Klischee oder Realität

Hallo,
… die Couch beim Psychiater. In Filmen gibt es sie grundsätzlich. Ist es in der Realität auch häufig, während der Therapie flachzuliegen ?

Gruss
Enno

Hallo Enno,

… die Couch beim Psychiater. In Filmen gibt es sie
grundsätzlich. Ist es in der Realität auch häufig, während der
Therapie flachzuliegen ?

Die Couch ist Utensil der „Liegungs“-Psychoanalyse: „Das Liegen ist zusammen mit der Grundregel eine einflußreiche Determinante der Psychoanalyse, weil es erstens durch Vermeidung des optischen Kontakts die gewohnte und konventionelle Dialogsituation verhindert, in welcher laufend mimische und gestische Signale den Gesprächspartner über Zustimmung oder Ablehnung, Neugier oder Langeweile, Wunsch nach oder Aufforderung zu Sprecherwechsel u. v. a. mehr informieren. Zweitens fördert die Liegeposition, mit ihren Implikationen von Schwäche, Erholung, Ruhe, auch regressive Komponenten.“

Nicht jede Psychoanalyse ist eine „Liegungs“-Psychoanalyse, da es auch „Sitzungs“-Psychoanalysen gibt. Nicht jede Psychotherapie ist eine Psychoanalyse und nicht jede psychiatrische Behandlung ist eine Psychotherapie. Ergo: Die Couch ist nicht grundsätzlicher Bestandteil von psychotherapeutischer oder psychiatrischer Behandlung.

Gruß,

Oliver Walter

Klischee
Hi Enno

die Couch beim Psychiater ist eine reine Hollywooderfindung. Das, was sich in solchen Szenen dialogisch abspielt, ubrigens ebenfalls (das gilt vor allem auch für Hichcock, der Hauptpropagator für solche Stereotypisierungen).

In der amerikanischen Umgangsprache wird häufig Psychiater, Psychotherapeut und Psychoanalytiker synonym verwendet (selbst Woody Allan hält das oft nicht auseinander). Die „Couch“ gehört aber zur klassischen Freud’schen Psychoanalyse.

Aber auch in der Psychoanalyse wird nicht grundsätzlich mit der Couch gearbeitet. Sie ist auch in dieser Therapiemethode keineswegs immer angezeigt. Psychoanalytische Therapie ist also nicht immer Couch-Analyse. Und wenn, dann spielt sich dabei ganz und gar anderes ab, als es in Filmen gezeigt wird.

Mit „Psychiatrie“ hat jedoch die berühmte Couch überhaupt nichts zu tun.

Übrigens ist der Ausdruck „Liegung“ in der Psychoanalyse nicht gebräuchlich. Der gehört vielmehr in die sog. „Regressionstherapie“, über die ich hier kein Urteil abgeben möchte.

Hier noch ein vielleich ganz informativer Artikel
http://sip.medizin.uni-ulm.de/abteilung/buecher/STAT…

was aber nicht heißen soll, daß ich mit dem Inhalt in jeder Hinsicht konform gehe.

Gruß

Metapher

Hallo,
über den fehlenden Blickkontakt hatte ich mir auch Gedanken gemacht. In der Tat kam mir diese Vorstellung eher hinderlich vor aber der von Dir zitierte Grund ist einsichtig.

Gruss
Enno

… ich nicht sagen will, daß das Zitierte meine Meinung ist. Ich hatte auch vergessen, die Quelle zu benennen, aus der das Zitat stammt. Es stammt aus dem Abschnitt „II. Psychosomatische Grundlagen. A. Grundrichtungen der Psychotherapie“ des Buches „Praktische Psychosomatik“. Der Verfasser dieses Kapitels ist Prof. Meyer von der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf.

Gruß,

Oliver Walter

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Hallo,
die Couch als „dramaturgisches Mittel“ in Filmen war auch ein Gedanke den ich hatte (sonst hätte ich es vermutlich nie angezweifelt).

Gruss
Enno

Hallo Enno,

wie die Anderen bisher beschrieben haben ist die Couch oft Bestandteil der klassischen Analyse.

Ich mache zwar keine klassische Analyse (eher Traumaverarbeitung und Verhaltenstherapie) - aber meine Therapeutin/Psychiaterin hat ziemlich bequeme Ohrensessel im Behandlungsraum. Darin kann man gut entspannen. Zudem steht in der Ecke noch eine Couch, auf der man auch liegen kann … sie dient oft als Platz bei Entspannungsübunge. Wenn aber jemand gerne drauf liegen möchte und so besser reden kann, kann er/sie das auch. Auf jeden Fall sind die Sitzmöglichkeiten in aller Regel sehr bequem - da es doch zum Teil Unangenehmes zu erzählen/besprechen gibt … da will man wenigstens bequem sitzen :smile:

CU Aggie