Knifflig: humoristische Musik

Hallo www-KollegInnen,

ein Kollege & ich hatten eine Unterhaltung darüber, ob es humoristische oder witzige Musik gibt, die OHNE außermusikalische Bezüge auskommt. Daher hier meine Frage:
Kennt Ihr dergleichen?

Es geht NICHT um witzige Texte.
Es geht auch NICHT um Stücke, die aufgrund ihrer schlechten Qualität (freiwillig oder unfreiwillig) komisch wirken.
Es geht ebenfalls NICHT um Stücke, die deswegen komisch wirken (sollen), indem sie einfach unpassende Geräusche miteinbauen (Rülpser, Hupen, etc.).

Es geht um die Möglichkeit, ob Klänge/Sounds an sich komisch wirken können - und ggf. wie.

Ich bin gespannt! Bitte mit Begründung, warum Ihr das Stück lustig oder humoristisch findet!

Have a nice weekend!

Pengoblin

Hallo Penglobin,

Es geht um die Möglichkeit, ob Klänge/Sounds an sich komisch
wirken können - und ggf. wie.

Bleibt die Frage, wie man humoristisch definiert. Obwohl ich eher Rockfan bin, erzeugen schnelle Klavierstücke aus dem Bereich Boggie zumindest gute Laune, bis hin zum Grinsen. Wenn Du willst, such ich konkrete Stücke raus, hab nur gerade keine parat.

Ansonsten gilt hier wie generell im Humor, dass der Geschmack entscheidet. Manche schwören ja z. B. auf B52’s als Gute-Laune-Musik.

Ich bin gespannt! Bitte mit Begründung, warum Ihr das Stück
lustig oder humoristisch findet!

Dazu fehlt mir der theoretische Hintergrund, ist halt eher so wie bei mancher romantischer Musik, die melancholisch, oder Hardrock, der motivieren oder aggressiv machen kann (ausdrücklich KANN)

Have a nice weekend!

Gleichfalls

ALex

ein Kollege & ich hatten eine Unterhaltung darüber, ob es
humoristische oder witzige Musik gibt, die OHNE
außermusikalische Bezüge auskommt. Daher hier meine Frage:
Kennt Ihr dergleichen?

in den Screwball-Comedies der 50er/60er Jahre des vorigen JH sind slapstickhafte Szenen häufig mit „normaler“ Filmmusik hinterlegt, die IMHO alleine beim Hören schon die zugehörigen Bilder provoziert (z.B. der Film mit Rock Hudson als un(frei)williger Angelchampion und andere).

Ob da zuerst das Ei(Musik) oder zuerst die Henne(Szene) war, waage ich aber nicht 100% zu entscheiden.

eljot

max raabe
mit seinem palastorchester!

fuer diejenigen, die es nicht kennen: das ist ein sound der 20er jahre im stil der comedian harmonists, der aber auch allerneueste hits rueberbringt. denen ist echt nix zu schade: ooops, i did it again und besonders koestlich die weihnachtslieder.
mehr zu dieser fabelhaften truppe unter

http://www.palastorchester.de/

gruss
khs

Moin!

Es geht um die Möglichkeit, ob Klänge/Sounds an sich komisch
wirken können - und ggf. wie.

Es gibt reichlich „Happy Music“, beispielsweise dürfte es mit einem Banjo nahezu unmöglich sein, eine traurige Ballade zu spielen. Das ist natürlich nicht genau das, was Du suchst. Was Du sicher auch nicht suchst, sind Dinger wie etwa „DaDaDa“ von Trio, das aufgrund seines Minimalismus witzig war. Was Du wahrscheinlich auch nicht suchst, sind Dinger, die aufgrund der Performance (oder der Erinnerung daran) komisch sind, wie etwa ein Holzkisten-Besenstiel-Zupfbaß.

An komischen Klängen fallen mir beispielsweise so Quäken ein, wie sie in der Skifflemusic gern eingesetzt werden, also diese Gummiteile, in die hineingeblasen wird.

