Kleiner Schaden, riesige Reparaturkosten?

Hallo zusammen - und: durchhalten, bald ist Wochenende!

Eine Frage:

Unser mittlerweile neun Jahre alter Golf4 hat letztens Bekanntschaft mit einem anderen Fahrzeug gemacht. Ergebnis: Motorhaube verzogen, ein Licht kaputt, gesplitterte Blechschäden an der vorderen Seite.

Die Werkstatt, zu der das Fahrzeug gebracht wurde, sprach direkt nach dem Unfall von etwa 1.500 - bis 2.500 € Reparaturkosten. Beim in Auftrag gegebenen Kostenvoranschlag ging’s dann auf 3.300 € hoch, und ein von der Versicherung eingesetzter Dekra-Gutachter bezifferte die Reparatur gar auf 5.500 €.

Damit ist der Wagen natürlich ein wirtschaftlicher Totalschaden, die Reparatur wird zumindest von der Versicherung nicht mehr finanziert.

Meine Frage - ich bin ein absoluter Autolaie und will niemandem etwas unterstellen: ist so etwas üblich, diese Art „unsichtbarer“ Schaden? Es sieht wirklich unspektakulär aus, aber ich bin mir durchaus bewusst, daß so etwas täuschen kann. Hier einmal zwei Fotos vom Schaden:

http://i36.tinypic.com/e6pukp.jpg
http://i33.tinypic.com/2ufbzv4.jpg

Herzliche Grüße, vielen Dank und noch einmal ein schönes Wochenende!

GG

Das ein Blechschaden auf den ersten Blick wie eine Bagatelle aussieht, sich dann aber bei genauerem Hinsehen als deutlich gravierender herausstellt, ist nicht unüblich. Auf erste Schätzungen sollte man also nicht viel geben. Ausschlaggebend ist, was in den detaillierten Kostenvoranschlägen bzw. Gutachten steht. Wenn du dort ein erhebliches Missverhältnis zu erkennen glaubst, steht es dir ja frei, einen eigenen Gutachter zu beauftragen.
Gruß

Hermann

Hallo,

Es sieht wirklich unspektakulär aus,

Naja, ich würde das nicht als „unspektakulär“ bezeichnen:
Wenn der Stoßfänger so aussieht, dann ist er bei dem Unfall wahrscheinlich ziemlich weit nach innen gedrückt worden. Dann kann es tatsächlich sein, dass dahinter einiges zerstört wurde und zwingend ausgetauscht werden muß.
Es kann durchaus sein, dass man einen Teil der Schäden so nicht sehen kann. Die Radkästen und der Motorraum sind bei modernen Fahrzeugen teilweise beinahe komplett mit Kunststoffteilen verkleidet, so dass man auch beim Blick durch den Radkasten oder in den Motorraum nicht sofort alles darunter sieht.
Wenn nun durch Werkstatt bzw. Gutachter das Fahrzeug genau untersucht wird, werden auch Teile die den Blick versperren abgebaut, damit man das volle Ausmaß der Schäden sehen und prüfen kann.

Daher ist es meiner Erfahrung nach schon realistisch, dass die Kosten gegenüber der ersten Einschätzung seitens der Werkstatt so in die Höhe springen können.

Gruß Tommie

Hallo Gartengrün,

das sieht in der Tat nicht sonderlich spektakulär aus. Es kann aber sein, dass bei dem Unfall ein Längsträger, an dem die Vorderachse montiert ist, in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dann muss der Wagen auf eine Richtbank und dafür müssen eine ganze Menge Teile (u.a. die Achsen) demontiert werden. So kommen dann hohe Arbeitskosten zustande, die Beseitigung der (oberflächlichen) optischen Mängel wäre wohl gar nicht so teuer.
Eine andere Ursache für die „Kostenexplosion“ könnte sein, dass im Gutachten berücksichtigt wird, dass das Fahrzeug wieder bestmöglich dem vorherigen Zustand entsprechen soll. In der Regel ist dann vorgesehen, dass bei einem zu lackierenden Kotflügel vorne gleich die ganze Seitenwand zwecks Farbanpassung mitlackiert wird. Wenn Deine Werkstatt auf solchen Aufwand verzichtet und für die Frontschürze und den Scheinwerfer Gebrauchtteile einsetzt, könnte es sich möglicherweise lohnen.

