menschliche Kommunikation
Hi tobias,
du setzt bei der frage etwas voraus:
man nehme: 1 sender, 1 empfänger, 1 kommunikation zwischen den beiden
von dem du meinst, ein menschliches Kommunikationsszenarium zu beschreiben. Wie dir Eckard bereits sagte: Das sind aber die Elemente einer technischen Kommmunikation, und zwar die der ganz klassischen Modelle aus der Zeit der Entwicklung der Kybernetik durch den Mathematiker Norbert Wiener.
In deiner Vorgabe steckt, daß bereits klar ist, worin der Kommunikationprozess besteht. Und weiter setzt du voraus, was mit „Gelingen der Kommunikation“ gemeint ist. Und weiter macht deine Frage die Präsupposition, daß es einen „prozentualen Anteil“ gäbe und dann noch, daß ein Sender und ein Empfänger unterschieden werden könne.
Alles ok, sofern es um ein kybernetisches Aggregat geht: „Gelungen“ ist der Austauschprozess dann, wenn der Empfänger die „Botschaft“ exakt so interpretiert, wie der Sender es wollte, oder den „Befehl“ exakt so ausführt, wie der „Geber“ es wollte.
Dazu gehören bestimmte Voraussetzungen. Eckart nannte einen wichtigen Teil davon bereits. Redundanz in der „Botschaft“ kommt mindestens noch dazu: Das sind Elemente, die dafür sorgen, daß die Möglichkeiten, die Botschaft mißzuverstehen, auf ein Minimum reduziert werden …
Das alles sind aber Dinge, die nur in den elementarsten Formen der menschlichen Kommunikation eine Rolle spielen: 1. beim Informationsaustausch und 2. beim Argumenteaustausch. Einige Autoren, wie z.B. die öffentlich bekanntesten (Schultz v. Thun, Watzlawick) gehen aber tatsächlich von diesem technischen Grundmodell aus und entwickeln darauf einige Empfehlungen des „Gelingens“. Worin aber das genau besteht, dieses Gelungensein, bleibt dabei unklar.
Menschliche Kommunikation ist gegenüber diesen Grundformen aber viel komplexer, und vor allem kommt etwas dazu, wovon der Ablauf des Prozesses entscheidend abhängt: Von der Deutung, die die beteiligten Gesprächspartner von eben diesem aktuellen Szenarium haben und von dem jeweiligen Interesse, sich in diesem Szenarium zu befinden.
Zudem gibt es dabei nicht mehr die eindeutige Unterscheidung eines Senders und Empfängers. Der Austausch ist nie ein differenziertes 1. Hin und 2. Her. Es gibt da nur rein textlich (naja, auch nicht immer) ein Nacheinander.
Wie und wodurch diese komplexeren Anteile sich zeigen und zum Tragen kommen, ist allerdings nicht gerade trivial zu beschreiben …
Wenn z.B. beide die Absicht haben, dem anderen Sympathie kundzutun (im Hintergrund, nicht per gesprochenem Text), und wenn sie dann zusätzlich beide das unbedingte Interesse haben, nicht primär sich verständlich zu machen, sondern primär den anderen zu verstehen, dann können Szenarien der Verständigung entstehen, die allein auf der Basis des Textaustausches gar nicht möglich wären.
Wenn ein anderer die Texte als solche allein hören (oder lesen) würde, könnte er nicht nachvollziehen, wieso sich die beiden einig geworden sind. Es spielt sich auf ganz anderen Wegen ab, als es bei der elementaren (s.o.) Kommunikation oder bei der technischen der Fall ist.
Umgekehrt, wenn obige Bedingung nicht vorliegt, wenn z.B. einer der beiden einen Widerwillen dagegen hat, sich mit dem anderen in einer Situation der Einigkeit zu befinden, dann werden sie auch keine Einigkeit erreichen, selbst, wenn sie sich über den Gesprächsgegenstand einig wären.
Aber auch dann ist die Kommunikation als gelungen zu betrachten (sie entspricht ja dem Ziel mindestens des einen der Partner), wenn man nicht den Fehler macht, unter „gelungen“ die umarmende Einigkeit zu verstehen. Auch ein Streit - sogar ein eskalierender - ist ein Kommunikationsszenarium.
Soweit in Kurzform …
Gruß
Metapher