Kleinkind, erste Trennung UND krank - brauche Rat!

Hallo zusammen,

Am Freitag gehe ich nach anderthalbjähriger Mamapause zum ersten Mal wieder arbeiten: Ich leite ein 10tägiges Seminar für angehende Journalisten.

Für mich und meinen Sohn Joshua, 18 Monate alt, die erste Trennung. Der Papa hat sich Urlaub genommen, um ihn zu betreuen, und die Oma (meine Mutter), zu der er ein sehr gutes Verhältnis hat und die bei uns im Haus lebt, ist auch da. So weit, so gut, aber jetzt wird es kompliziert.

Heute waren wir beim Arzt, und der hat Keuchhusten festgestellt. Wie Ihr wahrscheinlich wißt, eine unangenehme, langwierige Krankheit (8 - 12 Wochen). Auch wenn Joshua schon 2 von 4 Impfungen hat und die Krankheit deswegen wohl nicht dramatisch verlaufen wird. Der Arzt sagte, Klimawechsel und Seeluft wären genau das Richtige.

Meine Mutter meinte daraufhin sofort, sie würde uns einen 10tägigen See-Urlaub sponsoren (unser Urlaubsgeld für dieses Jahr ist schon aufgebraucht). An sich toll. Aber jetzt kommt die psychologische Frage:

Was ist für ein Kind in dem Alter und unter den gegebenen Bedingungen besser:

10 Tage mit Papa an die See, während ich auf dem Seminar bin?
Einerseits könnte die neue Umgebung und die neuen Eindrücke ihn ablenken von seinem Mamavermissen, und er könnte die Seeluft gleich ab nächstem Wochenende in Anspruch nehmen.
Andererseits fehlen ihm dann nicht nur die Mama, sondern auch die vertraute Umgebung und die Oma - ist das psychologisch nicht noch schlimmer?

Andere Möglichkeit wäre dann, daß ich mit ihm fahre, wenn ich vom Seminar wieder nach Hause komme.

Was meint Ihr? Ich bin sehr zwiegespalten und wäre sehr dankbar für Ratschläge…

Liebe Grüße, Nike

Laß ihn mit seinem Papa fahren
Hallo Engelchen,

wenn Du mich fragst, sind es die typischen Ängste einer Übermutter… Joshua wird vielleicht am ersten, vielleicht auch noch am zweiten, meinethalber auch am dritten Abend etwas quängeln, aber er wird nicht ohne Dich eingehen. Er hat einen tollen Vater und es nützt weder Dir noch Junior etwas, wenn Du aus lauter Sorge und/oder mütterlichem Pflichtbewußtsein das Seminar absagst und dann völlig genervst an der Nordseeküste hockst, ohne wirklich etwas tun zu können.

Meine Güte, Du schickst Joshua nicht an das andere Ende der Welt und Du schickst ihn nicht mit einem Vollidioten hin. Dein Liebster weiß, wie man mit Zwergen umgeht und außerdem seid Du und Granny im Falle eines Falles telephonisch erreichbar.

Gönne Deinen Jungs doch mal einen Männer-Urlaub… :wink:

Hexenschmatzer!

Renee

Hallo Nike,
so klar wie Renee hätte ich mich nie getraut das zu sagen, aber ich vermute ihr kennt euch.
Recht hat sie allemal.
Für den Kurzen ist es wahrscheinlich supertoll Papa für die Zeit für sich zu haben und viel draußen am Meer zu sein.
Hinzu kommt, daß die Keuchhusten-Kinder darunter lange nicht so leiden, wie man meinen sollte. Die allermeisten sind tagsüber fidel und husten halt nachts, würgen Schleim raus und schlafen weiter. Die Eltern sind in der Regel geschaffter als die Kinder.

Wenn du willst, können wir uns ein paar mal mailen und ich suche euch ein homöopathisches Mittel raus um das ganze noch mehr zu beruhigen. Natürlich ohne Garantie, aber es gibt da ein paar sehr gute.

