Klinikentlassung von Frühgeborenen - Richtlinien?

Moin, liebe Mediziner!

Aus gegebenem Anlaß mal folgende Frage an alle Neonatologen (so heißt das glaube ich *g*) und sonstigen medizinisch bewanderten :smile:

Gibt es eigentlich sowas wie feste Richtlinien hinsichtlich der Entlassung von Frühgeborenen Kindern aus dem Krankenhaus? Irgendwo habe ich mal was gehört, das Kinder unter 2.500g nicht entlassen werden.

Für mich wäre also interessant, welche Vorgaben es da insgesamt gibt, sofern es überhaupt sowas gibt.

Welche Kriterien müssen also erfüllt sein, damit Frühgeborene Kinder aus der Klinik unbedenklich entlassen werden können?

Für jede Antwort dankbar und vielfach grüßend ist

Der Dicke MD.

Antwort ohne Gewähr IANAN (I am not a neonatologe :wink: ).

Die Grenze 2500g ist m.W. etwas willkürlich gesetzt worden. Neugeborene unter dieser Grenze werden als Frühchen „definiert“. Bei Anwendung dieser „Definition“ ist es völlig egal, in welcher SSW sie geboren wurden.

Explizite Richtlinien, wann Frühchen (und im übrigen alle anderen Neugeborenen auch) entlassen werden sollen, gibt es m.W. nicht. Das entscheiden Arzt und Eltern. Wenn die Eltern darauf bestehen, entlassen zu werden und der Arzt dagegen ist, müssen sie normalerweise einen entsprechenden Wisch unterschreiben, daß sie gegen den Rat des Arztes das Weite gesucht haben (dient primär zur rechtlichen Absicherung des Arztes; allerdings bei manchen KKH kann ich das gut verstehen).

Wenn Du also so ein Leichtgewicht hast, das nach einer normalen Dauer auf die Welt gekommen ist, hat das für Dich oder Dein Kind keine besonderen Konsequenzen mit einer eher positiven Ausnahme: Bei Frühchen (auch solchen, die eigentlich nur nach dieser 2500g-Grenze solche sind) verlängert sich die Dauer des Mutterschutzes auf 12 Wochen nach der Geburt (statt 8) und damit auch die Dauer der Zahlungen des Mutterschaftsgeldes. Diese Zahlungsverlängerung muß aber bei vielen Krankenkassen extra beantragt werden, sonst rücken die keine Kohle raus.

Gruß abi

Moin, Abi!

Antwort ohne Gewähr IANAN (I am not a neonatologe :wink: ).

Trotzdem erstmal ganz lieben Dank für die schnelle Antwort :smile:

Explizite Richtlinien, wann Frühchen (und im übrigen alle
anderen Neugeborenen auch) entlassen werden sollen, gibt es
m.W. nicht. Das entscheiden Arzt und Eltern. Wenn die Eltern
darauf bestehen, entlassen zu werden und der Arzt dagegen ist,
müssen sie normalerweise einen entsprechenden Wisch
unterschreiben, daß sie gegen den Rat des Arztes das Weite
gesucht haben (dient primär zur rechtlichen Absicherung des
Arztes; allerdings bei manchen KKH kann ich das gut
verstehen).

Das kann ich nachvollziehen. Die Doc´s müssen sich in diesem Fall ja entsprechend absichern. Was wäre jetzt allerdings im umgekehrten Fall? Mal unterstellt, die Ärzte sind der Meinung, das die Kinder (bei uns sind´s zwei *g*) entlassen werden sollen und die Eltern sind anderer Meinung, weil sie es in Anbetracht der Umstände für verfrüht und zu riskant halten, wie sieht es da aus? Kann ich mir da von der Klinik schriftlich geben lassen, das sie die Entlassung auf ihre Verantwortung und gegen den Willen der Eltern vornehmen?

Konkret: Beide sind jetzt 7 Tage alt. Beginnende Gelbsucht bei beiden (was wohl normal ist). Bei einem ist das Gewicht jetzt bei knapp über 2000g (Geb.Gewicht 2170g), beim anderen knapp über 2300g (Geb.Gewicht 2490g). Bis jetzt ist keine Tendenz zur Gewichtszunahme erkennbar, wird noch jeden Tag weniger (was wohl auch normal ist). Einer der beiden wird noch über eine Magensonde ernährt. Laut Aussage der Ärzte ist das in drei bis vier Tagen alles okay, dann wird entlassen.

Ich halte das für viel zu früh und für zu riskant. Ich bewundere ja die Hellseherischen Fähigkeiten der Ärzte, aber medizinisch begründete Fakten wären mir lieber. Es ist ja nicht so, das wir nicht gern die Kinder zu Hause hätten, aber das Risiko und die damit verbundene Verantwortung ist uns zu heiß.