Gruß
hps

Vielen Dank für die Antworten!
Das war alles sehr hilfreich!

Wie gesagt, ich spreche als Laie - es ist einfach ein wenig schmerzhaft, wenn ein liebgewonnenes, altes und durchaus gut gewartetes Auto plötzlich nur noch als Ersatzteillager dient. Da will man dann zumindest noch bei anderen Experten und Wissenden nachhaken.

Also: auf geht’s auf die Suche nach einem neuen Auto!

Ein schönes Wochenende und danke noch einmal,

GG

Hallo,

ohne das Auto „hinter den Kulissen“ genau anzusehen kann man hier die Schadenshöhe nur sehr ungenau schätzen. Allerdings würde ich mal den zuerst genannten Betrag als sehr optimistisch ansehen. Dafür dürfte außer den sichtbaren Schäden nichts weiter kaputt sein.

Obwohl selbst der vom Versicherer beauftragte Gutachter schon so einen hohen Schaden auswies, könnte es sich evtl. lohnen, noch einen eigenen Gutachter zu beauftragen. Und zwar dann, wenn dadurch der Wagen repariert werden kann, auch wenn die Reparaturkosten „etwas“ (ich glaube bis zu 20%) über dem Widerbeschaffungswert liegen. Gerade wenn kein deutlich neuerer Wagen angeschafft werden soll, ist es oft schwierig, für den ausgezahlten Betrag ein gleichwertiges Auto zu bekommen.

Beste Grüße
Guido

Hallo!

Das kommt erstmal darauf an, wer den Schaden bezahlt.
Wenn Du das bist, oder Deine Versicherung,
kann man ev. mal mit dem Versicherungs-Heini reden,
ob da auch eine billige Reparatur statt Verschrottung in Frage kommt.

Ich sehe auch oft solche Gutachten,
da wird natürlich nur zu den Preisen der Fahrzeughersteller abgerechnet,
und deren Arbeitslöhnen. Und jeder Pups, wenn da in einem nicht sichtbaren Blech ein kleiner Kratzer ist, da wird das gleich erneuert.

Ich sage mal, wenn dieser Wahnsinn nicht betrieben würde, wären 20% der Werkstätten schon pleite, und ein gewaltiger bürokratischer Apparat arbeitslos.
Da braucht man sich nicht wundern, warum die KFZ-Versicherungen so teuer sind,
und die Fahrzeughersteller freuen sich auch,
wenn sie mal ein neues Auto verkaufen.

Bei mir sieht es so aus,
dass ich des öfteren solche Ünfälle wie bei Dir billig zusammenflicke,
für Leute, die den Unfall selbst verschuldet haben, und das auch selbst bezahlen müssen, und Ebbe in der Kasse ist.

Da werden dann billige Nachbauteile verbaut, das ist manchmal sogar billiger als von der Autoverwertung.
Autoverwertung ist gut, wenn gleich der Lack passt.
Dann wird da gebastelt, gerichtet, gezogen, angepasst,
selbst lackiert, und so z. B. für 1000 € ist das Auto wieder fahrbereit,
und sieht auch ordentlich aus.
Wenn das mal mit dem Lack nicht ganz genau passt, oder der Motorhaubenspalt nicht ganz gleichmässig ist, akzeptiern die Kunden das,
das wird vorher so vereinbart. Selbstverständlich wird vorher nachgesehen, dass sicherheitsrelevante Teile unbeschädigt sind.

Das absolut perfekte Aussehen
ist ja bei einem alten Auto nicht ganz so wichtig, wenn es nur als Nutzfahrzeug für den Arbeitsweg dient.

Ich würde aber sagen, der Golf 4 ist grundsätzlich ein gutes Auto,
den sollte man wegen dem kleinen Unfall nicht verschrotten.
Und wenn, kann es durchaus sein, dass der dann in Polen nach meiner Methode repariert wird,
und dort noch viele Jahre fährt.

Grüße, Steffen!

moin,

was willste für den Golf haben?

