Klinkerwände gegen Feuchtigkeit abdichten, wie?

Hallo,

an unserem 36 Jahre alten Schrägdach-Klinkerhaus gibt es inzwischen diverse durch eindringende Feuchtigkeit verursachte renovierungsbedürftige Schäden zu beobachten:

  1. Schornstein
    Auf dem Dachboden hat die durch die Klinker, aus denen der Schornstein besteht, eindiffundierende, der Schwerkraft folgend wandernde und im Winter gefrierende Feuchtigkeit die Putzschicht des Schornsteins schon teilweise „weggesprengt“. Wie kann ich den Schornstein effektiv gegen Feuchtigkeit von außen abdichten? Beim Bau des Hauses wurde der Schornstein von außen mit Wasserglas eingestrichen. Die Maurer sagten uns, das könne aber nur einmal gemacht werden, nicht öfter. Stimmt das? Warum?

  2. Außenwände
    An mehreren Stellen im Haus sieht man durch graue Zonen an den an die Außenwände grenzenden Decken des Erdgeschosses, daß durch die Außenwände Feuchtigkeit eindiffundiert. Was empfiehlt sich als effektiver und dabei kostengünstiger Schutz gegen eindringende Feuchtigkeit?

Gruß
Uwe

Diffusion?

Hallo,

an unserem 36 Jahre alten Schrägdach-Klinkerhaus gibt es
inzwischen diverse durch eindringende Feuchtigkeit verursachte
renovierungsbedürftige Schäden zu beobachten:

  1. Schornstein
    Auf dem Dachboden hat die durch die Klinker, aus denen der
    Schornstein besteht, eindiffundierende, der Schwerkraft
    folgend wandernde und im Winter gefrierende Feuchtigkeit die
    Putzschicht des Schornsteins schon teilweise „weggesprengt“.

Hallo,
das müsste man erst mal hinterfragen … mit Diffusion hat das wohl nicht unbedingt was zu tun. Diffusion bedeutet, dass ein Dampfdruckgefälle Feuchtigkeit durch ein Bauteil transportiert, und hier auch von außen nach innen. Das kann ich mir bei bei einem Schornstein (innen warm, außen kalt) eigentlich nicht vorstellen.
Zwei Erklärungen fallen mir ein:
a) die Verfugung der Klinker oder die Klinker selber sind nicht mehr intakt und geben Niederschlag kapillar in das Innere des Bauteils weiter.Wie siehts mit der Verwahrung des Schornsteines an der Dachfläche aus? Wirklich alles dicht?
b) Die Heizung wurde auf Niedertemperatur umgestellt (Brennwertkessel?) und leitet Abgas mit geringer Temperatur durch den Schornstein, wo die Feuchtigkeit kondensiert und das Bauteil von innen her durchnässt. Hätte der Schornstein verrohrt werden müssen?

  1. Außenwände
    An mehreren Stellen im Haus sieht man durch graue Zonen an den
    an die Außenwände grenzenden Decken des Erdgeschosses, daß
    durch die Außenwände Feuchtigkeit eindiffundiert. Was
    empfiehlt sich als effektiver und dabei kostengünstiger Schutz
    gegen eindringende Feuchtigkeit?

Zum Begriff der Diffusion siehe meinen Einwand oben.Es könnte sich um Feuchtigkeit aus Kondensation handeln, weil der Mindest-Wärmedurchlasswiderstand des Bauteils unterschritten ist. Solche Probleme sind beim Anschluss Außenwand/Decke gar nicht selten. Hier hilft die Verbesserung der Wärmedämmung von außen.

Gruß
Uwe

auch Grüße

Kira

Diffusion? Konfusion? :wink:
Hallo Kira,

hab Dank für Deine Antwort!

das müsste man erst mal hinterfragen … mit Diffusion hat das
wohl nicht unbedingt was zu tun. Diffusion bedeutet, dass ein
Dampfdruckgefälle Feuchtigkeit durch ein Bauteil
transportiert, und hier auch von außen nach innen. Das kann
ich mir bei bei einem Schornstein (innen warm, außen kalt)
eigentlich nicht vorstellen.