Wenn Du also so ein Leichtgewicht hast, das nach einer
normalen Dauer auf die Welt gekommen ist, hat das für Dich
oder Dein Kind keine besonderen Konsequenzen mit einer eher
positiven Ausnahme: Bei Frühchen (auch solchen, die eigentlich
nur nach dieser 2500g-Grenze solche sind) verlängert sich die
Dauer des Mutterschutzes auf 12 Wochen nach der Geburt (statt
8) und damit auch die Dauer der Zahlungen des
Mutterschaftsgeldes. Diese Zahlungsverlängerung muß aber bei
vielen Krankenkassen extra beantragt werden, sonst rücken die
keine Kohle raus.

Das ist kein Thema, bei zweien gibt es eh die zwölf Wochen :smile:

Danke, Gruß & Bye…

Der Dicke MD.

Moin Dicker,

ich bin auch kein IANAN, kann dir also auch nur von meinen persönlichen Erfahrungen als Mutter berichten.

Ich halte das für viel zu früh und für zu riskant. Ich
bewundere ja die Hellseherischen Fähigkeiten der Ärzte, aber
medizinisch begründete Fakten wären mir lieber. Es ist ja
nicht so, das wir nicht gern die Kinder zu Hause hätten, aber
das Risiko und die damit verbundene Verantwortung ist uns zu
heiß.

Vielleicht solltet ihr mal in einem Gespräch mit einem behandelnden Arzt klären, wo genau ihr Risiken seht und euch das geben lassen, was euch fehlt, nämlich medizinisch begründete Fakten :smile:. Ihr könnet z.B. danach fragen, wie das mit dem Reifegrad ist, also ob es nicht sinnvoll wäre, die Kleinen bis zu dem Termin im Krankenhaus zu belassen, wenn sie eigentlich Gegurtstermin gehabt hätten, und wieso das von den Ärzten als unproblematisch angesehen wird, wenn sie früher gehen können. Auch sind Informationen über ihren allgemeinen Gesundheitszustand hier sicher wichtig.

Auch das Gespräch mit einer Kinderschwester, die eure Zwerge versorgt, kann hilfreich sein. Lasst euch genau erklären, auf was ihr zu Hause zu achten habt etc. Und vor allem: deine Frau sollte versuchen, soviel der Pflege und Betreuung für die Zwerge im Krankenhaus selbst zu übernehmen und möglichst viel Zeit mit ihnen zu verbringen. So kann sie dann vielleicht schon einiges von den Kinderschwestern lernen und wird im Umgang mit den Kleinen vielleicht auch etwas sicherer.

Zusätzlich würde ich an eurer Stelle ganz schnell Kontakt zu einer Hebamme aufnehmen, die deine Frau und die Kleinen in der ersten Zeit zu Hause betreuen kann (falls ihr das noch nicht gemacht habt). Gespräche mit einer Hebamme sind in diesem Fall sicher auch sinnvoll.

Ebenfalls solltet ihr schomal Kontakt zu dem Kinderarzt aufnehmen, der eure Zwerge dann weiter betreuen soll.

So hab ihr dann schonmal mindestens 2 weitere fachkundliche Meinungen neben derjenigen der Krankenhausärzte.

Im Übrigen: Als wir unseren Sonnenschein damals mit nach Hause nehmen durften, wog sie auch noch keine 2,500 kg :smile:, aber das Datum lag nahe an ihrem „eigentlichen“ Geburtstermin. Trotzdem hab ich die ersten Nächte kein Auge zugetan :smile:

Gruss
Marion, die deine Sorgen sehr gut verstehen kann.

2 „Gefällt mir“

Mahlzeit, Marion!

ich bin auch kein IANAN, kann dir also auch nur von meinen
persönlichen Erfahrungen als Mutter berichten.

Persönliche Erfahrungen sind immer wertvoll, in jeder Hinsicht :smile:
Erst Recht, wenn man keine eigenen hat.

Vielleicht solltet ihr mal in einem Gespräch mit einem
behandelnden Arzt klären, wo genau ihr Risiken seht und euch
das geben lassen, was euch fehlt, nämlich medizinisch
begründete Fakten :smile:.

Genau das haben wir vorhin getan. Und was soll ich sagen, auf einmal war alles ein großes Mißverständnis. Selbstverständlich kommen unsere Zwerge erst nach Hause, wenn sie vollständig und uneingeschränkt dazu in der Lage sind und kein anormales Risiko mehr besteht.
Von daher geht es mir jetzt schon viel besser :smile:

Auch das Gespräch mit einer Kinderschwester, die eure Zwerge
versorgt, kann hilfreich sein.

Das hatten wir schon mehrfach und werden es mit Sicherheit noch öfter wiederholen. Finde ich wirklich hilfreich.

