Hallo!
Ist nicht vielleicht ein klitzekleiner Unterschied zwischen
Missbrauch und Bürgerkrieg und dem hier geschilderten?
Meinst du wirklich, das macht für ein Kleinkind einen
Unterschied, ob es wegen Missbrauch, Bürgerkieg oder wegen
missratener „Erzeihungsversuche“ aus Panik schreien muss, bis
es sich erbricht?
Es ist ein Unterschied. Zum einen, weil das eine mal „böse Absicht“ im Spiel ist, im anderen nicht. Das mag für das Kind egal sein. In meiner Werteskala macht das einen Unterschied. Und im heimischen Bett, die Eltern in der Nähe, zu schreien, weil man nicht seinen Willen bekommt ist etwas anderes, als körperliches Leid angetan zu bekommen. Du verhöhnst alle, die wirklich missbraucht wurden mit Deinem Vergleich, das nur am Rande.
Zum anderen habe ich schon Kinder gesehen, die aus purem Trotz z.B. den Kopf auf den Boden schlagen, die Luft anhalten, bis sie ohnmächtig werden. Warum sich nicht übergeben? Nicht aus bösem Willen, den unterstelle ich Kindern nicht, sondern einfach, weil es funktioniert. Wer hilft nicht einem Kind, wenn es sich selbst verletzt? Das ist schwer, da wieder raus zu kommen. Das sind ja Mittel, die immer wirken.
Was machen diese Heiligen denn, wenn das Kind weint, weil es
etwas möchte?
Wenn es Kind weint, weil es Geborgenheit und Nähe der Mutter
möchte, aber die Mutter nicht bereit ist, ihrem Kind dies zu
geben, dann sollte sich die Mutter vielleicht nach einer
Pflegefamilie für das Kind umsehen. Jedes Kind hat ein Recht
auf Nähe und Geborgenheit.
Das beantwortet nicht meine Frage. Nimm das Beispiel mit dem Kindergarten: Das Kind weint herzzerreißend, weil es die Nähe der Mutter braucht/will. Die Mutter muss z.B. arbeiten gehen und kann dem Bedürfniss nicht nachkommen. Ist das in Deinen Augen schon Misshandlung?
Das Schwierige in dieser Diskussion für mich ist: Grundsätzlich gebe ich Dir recht. Du äußerst Allgemeinplätze, die unterschreibe ich sofort. Geht es gegen Schläge oder „Klapse“ für Kinder z.B. bin ich die erste, die da entschieden argumentiert. Aber mir geht es einfach zu weit, wie Du hier eine ratsuchende Mutter angreifst, ihr alles mögliche unterstellst. Und mir gleich noch hinterher, weil Du grad so in Rage bist.
Kinder landen meiner Ansicht nach in Tiefkühltruhen vor allem deswegen, weil Mütter/Väter überfordert sind, weil von ihnen erwartet wird, dass sie fehlerfrei erziehen. Deshalb rate ich dazu, sich Atempausen zu holen, bevor so etwas Schlimmes passiert. Außerdem sind die eigenen Erwartungen an sich selber der erste Schritt zum verzweifeln. Einzusehen, dass man nicht perfekt ist, ist der beste Weg um etwas besser zu machen als vorher.
Das Problem ist hier nur, dass die Kindern diejenigen sind,
die die Fehler der Eltern ausbaden müssen.
Das müssen sie, und das werden sie immer müssen. Den fehlerfreien Erziehungsroboter gibt es nicht, und Du wirst ihn ja nicht im Ernst wollen. Erziehung ist meiner Ansicht nach eine Plus-Minus-Abwägung. Es zählt, was an guten Dingen unten bei raus kommt, wenn man die Fehler von den richtig gemachten Dingen abzieht. Alles andere halte ich für unrealistisch.
Bei 90% der Fälle,
wo die Erziehung gründlich in die Hose geht, fragen sich die
Eltern nicht, was sie wohl falsch machen, sondern fragen
andere, was mit ihren Kindern denn wohl nicht stimmt und
welche Dressurmaßnahmen denn noch versuchen könnte.
Du verallgemeinerst, im konkreten Fall hat jemand um Rat gefragt, das spricht doch schon für die Fragestellerin.
Jemand wie du, die offen zugibt, ihre Kinder ebenfalls bis zur
Erschöpfung schreien gelassen zu haben, ist diese Diskussion
zu aggressiv?
Wo habe ich das? Wer sagt Dir, dass ein Kind bis zur Erschöpfung geschrien hat? Vielleicht ist er ja einfach eingeschlafen, weil er eingesehen hat, dass er seinen Kopf nicht durchsetzen kann? Um es kurz zu machen: Ich habe keine Lust, mich Dir gegenüber zu rechtfertigen. Du verdrehst Dir die Worte so, wie Du es brauchst für Deinen Kreuzzug.
Grüße
kernig