Klinikaufenthalt bei Depressionen / Arbeitsplatz

Hallo zusammen,
ich versuche mich kurz zu fassen.
Meine Lebensgefährtin (30 Jahre) hat viele Jahre ihres Lebens verschiedene Therapien gemacht - erfolglos.
Als Jugendliche war sie in der Kinder- und Jugendpsychatrie: hat alles noch schlimmer gemacht.

Der Ursprung liegt natürlich in ihrer Kindheit. (ihrer Mutter konnte sie NICHTS recht machen, hat NIE Anerkennung bekommen und wurde dazu „dressiert“ nur den Mund aufzumachen, wenn sie angesprochen wird.)

Die letzten Jahre hat sie sich bemüht, sich ein Leben aufzubauen (Abitur, Ausbildung, Arbeitsplatz etc.), aber jeder Tag ist für sie eine Qual, weil sie eine unvorstellbare Angst vor Menschen hat und allzuoft von diesen enttäuscht worden ist.

Aufgrund ihrer zurückhaltenden Art ist sie in mehreren Firmen, wo sie bereits war das Mobbingopfer schlechthin gewesen.
Jetzt ist sie seit 2 Monaten wieder in einer ehemaligen Firma, spricht aber kaum mit den Kollegen, weil sie so große Angst hat.

Sie gibt sich gerade völlig auf und will nicht mehr.
Die letzten JAhre habe ich schon versucht, sie nochmal zu einer Therapie zu bewegen - keine Chance.
Aber jetzt würde sie sogar in eine Klinik gehen, nur damit sie ihre Ruhe hat und keiner sie verletzen kann.
Allerdings sagt sie, wenn sie diesen Schritt tun würde, dass sie am Leben gescheitert wäre, den JOb verliert und im Anschluß vor dem Nichts steht.

Wer hat Erfahrung mit Arbeit und Klinik. Kümmert sich jemand im Anschluß zur Wiedereingliederung in Leben? Wie kommt sie in eine gute Klinik?
Sie ist in der Probezeit, wie ist es dann mit staatlicher finanzieller Unterstützung und welcher Arbeitgeber nimmt einen Menschen, mit so einem Hintergrund ?

Ich weiß, dass das alles viele Fragen sind, aber ich bin total verzweifelt.

Danke für Antworten

Skippy

Hallo Skippy

Allerdings sagt sie, wenn sie diesen Schritt tun würde, dass
sie am Leben gescheitert wäre, den JOb verliert und im
Anschluß vor dem Nichts steht.

Na, so ein Weltuntergangs-Szenario malt man sich auch nur in der Depression aus. So zu denken gehört quasi zur Depression.

Wer hat Erfahrung mit Arbeit und Klinik. Kümmert sich jemand
im Anschluß zur Wiedereingliederung in Leben?

Da gibts ja nun inzwischen einiges. Z.B. Hamburger Modell usw.

Wie kommt sie in
eine gute Klinik?

Es sollte eine ganz klar psychotherapeutisch ausgerichtete Fachklinik sein. Keine Kompromisse, keine Kurkliniken und schon gar keine moraltheologischen Aufbau-Vereine.

Sie ist in der Probezeit, wie ist es dann mit staatlicher
finanzieller Unterstützung und welcher Arbeitgeber nimmt einen
Menschen, mit so einem Hintergrund ?

Den Psycho-Hintergrund hat sie doch eh schon, das ist doch nun sowieso aktenkundig. Also was solls - es kann nur besser werden bei ihr.
Sozial engagierte Einrichtungen sind als Arbeitgeber entsprechend verständnisvoll, die anderen kann sie doch sowieso a la longue in der Pfeife rauchen, weil sie da nicht glücklich wurde und wird.
Gruß,
Branden

hallo,
schau bitte im internet unter psychokinesiologie nach klinghardt, dort gibt es eine therapeutenliste. ich weiß nicht wo du wohnst. aber das ist das was ich empfehlen kann. wo wohnst du? gruß fkm

@ Branden,

Da gibts ja nun inzwischen einiges. Z.B. Hamburger Modell usw.

Hamburger Modell ist ja schön und gut, aber wenn sie bereits während der Probezeit gekündigt wird, hat sich das dann auch erledigt.

Also was solls - es kann nur besser
werden bei ihr.

