Kleidungsvorschriften oder Erwartungen im Konzert?

Hallo,

ich werde heute abend zum ersten Mal nach mehreren Jahrzehnten wieder in ein Konzert eines namhaften Philharmonie-Orchesters gehen.

Gibt es da jetzt immer noch besondere Kleidungsvorschriften? Schwarzer oder dunkelblauer Anzug und Schlips wie vor Jahrzehnten vermutlich nicht mehr. Muss es aber wenigstens ein Anzug sein? Oder geht auch eine „Kombination“, oder gar Blue Jeans mit irgendwas?

Grübelt
Carsten

Solang es nicht die Eröffnungspremiere in Bayreuth ist, geht so ziemlich alles

Alles??? Sorry - aber Blue Jeans sind absolut unpassend. Große Gala muß nicht sein - aber ein gepflegtes Outfit ist angebracht.
Sollte das Konzert in Wien sein, dann würde ich aber zu einem schwarzen oder dunkelblauen Anzug und Krawatte raten - ich fände es auch in Deutschland besser.

LG Mannema

Gehen aber nicht wenige in Jeans und die können mit einem guten Oberteil auch salonfähig sein.
Was passend ist sollte doch am Ende jeder selber entscheiden und bequem sitzen ist auch was Schönes.
Wir sollten nicht vergessen, dass es hier um Musik geht und nicht um Bekleidung.
Mit Konventionen , finde ich, ist den Leuten Jahrhunderte lang genug auf die Nerven gegangen worden.Jeder so, wie er mag. Wenn´s verschlissen und abgeranzt aussieht, wird man eh merken, dass es irgendwie sich falsch anfühlt und sich unwohl fühlen.

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Hallole,
nein, es geht um Bekleidung. Wenn man Musik in der Jogginghose, Sandalen und Lederjacke hören will, dann kann man sich ja auch ans Radio zu Hause setzen.

Ich finde, es ist eine Frage des Respektes den Musikern und den anderen Besuchern gegenüber, wenn man sich einen Anzug anzieht.

Schöne Grüße
Schrella

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Wie du an den Antworten hier im Forum merkst, haben sich die Regeln auch im Konzertsaal ziemlich aufgeweicht. Heutzutage sitzen vornehme Anzüge neben Alltagsjeans. Man braucht also keine Angst mehr vor falscher Bekleidung zu haben, sollte aber meiner Meinung nach die Schönheit der Musik und das Besondere der Atmosphäre nicht durch zu große Nachlässigkeit entwerten!
Karl

Ich glaube , die Musiker sind die letzten, denen das etwas bedeutet…
Wie auch immer, man kann das verschieden sehen, und das ist auch OK.

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wie gesagt: Respekt

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Aber Respekt setzt sich doch anders zusammen: Nicht zu spät kommen, vorher schön auf Klo gehen und nicht während des Konzertes, nicht an den falschen Stellen klatschen…das sind alles Dinge, die andere beeinträchtigen. Wie ich mich anziehe, das geht streng genommen keinen etwas an.
Was habe ich das Rausputzen gehasst, als mich meine Eltern früher in die Oper geschleppt haben, die Oper selber habe ich auch gehasst.
Aber, vor allem: Ich sehe so viele Jeans in Konzerten und in der Oper-wo ich aus versaut in der Kindheit-Gründen allerdings nicht gerade oft hin gehe- und das sieht sogar gut aus mit einer schönen Bluse, das stört gar nicht. Es gibt wie überall Traditionalisten und don´t carers, alles fein.

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Hallo,
ich bin da anderer Auffassung. Vielleicht komme ich auch aus einer anderen Zeit.
Aber mal anders gefragt: Wenn ein Freund heiratet und du wissen kannst, dass die Gäste alle gut angezogen dorthin gehen, könntest du dann Freiteitklamotten hingehen?

Schöne Grüße
Schrella

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Als ehedem auf den Brettern stehende (allerdings nicht bei Konzerten, sondern Sprechtheater) kann ich dem zustimmen.
Schon von den Lichtverhältnissen her, sieht man gar nicht, wie das Publikum gewandet ist, wenn man es nicht drauf anlegt und durch den Vorhang spitzt (bei Konzerten ist das ein bisschen, aber nicht, viel anders).