Also:
Fahr los und du wirst die Zeit wahrscheinlich wider alle Erwartung genießen.
Gruß
Kerstin

Männer unter sich
Hi Nike

daß Teppichratten riesige Ohren haben, brauch ich dir nicht zu erzählen :smile:

Daß die Mama ab Freitag für die schrecklich lange Zeit von 1o Tagen nicht da sein wird und daß die Mama und der Papa schon länger darüber Gedanken austauschen (vielleicht sogar sorgenvolle? die haben nämlich so einen besonderen Sound), das hat der kleine Geheimdienst ganz sicher längst erfaßt. Papa hat sich Urlaub genommen: Da bahnt sich etwas an!

Höchste Zeit also, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um das zu verhindern … und schwupps - hats ihn schon!

Der überaus „geeignete“ Zeitpunkt, eine längerfristige Krankheit zu starten, ist ja nicht zu übersehen. Das ist die eine Perspektive.

Die andere Perspektive ist: Eine neue, unbekannte Erfahrung dräut, die Immunabwehr ist überlastet und Bordetella pertussis nimmt ihre Chance wahr. Seltsamerweise somatisieren sich Probleme mit Trennung und Zuwendungsmangel sehr leicht in Form von Atemwegserkrankungen, vom „dicken Hals“ bis zum Asthma bronchiale …

Für mich und meinen Sohn Joshua, 18 Monate alt, die erste Trennung.

Ja, und damit die erste Gelegenheit für den Zwerg, ein wichtiges Psycho-Fitnesstraining zu absolvieren. Das Thema heißt: Frustrationstoleranz lernen.

Er hat zwar das Glück, sich Eltern ausgesucht zu haben, bei denen es ihm an den wichtigsten Dingen bisher nie fehlte: Nähe, Wärme, Berührung, Geborgenheit, Aufmerksamkeit. Aber das Gegenteil, der vorübergehende Verzicht auf wenigstens die Hälfte davon: Das erlebt zu haben ist mindestens genauso wichtig - gerade weil er bisher daran nie Mangel erlebte. Er ist geimpft gegen Krankheiten, aber noch nicht geimpft gegen Zuwendungsmangel.

Aber unter den Voraussetzungen solcher Eltern wird sich die angstvolle Erwartung, die die Bakterienabwehr unterminierte, daher sehr schnell besänftigen lassen aus all den Gründen, die Renee bereits so famos beschrieb. Bei dem Papa an der Hand und zudem die Mama zumindest mit ihrer Stimme trotz Abwesenheit präsent: So wird der Frust in der Männerrunde gewiß auf ein erträgliches Maß für beide reduziert werden können, zumal ja die Männer unter sich ein tolles Abenteuer am Meer erleben. So wie du schon sagtest: Das gibt nicht nur Ablenkung vom Drama, sondern auch Hinlenkung auf Aufregendes im positiven Sinn. Das Drama erweist sich als überstehbar und die Krankheit wird sich bewältigen lassen.

Aber die erste Perspektive - der Krankheitsgewinn bzw. die Strategie, die zu erwartende vorübergehende Trennungsfrustration zu verhindern - ist in ihrer möglichen Bedeutung nicht zu unterschätzen: Wenn er z.B. erleben würde, daß er damit Erfolg hat (indem etwa die Mama die angekündigte Abwesenheit storniert), dann würde er lernen, daß der Einsatz des Immunsystems zur Frustrationsverhinderung zweckmäßig ist. Nun ja, das ist dir ja alles vertraut.

Wie lang war denn bisher die längste Zeitspanne, in der er auf dich verzichten mußte? Du hast bis Freitag noch ein wenig Zeit: Du könntest ihn ein wenig „impfen“, indem du z.B. einen halben Tag abwesend bist und ihn dadurch den Lernschritt machen läßt, daß es nicht ganz so schlimm ist, wenn die Mama weggeht - denn sie kommt ja wieder und dann ist die Freude doppelt groß …

Wenn ihr es hinkriegt, daß das zu erwartende Ereignis nicht das ist, daß die Mama unterwegs ist, sondern vielmehr, daß der Papa den Zwerg mit auf eine Abenteuereise nimmt, dann sollte das doch sicher dazu beitragen, daß er diese erste steile Kurve im Leben hinkriegt …

Wenn du aber umgekehrt eine gemeinsame Abenteuerreise ankündigst, die in diesem Fall als Belohnung für das Aushalten deiner Abwesenheit erkannt würde, dann zeigst du ihm damit, daß deine Abwesenheit ein Drama ist, dessen Bewältigung einer Belohnung überhaupt bedarf. Das könnte zur Folge haben, daß der o.g. Versuch, das Drama durch Krankheit zu verhindern, um so stärker als notwendig erscheint. Das könnte die Immunabwehr weiter schwächen.