Sagst du als Psychologe vielleicht - müßtest aber auch wissen, dass bei Menschen mit schweren Depressionen NICHTS mehr besser werden kann und die Hoffnung auch nicht mehr gegeben ist. Die baut ja Argumentationsketten auf, dass ich schon selber manchmal glaube, dass es für uns beide besser ist, wenn sie gegen einen Baum fährt.

@ fkm

dein Tipp ist lieb, aber ich glaube, dass das schon nicht mehr reichen würde.

Skippy

Horror vor Klinikaufenthalten
Deine Verzweiflung kann ich verstehen. Aber eigentlich hat Deine Lebensgefährtin bereits den ersten Schritt gemacht: „Die letzten Jahre hat sie sich bemüht, sich ein Leben aufzubauen (Abitur, Ausbildung, Arbeitsplatz etc.)“. Daraus kann sie doch schon Mut schöpfen! Redet darüber! So was schafft nicht Jeder in so einer Situation. Also hat sie eine Menge Kraft, es ist viel Stärke in ihr! Eine zurückhaltende Art ist kein Zeichen von Schwäche sondern mitunter ein Zeichen von Weisheit. Man muss nicht jeden zu Boden latschen.

Ich bin vor Jahren mal zusammengeklappt: Totaler Stress und so und dann eine Auszubildende, die Borderliner war. Ich wusste nicht, was das bedeutet …

Bis ich aus den Pantinen kippte und in einer Tagesklinik landete. Und dort erhielt ich dann den richtigen Schock: Wir waren nicht dort, um zu leben, wir waren da, um zu gesunden! Man, was hab ich für nen Stress gehabt, wenn ich mal einen der Teilnehmer zum Lachen bekam; wenn ich mal einen Teddy verschenkte und ein Lächeln aufkam. Mir wurde fast der Prozess gemacht, so von wegen, ich würde den Heilungsprozess stören und ich hätte doch einen Behandlungsvertrag unterschrieben …

Ok, ich blieb ne Zeit, denn jetzt wurde ich auf Dinge aufmerksam, die ich vorher nie wahrnahm. Und in dieser Zeit habe ich eine andere Sicht auf die Dinge gewonnen …

Ich weiß nicht, all diese Schulpsychologie in ihren technischen Ansätzen. Sie sieht eine Krankheit, aber wo bleibt das „Ganze“?

Da gab es eine Frau, die wurde fast verrückt, wenn ihr Jemand näher als 2 Meter kam. Oh, was wurde sie therapiert! Heute sehe ich das anders: Diese Frau hat eine Gabe, sie spürt die Aura von Menschen physisch. Würde ich sie wiedersehen, so würde ich ihr sagen, dass diese ihre Gabe keine Strafe, keine Krankheit ist. Es ist einfach eine Fähigkeit und diese sollte ihr Sicherheit statt Angst geben. Nur, man muss es mal so sehen …

Gebt nicht ihrer Vergangenheit die Schuld!

Ich habe ansehen müssen, wie mein Vater meine Mutter verprügelte, sie suchte bei mir (6 Jahre) Schutz. Dann lebte ich bei ihr: Sie war meistens betrunken, zu essen gab es sehr wenig, Kohlen zum Heizen musste ich klauen. Ich gebe dieser, meiner Vergangenheit nicht den Anlass, heute auf mich zu wirken. Ich erinnere mich in Traurigkeit, aber es ist Teil meines Weges, ich akzeptiere ihn.

Gib Deiner Lebensgefährtin Gelegenheiten, sich durchzusetzen. Lass sie mal bestimmen, wo es am Wochenende hingeht, gib ihr einfach das Gefühl, sie kann etwas, sie ist stark. Ok, ist nicht einfach, so was …

Und vielleicht überlegt Ihr Euch auch einmal, die Hilfe von Heiler/innen zu holen. Dazu findest Du weiter unten von mir noch einen Hinweis. Probiert es einfach mal aus…

Hallo auch!