Nee, jetzt mal ernsthaft. Ich hab die Bilder meinem Schrauber-Kumpel gezeigt (der hätte gern noch eins von der rechten Seite) und der fragte bloß, wieviel Kilometer der runter hat. Er (und meiner einer) können sich einen Schaden von mehr ais 3000 euro schlecht vorstellen.
Meine Meinung: Versicherung abkassieren und reparieren (lassen).

cu Tom

Zum Gruße,

Bei mir sieht es so aus,
dass ich des öfteren solche Ünfälle wie bei Dir billig
zusammenflicke,

Auch wenn „geflickt“ wird, sollte dies bei sicherheitsrelevanten Bauteilen stets nach Herstellervorgabe gemacht werden.
Dieser Golf hat eine Frontmaske (oder wie das heißt. Dort wo der Kühler drin ist und die Lampen angeschraubt sind) aus einer Art Kunststoff. Wenn dort etwas gebrochen oder gerissen ist, muss das Teil lt. VW zwingend ersetzt werden wegen des späteren Crashverhaltens.

Und ich wundere mich schon ein wenig, dass du (offenbar Fachmann?) nach dem Bild glaubst beurteilen zu können, was da gemacht werden muss. Ich selbst könnte das nicht (logisch), aber ein Freund von mir, seines Zeichens Kfz-Mechaniker bei VW, dem ich das Bild gezeigt habe, sagte, dass man so nichts weiter dazu sagen könnte, weil es zu viele Eventualitäten gäbe, die den Preis enorm in die Höhe treiben könnten. Auch er nannte u.a. den Längsträger.

Je mehr ich in diesem Brett lese, desto gemischter werden meine Gefühle bezüglich des hiesigen „Expertentums“. Sorry.

Gruß TL

Zum Gruße,

Bei mir sieht es so aus,
dass ich des öfteren solche Ünfälle wie bei Dir billig
zusammenflicke,

Auch wenn „geflickt“ wird, sollte dies bei
sicherheitsrelevanten Bauteilen stets nach Herstellervorgabe
gemacht werden.
Dieser Golf hat eine Frontmaske (oder wie das heißt. Dort wo
der Kühler drin ist und die Lampen angeschraubt sind) aus
einer Art Kunststoff. Wenn dort etwas gebrochen oder gerissen
ist, muss das Teil lt. VW zwingend ersetzt werden wegen des
späteren Crashverhaltens.

Und ich wundere mich schon ein wenig, dass du (offenbar
Fachmann?) nach dem Bild glaubst beurteilen zu können, was da
gemacht werden muss. Ich selbst könnte das nicht (logisch),
aber ein Freund von mir, seines Zeichens Kfz-Mechaniker bei
VW, dem ich das Bild gezeigt habe, sagte, dass man so nichts
weiter dazu sagen könnte, weil es zu viele Eventualitäten
gäbe, die den Preis enorm in die Höhe treiben könnten. Auch er
nannte u.a. den Längsträger.

Gruß TL

Hallo!

Je mehr ich in diesem Brett lese, desto gemischter werden
meine Gefühle bezüglich des hiesigen „Expertentums“. Sorry.

Naja, was verstehst Du unter Experten?
Sind das Leute, die jeden Pups genau nach Herstellervorschrift bauen,
damit das alles absolut perfekt ist, und entsprechend Geld kostet?
Es gibt ja auch noch die Möglichkeit, das zeitwertgerecht und sinnvoll zu machen,
ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen.

Mach Dir da keine Sorgen, diesen Kunststoff-Frontträger schätze ich nach den Foto’s als vermutlich defekt ein, das habe ich schon eingeplant,
der ist aber als Ersatzteil nicht sehr teuer. Und auch fix gewechselt.

Und zu dem Längsträger:
Wenn da meinetwegen ein Befestigungsloch 5 mm versetzt ist,
finde ich, dass man das irgendwie anpassen / richten kann.
Wenn man anfängt, da einen neuen Längsträger einzubauen,
wird das danach wohl auch nicht besser sein.
Ich vermeide soweit wie möglich Schweissarbeiten, weil man das erstens nie so ordentlich hinbekommt, wie original,
und Reparatur-Schweissungen immer eine Rostquelle sind.

Grüße, Steffen!