Was würdest du einer anderen Mutter raten, die in deiner Situation wäre?

Gute Reise und gute Besserung

Metapher

An alle drei, muß mal was klarstellen :smile:
Hiho,

erst mal vielen Dank für Eure schnellen und fundierten Antworten!

Ich glaube aber, daß einiges in der Eile meines Postings nicht völlig klar rüber kam:

Es steht überhaupt nicht zur Debatte, ob ich auf das Seminar fahre oder nicht. Ich fahre auf jeden Fall. :smile:

Und mit „erste Trennung“ war „erste lange Trennung“ gemeint. Getrennt sind wir schon öfter mal, ich habe regelmäßige Nachmittagstermine, bei denen die Oma auf ihn aufpaßt und bin auch schon über Nacht weg gewesen, wobei er dann mit Papa allein war. (Allerdings habe ich nicht wirklich auswärts geschlafen, aber mit einer Freundin bis 6 Uhr morgens tanzen gehen zählt wohl als „über Nacht weg“, oder *g*). Er kennt also durchaus daß Gefühl, daß ich weg gehe und wieder komme.

Und ich mache mir auch keinerlei Sorgen, daß meine beiden Jungs prima miteinander klarkommen werden. Wahrscheinlich werde ich in den 10 Tagen meinen kleinen Mann mehr vermissen als er mich… :wink:

Die Frage ging wirklich ausschließlich darum, ob es wegen der erschwerten Krankheitssituation für ihn psychologisch gesehen besser sei, ganz weg zu sein oder wenigstens seine Oma und seien vertraute Umgebung noch um sich zu haben.

Interessanterweise sagten einige Freunde, die ich fragte, genau das Gegenteil von dem, was Ihr schreibt. Tenor war:
Zu Hause kennt er es ja schon, daß Mama fort ist und dann wieder kommt, das ist die Umgebung, von der er weiß, daß Mama dorthin wieder zurück kommt. Woanders wäre er völlig herausgerissen.
Außerdem sagten einige, die Oma als „mütterliches Element“ sei während einer Krankheit sinnvoll.

Ihr sehr also, so richtig schlüssig bin ich mir immer noch nicht, zumal psychologisch jeweils sehr kompetente Menschen sich konträr wiedersprechen. *seufz*

Letzten Endes wird uns wohl nix übrig bleiben, als auf das Bauchgefühl zu hören. :confused:

Liebe Grüße,
Nike

PS@Metapher: Die psychosomatische Seite hätte mir klar sein müssen, allein für diese Ausführung hättest Du 7 Sternchen verdient! :smile:

Frag ihn doch selbst…
Oh hey,
ich glaub ich war einfach so gewöhnt Müttern zuzureden, daß eine zeitliche Trennung bei guter Versorgung nicht schadet, daß ich den Teil überlesen habe.

Du kannst doch jetzt schon einschätzen (wenigsten etwas) wie wohl oder unwohl er sich mit seinem Keuchhusten fühlt. Also wie krank er wirklich ist.
Und dann:
Frag ihn doch selber.
Ob er lieber mit Papa Ferien am Meer machen möchte oder mit Oma und Papa zu Hause sein.
Ich weiß, er ist erst 1,5 Jahre, aber Lust auf Abenteuer oder lieber zu Hause, das kann er bestimmt schon sagen.
Abschätzen muß er dabei nicht können, das macht ihr ja dann.

Gruß und euch allen viel Spaß
Kerstin

Hallo,

meiner Eltern haben mich, als ich drei war, für sechs Wochen in ein Kinderheim gesteckt, weil sie einfach mal alleine Urlaub machen wollten.

Finde ich zwar ausgesprochen sch***, aber gestorben bin ich daran auch nicht. Ich bin auch kein Psycho oder habe sonstige komische Neigungen heute deswegen.