Tatsächlich? Ich dachte immer, das Phänomen der Diffusion sei unabhängig von Richtung oder auch „Bauteilen“. Wenn ich nicht irre (aber vielleicht irre ich ja), bedeutet „Diffusion“ zunächst einmal so etwas wie „Vermischung von Substanzen durch molekulare Eigenbewegung“. In diesem Fall würde aber auch Deine „Dampfdrucktheorie“ hinkommen (was eine spezielle Form der D. wäre, denn „Diffusion“ sagt erstmal gar nichts aus über die am Phänomen beteiligten Substanzen, oder?), denn der Schornstein wird nicht benutzt und ist noch nie benutzt worden, das hätte ich natürlich von vornherein sagen müssen, sorry.

Zwei Erklärungen fallen mir ein:
a) die Verfugung der Klinker oder die Klinker selber sind
nicht mehr intakt und geben Niederschlag kapillar in das
Innere des Bauteils weiter.

Ja, das ist offenbar genau das, was stattfindet. Die Diffusion der Feuchtigkeit (Wasserdampf und feinste Tröpfchen) findet durch die Poren in Klinkern und Fugen statt.

Wie siehts mit der Verwahrung des

Schornsteines an der Dachfläche aus? Wirklich alles dicht?

ja, das haben wir überprüft, da ist alles dicht.

b) Die Heizung wurde auf Niedertemperatur umgestellt
(Brennwertkessel?) und leitet Abgas mit geringer Temperatur
durch den Schornstein, wo die Feuchtigkeit kondensiert und das
Bauteil von innen her durchnässt. Hätte der Schornstein
verrohrt werden müssen?

wie gesagt, es ist keine Heizung an den Schornstein angeschlossen.

Zum Begriff der Diffusion siehe meinen Einwand oben.Es könnte
sich um Feuchtigkeit aus Kondensation handeln, weil der
Mindest-Wärmedurchlasswiderstand des Bauteils unterschritten
ist. Solche Probleme sind beim Anschluss Außenwand/Decke gar
nicht selten. Hier hilft die Verbesserung der Wärmedämmung von
außen.

Bedeutet das, daß ein wärmeres Bauteil (eigentlich: die in seinen Poren vorhandene Luft) naturgemäß mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, diese dadurch weniger kondensiert und so weniger Schaden entsteht?

Gut, aber kann ich die Außenfassade und auch den Schornstein nicht mit einem entsprechenden witterungsbeständigen Klarlack (wegen der Optik) überziehen?

Gruß
Uwe

Hallo !

Sehr einfach !

Sämtliche Klinker und Fugen mit „Funcosil“ streichen. Das ist ein Fassadenschutz, der farblos ist und die Oberfläche des Steines verhärtet, so dass kein Wasser mehr eindringt.

Hersteller : Remmers.

http://www.remmers.de

mfgConrad

Gibt es im Baustoffhandel !

Hallo Uwe,

Zum Begriff der Diffusion siehe meinen Einwand oben.Es könnte
sich um Feuchtigkeit aus Kondensation handeln, weil der
Mindest-Wärmedurchlasswiderstand des Bauteils unterschritten
ist. Solche Probleme sind beim Anschluss Außenwand/Decke gar
nicht selten. Hier hilft die Verbesserung der Wärmedämmung von
außen.

Bedeutet das, daß ein wärmeres Bauteil (eigentlich: die in
seinen Poren vorhandene Luft) naturgemäß mehr Feuchtigkeit
aufnehmen kann, diese dadurch weniger kondensiert und so
weniger Schaden entsteht?

Also die Luft hat damit gar nichts zu tun.
Wasser verdampft ja nicht erst bei 100°C.