Weiterhin wirkt es auf mich komisch, wenn in einem kraftvollen Stück eine überraschende, lächerlich dünn klingende Passage auftritt, beispielsweise ein leise, schnell und hoch gespieltes Piano in einem rockigen Stück.

Für unwahrscheinlich halte ich hingegen, daß es bestimmte Tonfolgen - instrumentenunabhängig - gibt, die komisch sind, zumal jeder Mensch eine andere Auffassung von Komik hat.

Munter bleiben… TRICHTEX

Hallo zurück,

also in einem Punkt bin ich mir unsicher wie du das meinst, ohne außermusikalische Bezüge. Wenn du inner-musikalische Bezüge gelten lässt, hast du natürlich den ganzen Bereich der Parodie. Da wirkt einfach vieles komisch, weil musikalisch nicht zusammengehörende Sachen zusammengepackt werden. Was mir spontan einfällt:

  • „Can’t buy me Love“ in der Bearbeitung der King’s Singers als Renaissance-Madrigal
  • „Rock around the Clock“ im 3/4-Takt als Wiener Walzer von Bubble Rock (Bubble Rock is here to stay, 1972, längst vergriffen aber vielleicht irgendwo wieder veröffentlicht?)
  • Alles von Weird Al Jankowic (Shockinig Blues’ „Venus“ als Polka mit Akkordeon-Begleitung)

Im Klassik-Bereich gibts da das Gegenstück P.D.Q. Bach (Peter Schickeles Erfindung des vergessenen Bach-Sohns, bei dem alle anderen Komponisten abgekupfert haben sollen), aber der arbeitet auch viel mit außermusikalischen Geräuschen und Gags.

Außerdem ist da Gerard Hoffnung anzuführen, der in seinen Konzerten viele Klassiker verhackstückte, z.B. Haydns Symphonie mit dem Paukenschlag. Wobei diese und die Abschieds-Symphonie schon mal von vorneherein als Beispiele für Humor in der Musik gelten. Prokofieff hat das in seiner „Symphonie classique“ nochmal gesteigert.

Leonard Bernstein hat sich in einem seiner „Young People’s Concerts“ auch mal Gedanken zum Thema Humor in der Musik gemacht (L. B., „Konzert für junge Leute“, als Buch erhältlich). Lesenswert.

Grüße
Wolfgang

Hallo,

im Bereich der Klassischen Musik fallen mir insbesondere zwei Namen ein: Gerard Hoffnung und Victor Borge.
Kurze Charakteristik: Hoffnung arbeitet mit Orchester und vermischt verschiedene Kompositionen auf eine überaus komische Weise. Borge macht das gleiche am Klavier. Bei beiden sind auch außermusikalische Effekte anzutreffen, aber nicht ausschließlich.

Gruß

Thomas Miller

Liebe Community, die Frage war wohl anders gemeint
Hi Pengoblin,

die Frage ist echt interessant. Mir fällt hier als Beispiel erst mal das Titelthema der „Sendung mit der Maus“ ein (wenigstens die ersten vier Takte).

Teilweise hat auch Puccinis „Gianni Schicchi“ entsprechende Themen.

Ich muß was länger darüber nachdenken, melde mich dann später noch mal. An alle anderen noch einmal der Hinweis:

Pengoblin sucht Musik, die ausschließlich über die Anordnung ihrer Noten komisch oder humoresk wirken, nicht durch die Intonierung (obwohl die Feststellung über das Banjo auch interessant ist ;o).

Grüße an alle.
R o b.

P.S.: Sollte man nicht für jedes Brett ein Extra-Sub-Brett für Umfragen einrichten?
R.

Madrigal ‚My Bonnie Lass She Smelleth…‘
Hallo Wolfgang,

Du bist da schon auf dem richtigen Pfad; ich kenne zwar nicht alle Deiner Beispiele, aber doch einige (habe mal in einer E-Musikabteilung gearbeitet). Im Bereich der Klassik finden sich gelungene musikalische Scherzhaftigkeiten - wo Du Hoffnung ertwähnst, fiel mir natürlich der Kampf der drei Pianokonzerte gegeneinander ein. „P.D.Q. Bach“ hat (siehe Titel) nebst umfangreichen Albernheiten auch ein paar wirklich gute Parodien fabriziert.