Naja, nun fängst Du auch noch an…

Bis ich aus den Pantinen kippte und in einer Tagesklinik
landete. Und dort erhielt ich dann den richtigen Schock: Wir
waren nicht dort, um zu leben, wir waren da, um zu gesunden!
Man, was hab ich für nen Stress gehabt, wenn ich mal einen der
Teilnehmer zum Lachen bekam; wenn ich mal einen Teddy
verschenkte und ein Lächeln aufkam. Mir wurde fast der Prozess
gemacht, so von wegen, ich würde den Heilungsprozess stören
und ich hätte doch einen Behandlungsvertrag unterschrieben …

Wahrscheinlich haben die behandelnden Therapeuten einen gewissen Therapiewiderstand bei Dir festgestellt.

Ok, ich blieb ne Zeit, denn jetzt wurde ich auf Dinge
aufmerksam, die ich vorher nie wahrnahm. Und in dieser Zeit
habe ich eine andere Sicht auf die Dinge gewonnen …

Dies spricht ebenfalls für einen Therapiewiderstand, d.h. z.B. durch kognitive Dissonanzreduktion gelingt es vor sich selber zu rechtfertigen, warum man sich mit den unbequemen Dingen in der Therapie nicht aussetzen möchte.

Sowohl Psychoanalyse als auch kognitive VT werden Dir bescheinigen, dass aber eine Flucht gerade vor den unbequemen Dingen eine Heilungswahrscheinlichkeit reduziert und bestenfalls eine Copingstrategie darstellen kann.

Vermeidungslernen und -strategien sind emotional am erfolgreichsten (kennt jeder - Erleichterung ist ein einfach u.U. ein Wahnsinnsgefühl), stellt aber leider auch das effektivste und löschresistenteste Lernen dar.

Ich weiß nicht, all diese Schulpsychologie in ihren
technischen Ansätzen. Sie sieht eine Krankheit, aber wo bleibt
das „Ganze“?

Da die Schulmedizin und -psychologie wohl die einzigen sind, die wirklich berechtigen ganzheitlich zu urteilen, ist dieser Vorwurf unbegründet.

Da gab es eine Frau, die wurde fast verrückt, wenn ihr Jemand
näher als 2 Meter kam. Oh, was wurde sie therapiert! Heute
sehe ich das anders: Diese Frau hat eine Gabe, sie spürt die
Aura von Menschen physisch.

Tja, das nenne ich wunderlich und nicht ganzheitlich. Ganzheitlich wäre es, nicht sich etwas auzudenken sondern mehrere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen und die Wahrscheinlichste auszuwählen. Als eine Möglichkeit könnte man z.B. auch eine Emotionsregulationsstörung vermuten, in Verbindung mit eventuell einem post-traumatischem Erleben.

Würde ich sie wiedersehen, so
würde ich ihr sagen, dass diese ihre Gabe keine Strafe, keine
Krankheit ist. Es ist einfach eine Fähigkeit und diese sollte
ihr Sicherheit statt Angst geben. Nur, man muss es mal so
sehen …

Gebt nicht ihrer Vergangenheit die Schuld!

Wie gesagt, die Begründung für Ihre Störung liegt in Ihr, nicht in Dir. Du bist es, der Pauschalisiert und sich die Wirklichkeit ausdenkt.

Eine Schuldfrage würde ich - im übrigen auch zum Schutz der Patientin - gar nicht aufkommen lassen. Was soll denn Schuld hier überhaupt heißen? Wie kommst Du darauf, dass immer irgendwer oder -was Schuld sein muss?

Ich habe ansehen müssen, wie mein Vater meine Mutter
verprügelte, sie suchte bei mir (6 Jahre) Schutz. Dann lebte
ich bei ihr: Sie war meistens betrunken, zu essen gab es sehr
wenig, Kohlen zum Heizen musste ich klauen. Ich gebe dieser,
meiner Vergangenheit nicht den Anlass, heute auf mich zu
wirken. Ich erinnere mich in Traurigkeit, aber es ist Teil
meines Weges, ich akzeptiere ihn.

Naja, meine Assoziation mit der Schuld lässt mich fragen, ob dies so ist? Wenn Du hier noch Vorwürfe in Dir trägst, dann solltest Du schauen, ob hier wirklich aufgearbeitet worden ist (d.h. die akzeptanz in einem bestenfalls emotional neutralen Rahmen stattfinden kann).