Es gibt viel mehr Dinge, die einen Schauspieler stören - das von dir genannte Zuspätkommen (das man aber auf der Bühne selbst gar nicht so sehr merkt, es kann aber den anderne Zuschauern den Genuss verderben), permanentes Husten (nicht immer zu verhindern, aber jemand mit Dauerhusten sollte vielleicht doch warten, bis er/sie auskuriert ist) und solche Dinge. Im Gegenteil: wenn ich in der Pause, die „schönen Menschen“ mit Champagnerflutes rumstehen sehe und dem Smalltalk zuhöre … dann sind mir Jeansträger, die sich mit Stück und Aufführung auseinandersetzen, lieber.

Ich verstehe, dass für viele Menschen ein Konzert oder Theaterbesuch ein „Gesamtkunstwerk“ ist, in dem Sinne, dass da die Musik und der „Event“ zusammenspielen. Allerdings scheint mir bei den Anzug- und Abendkleidträgern das Gewicht mehr auf dem Gesehenwerden als auf dem Hören und Sehen zu liegen.

Grüße
Siboniwe

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Das ist es ja aber: es ist nun mal nicht mehr so, dass ALLE sich in Anzug und Abendkleid aufbrezeln, wenn sie zu Konzerten gehn.

Grüße
Siboniwe

PS: Mit der anderen Zeit hat das nicht so viel zu tun, ich bin ja auch nicht mehr die Jüngste.

Kommt drauf an…Ich würde so hingehen, wie ich mich wohl fühle und das wäre auf jeder Hochzeit, die ich mir vorstellen kann und auf der ich war auch eine Jeans mit einem schönen Oberteil.
Ich würde aber mit ganzer Seele hingehen, und mit meiner inneren Zugewandtheit das Paar von Herzen für ihren Weg unterstützen, das hört auch nicht mit dem Hochzeitstag auf. Find ich viel wichtiger als unbequemen Fummel und Du darfst mir glauben, dass ich auch in Jeans strahlen kann.
Einmal hatte ich mir mit 25 extra was Schönes gekauft und war dann mitsamt dem anderen Trauzeugen 3 Klassen besser angezogen, als das Brautpaar, denen das alles völlig egal war.
Dasselbe gilt für die Musik. Respektvoll und mit dem Herzen zuhörendes Publikum, das ehrlich seinen Beifall ausdrückt, das tut mehr als reichen. Das weiss ich, weil ich seit fast 20 Jahren mit einem Musiker liiert bin.
Es kann doch immer nur um Authentizität gehen. Und wenn Du Dich gerne schön gewandest, dann wird das auch für Dich authentisch sein und dieses Gewand maximal Deine Ausstrahlung unterstützen. Ich wäre im Fummel völlig ungemütlich und wäre alles andere, als authentisch, da würde ich mich so falsch fühlen, dass alles andere drunter leidet.(Meistens sind nämlich Fummel nicht sehr bequem…)
Auch bei-guter-Musik kann es doch nur um Authentizität gehen.

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Hallole,
ja, mag sein. Aber gefragt war nach Kleidervorschrift … und Erwartungen …
Dann wäre die Antwort vielleicht: …eine Vorschrift gibt es nicht - aber unterschiedliche Erwartungen … Schrella erwartet, gue Klamotten.

Schöne Grüße
Schrella

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Genau daran hatte ich eben auch gedacht.Letztes Mal Theater nach Weihnachten, feines Theater, feine Menschen mit feinen Kindern (für die das Stück vollkommen überfordernd war-Alice in wonderland) und feinen Canapés in der Pause. Ein Riesenhaufen unauthentischer Münchner Bildungsbürger. Das Stück war toll und die Schauspieler waren freaks, das war zu sehen, jede Wette, dass die nicht in Fummeln in ihr eigenes Theater gegangen wären.

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Ich bin auch der Meinung, es geht in erster Linie um die Musik, und nicht um die Kleidung.
Konzert ist nicht so meins, aber in der Operette gehe ich auch nicht mehr im Anzug (in dem ich mich noch nie wohlgefühlt habe, und eigentlich auch die Operette nie so richtig genossen habe), sondern in „normalen“ Klamotten in denen ich mich wohlfühle. Natürlich kein Jogginganzug oder ähnlich. Hose und Hemd.
Im Publikum in der Operette auch alles vertreten, an Klamotten, von Anzug bis Jeans

Gute Klamotten, da hat heute auch jeder eine andere Auffassung davon.
Alles ist erlaub, Hauptsache man fühlt sich wohl in seinen Klamotten.
In der Operette im Anzug hab ich mich nie wohl gefühlt. Bin halt kein Anzugträger.
Natürlich sollte man vielleicht nicht gerade die Freizeithosen und Wanderschuhe anziehen.