Will damit sagen, Kinder sollen auf jeden Fall wohlumsorgt sein, aber man kann es mit der Mütterlichkeit auch übertreiben, und die Mutter muß nicht jede Millisekunde dabei sein.

Gruß
Moriarty

Hallo Nike,

10 Tage mit Papa an die See, während ich auf dem Seminar bin?
Einerseits könnte die neue Umgebung und die neuen
Eindrücke ihn ablenken von seinem Mamavermissen, und er könnte
die Seeluft gleich ab nächstem Wochenende in Anspruch nehmen.
Andererseits fehlen ihm dann nicht nur die Mama,
sondern auch die vertraute Umgebung und die Oma - ist das
psychologisch nicht noch schlimmer?

Andere Möglichkeit wäre dann, daß ich mit ihm fahre, wenn ich
vom Seminar wieder nach Hause komme.

Nach meiner Erfahrung kommen auch so kleine Kinder mit einer längeren Abwesenheit der Mama gut zurecht, vorausgesetzt sie werden im Alltag nicht ausschließlich von der Mama versorgt. Deine „einerseits-andererseits-Überlegung“ teile ich gleichermaßen. So stelle ich mir vor, dass er schon ab und zu nach der Mutter ruft und bestimmt auch traurig sein wird, aber du kannst sicher sein, dass dein Mann mit der Ausnahmesituation prima zurecht kommt. Je souveräner er sich gibt und je bestimmter er dem Kleinen ein „wir schaffen das und genießen die Zeit“ vermittelt, desto seltener kommt Traurigkeit auf, und eventuelle Panikgefühle, weil nur Mama Schmerz, Einsamkeit und Angst nehmen kann, bekommen keinen Platz. Denn sein Papa ist ausschließlich und rund um die Uhr für ihn da.
Mach´dir keine Gedanken über Situationen, die eventuell gar nicht entstehen werden. Ich schätze, wenn kein Genesungsprozess wegen fürchterlichen Heimweh festzustellen ist, wird dein Mann die richtige Entscheidung treffen.

viele Grüße
claren

Hiho,

das ist schon klar, aber es ging auch gar nicht, daß oder ob ich jede Millisekunde bei ihm sein will, weil ich ja, wie ich schon zweimal schrieb, auf jeden Fall auf dieses Seminar fahren werde.

Es ging nur darum, wo der beste Aufenthaltsstandort für das Kind während meiner Abwesenheit ist: Mit Papa an der See oder mit Papa und Oma zu Hause.

Trotzdem danke für den Versuch. :smile:
Liebe Grüße,
Nike

Hiho,

danke für Deine Grüße und die kompetente Einschätzung meiner Person. *fg*

Und ja, sooo lange ist das schon her. Der Alterungsprozeß läßt sich nicht verleugnen. :wink:

Liebe Grüße auch Dir,
Nike

So machen wir’s nun :smile:
Tach Ihr Lieben,

erst mal danke auch noch für die Antworten, die später nachkamen.

Morgen geht’s also los für mich, und ich wollte Euch nur kurz wissen lassen, wie wir’s machen:

Mein Mann bleibt mit dem Kleinen erst mal daheim. Ich habe Euch ja gesagt, daß sich die Meinungen von Euch, von Freunden und Bekannten ziemlich konträr wiedersprachen, die einen sagten „Auf jeden Fall fahren“ (das war ja hier die vorherrschende Meinung", die anderen sagten: „Auf jeden Fall daheim bleiben“. Also haben wir aus dem Bauch heraus entschieden, und mein Mann war der ausschlaggebende Faktor. Er meinte, er fühle sich einfach besser bei dem Gedanken, mit dem Kleinen in der gewohnten Umgebung sein und notfalls mal auf die Oma ausweichen zu können. Das Abenteuer-Urlaub-Argument haben wir wohl verstanden, aber nun werden meine Männer es sich zu Hause abendteuerlich gestalten. :wink: Wenn der Papa schlecht gelaunt und nervös gewesen wäre, weil er kein gutes Gefühl hat, hätte Urlaub auch nicht wirklich geholfen.

So oder so aufregend für beide Seiten. Und schöner wäre es natürlich, wäre da nicht der Keuchhusten. Aber ich glaube, meine beiden Jungs kriegen das schon hin. :smile:

Liebe Grüße,
Nike