Gib Deiner Lebensgefährtin Gelegenheiten, sich durchzusetzen.
Lass sie mal bestimmen, wo es am Wochenende hingeht, gib ihr
einfach das Gefühl, sie kann etwas, sie ist stark. Ok, ist
nicht einfach, so was …

Und vielleicht überlegt Ihr Euch auch einmal, die Hilfe von
Heiler/innen zu holen. Dazu findest Du weiter unten von mir
noch einen Hinweis. Probiert es einfach mal aus…

Ich kann hier nur abraten, vor dem Hintergrund eben, weil sogenannte „Heiler“ bei weitem nicht soviel wissen wie die wahren Heiler. Diejenigen sind es nämlich, die in Wirklichkeit nachgewiesenen Krankheiten heilen oder mindestens für eine Besserung sorgen!

Wenn man sagt, dass die Therapieformen, an die Du denken magst, keinen wissenschaftlichen Nachweis einer Wirksamkeit zeigen, so ist das in einigen Fällen übrigens eine höfliche Umschreibung dafür, dass es bislang nur Studien gibt, die zeigen, dass die Therapien wirkungslos gewesen sind.

Zudem wenn er wirklich den Rat hätte hören wollen: „naja, geh’ doch mal zum Heiler“, dann hätte er im Übrigen wahrscheinlich im Esoterikbrett gepostet. Er hatte aber explizit nach klinischen Möglichkeiten gefragt!

Wie kommt es, dass Du trotzdem auf die andere Schiene willst? Bekehrungsversuche? Der Psychologie gegenüber unaufgeschlossen?

Nennst Du das etwa „ganzheitlich“?

Lieben Gruß
Patrick

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Hallo Skippy,

naja, unter Umständen reden wir hier ja gar nicht mehr von Depressionen sondern einer anderen Art der Störung mit der Begleitstörung einer Depression.

Das was mir da so in den Sinn käme wäre aber ausgezeichnet zu behandeln.

Was wohl richtig ist und ich auch so sehe ist dass viele Einrichtungen das soziale Umfeld nicht ganz so ernst nehmen - sprich der Job und die Notwendigkeit Geld zu verdienen werden in Ihrer Relevanz für den Betroffenen unterschätzt. Leider haben auch viele Einrichtungen nicht die Möglichkeit, sich darum zu kümmern - in erster Linie vielleicht auch ein Problem des Gesetzgebers (der natürliche Feind des Psychologen… :wink: ).

Vielleicht tut es zunächst - um über die Probezeit zu kommen - auch eine ambulante Therapie? Bei einer akuten schweren Depression mit solch düsteren Gedanken wie Du sie weiter unten beschreibst gilt auch u.U. keine Warteliste. Medikationen können schnellwirksam den Zustand vorübergehend stabilisieren und sie den Alltag wesentlich besser ertragen lassen. Also vielleicht zusätzlich zum Psychologen einen Facharzt aufsuchen (oder beides in einem: Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie).

Und dann kann man doch mal schauen: vielleicht kommt ihr ja auch mit einer ambulanten Therapie aus - da die Probleme gerade im Alltag liegen.

Ansonsten weiß ich nicht, ob es das Modell anderswo auch gibt - aber bei uns in der Klinik gibt es von Klinikseite aus eine Betreuung im Leben des Patienten, d.h. die Psychologen kommen zum Patienten nach Hause und begleiten ihn im Alltag.

Aber ich stimme Branden absolut zu: schlechter kann es doch nicht mehr werden, nur noch besser!

Viel Glück,
Patrick

Nö, ich wollte keine Auseinandersetzung lostreten
Patrick,

Danke für Deine Antwort. Also glaube mir bitte, ich will nicht auch noch anfangen …

Sicher haben die behandelnden Therapeuten bei mir einen gewissen Therapiewiderstand festgestellt. Na logo, denn im Gegensatz zu den Therapeuten habe ich das Lachen nicht verlernt. Ich hatte ja bis dato nicht gewusst, wie ernst das Ganze ist. Ist kein Ausbruch, nur eine Erfahrung!

Sowohl Psychoanalyse als auch kognitive VT werden Dir
bescheinigen, dass aber eine Flucht gerade vor den unbequemen
Dingen eine Heilungswahrscheinlichkeit reduziert und
bestenfalls eine Copingstrategie darstellen kann.

Patrick, da stimme ich Dir zu!

Da die Schulmedizin und -psychologie wohl die einzigen sind,
die wirklich berechtigen ganzheitlich zu urteilen, ist dieser
Vorwurf unbegründet.

