Kleopatras Leiche - bekannt wo sie ist

Hi ihrs,

gleich beginnt ‚Asterix und Kleopatra‘ und dazu frugen mich meine Jungs gerade, wie sie (der Sage nach) zu tode kam, was ich noch beantworten konnte, und wo sie denn begraben liege, was ich nun nicht wußte.
Eine kurze Suche im Netz machte mich auchnicht schlauer und so möchte ich diese Frage an Euch weitergeben.

Ist bekannt, wo Kleopatras Leiche begraben liegt, oder was mit der ihr geschah?

Gandalf

Hallo Gandalf!

Cleopatra wurde an der Seite von Marcus Antonius begraben.

Beide begingen 30 v. Chr. Selbstmord in Alexandria (1.8.30). Er beging Selbstmord, weil nichts mehr so richtig lief
und er dann auch nocheine falsche Meldung ihres Todes bekam.

Das Ganze spielte sich in Alexandria ab. Da wurden sie dann wohl auch begraben.

mfgConrad

Cleopatra wurde an der Seite von Marcus Antonius begraben.
Beide begingen 30 v. Chr. Selbstmord in Alexandria (1.8.30).

Hallo Conrad!
Fragen über Fragen!

  1. Datierung:
    Am 3. August eroberte Octavian Alexandreia, fühestens an diesem Tag ist der Selbstmord des Antonius möglich.
    Für den Tod der Kleopatra finde ich im Netz als Datum: 12. August 30. Das muss nicht stimmen, aber es kann sein; denn sie hat sich ja nach Antonius’ Tod noch um Octavian bemüht.
  2. Mich würden die Quellen aus der antiken Literatur interessieren. Wo findet man etwas über die Bestattung der Kleopatra?
    Schöne Grüße!
    Hannes
  1. Mich würden die Quellen aus der antiken Literatur
    interessieren. Wo findet man etwas über die Bestattung der
    Kleopatra?

Genau das war die Frage!
„Wüßte“ ich mehr, hätte ich es geschrieben!

mfgConrad

Gestorben ist er am 1.8.30 v.Chr.

Steht so in jedem Geschichtsbuch.

Zum Selbstmord benötigt man keinen Kampf!

Gestorben ist er am 1.8.30 v.Chr.
Steht so in jedem Geschichtsbuch.

Offensichtlich nicht in jedem, Conrad.
Ich hab mich auf meinen Kopf verlassen, d.h. auf mein Examenswissen,
und hab jetzt nachgeschaut:
Lauffer, Siegfried: Abriss der antiken Geschichte
zum Jahr 31:
„3. Aug. Alexandreia von Octavian eingenommen, Selbstmord des Antonius und der Kleopatra“.
dtv-Atlas zur Weltgeschichte:
„3.8.30 Einnahme Alexandrias (Selbstmord des Antonius und der Cleopatra)“.
In anderen Werken ist der 1.8. angegeben.
Ich kann nicht beurteilen, welche Angabe richtig ist.

Zum Selbstmord benötigt man keinen Kampf!

Wie wahr!
Aber: Der Fall Alexandreias (ohne Kampf?) war die Voraussetzung dafür, dass Kleopatras Tod für Antonius so glaubhaft war, dass er selbst Selbstmorg beging.
Gruß!
Hannes

  1. Mich würden die Quellen aus der antiken Literatur
    interessieren. Wo findet man etwas über die Bestattung der
    Kleopatra?

Hallo Hannes,
bei Plutarch (wo sonst?), Vita des Marcus Antonius. Und Cassius Dio, im 51. Band. Die älteste Quelle soll Strabos Geographia sein, habe das allerdings nicht verifiziert.

Cleopatra und Marcus Antonius wurden in dem Mausoleum bestattet, das sich Cleopatra gemäß ägyptischer Tradition schon zu Lebzeiten errichten liess. Auf dem königlichen Palastgelände, also in Alexandria.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo Hannes,

Aber: Der Fall Alexandreias (ohne Kampf?) war die
Voraussetzung dafür, dass Kleopatras Tod für Antonius so
glaubhaft war, dass er selbst Selbstmorg beging.