Lasst euch genau erklären, auf
was ihr zu Hause zu achten habt etc.

Genau deswegen hilfreich :smile:

Und vor allem: deine Frau
sollte versuchen, soviel der Pflege und Betreuung für die
Zwerge im Krankenhaus selbst zu übernehmen und möglichst viel
Zeit mit ihnen zu verbringen. So kann sie dann vielleicht
schon einiges von den Kinderschwestern lernen und wird im
Umgang mit den Kleinen vielleicht auch etwas sicherer.

Und genau da liegt das Problem. Meine Süße muß jetzt erstmal therapiert werden, weil sie immer noch nicht wieder laufen kann. Ergo kann sie derzeit auch so gut wie garnix selbst machen. Aber ich bin guter Hoffnung, das das jetzt sukzessiv voran geht.
Bis dahin ist sie zwar viel bei den Zwergen, machen kann sie aber nix, leider.

Zusätzlich würde ich an eurer Stelle ganz schnell Kontakt zu
einer Hebamme aufnehmen, die deine Frau und die Kleinen in der
ersten Zeit zu Hause betreuen kann (falls ihr das noch nicht
gemacht habt). Gespräche mit einer Hebamme sind in diesem Fall
sicher auch sinnvoll.

Hmm, das haben wir schon gemacht. Irgendwie war das nicht so der Bringer. Aber auch hier wird es wohl noch ein weiteres Gespräch geben. Wie das eben so ist mit Empfehlungen. Viele hatten uns da eine Hebamme empfohlen, die absolut super sein sollte. Irgendwie stimmte aber da bei uns die Chemie nicht, sowas gibt es halt manchmal. Aber wir werden sehen, fachlich ist die Frau anscheinend wirklich gut.

Ebenfalls solltet ihr schomal Kontakt zu dem Kinderarzt
aufnehmen, der eure Zwerge dann weiter betreuen soll.

Da hab ich das große Glück, das die Kinderärztin, die vor etwa hundert Jahren schon mich und meinen Bruder als Kinder betreut hat, noch praktiziert. Und welch ein Zufall: Ungefähr 15 Minuten zu fuß von unserem Zuhause weg. Manchmal hat man eben Glück :smile:

So hab ihr dann schonmal mindestens 2 weitere fachkundliche
Meinungen neben derjenigen der Krankenhausärzte.

Inzwischen sind ja alle Unklarheiten beseitigt. Irgendwas an der zwischenmenschlichen Kommunikation hat da gestern versagt, glaube ich. Jetzt bin ich beruhigt, meine Süße auch und sie kann in Ruhe ihre Therapie verfolgen. Und wenn dann die Zwerge soweit sind, holen wir sie in aller Ruhe nach Hause. Und Du kannst Dir garnicht vorstellen, wie ich mich darauf freue. Obwohl, wahrscheinlich kannst Du es Dir doch vorstellen :smile:

Im Übrigen: Als wir unseren Sonnenschein damals mit nach Hause
nehmen durften, wog sie auch noch keine 2,500 kg :smile:, aber das
Datum lag nahe an ihrem „eigentlichen“ Geburtstermin.

Gut zu wissen, das es auch anderen so geht oder besser ging :smile:
Aber zu anfang bekommt man fast einen Herzkasper bei dem Gedanken. Ging uns jedenfalls so.

Trotzdem
hab ich die ersten Nächte kein Auge zugetan :smile:

Das kann ich zwar noch nicht nachvollziehen, ich befürchte aber, ich werde es bald verstehen können *gg*

Danke, Gruß & Bye…

Der Dicke MD.

Jetzt melde ich mich doch auch noch mal.

Genau das haben wir vorhin getan. Und was soll ich sagen, auf
einmal war alles ein großes Mißverständnis. Selbstverständlich
kommen unsere Zwerge erst nach Hause, wenn sie vollständig und
uneingeschränkt dazu in der Lage sind und kein anormales
Risiko mehr besteht.

Hätte mich auch gewundert wenn’s anders wäre.

Und genau da liegt das Problem. Meine Süße muß jetzt erstmal
therapiert werden, weil sie immer noch nicht wieder laufen
kann. Ergo kann sie derzeit auch so gut wie garnix selbst
machen. Aber ich bin guter Hoffnung, das das jetzt sukzessiv
voran geht.

Dann würde ich mich schleunigst nach einer Haushaltshilfe umsehen (Sozialstation o.ä.) und mir die Notwendighkeit vom Arzt bestätigen lassen. Dann sollte das nämlich die KK bezahlen. Alternativ, wenn Du kannst, kannst Du in so einem Fall auch unbezahlten Urlaub nehmen und Dir den Verdienstausfall zu einem großen Teil von der KK bezahlen lassen.