Da stimme ich Dir nicht zu, weil in mir das Gefühl entsteht, wie ich es bei allen klassischen Wissenschaftsrichtungen habe: Sie prägen ihren Alleinrichtigkeitsanspruch und sind damit durch. Ist mir zu einfach.

Da gab es eine Frau, die wurde fast verrückt, wenn ihr Jemand
näher als 2 Meter kam. Oh, was wurde sie therapiert! Heute
sehe ich das anders: Diese Frau hat eine Gabe, sie spürt die
Aura von Menschen physisch.

Tja, das nenne ich wunderlich und nicht ganzheitlich.
Ganzheitlich wäre es, nicht sich etwas auzudenken sondern
mehrere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen und die
Wahrscheinlichste auszuwählen. Als eine Möglichkeit könnte man
z.B. auch eine Emotionsregulationsstörung vermuten, in
Verbindung mit eventuell einem post-traumatischem Erleben.

Patrick, woher diese Sicherheit? Wäre es nicht möglich, dass auch ich bestimmte Erfahrungen habe? Und vielleicht auch die wahrscheinlichste Möglichkeit gefunden habe?

Eine Schuldfrage würde ich - im übrigen auch zum Schutz der
Patientin - gar nicht aufkommen lassen. Was soll denn Schuld
hier überhaupt heißen? Wie kommst Du darauf, dass immer
irgendwer oder -was Schuld sein muss?

Ich las aus dem Beitrag, dass hier angenommen wird, worauf das Problem der Frau beruhen könnte. Ich für meinen Teil suche keine Schuld. Deshalb war ich auch noch nie bei einer Familienaufstellung *schmunzel*

Naja, meine Assoziation mit der Schuld lässt mich fragen, ob
dies so ist? Wenn Du hier noch Vorwürfe in Dir trägst, dann
solltest Du schauen, ob hier wirklich aufgearbeitet worden ist
(d.h. die akzeptanz in einem bestenfalls emotional neutralen
Rahmen stattfinden kann).

Ich muss hier nichts aufarbeiten. Ich akzeptiere, was mit mir und um mich geschehen ist. Dies kann durch Akzeptanz dessen, dass wir halt Menschen mit all unseren Fehlern und Schwächen sind, geschehen. So hat ein Jeder sein Recht, seinen, ihm eigenen Weg zu wählen und zu gehen. Und so kann ich es mir gestatten, mich in Demut vor meinen Eltern zu verneigen, ihnen für das Größte, das sie mir gaben - mein Leben - zu danken.

Und vielleicht überlegt Ihr Euch auch einmal, die Hilfe von
Heiler/innen zu holen. Dazu findest Du weiter unten von mir
noch einen Hinweis. Probiert es einfach mal aus…

Ich kann hier nur abraten, vor dem Hintergrund eben, weil
sogenannte „Heiler“ bei weitem nicht soviel wissen wie die
wahren Heiler. Diejenigen sind es nämlich, die in Wirklichkeit
nachgewiesenen Krankheiten heilen oder mindestens für eine
Besserung sorgen!

Nun, seit einem Herzrhytmusvariablitätstest mit vorhergehender Information (russische Raumfahrtmedizin) weiß ich eines: Die deutsche Medizin kümmert sich um die Kranken. Wünschenswerter wäre es doch - so wollt es mir erscheinen - man kümmert sich (auch) um die „Gesunden“…

Zudem wenn er wirklich den Rat hätte hören wollen: „naja, geh’
doch mal zum Heiler“, dann hätte er im Übrigen wahrscheinlich
im Esoterikbrett gepostet. Er hatte aber explizit nach
klinischen Möglichkeiten gefragt!

Vielleicht wusste er es nicht besser? Schau, ich halte die Websites zweier Heilerinnen. Was ich dabei erleben konnte (durfte?) hat mich als gestandenen Physiker aber ganz schön irritiert. Sie haben Krankheiten geheilt, bei denen die heutige Medizin nur noch den Schwerbehindertenstatus verhängt. Und sie haben eigentlich nichts weiter gemacht, als die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und zu fördern. Ich finde, dies taten schon die alten Schamanen (oder wie sie auch immer genannt wurden) bei unseren Urahnen. Wo kann man eigentlich die Spontanheilung von Krebs einordnen?