ähm, ich meine mich zu erinnern dass Antonius nach der „Eroberung“ (war ja eher eine Verfolgung der Flottenreste nach Actium und Landung in Alexandria, mehr nicht) Alexandrias durch Octavian und seine Truppen, sich ungeschickt in sein Schwert „stürzte“, sich aber nur sehr schmerzhaft verletzte. Ein Waffengefährte gab ihm den Rest - sozusagen Suidzid mit Nachhilfe. Ich habe noch nie gelesen dass Antonius sich umbrachte weil er irgendwie annahm Kleo habe sich umgebracht.

Kleopatra flüchtete sich zunächst nach der Eroberung von Alexandria und nach dem Tod von Antonius in ihr Grabmal und verbarrikadierte sich. Octavian besuchte sie ein paar Mal. Angeblich flehte sie mal um ihr Leben, mal wollte sie Octavian verführen - je nachdem welchen antiken Autor du nimmst, ist die Story anders.

Definitiv wäre sie im Triumphzug durch Roms Straßen geführt worden, die sie als Geliebte von Cäsar und Mutter seines einzigen leiblichen und anerkannten Sohnes im Triumph mal beschritt - welche Blamage, welch tiefer Fall. Nach dem zweiten Besuch von Octavian soll sie sich vergiftet haben - wie und wann genau weiß niemand.

Also muss Kleo ja wohl einige Tage nach Antonius gestorben sein. Sie kann nicht zusammen mit ihm oder vor ihm Selbstmord begangen haben. Überliefert ist auch dass Kleo Octavian um die Leiche von Antonius bat, um ihn für den Tod würdig herzurichten. Ich gehe auch davon aus dass beide gemeinsam beerdigt wurden in ihrem Grabmal. Aber wissen kann das niemand mehr… Meines Wissens wurde ihr Grabmal auch noch nicht gefunden. Und wenn, wäre die Leiche (o. die Knochen) wohl inzwischen im Salzwasser aufgelöst.

Meine Quellen:
Joachim Brambach: Kleopatra. Eugen Diederichs, München 1996. ISBN 3-424-01239-4 Buch anschauen
Manfred Clauss: Kleopatra. C. H. Beck Wissen. Bd 2009. C. H. Beck, München 2000 (2. Aufl.). ISBN 3-406-39009-9 Buch anschauen

Grüsse
Helena

Hallo, Helena!

Ich habe noch nie gelesen dass Antonius sich
umbrachte weil er irgendwie annahm Kleo habe sich umgebracht.

Man hatte ihm irrtümlicherweise mitgeteilt, Kleopatra sei umgekommen.

Kleopatra flüchtete sich zunächst nach der Eroberung von
Alexandria und nach dem Tod von Antonius in ihr Grabmal und
verbarrikadierte sich.

Kennst Du für diese Nachricht die antike Quelle? (Plutarch, Antonius?)

[…] mal wollte sie Octavian verführen

Sie konnte kein Latein, vielleicht scheiterte es ja daran. :smile:

sich vergiftet haben,
wie und wann genau weiß niemand.

Als man ihrer Leiche fand, entdeckte man zwei kleine Einstiche, so eine Überlieferung, und schloss auf die Giftschlange. Wer für die Ausmalung dieser Szene verantwortlich ist, weiß ich nicht.
Ihr Todesdatum habe ich oben schon mitgeteilt; inzwischen hab ich es verifiziert: Es ist unbestritten.

Überliefert ist auch dass Kleo Octavian um die
Leiche von Antonius bat, um ihn für den Tod würdig
herzurichten. …
wäre die Leiche (o. die Knochen) wohl
inzwischen im Salzwasser aufgelöst.

Mich würde vor allem interessieren, ob sie - in der offiziellen altägyptischen Zählung immerhin die letzte Pharaonin - als Mumie bestattet oder, wie in den Kreisen der Schickeria in Rom damals üblich, verbrannt wurde.

Meine Quellen:
Joachim Brambach: Kleopatra. Eugen Diederichs, München 1996.
ISBN 3-424-01239-4 Buch anschauen
Manfred Clauss: Kleopatra. C. H. Beck Wissen. Bd 2009. C. H.
Beck, München 2000 (2. Aufl.). ISBN 3-406-39009-9 Buch anschauen

Mit „Quellen“ meinte ich vor allem antike Literatur.
Schöne Grüße!
Hannes

Hallo Experten,

da hab ich aber in ein Wespennest gestochen :wink:
Danke jedenfalls für die Informationen, meine Jungs danken auch.