Ist nun irgend ein Punkt im Raum etwas kälter so kondensiert (verdichtet) sich dort das Wasser, weil an diesem Punkt das Wasser weniger schnell wieder verdunstet als im Rest des Raumes. An dieser Stelle beommst du dann eine feuchte Stelle.

Diesen Effekt sieht man ser gut am Badezimmerspiegel, wenn man heiss duscht oder besonders jetzt im Sommer an der Wasserleitung, welche dann „schwizt“, wobei das kondensiertes Wasser aus der Luft ist, welches sich an der Leitung niederschlägt.

Gut, aber kann ich die Außenfassade und auch den Schornstein
nicht mit einem entsprechenden witterungsbeständigen Klarlack
(wegen der Optik) überziehen?

Hier wirst du Probleme mit der Diffusion bekommen. Innen an der kühlen Wand (wegen der schlechten Isolierung) kondensiert das Wasser, dringt in deine Wand ein und wandert (diffundiert) durch die Wand zur kälterne Seite, im Winter also die Aussenseite. Der Klarlack hindert dann das Wasser am weiterdiffundieren und deshalb sammelt sich das Wasser unter den Klarlack. Nun wird es etwas kälter, das Wasser gefriert, dehnt sich dabei aus und im besten Fall platzt dann nur der Lack, meistens aber kommt dann auch noch der halbe Putz mit runter.

MfG Peter(TOO)

Hallo,

im Prinzip ist alles gesagt, ich war nur ein bisschen langsam …

Aus meiner Sicht wäre dringend davon abzuraten, die Außenwand mit einem Klarlack zu beschichten (beim Schornstein mag das anders sein, weiß ich nicht). Also - Informationen zur Bauphysik in Stichworten:
Zwischen der in der Außenluft und der Raumluft enthaltenen Luftfeuchtigkeit besteht ein Dampfdruckgefälle, weil Luft bei unterschiedlichen Temperaturen unterschiedliche Dampfmengen aufnehmen kann (Sättigungsdampfdruck bedeutet: kalte Luft = kleine Dampfmenge, warme Luft = große Dampfmenge). Außerdem entsteht allein durch die Nutzung des Raumes (Aufenthalt für Menschen) eine erhöhte Dampfmenge.
Jedes Bauteil hat in Abhängigkeit von Baustoff, Dicke und Fugendichtigkeit einen Widerstand gegen den Transport von Dampf. Der Dampf wird also beim Transport (Wasserdampf-Diffusion) mehr oder weniger stark behindert. In der Tiefe des Bauteiles ändert sich die Temperatur (innen = warm, weiter außen = kalt). Irgendwo im Bauteil wird die Temperatur so stark abgesenkt, dass hier die Sättigung eintritt (Taupunkt) und der durch das Bauteil diffundierende Wasserdampf kondensiert.
Wenn die entstandene Feuchtigkeit (Kondensat) bei wärmerem Wetter wieder verdampfen und weiter nach außen diffundieren kann, gibt es kein Problem. Wenn aber die Bauteilschicht nach außen hin einen höheren Dampfwiderstand hat (Klarlack!), wird die Feuchtigkeit eingeschlossen und gespeichert und durchfeuchtet das ganze Bauteil, bis man es auf der Innenseite sehen kann (feuchte Zonen, Schimmel).
Daher hilft hier:
Entweder außen eine Wärmedämmung aufbringen, denn dies verlagert den Taupunkt weiter nach außen.
Oder, wenn überhaupt ein Anstrich von außen, dann einen diffusions-offenen (dies löst aber nicht das Problem der mangelnden Wärmedämmung, sondern schützt höchstens vor durchschlagendem Regen von außen).
Oder innen eine Dampfbremse (Dampfsperrfolie, z.B. beim Flachdach oder beim Dachausbau) aufbringen, aber das ist in Wohnräumen eher nicht üblich.

Grüße

Kira

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Hallo Conrad, danke für Deine Antwort. Weißt Du zufällig, wie dauerhaft eine solche Behandlung ist?

Gruß
Uwe