Hallo Carsten,

ist hier von Deutschland die Rede oder von Spanien?

Die Deutschen haben schon seit wenigstens fünfzig Jahren in allen romanischen Ländern den Ruf, an der Öffentlichkeit sehr schlecht und schlampig gekleidet zu sein.

Das letzte richtige Bügeleisen von Rowenta, ohne Dampfschnickschnack und Plastikteile, wurde zuletzt nur noch für Italien, Spanien und Portugal produziert - für Thomas Hoof gab es eine Ausnahme, der durfte es mit seinem manufactum-Versandhandelsgeschäft auch in Deutschland und Österreich anbieten.

Moral: In Spanien liegt die Latte deutlich höher als in Birkenstock-Land. Da ist das Minimum bei einem solchen Anlass Tuchhose, Hemd mit Schillerkragen (weiß oder allenfalls einfarbig, ungemustert), Sakko, geschlossene Schuhe (after six no brown!). Ausnahmen nur, wo etwas ohne weiteres als eine besondere (auch ausländische) Standeskleidung oder Tracht erkennbar ist, z.B. Zimmermannskluft. Insgesamt keine schrille, vulgär modische Kleidung.

Ein paar Striche mit der Glanzbürste über die Schuhe vor dem Aufbrechen gehören dazu.

Schöne Grüße

MM

Servus,

draußd’ im Reich ist das vorbei; da mag man keine festlichen Anlässe, sondern „Ich hab’ das Eintrittsgeld bezahlt, was wollt Ihr denn von mir?“. Die Reichsdeutschen waren ja in den unmittelbaren und mittelbaren Nachbarländern schon seit langem an ihrer tollpatschigen, gerne ein bissele miesepetrigen Kleidung zu erkennen, es macht ihnen nichts aus, beim Schleswig-Holstein Musikfestival in T-Shirt und seltsamen Kunststoff-Jeans mit spitzeneingefassten Löchern in den Knien und LED-beleuchteten Vulgärsneakern im Park von Schloss Klütz herumzuhüpfen. Wenn man in einem Eisenbahnzug irgendwo im Rheintal eine einfach, aber gut gekleidete Reisegruppe sieht, sind es in der Regel Österreicher, Schweizer, Niederländer oder Skandinavier.

Bei den letzten Mohikanern, die einen musikalischen Anlass gerne feierlich begehen, gibt es sichtbare Unterschiede zwischen den Konfessionen und somit auch zwischen Nord und Süd - von Cloppenburg-Vechta mal abgesehen: Bei Lutheranern und Protestanten eher Dunkelblau als Schwarz, betont einfache Kleidung, durchaus auch ein Nicki über dem Hemd, wobei es leicht vorkommen kann, dass bei genauem Hinsehen sowohl Nicki als auch Hemd jeweils für sich ungefähr so viel gekostet haben wie sonst ein ganzer Anzug; im katholischen Süden eher klassisch dunkler Anzug - weißes Hemd. In der Tendenz - freilich nicht ausschließlich - gibt es auch Unterschiede zwischen evangelischem und katholischem Schuhwerk.

Dass Binder und Fliege kaum mehr zu sehen sind, ist ein bissele schade, aber es hat bei Konzerten immerhin einen kleinen Vorteil: Die billigen Hemden, die fast nur noch getragen werden, haben ohne Ausnahme zu enge Kragen, d.h. wenn man den obersten Knopf schließt, führt das nicht bloß in den Pausen und zwischen den einzelnen Sätzen, sondern auch mitten im Adagio zu Hustenorgien, weil die anwesenden Herren der Schöpfung unter Beklemmungsgefühlen leiden.

Ach, und wemmer dabei sind, noch eines aus Tante Ernas Erfaaahrungswissen:

Wir haben das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker unter Daniel Barenboim gehört - mitten in Mannheim im Saal eines „Muliplex“-Popcornkinos. Das Konzert wurde über Satellit life übertragen, und für den feierlichen Rahmen in diesem zwar technisch gut ausgestatteten, aber sonst wenig festlichen Kinosaal sorgte das Publikum mit passender Kleidung. Es hat mir sehr gut gefallen so, auch wenn ich jetzt nicht unbedingt ein Fän von Barenboims impressionistisch schwebenden Klängen bin.

Schöne Grüße

MM

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Beim Negativbewerter würde mich denn doch interessieren was ihm nicht paßt…