Gandalf

Mich würde vor allem interessieren, ob sie - in der
offiziellen altägyptischen Zählung immerhin die letzte
Pharaonin - als Mumie bestattet oder, wie in den Kreisen der
Schickeria in Rom damals üblich, verbrannt wurde.

Hallo Hannes,
Cassius Dio schreibt, dass Cleopatra die Einbalsamierung Marcus Antonius’ überwachte (LI,11,5). Nach Cleopatras Selbstmord wurden beide auf die selbe Art einbalsamiert und in der selben Grabstätte beigesetzt (LI,15,1).

Freundliche Grüße,
Ralf

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Hallo,

so weit ich weiß, beging Antonius Selbstmord. Cerschiedentlich ist dabei die Mithilfe eines Legionäres erwähnt - er hat wohl nicht recht getroffen auf Anhieb (das kann aber auch schon wieder dichterische Freiheit sein.)
Nun wird es schwierig. Nach Fernau war es ja so, daß Kleopatra aem siegreichen Oktavian den Feldherrenstab des Antonius sandte - auf jeden Fall aber hat sie die Niederlage noch überlebt.
Sie hoffte angeblich, irgendwie wieder einigermaßen aus der Sache herauszukommen. Ganz unlogisch war das nicht - offiziell richtete sich der Krieg ja gegen Antonius und nicht gegen sie. Zudem war sie ja mal die Gleiebte Caesars gewesen und Oktavian war der Adoptivsohn Caesars. Daraus nahm er ja seine einzige Legitimation und es wäre indirekt eine Herabsetzung Caesars gewesen, wenn er dessen geliebte im Triumphzug durch Rom geschleppt hätte.
Aber das brauchte er ja nicht. Er drohte Kleopatra nur damit und machte ihr klar, daß sie endgültig weg war vom Fenster. Und daraufhin brachte die Dame sich um - Problem erledigt.
Aber durch den Selbstmord mit Hilfe einer Giftschlange verwandelte sich Kleopatra nach dem Glauben der Ägypter in eine Gottheit - ihr stand quasi dann ein entsprechendes Begräbnis zu. Oktavian wollte Ruhe in dem gerade eroberten Land - ein Volksaufstand aus religiösen Gründen war so ziemlich das Letzte, was er gebrauchen konnte. Also hat er die Grablegung in dem vborgesehenen Grabmal auch geschehen lassen.

Gernot Geyer

Besten Dank,

Ralf!

Hannes

Hallo, Gernot

so weit ich weiß, beging Antonius Selbstmord.

So weit, so richtig.

Cerschiedentlich
ist dabei die Mithilfe eines Legionäres erwähnt - er hat wohl
nicht recht getroffen auf Anhieb (das kann aber auch schon
wieder dichterische Freiheit sein.)

Bei allem Respekt - ich habe den Eindruck, die dichterische Freiheit nimmst auch Du selbst reichlich in Anspruch. Was den „Legionär“ angeht, so spricht Cassius Dio einfach unspezifisch von einem „Dabeistehenden“, den M. Antonius dazu aufforderte, ihn zu töten, als die falsche Nachricht von Cleopatras Tod erhielt. Bei Plutarch findet die Szene nicht in der Öffentlichkeit statt, sondern M. Antonius zieht sich zunächst in seine Privaträume zurück und fordert dann seinen Diener Eros auf, ihn zu töten. Beide - Cassius Dio und Plutarch - stimmen darin überein, dass der so Aufgeforderte das Schwert zog - und sich selbst tötete. Darauf hin brachte sich M. Antonius die tödliche Verletzung selbst bei.

Nun wird es schwierig. Nach Fernau war es ja so, daß Kleopatra
aem siegreichen Oktavian den Feldherrenstab des Antonius
sandte - auf jeden Fall aber hat sie die Niederlage noch
überlebt.

Nicht nur nach Fernau - aber diese Quellenangabe klärt so Einiges.

Sie hoffte angeblich, irgendwie wieder einigermaßen aus der
Sache herauszukommen. Ganz unlogisch war das nicht - offiziell
richtete sich der Krieg ja gegen Antonius und nicht gegen sie.

Nein - anders herum wird ein Schuh draus. Offiziell richtete sich der Krieg natürlich gegen eine auswärtige Macht - Ägypten und dessen Königin Cleopatra. M. Antonius galt als Renegat.