Wie kommt es, dass Du trotzdem auf die andere Schiene willst?
Bekehrungsversuche? Der Psychologie gegenüber
unaufgeschlossen?
Nennst Du das etwa „ganzheitlich“?

Ich will nicht auf die andere Schiene. Ich möchte nur dafür werben, dass alles in Betracht gezogen wird. Ein Heiler kann nicht eine zerschnittene Leber heilen. Also bin ich nicht blind gläubig.

Ich betreue Psychologen beim Einsatz der Hogrefe-Software. Ich bin dankbar für die dabei entstehenden Gespräche, ich achte deren Arbeit und weiß um die Schwere. Und ich zolle diesen Menschen Hochachtung!

Und dies tue ich auch bei Dir! Ich danke Dir nochmals für Deine Antwort, sie gibt mir Anlass, auch meine Einstellung mal wieder zu überdenken.

Lieben Gruß
Dieter

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Hallo Dieter!

Also ich gehe jetzt mal zusammenfassend auf alles ein, was mir so in den Sinn noch kommt… :wink:

Persönlich habe ich nichts gegen Heiler - wie Du schon so richtig schriebst: wenn es hilft, ist jedes Mittel recht bzw. wer heilt hat Recht.

Aber: die Beobachtung, die ich persönlich mache, ist wie weiter unten bereits angerissen: die Motivation muss stimmen.

In den ganzen zusammengeschusterten Heilrichtungen - z.B. NLP oder Kinesiologie (worum es ja ging) - geht es vorrangig doch gar nicht mehr um das Heilen, sondern um’s Geld. Schau Dir die Internetportale von den Vögeln an - teure Lehrgänge und teure Einzelsitzungen (teurer übrigens als psychologische Psychotherapie - vielleicht mache ich ja was falsch…).

Das sind zum Teil Menschen, die meinen, dass sie auch Heilen müssten. Andererseits aber kein Engagement für eine 8-10 Jährige Ausbildung eines Mediziners oder psychologischen Psychotherapeuten haben.

Wie gesagt - wenn Sie heilen, und wenn sie nicht eine Krankheit bloß überdecken, d.h. unterm Strich keinen Schaden anrichten, ist es auch gut.

Aber: viele Mediziner oder Psychologen die ich kenne, widmen ihre Kraft nicht nur der Behandlung von Patienten sondern auch der wissenschaftlichen Weiterentwicklung von Heilbehandlung. Das ist z.B. auch mein persönliches Ziel, entweder Klinik oder eigene Praxis und an einem Forschungsnetzwerk parallel beteiligt sein.

Dafür (Forschung) bekommt man kein Geld (so ist nun einmal unsere Gesellschaft organisiert - es besteht ein Heilungsbegehren, aber für die Forschung soll nichts ausgegeben werden. Neuerlich wird sie hinten rum durch die Studierenden über Studiengebühren finanziert).

Die Wissenschaft ist aber auch gerade auf diese Forschungsbeiträge aus der Praxis angewiesen.

Ein Mediziner oder Psychologe der bezahlt wird, kann also so auch seinen Forschungsbeitrag finanzieren und parallel noch leben.

Dasjenige Geld aber, welches für Heiler investiert wird, ist für diese weitergehende Forschung verloren.

Neben einer potentiellen Gefährdung bei dem Übersehen einer ernsten Erkrankung durch einen Heiler ist dies für mich das wirkliche Übel: ich wäre froh, wenn wir Krankheit besser & effektiver bekämpfen könnte, sehe, dass dies nur privatwirtschaftlich organisiert stattfinden kann - aber sehe dann zusätzlich auf der privatwirtschaftlichen Seite auch noch diese andere Bedrohung.

Anderes Thema zwar, nur das ich dies auch noch anspreche: Ich halte die Selbstheilungskräfte des Körpers - auch und gerade im somatischen Bereich - für überaus wichtig und finde auch dass dies Themen sind, die auch die Wissenschaft verfolgen sollte! Spontanheilung bei Krebsen sind doch z.B. Themen die Bestens geeignet scheinen, eine Schlüsselrolle innerhalb der globalen Heilung dieser Erkrankungen zu spielen.