Ich bin jedenfalls gespannt, was mein Kollege zu Deinen Beispielen sagt…

Danke!

hendrik

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Thomas,

danke für die Nennungen - wobei Hoffnung ja selbst überhaupt kein Musiker, sondern als Cartoonist lediglich der Initiator des Ganzen war.
Dennoch meine ich, daß die Genannten - Du hast recht: Ausnahmen sind dabei - zumeist nicht in das Gemeinte fallen, sondern - ähnlich Hans Liberg - in den Bereich des Musikkabaretts fallen.

Borges - gut, daß Du mich drauf bringst. Wollte ich längst schonmal wieder hören…

Thanks

hendrik

BUMMBUMMBUMM *ping* BUMMBUMMBUMM…
Hallo,

interessanter Ansatz:

Weiterhin wirkt es auf mich komisch, wenn in einem kraftvollen
Stück eine überraschende, lächerlich dünn klingende Passage
auftritt, beispielsweise ein leise, schnell und hoch
gespieltes Piano in einem rockigen Stück.

Wobei ich mich frage, ob man solche Akzentuierungen nicht auf sehr verschiedene Arten einsetzen kann - klar, so etwas funktioniert nur, solange man der Dramaturgie des Stückes zu folgen geneigt ist.

Daß musikalischer Humor häufig eine Frage von Instrumenten & ihren Klängen ist, ist auch ein gutes Argument - das mit dem Banjo ist ein interessanter Gedanke: das Teil ist ja rein klanglich nicht sehr variabel, man kann es nur schwer „mit Ausdruck“ spielen (ähnlich z.B. dem Cembalo). Mag sein, daß manche Komik sich aus solchen Instrumentenklängen ergibt (dann natürlich zeit- & kontextgebunden).

In jedem Fall: danke!

hendrik

…hi!

Max Raabe ist gewiß ein guter & humoriger Musiker, wobei seine Interpretationen ja von der Umsetzung eines Stückes in einen bewußt „unpassenden“ Stilkontext leben - ich frage mich, ob das nicht gewissermaßen schon ein außermusikalischer Bezug ist, zumal diese Komik ja nur für die Ohren unserer Zeit funktioniert. Ich denke aber (insofern liegst Du nicht unbedingt verkehrt), daß die Texte in dem Fall nicht primäre Träger der Komik sind.

Best wishes -

hendrik

Hallo Alex,

nein, Gute-Laune-Musik war nicht gemeint (zudem kann ich Boogie partout nicht ausstehen), aber Du hast natürlich recht, wenn Du darauf hinweist, daß die Humoristik stets eine subjektive Sache ist. Nicht nur, daß Witze (auch in der Musik) natürlich oft Grundlagenwissen voraussetzen (bei Parodien: die Kenntnis des Originals). Auch die Ebenen sind unterschiedlich: manchen „reicht“ es zum Witzigsein, wenn Musik nur besonders schräg oder daneben gespielt wird (das Mambo-Kurt-Prinzip), andere erwarten viel komplexere Verarbeitungen.

Ein Beispiel, über das wir diskutierten, war z.B. Willy Devilles „Mexican Sound“-Version von Hendrix’ „Hey Joe“. Ist das komisch? Kaum eindeutig zu entscheiden.

Gruß,

hendrik

Hallo Eljot,

danke des Hinweises, aber Filmmusik ist ja per se programmatisch und würde daher aus meiner Anfrage herausfallen. Sie ist aber gewiß eine verbreitete Technik, wenn es um Erschaffung von Komik im Film geht - bewußte Kontrastierung von Heiter/Ernst in Bild/Ton z.B. oder musikalische Akzentuierung von Bildgeschehen.

Thanks!

hendrik