Zudem war sie ja mal die Gleiebte Caesars gewesen und

Eine Geliebte - zumal eine ausländische, und sei sie Königin - spielte in der politischen Diskussion allenfalls dann eine Rolle, wenn man ihr einen ungebührlichen politischen Einfluss unterstellte. In Rom sah man so etwas völlig unromantisch und Octavians Propaganda hatte heftig daran gearbeitet, Cleopatra zu dämonisieren. Persönlich war Octavian für solcherart Gefühlsduseleien ohnehin unempfänglich.

Oktavian
war der Adoptivsohn Caesars.

Nur nebenbei - eine Adoption per Testamenmt war nach römischem Recht gar nicht möglich. Octavian war Haupterbe Caesars -

Daraus nahm er ja seine einzige
Legitimation

und eben das war in keinerlei Hinsicht eine staatsrechtliche Legitimation. Wäre es im Übrigen natürlich auch nicht gewesen, wenn Octavian tatsächlich rechtsgültig von Caesar adoptiert gewesen wäre. Octavian hatte eigenmächtig Truppen ausgehoben - wie auch Brutus in Griechenland oder seinerzeit der junge Pompeius Magnus im sullanischen Bürgerkrieg. Auf Betreiben Ciceros (3. Philippische Rede), der in seiner Eitelkeit den jungen Mann unterschätzte und für lenkbar hielt, legalisierte der Senat am 20.12.44 nachträglich die Aushebungen und bestätigte die Kommandos von Brutus und Octavian. Das war seine Legitimation.

Ein paar Tage später (01.01.43, 5. Philippische Rede) forderte Cicero vom Senat sogar die Proprätur für Octavian, die Erklärung M. Antonius zum Staatsfeind und das senatus consultum ultimum, also außerordentliche militärische Vollmachten für die Konsuln - allerdings ohne Erfolg. Als die Konsuln in der Schlacht von Mutina fallen (die Antonius ansonsten verliert) fordert Octavian für die Fortsetzung des Kampfes die Konsulswürde. Ein gutes Maß militärischer Druck auf Rom tut das Übrige und am 29.08.43 werden Octavian und Quintus Pedius die neuen Konsuln. Der Senat machte Octavian darüber hinaus zum Senator (selbst dafür war er eigentlich noch zu jung) und gestattete ihm pauschal die Übernahme aller Ämter 10 Jahre vor dem vorgeschriebenen Mindestalter. Wieder auf Antrag Ciceros. Was seine Legitimation angeht, hat Octavian Cicero unendlich viel mehr zu verdanken als seinem Großonkel und dem überaus zweifelhaften Anspruch, dessen Adoptivsohn zu sein.

Was ihn nicht hinderte, bereits am 11.11.43 mit Antonius und Lepidus das 2. Triumvirat zu schließen und so den Bürgerkrieg wider alle Erwartungen vorerst auf dem Verhandlungswege zu beenden. Cicero hatte sich verrechnet - er gehörte zu denen, die den Preis für das Abkommen zahlen mussten, der u.a. in seiner Liquidierung bestand.

und es wäre indirekt eine Herabsetzung Caesars
gewesen, wenn er dessen geliebte im Triumphzug durch Rom
geschleppt hätte.

Octavians Propaganda war ausgesprochen anticaesarisch - er propagierte die Wiederherstellung der Macht des Senats, in der er *nur* der erste unter Gleichen sein sollte. Pietas gegenüber Caesar hatte Octavian eigentlich nur gezeigt, als er 44 als Privatmann Truppen unter Caesars Veteranen aushob - und da wog sein (durchaus richtiges) Argument, er brauche Truppen, um Caesars Testament zu vollstrecken (das für die Veteranen erhebliche Geldzuwendungen vorsah) sicher deutlich schwerer als vorgebliche sentimentale Anhänglichkeit. Octavian hatte ja auch keinerlei Skrupel, Caesars (in römischen Augen) illegitimen Sohn von Cleopatra zu beseitigen.

Aber das brauchte er ja nicht. Er drohte Kleopatra nur damit
und machte ihr klar, daß sie endgültig weg war vom Fenster.
Und daraufhin brachte die Dame sich um - Problem erledigt.

