Hallo Tychi,
Etwas Idealimus verbreiten:
Ich kann zwar nicht nachvollziehen,
wieso Du so eine positive Reaktion
bekommst, aber ich akzeptiere es 
Dass du das nicht nachvollziehen kannst, zeigt dein Gefangensein im
konventionellen Denken. Eigentlich untypisch fuer dich.
Komisch, nicht wahr: Sich durchsetzen koennen,
sich nichts gefallen lassen, deutlich zwischen
mein und dein zu unterscheiden - diese „Werte“
unserer Gesellschaft sind uns schon so selbst-
verstaendlich geworden, dass man sich Sorgen
macht, wenn jemand die Einstellung hat "Hey
Bruder, wenn du das Spielzeug haben willst,
dann nimm es nur.
Hier hast Du Dich klar vergriffen (imho).
Eine solche „Haltung“ ist nur etwas wert,
wenn sie eine ‚informed decision‘ ist; d.h.,
wenn eine realistische und verfügbare Alter-
native besteht (die im „Behalten“ liegt).
Im Umkehrschluss: Angenommen die Option „Behalten“ existiere nicht,
z.B. weil der Aggressor uebermaechtig ist. Dann ist die Haltung „hier
nimm ruhig“ nichts wert. Das bedeutet, der Uebermacht wuerdest du
trotzen, dem Schwachen aber gerne geben. Der zweite Teil ist ja in
Ordnung aber der erste doch dumm.
Ich weiss schon, wie du es meinst: Grosszuegig kann nur der sein, der
die Freiheit dazu hat. Wer erdulden muss, dass ihm etwas weggenommen
wird, der ist in dem Moment nicht grosszuegig, sondern Opfer.
Dabei setzt du aber voraus, dass der Junge, um den es hier geht, sich
wehren will, aber es nicht wagt. Und genau diese Annahme zweifele ich
an.
Fuer Aussenstehende mag es aussehen wie „Na der
wird ja total ausgenutzt und untergebuttert“.
Aber das sollten sie nicht aus ihrer Ellbogen-
Einsetz-Mentalitaet beurteilen,
Die Absurdität Deiner Ansicht wird bereits
deutlich, wenn es z.B. von „Verfügung über mein
Spielzeug“ zu „Verfügung über meinen Körper“
geht.
Es gibt Leute, denen koerperliche Unversehrtheit nicht besonders
wichtig ist (Jesus: Halte die andere Backe hin!), aber soweit will
ich gar nicht gehen.
Formal scheitert dein Gegenargument daran, dass es ein
Analogieschluss ist (Koerper=Spielzeug), den ich einfach nicht
mitgehe.
Davon abgesehen verallgemeinerst du den Gueltigkeitsbereich meiner
Rede gegen Gegenaggression. Ich stelle jetzt klar, dass ich durchaus
der Ansicht bin, dass man sich nicht alles gefallen lassen
darf. Das ist aber ein Unterschied zu „man darf sich nichts
gefallen lassen“. In dem konkreten Fall geht es um Spielzeug. Und
davon habe ich geredet. Von sexuellem Missbrauch, auf den du meine
Aussagen scheinbar bezogen hast, habe ich nicht geredet.
sondern sehen,ob es dem scheinbar Ausgenutzten
wirklich weh tut oder ob er zufrieden damit
ist.
Wenn letzteres, dann sehe ich keinen Korrekturbedarf,
eher wuerde ich das Verhalten foerdern.
Ja, was aber - wenn gar keine Alternative besteht,
weil sie nicht an üblichen Surrogaten (Spielzeug)
trainiert wurde?
Wir koennen davon ausgehen, dass jemand, der sein Spielzeug resolut
verteidigt, alles resolut verteidigen wird.
Ob nun jemand, der sein Spielzeug nicht verteidigt auch sonst nichts
verteidigen wird, ist eine offene Frage, die du wohl ohne Zoegern mit
Ja beantwortest. Was aber, wenn der Knirps ein Wertesystem hat, das
differenzierter ist als nur „meins“ und „nicht meins“. Was wenn er
sein Eigentum auch noch mit „wichtig“, „nicht so wichtig“ und
„unwichtig“ markiert?
Ich möchte z.B., dass mein Kind sein Spielzeug
verteidigt, weil es das Fehlverhalten des Kindes
gegenüber erkennt und richtig bewertet. Danach
(wenn die Rangordnung klargestell ist) soll es sein
Spielzeug teilen, sofern es sich dafür entscheidet.
Warum soll dein Kind sich denn um die Erziehung des Ruepels kuemmern?
Ich bin ja auch der Ansicht, dass das Wegnehmen von Spielzeug ein
Fehlverhalten ist und ich habe selbst auch einen normalen Sinn fuer
Eigentum. Aber welche Reaktion auf die Verletzung meiner
Eigentumsansprueche richtig ist, da bin ich mir nicht so sicher wie
du. Denn immer, wenn ich auf Aggression mit Gegenaggression reagiere,
kommt es zur Separation zwischen zwei Menschen, zu vielleicht
unnoetigen Machtspielen, die immer der Harmonie und dem Frieden
entgegenstehen.
Schon im Sandkasten bildet sich die Grundlage fuer
Schulhofschlaegereien, fuer aggressives Autofahren und je nach
Machtposition auch fuer furchtbare Kriege.
Manchmal geht es jemandem, der Spielzeug wegnimmt, darum den anderen
zu verletzen oder seine Macht zu beweisen. Wenn der Angegriffene sich
aber als unverletzbar erweist und auf die Attacken mit Gleichmut
reagiert, dann kann es vorkommen, dass der Aggressor ein
Schluesselerlebnis hat. Leider jedoch, und da gebe ich dir Recht,
kommt es eher zu einer Steigerung der Gewaltdosis, bis das Opfer dann
doch reagiert.
Wie immer, weiss ich nicht, was richtig ist. Aber es ist mir wichtig
jenen, die glauben sie kennten die Wahrheit, Alternativen zu zeigen
und ihre Vorurteile in Zweifel zu ziehen.
Gruss, Tychi