Hmm, das haben wir schon gemacht. Irgendwie war das nicht so
der Bringer. Aber auch hier wird es wohl noch ein weiteres
Gespräch geben. Wie das eben so ist mit Empfehlungen. Viele
hatten uns da eine Hebamme empfohlen, die absolut super sein
sollte. Irgendwie stimmte aber da bei uns die Chemie nicht,
sowas gibt es halt manchmal. Aber wir werden sehen, fachlich
ist die Frau anscheinend wirklich gut.

Naja, Hebammen sind so ein Fall für sich. Ich kenne mittlerweile 3 von der Sorte. Die einzige, die man als gut bezeichnen konnte, hatte selber Kinder; die anderen beiden nicht …

Gruß abi

Jetzt melde ich mich doch auch noch mal.

Schön :smile:
Hello again…

Genau das haben wir vorhin getan. Und was soll ich sagen, auf
einmal war alles ein großes Mißverständnis. Selbstverständlich
kommen unsere Zwerge erst nach Hause, wenn sie vollständig und
uneingeschränkt dazu in der Lage sind und kein anormales
Risiko mehr besteht.

Hätte mich auch gewundert wenn’s anders wäre.

Hat mich ja auch gewundert. Aber durch genaueres Nachfragen hat sich eben heute alles relativiert :smile:

Dann würde ich mich schleunigst nach einer Haushaltshilfe
umsehen (Sozialstation o.ä.) und mir die Notwendighkeit vom
Arzt bestätigen lassen. Dann sollte das nämlich die KK
bezahlen.

Die Möglichkeit besteht sicherlich, ist aber IMHO unnötig. Ihre Eltern sind beide Rentner und haben dementsprechend viel Zeit. Und Oma & Opa haben sich bereits geradezu aufgedrängt…
Eine weitere Haushaltshilfe ist da eigentlich nicht nötig. Und zusätzlich habe ich auch Urlaub sobald die Zwerge @home sind :smile:
Für mindestens drei, vielleicht sogar vier Wochen.

Alternativ, wenn Du kannst, kannst Du in so einem
Fall auch unbezahlten Urlaub nehmen und Dir den
Verdienstausfall zu einem großen Teil von der KK bezahlen
lassen.

Das ist allerdings eine interessante Info! Ist mir völlig neu. Funktioniert das theoretisch auch, wenn wir nicht verheiratet sind? Darüber sollten wir dann vielleicht mal genauer nachdenken. So könnte ich ja vielleicht meinen regulären Urlaub sparen.

Naja, Hebammen sind so ein Fall für sich. Ich kenne
mittlerweile 3 von der Sorte. Die einzige, die man als gut
bezeichnen konnte, hatte selber Kinder; die anderen beiden
nicht …

Vielleicht liegt es tatsächlich daran. Die Betreffende hat nämlich auch keine Kinder. Hier scheint tatsächlich zuzutreffen, das zwar viel Ahnung von der Theorie vorhanden ist, aber die Praxis…
Sei´s drum, irgendwie werden wir auch so klar kommen. Das haben schon ganz andere geschafft :smile:
Die Hebamme, mit der wir Kontakt hatten, war ziemlich heftig auf dem ökologischen Trip, wie wir fanden. Viel mit Kräuterwirtschaft und Antiautorität und so…
Nicht, das ich was gegen Kräuterwirtschaft hätte, aber eine Antiautoritäre Lebensweise kommt bei uns nicht in die Tüte :smile:

Nochmal Danke, Gruß & Bye…

Der Dicke MD.

Hallo Dicker, verfolge amüsiert den Thread.

Ihr habt ganz schon Schiss, gell…*gg*, aber wie wir alle,
kommt auch ihr klar, anfangs wird´s wohl oder übel etwas chaotisch sein (zumals es auch noch 2 sind und Deine Frau noch ne Weile brauch, um sich von Schwangerschaft u. Geburt zu erholen). Aber in den meisten Faellen geht das, wenn die Kleinen denn soweit sind, zu Hause viel besser und schneller als man glaubt.

Und lasst Euch vor allem nicht von Hebammen verrückt machen.
Die meisten würden die Babys am liebsten sterilisieren, obwohl
da geh ich von unserer Zeit im Osten aus.
Ihr schafft das schon alles ganz locker, wart ein paar Wochen,
dann pegelt sich zu Hause alles schön ein.

Und Oma & Opa haben sich bereits geradezu aufgedrängt…

Das kann u.U. auch "anstrengend " werden.

Also, Augen zu und durch und bald seid ihr „erfahrene Eltern“, die ihrerseits Ratschläge geben können.

Alles Gute, in dem Fall bes. für Deine Frau und die Kleinen.
hd