Du liest zu viel Fernau. Octavian war nach dem Zeugnis der Quellen ziemlich besorgt, einen Selbstmord der Cleopatra zu verhindern - eben weil sie in einem Triumphzug von unschätzbarem propagandistischen Wert gewesen wäre. U.a. indem er sie mit Drohungen gegen ihre Kinder für den Fall ihres Selbstmords erpresste. Einen Selbstmordversuch (mit einem Dolch) hatte bereits ein Abgesandter Octavians, Proculeius, verhindert. Octavians Freigelassener Epaphroditus überwachte sie, um einen weitern Versuch zu vereiteln (und versagte dabei).

Aber durch den Selbstmord mit Hilfe einer Giftschlange
verwandelte sich Kleopatra nach dem Glauben der Ägypter in
eine Gottheit - ihr stand quasi dann ein entsprechendes
Begräbnis zu.

Wie die Ägypter außerhalb Alexandias zu der importierten makedonischen Dynastie der Prolemäer stand, kann man sich unschwer vorstellen.

Oktavian wollte Ruhe in dem gerade eroberten
Land - ein Volksaufstand aus religiösen Gründen war so
ziemlich das Letzte, was er gebrauchen konnte.

Dass es wegen Cleopatra einen Volksaufstand „aus religiösen Gründen“ hätte geben können, ist nun wirklich absurd. Im Übrigen wäre bei der militärischen Präsenz römischer Truppen zu diesem Zeitpunkt ein ägyptischer Volksaufstand die beste (und daher willkommene) Gelegenheit gewesen, ohne viel Aufwand klar zu machen, wer nun im Land das Sagen hatte und den Truppen ohne Belastung der Staatskasse oder Octavians Privatschatulle einen Bonus (aus der dann fälligen Beute) zu gönnen. Wenn es nicht einmal wegen der Eingliederung als Provinz in das römische Imperium einen Aufstand gab - da hätte es wegen Cleopatra einen geben sollen? Absurd.

Also hat er die
Grablegung in dem vborgesehenen Grabmal auch geschehen lassen.

Er demonstrierte damit clementia und pietas - vor allem gegenüber M. Antonius. Auf der gleichen Linie liegt, dass er die überlebenden Kinder des M. Antonius (der ja auch sein Schwager gewesen war), in seine Familie aufnahm und von seiner Schwester Octavia zusammen mit ihren Töchtern (von Antonius) Antonia major und Antonia minor aufziehen liess. Antonius’ ältester Sohn Antyllus (von Fulvia) wurde freilich beseitigt, Iullus antonius jedoch nicht. Die Tochter von Antonius und Cleopatra (Cleopatra Selene) wurde mit König Juba II. von Numidien verheiratet, über ihren Zwillingsbruder Alexander Helios und den jüngsten Sohn, Ptolemäos Philadelphos ist außer dem oben berichteten nichts weiter bekannt. Vermutlich sind sie in Rom in noch jugendlichem Alter gestorben.

Freundliche Grüße,
Ralf

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Hallo,

ich denke, Du vergißt da etwas bei der Geschichte:
Der Aufstieg Oktavians war nur möglich, weil große teile der Ermee und des Volkes hinter ihm standen. Ohne dieses Druckmittel im Rücken hätte sich Cicero anstrengen können wie sonstwas - der Senat hätte nicht im Entferntesten daran gedacht, Oktavian so schnell eine solche Macht zuzubilligen.
Das herr und das Volk aber stand hinter ihm, weil er der Erbe und Testamentsvollstrecker Caesars war. Denn Caesar war nach wie vor ungeheuer populär - es hatte oraktisch keiner ne Chance, der sich nicht auf den berufen konnte.
Und ganz unlogich wäre es, Oktavian als Wiedererrichter der römischen Republik zu sehen - er tat nur so. Aber auch hier stand er genau in den Fußspuren Caesars. Auch der hatte ja alles vermieden, was wie Diktatur oder Königsherrschaft aussah.
Und von daher wäre es nur logisch, wenn er die gewesene Geliebte Caesars nicht dem römischen Volke vorführen wollte.

Und was Ägypten betrifft - die Ptolomäer saßen dort als Pharaonen eigentlich recht fest im Sattel. Und sie waren allemal beliebter als die Römer. Ein Selbstmord Kleopatras löste da aus römischer Sicht einige mögliche Probleme - weil damit die klassische Dynastie erloschen war. Und damit waren die Ägypter wohl so eher geneigt, einer wie auch immer gearteten römischen Verwaltung zuzustimmen, weil es ja keinen anderen gab, der Erbansprüche hätte stellen können. Eine Ermordung Kleopatras nach einem römischen Triumphzug hätte den Ägyptern mit Sicherheit weit weniger gefallen - das hätte bestimmt Unruhen gegeben.

