Hallo auch!
Naja, nun fängst Du auch noch an…
Bis ich aus den Pantinen kippte und in einer Tagesklinik
landete. Und dort erhielt ich dann den richtigen Schock: Wir
waren nicht dort, um zu leben, wir waren da, um zu gesunden!
Man, was hab ich für nen Stress gehabt, wenn ich mal einen der
Teilnehmer zum Lachen bekam; wenn ich mal einen Teddy
verschenkte und ein Lächeln aufkam. Mir wurde fast der Prozess
gemacht, so von wegen, ich würde den Heilungsprozess stören
und ich hätte doch einen Behandlungsvertrag unterschrieben …
Wahrscheinlich haben die behandelnden Therapeuten einen gewissen Therapiewiderstand bei Dir festgestellt.
Ok, ich blieb ne Zeit, denn jetzt wurde ich auf Dinge
aufmerksam, die ich vorher nie wahrnahm. Und in dieser Zeit
habe ich eine andere Sicht auf die Dinge gewonnen …
Dies spricht ebenfalls für einen Therapiewiderstand, d.h. z.B. durch kognitive Dissonanzreduktion gelingt es vor sich selber zu rechtfertigen, warum man sich mit den unbequemen Dingen in der Therapie nicht aussetzen möchte.
Sowohl Psychoanalyse als auch kognitive VT werden Dir bescheinigen, dass aber eine Flucht gerade vor den unbequemen Dingen eine Heilungswahrscheinlichkeit reduziert und bestenfalls eine Copingstrategie darstellen kann.
Vermeidungslernen und -strategien sind emotional am erfolgreichsten (kennt jeder - Erleichterung ist ein einfach u.U. ein Wahnsinnsgefühl), stellt aber leider auch das effektivste und löschresistenteste Lernen dar.
Ich weiß nicht, all diese Schulpsychologie in ihren
technischen Ansätzen. Sie sieht eine Krankheit, aber wo bleibt
das „Ganze“?
Da die Schulmedizin und -psychologie wohl die einzigen sind, die wirklich berechtigen ganzheitlich zu urteilen, ist dieser Vorwurf unbegründet.
Da gab es eine Frau, die wurde fast verrückt, wenn ihr Jemand
näher als 2 Meter kam. Oh, was wurde sie therapiert! Heute
sehe ich das anders: Diese Frau hat eine Gabe, sie spürt die
Aura von Menschen physisch.
Tja, das nenne ich wunderlich und nicht ganzheitlich. Ganzheitlich wäre es, nicht sich etwas auzudenken sondern mehrere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen und die Wahrscheinlichste auszuwählen. Als eine Möglichkeit könnte man z.B. auch eine Emotionsregulationsstörung vermuten, in Verbindung mit eventuell einem post-traumatischem Erleben.
Würde ich sie wiedersehen, so
würde ich ihr sagen, dass diese ihre Gabe keine Strafe, keine
Krankheit ist. Es ist einfach eine Fähigkeit und diese sollte
ihr Sicherheit statt Angst geben. Nur, man muss es mal so
sehen …
Gebt nicht ihrer Vergangenheit die Schuld!
Wie gesagt, die Begründung für Ihre Störung liegt in Ihr, nicht in Dir. Du bist es, der Pauschalisiert und sich die Wirklichkeit ausdenkt.
Eine Schuldfrage würde ich - im übrigen auch zum Schutz der Patientin - gar nicht aufkommen lassen. Was soll denn Schuld hier überhaupt heißen? Wie kommst Du darauf, dass immer irgendwer oder -was Schuld sein muss?
Ich habe ansehen müssen, wie mein Vater meine Mutter
verprügelte, sie suchte bei mir (6 Jahre) Schutz. Dann lebte
ich bei ihr: Sie war meistens betrunken, zu essen gab es sehr
wenig, Kohlen zum Heizen musste ich klauen. Ich gebe dieser,
meiner Vergangenheit nicht den Anlass, heute auf mich zu
wirken. Ich erinnere mich in Traurigkeit, aber es ist Teil
meines Weges, ich akzeptiere ihn.
Naja, meine Assoziation mit der Schuld lässt mich fragen, ob dies so ist? Wenn Du hier noch Vorwürfe in Dir trägst, dann solltest Du schauen, ob hier wirklich aufgearbeitet worden ist (d.h. die akzeptanz in einem bestenfalls emotional neutralen Rahmen stattfinden kann).
Gib Deiner Lebensgefährtin Gelegenheiten, sich durchzusetzen.
Lass sie mal bestimmen, wo es am Wochenende hingeht, gib ihr
einfach das Gefühl, sie kann etwas, sie ist stark. Ok, ist
nicht einfach, so was …
Und vielleicht überlegt Ihr Euch auch einmal, die Hilfe von
Heiler/innen zu holen. Dazu findest Du weiter unten von mir
noch einen Hinweis. Probiert es einfach mal aus…
Ich kann hier nur abraten, vor dem Hintergrund eben, weil sogenannte „Heiler“ bei weitem nicht soviel wissen wie die wahren Heiler. Diejenigen sind es nämlich, die in Wirklichkeit nachgewiesenen Krankheiten heilen oder mindestens für eine Besserung sorgen!
Wenn man sagt, dass die Therapieformen, an die Du denken magst, keinen wissenschaftlichen Nachweis einer Wirksamkeit zeigen, so ist das in einigen Fällen übrigens eine höfliche Umschreibung dafür, dass es bislang nur Studien gibt, die zeigen, dass die Therapien wirkungslos gewesen sind.
Zudem wenn er wirklich den Rat hätte hören wollen: „naja, geh’ doch mal zum Heiler“, dann hätte er im Übrigen wahrscheinlich im Esoterikbrett gepostet. Er hatte aber explizit nach klinischen Möglichkeiten gefragt!
Wie kommt es, dass Du trotzdem auf die andere Schiene willst? Bekehrungsversuche? Der Psychologie gegenüber unaufgeschlossen?
Nennst Du das etwa „ganzheitlich“?
Lieben Gruß
Patrick