Hallo, Gernot
so weit ich weiß, beging Antonius Selbstmord.
So weit, so richtig.
Cerschiedentlich
ist dabei die Mithilfe eines Legionäres erwähnt - er hat wohl
nicht recht getroffen auf Anhieb (das kann aber auch schon
wieder dichterische Freiheit sein.)
Bei allem Respekt - ich habe den Eindruck, die dichterische Freiheit nimmst auch Du selbst reichlich in Anspruch. Was den „Legionär“ angeht, so spricht Cassius Dio einfach unspezifisch von einem „Dabeistehenden“, den M. Antonius dazu aufforderte, ihn zu töten, als die falsche Nachricht von Cleopatras Tod erhielt. Bei Plutarch findet die Szene nicht in der Öffentlichkeit statt, sondern M. Antonius zieht sich zunächst in seine Privaträume zurück und fordert dann seinen Diener Eros auf, ihn zu töten. Beide - Cassius Dio und Plutarch - stimmen darin überein, dass der so Aufgeforderte das Schwert zog - und sich selbst tötete. Darauf hin brachte sich M. Antonius die tödliche Verletzung selbst bei.
Nun wird es schwierig. Nach Fernau war es ja so, daß Kleopatra
aem siegreichen Oktavian den Feldherrenstab des Antonius
sandte - auf jeden Fall aber hat sie die Niederlage noch
überlebt.
Nicht nur nach Fernau - aber diese Quellenangabe klärt so Einiges.
Sie hoffte angeblich, irgendwie wieder einigermaßen aus der
Sache herauszukommen. Ganz unlogisch war das nicht - offiziell
richtete sich der Krieg ja gegen Antonius und nicht gegen sie.
Nein - anders herum wird ein Schuh draus. Offiziell richtete sich der Krieg natürlich gegen eine auswärtige Macht - Ägypten und dessen Königin Cleopatra. M. Antonius galt als Renegat.
Zudem war sie ja mal die Gleiebte Caesars gewesen und
Eine Geliebte - zumal eine ausländische, und sei sie Königin - spielte in der politischen Diskussion allenfalls dann eine Rolle, wenn man ihr einen ungebührlichen politischen Einfluss unterstellte. In Rom sah man so etwas völlig unromantisch und Octavians Propaganda hatte heftig daran gearbeitet, Cleopatra zu dämonisieren. Persönlich war Octavian für solcherart Gefühlsduseleien ohnehin unempfänglich.
Oktavian
war der Adoptivsohn Caesars.
Nur nebenbei - eine Adoption per Testamenmt war nach römischem Recht gar nicht möglich. Octavian war Haupterbe Caesars -
Daraus nahm er ja seine einzige
Legitimation
und eben das war in keinerlei Hinsicht eine staatsrechtliche Legitimation. Wäre es im Übrigen natürlich auch nicht gewesen, wenn Octavian tatsächlich rechtsgültig von Caesar adoptiert gewesen wäre. Octavian hatte eigenmächtig Truppen ausgehoben - wie auch Brutus in Griechenland oder seinerzeit der junge Pompeius Magnus im sullanischen Bürgerkrieg. Auf Betreiben Ciceros (3. Philippische Rede), der in seiner Eitelkeit den jungen Mann unterschätzte und für lenkbar hielt, legalisierte der Senat am 20.12.44 nachträglich die Aushebungen und bestätigte die Kommandos von Brutus und Octavian. Das war seine Legitimation.
Ein paar Tage später (01.01.43, 5. Philippische Rede) forderte Cicero vom Senat sogar die Proprätur für Octavian, die Erklärung M. Antonius zum Staatsfeind und das senatus consultum ultimum, also außerordentliche militärische Vollmachten für die Konsuln - allerdings ohne Erfolg. Als die Konsuln in der Schlacht von Mutina fallen (die Antonius ansonsten verliert) fordert Octavian für die Fortsetzung des Kampfes die Konsulswürde. Ein gutes Maß militärischer Druck auf Rom tut das Übrige und am 29.08.43 werden Octavian und Quintus Pedius die neuen Konsuln. Der Senat machte Octavian darüber hinaus zum Senator (selbst dafür war er eigentlich noch zu jung) und gestattete ihm pauschal die Übernahme aller Ämter 10 Jahre vor dem vorgeschriebenen Mindestalter. Wieder auf Antrag Ciceros. Was seine Legitimation angeht, hat Octavian Cicero unendlich viel mehr zu verdanken als seinem Großonkel und dem überaus zweifelhaften Anspruch, dessen Adoptivsohn zu sein.
