert hat. Auch wenn das geringe Einkommen kaum zum Leben reicht, Frauen sind damit in der Lage, selbständig zu werden und können sich aktiv einbringen. Untersuchungen der Soziologiegesellschaft in Bangladesch haben gezeigt, dass Frauen eher in die Bildung der Kinder und die Familie investieren als Männer. Oftmals wurden Frauen und Kinder einfach verstoßen und ohne Hilfe sich selbst überlassen, mit der Frau als „Verdienerin“ passiert dies kaum noch.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen einige Denkanstöße geben. Wenn Sie mehr Informationen über Bangladesch brauchen, können Sie mich gerne kontaktieren. Ich habe einige Jahre dort gelebt und mich intensiv mit der Situation der Armen dort befasst.
mit besten Grüßen
Mareike Boller
Anstatt immer nur die Discounter als Sündenböcke hinzustellen, würde ich es begrüßen, wenn auch die mal die größen Modehäuser wie Kaufhof, Karstadt, Wöhrl etc. in den Medien auftauchen würden. Denn letztlich beziehen ALLE ihre Ware aus Billiglohnländern. Sei es das komplette Sortiment oder zumindest ein Teil davon. Dass es in Deutschland mittlerweile so gut wie keine Textilindustrie mehr gibt, liegt letztlich am Verbraucher!!! Denn würde es eine ausreichende Nachfrage und die Bereitschaft dazu geben, mehr Geld für heimische unter guten Arbeitsbedingungen hergestellte Ware zu investieren, würden mit Sicherheit auch mehr Firmen in Deutschland produzieren. In der deutschen Automobilbranche (auch wenn viele Bauteile aus dem Ausland kommen) funktioniert es offentsichtlich besser, weil der Deutsche gerne 1500€ extra für 20Zoll-Felgen hinblättert - Bei Textilien läuft der Hase jedoch anders. Die Firma Trigema wirbt ja nun schon seit Jahren, dass sie nur in Deutschland produziert. Ohne genaue Zahlen zu kennen, ist deren Marktanteil jedoch sehr gering. Ich habe zumindest noch nie Ware dieser Firma in den großen bekannten Modehäusern gesehen. http://www.ladenzeile.de/shop-trigema/ Dort ist zu sehen, dass z.B. ein Schlafanzug 71€ kostet, wofür man beim Discounter wahrscheinlich 7 Stück bekommt. Ich glaube nicht, dass Umfragen zur Kaufbereitschaft von fair gehandelten Waren, wirklich zu einem vailden Ergebnis führen - denn Billigangebote werden weiter verführen, auch wenn man sich nach außen hin als „sozialen“ Menschen gibt!
Hallo,
ja , das ist alles mies wie Menschen in andren Ländern behandelt werden für unsre billige Kleidung. Ich versuche etwas darauf zu achten, was ich kaufe, aber es gibt wenig hübsche und vor allem bezahlbare Ökokleidung und vor allem mit einem niedrigen Einkommen und Familie bin ich schon froh, daß unser Essen einigermaßen Bio ist. Dann noch die Kleidung? Oh je! Als Kompromiß sehe ich, daß man Secondhand Kleidung kaufen kann. Da wird nicht extra neu für dich was produziert…