könnte ich, Beruf Ärztin, kräutervertrieb machen?

Siehe Frage des Nichtmediziners, der Kräuter ziehen, trocknen und verkaufen will. Ich habe Aussicht, einen großen, jahrzehntelang unbebaut gewesenen Acker zu erben und der würde sich sehr gut für nen professionellen Kräutergarten eignen. Bin approbierte Ärztin.
Danke für jede Antwort - auch als e-mail - an xxxxx

[MOD] Mailadresse unkenntlich gemacht

Bin approbierte Ärztin.

Bei uns machen sowas Gärtner. Solange man das ganze nicht als Arzneimittel verkauft, sollte es keine Probleme geben.

Hallo,

was sagt die Kammer denn zu nichtärtzlichen Nebenbeschäftigungen? Bei uns Juristen ist da normalerweise keine große Begeisterung zu spüren.

Gruß vom Wiz

Hallo Du,
ich weiß nicht genau, worauf Du mit Deiner Frage zielst?
Ist sie juristisch gemeint in Bezug auf Erlaubnis eines Nebenerwerbs (mein ehem. Frauenarzt und seine Frau vertreiben nebenher um die Ecke herum Wein…), gartentechnisch, versandtechnisch und logistisch, oder ob Du geeignete Arbeitskräfte dafür auftreiben kannst? Oder geht es Dir um die rechtliche Seite des Vertriebs von Kräutern?

Lose Kräuter verkaufen darfst Du, was den letzten Punkt betrifft, sicherlich. Doch - lohnt sich das? Ich empfehle Dir vorab, dass Du Dich über Kräuterpreise informierst; ich kaufe meine dort: http://tee24.de/ - andere, wie Huflattich, sind apothekenpflichtig, die bestelle ich entsprechend.

Ich weiß ja nicht, wie Du Dir das vorstellst, ob Du einzelne Sorten 100-g-weise verkaufen willst wie im o.g. Shop (den ich persönlich aufsuche und für gut befinde - der Inhaber ist gelernter Apothekenassistent o.ä.)

Auch fertige Pauschal-Kräutermischungen werden frei im Handel verkauft und dabei nicht als Arzeimittel deklariert, ob im Supermarkt oder im Bioladen - sie firmieren dort unter „Wohlfühltee“, „Blasentee“, „Fiebertee“ usw. - Ich persönlich finde das eher nicht so witzig und ziemlich grenzwertig. Was ist, wenn einer der Bestandteile einem nicht bekommt?
Ein Beispiel: In einem Bioladen bei mir in der Nähe wird eine Teemischung für Schwangere verkauft - doch da ist Schafgarbe drin und die kann u.U. gefährlich sein.

Für mich ist demnach, wie Du jetzt vielleicht unschwer erkennst, das einzig Wichtige bei Kräutermischungen: Wie bekomme ich heraus, welche Kräuter für meine „Kundschaft“ jeweils die richtige ist? - Ich erwähne das deshalb, weil Du betonst, dass Du Ärztin bist; doch ich weiß ja nicht, was Du vorhast.

Ich bin übrigens gelernte Gärtnerin (arbeite aber nicht als solche) mit einem eigenen, kleinen Kräutergarten. Und der macht mir so wahnsinnig viel Arbeit, dass ich meine Kräuter - außer Brennnessel, Salbei, Himbeere, Mädesüß, Pfefferminze, Schafgarbe, Mutterkraut, Spitzwegerich und Pestwurz - lieber kaufe!

Bedenke bitte, dass Du regelmäßig dort sein musst, um zu kontrollieren, ob gegossen werden muss (hast Du dort eine Wasserleitung und alles, was damit zusammenhängt?), ob die Pflanzen Schädlinge haben (wenn ja, was dann? Will man „bio“, kann man nicht zur Giftspritze greifen!). - Und dann die Unbilden des Wetters: Dieses Jahr hat meinen Garten schon zwei Mal ein Hagelsturm verwüstet, letztes Wochenende stand er für einen Tag knietief unter Wasser und der Boden ist entsprechend schwer…

Wenn Du Arbeitskräfte einstellst, bleibt dann ein Gewinn übrig? Die Pflanzen müssen trocknen können, Du brauchst eine Halle dafür. Im o.g. Teegeschäft sagte man mir, dass deren Ware, egal woher sie kommt, vom Großhändler durch eine Anlage geschickt wird, in der, ich glaube, es war durch Dampfdruck, die immer vorhandenen Eier von Schädlingen abgetötet werden - so wird verhindert, dass die Ware eines Tages Motten hat! (auch wenn dadurch sicherlich ätherische Öle etc. reduziert werden). Und dann muss die Ware geerntet und maschinell geschnitten werden. Und eingetütet und etikettiert.

Und woher weißt Du, welche Pflanzen am meisten gefragt sind? Aus eigener Erfahrung weiß ich inzwischen, dass sehr oft Melisse gebraucht wird, aber auch Brennnessel, Frauenmantel, Lavendelblüten, Hopfen, Herzgespann, Mutterkraut, Catuaba und Wacholderbeeren.

Ich habe Aussicht, einen großen,
jahrzehntelang unbebaut gewesenen Acker zu erben und der würde
sich sehr gut für nen professionellen Kräutergarten eignen.

Na, dann muss man erst mal pflügen, und die erste Saison wird das Unkraut immer wieder von neuem auftauchen, weil die Saat im Boden ist!

So, nix für ungut - bin halt ein Realist!
LG Susanne

herzlichen Dank für die umfangreichen Infos über das Wie eines solchen Unterfangens. Ich hatte daran einfach gedacht, weil das Land dafür geeignet wäre, von dem die Rede war. Ob ich oder sonst wer der das pachtet / mietet das irgendwann macht, spielt keine Geige. Gottes Segen!