Was ihn nicht hinderte, bereits am 11.11.43 mit Antonius und Lepidus das 2. Triumvirat zu schließen und so den Bürgerkrieg wider alle Erwartungen vorerst auf dem Verhandlungswege zu beenden. Cicero hatte sich verrechnet - er gehörte zu denen, die den Preis für das Abkommen zahlen mussten, der u.a. in seiner Liquidierung bestand.
und es wäre indirekt eine Herabsetzung Caesars
gewesen, wenn er dessen geliebte im Triumphzug durch Rom
geschleppt hätte.
Octavians Propaganda war ausgesprochen anticaesarisch - er propagierte die Wiederherstellung der Macht des Senats, in der er *nur* der erste unter Gleichen sein sollte. Pietas gegenüber Caesar hatte Octavian eigentlich nur gezeigt, als er 44 als Privatmann Truppen unter Caesars Veteranen aushob - und da wog sein (durchaus richtiges) Argument, er brauche Truppen, um Caesars Testament zu vollstrecken (das für die Veteranen erhebliche Geldzuwendungen vorsah) sicher deutlich schwerer als vorgebliche sentimentale Anhänglichkeit. Octavian hatte ja auch keinerlei Skrupel, Caesars (in römischen Augen) illegitimen Sohn von Cleopatra zu beseitigen.
Aber das brauchte er ja nicht. Er drohte Kleopatra nur damit
und machte ihr klar, daß sie endgültig weg war vom Fenster.
Und daraufhin brachte die Dame sich um - Problem erledigt.
Du liest zu viel Fernau. Octavian war nach dem Zeugnis der Quellen ziemlich besorgt, einen Selbstmord der Cleopatra zu verhindern - eben weil sie in einem Triumphzug von unschätzbarem propagandistischen Wert gewesen wäre. U.a. indem er sie mit Drohungen gegen ihre Kinder für den Fall ihres Selbstmords erpresste. Einen Selbstmordversuch (mit einem Dolch) hatte bereits ein Abgesandter Octavians, Proculeius, verhindert. Octavians Freigelassener Epaphroditus überwachte sie, um einen weitern Versuch zu vereiteln (und versagte dabei).
Aber durch den Selbstmord mit Hilfe einer Giftschlange
verwandelte sich Kleopatra nach dem Glauben der Ägypter in
eine Gottheit - ihr stand quasi dann ein entsprechendes
Begräbnis zu.
Wie die Ägypter außerhalb Alexandias zu der importierten makedonischen Dynastie der Prolemäer stand, kann man sich unschwer vorstellen.
Oktavian wollte Ruhe in dem gerade eroberten
Land - ein Volksaufstand aus religiösen Gründen war so
ziemlich das Letzte, was er gebrauchen konnte.
Dass es wegen Cleopatra einen Volksaufstand „aus religiösen Gründen“ hätte geben können, ist nun wirklich absurd. Im Übrigen wäre bei der militärischen Präsenz römischer Truppen zu diesem Zeitpunkt ein ägyptischer Volksaufstand die beste (und daher willkommene) Gelegenheit gewesen, ohne viel Aufwand klar zu machen, wer nun im Land das Sagen hatte und den Truppen ohne Belastung der Staatskasse oder Octavians Privatschatulle einen Bonus (aus der dann fälligen Beute) zu gönnen. Wenn es nicht einmal wegen der Eingliederung als Provinz in das römische Imperium einen Aufstand gab - da hätte es wegen Cleopatra einen geben sollen? Absurd.
Also hat er die
Grablegung in dem vborgesehenen Grabmal auch geschehen lassen.
Er demonstrierte damit clementia und pietas - vor allem gegenüber M. Antonius. Auf der gleichen Linie liegt, dass er die überlebenden Kinder des M. Antonius (der ja auch sein Schwager gewesen war), in seine Familie aufnahm und von seiner Schwester Octavia zusammen mit ihren Töchtern (von Antonius) Antonia major und Antonia minor aufziehen liess. Antonius’ ältester Sohn Antyllus (von Fulvia) wurde freilich beseitigt, Iullus antonius jedoch nicht. Die Tochter von Antonius und Cleopatra (Cleopatra Selene) wurde mit König Juba II. von Numidien verheiratet, über ihren Zwillingsbruder Alexander Helios und den jüngsten Sohn, Ptolemäos Philadelphos ist außer dem oben berichteten nichts weiter bekannt. Vermutlich sind sie in Rom in noch jugendlichem Alter gestorben.
Freundliche Grüße,
Ralf