Nur finde ich, man sollte es immer belegen und in seiner Nachhaltigkeit auch untersuchen. Nicht zuletzt sollte auch immer - wie Du auch schriebst - die Lebensqualität des Patienten dabei im Auge behalten werden.

Und so komme ich noch zum dritten Thema: Was nun die Lebensqualität der Gesunden anbelangt, so kann sich die Wissenschaft hier zwar mit befassen. Aber diejenigen, die den Menschen und seine Bedürfnisse erforschen sind nicht diejenigen, die Gesetze um den Menschen machen und so seine Umwelt wesentlich bestimmen. Und sie haben hier auch keine Lobby.

Deswegen können wir nur Abwarten bis die Menschen gestört sind, und uns dann um sie kümmern. Unser ganzes System ist nicht so aufgebaut, Gesundheit zu erhalten. Meiner Meinung nach ist es eher gut geeignet, Gesundheit zu zerstören.

Deswegen ist es auch so schwer mit der Profilaxe.

Das z.B. die Freundin des Fragestellers so mit dem Rücken zur Wand steht. Sich trotz ihrer beschwerlichen Kindheit einen Weg mühsam erkämpft hat und etwas aufgebaut hat, auf das sie zu Recht stolz ist, was aber bedroht ist, wenn sie sich jetzt in eine Klinik begibt ist gleichsam real wie auch tragisch. Aber es ist ein gesellschaftliches Probelm, keins, was die Psychologie lösen kann.

Ich sehe uns eher als diejenigen, die hinterher die Scherben aufkehren.

Lieben Gruß
Patrick

P.S.: Wenn ich übrigens einen Patienten sehe, der lacht, dann freut mich das. Solange er nicht den Ernst einer Therapie anzweifelt, sehe ich auch nicht, warum er nicht lachen sollte. Übrigens ist lachen ja auch ganz höchstwissenschaftlich gesehen sehr gesund - trägt also zu einer Heilung insgesamt eher bei! :smile:

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Ich habe keine Erfahrung mit Kliniken. Aber ich halte Deine Frage, welche in Frage kommen könnte, erst für akut, wenn die Frage tatsächlich geboten sein sollte.

Dass dem wohl noch lange nicht so ist schließe ich daraus, dass Deine Lebensgefährtin offenkundig befürchtet

am Leben gescheitert (zu sein), den JOb (zu verlieren) und im
Anschluß vor dem Nichts (zu stehen).

Den Beiträgen der Vorredner zu Folge dürfte von Seiten der Kliniken wohl nicht so viel zu erwarten sein, als von denen während des stationären Aufenthaltes nur gesagt zu bekommen, dass Deine Lebensgefährten ihr Leben akzeptieren soll, so, wie es ist. Einschließlich sich selbst. Das dürfte ihr als Jugendliche wohl nicht verständlich genug gemacht worden sein. Warum wohl? Vielleicht weil nur auf die Umstände, insbesondere auf die Kindheit abgestellt wurde.

Meine Lebensgefährtin (30 Jahre) hat viele Jahre ihres Lebens
verschiedene Therapien gemacht - erfolglos.
Als Jugendliche war sie in der Kinder- und Jugendpsychatrie:
hat alles noch schlimmer gemacht.

Sag ich doch. Das Behandlungsrisiko trug natürlich einzig sie. Nur zu gerne hätte man sie wohlmöglich als ´therapieresistent´ erklären wollen…

Die Aussage von einem Teil der Vorredner „kann ja nicht mehr schlimmer werden“ trifft derart daneben… Das trifft mM genau so für die Frage nach den Ursprüngen für die Depression deiner Lebensgefährtin zu. Das dürftest Du wohl auch so sehen, richtig?

Sie ist in der Probezeit, wie ist es dann mit staatlicher
finanzieller Unterstützung und welcher Arbeitgeber nimmt einen
Menschen, mit so einem Hintergrund?

Zeige Ihr Verständnis, aber kein Mitgefühl. Verlange von Ihr sogar, dass sie Deine Hilfe würdigt, weil es nicht selbstverständlich ist. Sollte sich mal erkenntlich zeigen, meinst Du nicht auch?

Ich weiß, dass das alles viele Fragen sind, aber ich bin total
verzweifelt.

Na, na, na… es ist doch „bloß“ ihr Leben, nicht Deins. Na Bitte. Anderseits: Versucht es mal mit gemeinsamen Happenings: Spaziergängen. Backen. Wohnungsputz (Na, klar).