Gernot Geyer

Hallo Gernot

Der Aufstieg Oktavians war nur möglich, weil große teile der Ermee
und des Volkes hinter ihm standen. Ohne dieses Druckmittel im Rücken
hätte sich Cicero anstrengen können wie sonstwas - der Senat hätte
nicht im Entferntesten daran gedacht, Oktavian so schnell eine solche
Macht zuzubilligen.

Hinter Octavian standen die Truppen, die er selbst rekrutiert hatte und besoldete. Die Cäsarianer und der cäsarianisch gesinnte Teil des Volkes stand hinter Cäsars politischem Erben - und das war M. Antonius, der als Testamentsvollstrecker Octavian Caesars Vermächtnis vorenthielt. Der Senat hatte kaum eine andere Wahl, als Octavian zu ermächtigen, im Namen des Senates Krieg zu führen. Gegen M. Antonius und die Cäsarianer. Octavian war der Einzige, der in Italien über nennenswerte Truppen verfügte. Dazu bedurfte es keines Drucks auf den Senat seitens Octavians - der kam vielmehr von Antonius, dem gemeinsamen Gegner. Die Frage war lediglich, welchen (politischen) Preis der Senat gewillt war zu zahlen.

Das herr und das Volk aber stand hinter ihm, weil er der Erbe und
Testamentsvollstrecker Caesars war. Denn Caesar war nach wie vor
ungeheuer populär - es hatte oraktisch keiner ne Chance, der sich
nicht auf den berufen konnte.

Testamentsvollstrecker war, wie schon gesagt, M. Antonius - was der Grund des Konfliktes mit Octavian war. Der Rest ist Unfug. Zunächst ist es völlig abwegig, hier pauschal von „das Heer“ und „das Volk“ zu reden. Sowohl Heer als auch Volk (und Senat) waren gespalten - sonst wäre es ja wohl auch nicht zum Bürgerkrieg gekommen. Wie schon gesagt, stellte Octavian sich und seine Truppen der Optimatenpartei des Senats für den Kampf gegen die cäsarianische Partei zur Verfügung. Er arbeitete dabei unmittelbar mit den Cäsarmördern zusammen.

Und ganz unlogich wäre es, Oktavian als Wiedererrichter der römischen
Republik zu sehen - er tat nur so.

Das ist nur halb richtig. Octavian achtete bis an sein Lebensende strikt darauf, die überkommene Form des Senatsregimes zu wahren. Seine Machtstellung beruhte nicht auf außerordentlichen Ämtern und Funktionen, sondern auf Häufung von traditionellen Funktionen und Befugnissen. Insbesondere ist hier die Kombination von tribunitia potestas und prokonsularischem imperium zu nennen. In den Formen hat er die Republik tatsächlich wiederhergestellt - dies war auch das Hauptargument augusteischer Propaganda. Dass ganz konkret die Macht fast ausschließlich beim princeps (also ihm selbst) lag, ist natürlich richtig und sollte eigentlich keiner besonderen Hervorhebung bedürfen.

Aber auch hier stand er genau in den Fußspuren Caesars. Auch der
hatte ja alles vermieden, was wie Diktatur oder Königsherrschaft
aussah.

Eben nicht. Das ist jetzt kompletter Kokolores. 46 hatte sich Caesar zum dictator für zehn Jahre ernennen lassen - und damit das Prinzip der Befristung dieses Amtes auf ein halbes Jahr verletzt (wie freilich schon Sulla vor ihm). Zudem mit weitreichenderen Befugnissen als sonst bei der dictatur üblich, nämlich als dictator legibus scribundis et rei publicae constituendae (mit Vollmacht zur Erlassung von Gesetzen und zur Neugestaltung des Staates). Auch hierin dem (bislang einzigen) Beispiel Sullas folgend. Als sich Sulla 82 zum dictator machte, griff der schon eine fast vergessene (seit nahezu 120 Jahren nicht mehr gebrauchte) Institution auf - und Caesar war der einzige, der Sullas Beispiel folgte. Der Senat zog seit dem 2. punischen Krieg in Notfällen das senatus consultum ultimum (Sondervollmachten für die Konsuln) der dictatur vor.

44 erfolgte dann sogar Caesars Ernennung zum dictator perpetuus, die allen republikanischen römischen Traditionen widersprechende Verleihung eines umfassenden imperiums auf Lebenszeit. Das war faktisch schon eine Monarchie - und es war nur zu deutlich, dass eine offizielle Umwandlung in eine Monarchie nach hellenistischem Muster nur eine Frage der Zeit und ausreichender propagandistischer Vorbereitung war. Und da schreibst Du allen Ernstes

der hatte ja alles vermieden, was wie Diktatur oder Königsherrschaft
aussah

???

Und von daher wäre es nur logisch, wenn er die gewesene Geliebte
Caesars nicht dem römischen Volke vorführen wollte.

Selbst bei Caesars Anhängern war die Liaison mit Cleopatra nicht gern gesehen, weil sie seinem Ansehen beim Volk schadete. Als Caesar im (von ihm gestifteten) Tempel der Venus genetrix eine goldene Statue aufstellen ließ, die Cleopatra ähnelte, führte dies zu einem Skandal, der seinem Ansehen sehr schadete. Cleopatra hatte nun wirklich nicht viele Freunde in Rom.

Und was Ägypten betrifft - die Ptolomäer saßen dort als Pharaonen
eigentlich recht fest im Sattel. Und sie waren allemal beliebter als
die Römer.

Die saßen nur noch im Sattel, weil die Römer sie ließen. Und zwar hauptsächlich aus innenpolitischen Gründen - das prokonsularische imperium in einer Provinz Ägypten hätte eine solch außerordentliche Machtstellung für einen Einzelnen begründet, dass dies die Machtstellung des Senates als regierendes Kollektiv permanent gefährdet hätte. Auch das prokonsularische imperium über Ägypten gehörte übrigens zu der oben erwähnten Ämterhäufung, mit der Octavian seine Position sicherte - es war seine Hauptfinanzquelle. Bezeichnenderweise durften Senatsangehörige ohne ausdrückliche Erlaubnis des princeps Ägypten nicht einmal betreten.

Ein Selbstmord Kleopatras löste da aus römischer Sicht einige
mögliche Probleme - weil damit die klassische Dynastie erloschen war.
Und damit waren die Ägypter wohl so eher geneigt, einer wie auch
immer gearteten römischen Verwaltung zuzustimmen, weil es ja keinen
anderen gab, der Erbansprüche hätte stellen können.

Eine ‚Zustimmung‘ der Ägypter war schon lange nicht mehr von Belang. Die standen seit mittlerweile 300 Jahren unter Fremdherrschaft und ob sie nun von Persern, Makedonen oder Römern ausgebeutet wurden, dürfte ihnen ziemlich egal gewesen sein.

Was das ‚Erlöschen der Dynastie‘ angeht - die erlosch eben nicht. Wie ich schon geschrieben habe, hinterließ Cleopatra nach der Beseitigung Caesarions (Ptolemaios XV.) drei Kinder, denen (so weit wir aus den Quellen informiert sind) weiter nichts Schlimmes geschah, als dass die Tochter an einen verbündeten König verheiratet wurde und die zwei Söhne in goldenen Ketten beim Triumphzug mitziehen mussten und ansonsten mit ihren Stiefgeschwistern (zu denen Octavians Nichten gehörten) gemeinsam aufgezogen wurden.

Eine Ermordung Kleopatras nach einem römischen Triumphzug hätte den
Ägyptern mit Sicherheit weit weniger gefallen - das hätte bestimmt
Unruhen gegeben.

Wer sagt, dass sie danach hingerichtet worden wäre? In Rom nahm man Frauen als Gegner doch nicht für voll, Octavian hätte sich selbst zum Gespött gemacht, hätte er Frauen und Kinder nach dem Triumphzug hinrichten lassen. Cleopatras Söhne wurden ja auch nicht hingerichtet. Genausowenig wie Antonius Iullus, M.Antonius’ Sohn. Mir erscheint es wahrscheinlicher, dass man Cleopatra auf eine Insel verbannt hätte, um sie dort verschimmeln zu lassen wie einige Jahre später Octavians Tochter Julia und die Enkelin Julia.

Freundliche Grüße,
Ralf

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