Danke für Antworten

Na, ja…

Gruß
guvo

Danke!
Hallo Patrick,

jetzt bin ich, ja was eigentlich? Ich freue mich diebisch, Dich ein wenig aus der Deckung bekommen zu haben. Und noch mehr freue ich mich, mich nicht in Dir getäuscht zu haben!

Ich wünsche Dir auf Deinem Weg viel Glück (blödes Wort!), verdienten Erfolg und das Deine Patienten, nee, sagen wir besser: Klienten, sich immer Deiner in Dankbarkeit erinnern können.

Ich freue mich, hier auf Dich „getroffen“ zu sein. Und vielleicht „treffen“ wir uns auch mal via Email? Es wäre eine Ehre für mich.

Liebe Grüße
Dieter

Hallo Dieter!

Das sind sehr freundliche Worte von Dir! Danke dafür, auch für die guten Wünsche.

Sicherlich lesen und hören wir hier im Forum noch viel voneinander, Du schreibst doch recht fleißig mit!

Dir aber auch alles Gute und dass es Dir und den Deinen Gut geht.

Lieben Gruß
Patrick

P.S.: an die Begrifflichkeit „Klient“ kann ich mich irgendwie noch nicht richtig anfreunden, an der Uni sagen die das auch immer aber an der Klinik sagen alle „Patient“. Ich selber fühle mich beim Arzt eher als „Patient“ denn als „Klient“. Als gesetzlich Versicherter muss ich sowieso nehmen, was ich kriege… :wink:

Hallo zurück,

Was wohl richtig ist und ich auch so sehe ist dass viele
Einrichtungen das soziale Umfeld nicht ganz so ernst nehmen -
sprich der Job und die Notwendigkeit Geld zu verdienen werden
in Ihrer Relevanz für den Betroffenen unterschätzt. Leider
haben auch viele Einrichtungen nicht die Möglichkeit, sich
darum zu kümmern

genau das stellt echt ein großes Problem da. Denn wenn sie den Job auch noch verliert bestätigt sie das ja in ihrer Wahrnehmung, dem Leben nicht gewachsen zu sein.

Vielleicht tut es zunächst - um über die Probezeit zu kommen -
auch eine ambulante Therapie? Bei einer akuten schweren
Depression mit solch düsteren Gedanken wie Du sie weiter unten
beschreibst gilt auch u.U. keine Warteliste. Medikationen
können schnellwirksam den Zustand vorübergehend stabilisieren
und sie den Alltag wesentlich besser ertragen lassen.

Ambulante Therapie ist schön und gut, aber wie willst du einen Arbeitstag gestalten, bei dem sie morgens um 7 aus dem Haus geht, 40km weit fährt und abends um 6 bzw 7 wieder kommt. Therapeuten richten sich selten nach den Arbeitszeiten anderer Menschen.
Medikamente befürworte ich, möchte sie aber weniger nehmen, da sie früher schlechte Erfahrungen damit gemacht hat. Mit diesen ging es ihr noch schlechter. (Und da ist einiges ausprobiert worden)

Ansonsten weiß ich nicht, ob es das Modell anderswo auch gibt

  • aber bei uns in der Klinik gibt es von Klinikseite aus eine
    Betreuung im Leben des Patienten, d.h. die Psychologen kommen
    zum Patienten nach Hause und begleiten ihn im Alltag.

Super, wo arbeitest du? Also hier in Dortmund finden wir sowas nicht.
Haben heute auch sowohl Nervenärzte und Psychiater abgeklappert, waren gestern in der psychatrischen Ambulanz eines Krankenhauses und sind überall abgewiesen worden. Die einzige ALternative ist eine direkte Einweisung, aber auch nur, wenn man gerade suizidgefährdet ist.
Wir haben jetzt nächste Woche einen Termin in einem Krisenzentrum bei einem Psychiater bekommen, aber der wird uns wohl auch nur weitervermitteln…

Aber ich stimme Branden absolut zu: schlechter kann es doch
nicht mehr werden, nur noch besser!

Das habe ich schon oft gedacht, aber es geht in der Tat immer noch schlimmer.

Viel Glück,

werden wir brauchen, danke

Patrick

Skippy