Hallo, Achim,
da dir nach deinen eigenen Worten der Glaube an den Auferstandenen etc. nicht wichtig ist, weiß ich nicht, wozu dein Statement gut ist.
Gruß Fritz
Dazu aber
Dass wir z.B. sein Blut trinken, sein Fleisch essen (*), das mag nicht jedem Katholiken klar sein
P.S.: (*) In jeder Wandlung (wenn am Altar Wein/Wasser und Brot bearbeitet werden) wird daraus Fleisch und Blut Christi. Es wird also nicht dargestellt, oder steht symbolisch, sondern IST.
weiß ich eine nette Geschichte:
«Angst, den Herrn zu zerbeissen»
Überlieferungen besagen, dass die Mönche der Gascogne eine Maus, die eine Hostie gefressen hatte, für heilig hielten. «Wie heilig aber halten Vegetarier diese Überzeugung, wenn sie bei der Kommunion das Fleisch und Blut Christi verspeisen, also wahres Menschen- und Gottesfleisch zugleich?», schrieb einmal provozierend der Bamberger Kirchenkritiker Karlheinz Deschner.
Diese Frage beschäftigte auch René Schweizer. Als Kind war ihm einst die Hostie am Gaumen kleben geblieben, und er hatte «schreckliche Angst, den Herrn zu zerbeissen». Die Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi blieb für ihn eine traumatische Erinnerung. Sie holte ihn, inzwischen 42 Jahre alt und Vegetarier geworden, vor Weihnachten 1982 wieder ein. Unter dem Namen «Fredi Kummer» gelangte er mit einem Brief an den Oberhirten der Diözese Basel:
«Lieber hochwürdiger Herr Bischof Wüst: Ich bin konsequenter Vegetarier und esse kein Fleisch. Als Katholik ging ich regelmässig zur Heiligen Kommunion, bis mich jemand darauf aufmerksam machte, dass die Heilige Kommunion ja eigentlich Fleisch und Blut Christi sei. Ich möchte Sie nun fragen: Muss ich als Vegetarier auf das Fleisch und Blut Christi verzichten?»
Der daraus resultierende Briefwechsel* offenbart, dass Hochwürden in Kummers Gewissensnot durchaus ein pastoraltheologisches Problem ortete. Zumindest dauerte es drei Monate, bis Bischofssekretär Max Hofer ziemlich ratlos antwortete:
Der überforderte Domherr
«Im vom Bischof verfassten Wort zur Fastenzeit finden Sie die Aussagen unseres katholischen Glaubens über das tiefe Geheimnis der Wandlung von Brot in den Leib und von Wein in das Blut Jesu. Ich entbiete Ihnen für die Fastenzeit meine besten Segenswünsche.»
Kummer schrieb zurück:
«Klar ist es für mich immer noch nicht. Darf ich als Vegetarier nun Fleisch und Blut Jesu bei der Heiligen Kommunion essen und trinken oder nicht? Da ich die Broschüre erst einige Tage vor Ostern erhielt, musste ich vorsichtshalber die Osterkommunion auslassen. Ich möchte Sie daher nochmals bitten, mir zu sagen, wie es nun wirklich ist. Muss ich als konsequenter Vegetarier auf das Fleisch und Blut Jesu Christi verzichten, oder darf ich die Heilige Kommunion auch nur bildlich verstehen, da alles eigentlich nur Brot und Wein ist?»
Domherr Hofer war mit dem Problem offensichtlich überfordert und besprach es mit dem Leiter des Pastoralamtes, Bischofsvikar Anton Hopp: «Wir beide sind der Ansicht», teilte er schliesslich Kummer mit, «dass Sie als Vegetarier durchaus die Heilige Kommunion empfangen können.»
Fern jeder Erleuchtung, traute Fredi Kummer der Beschwichtigung nicht und schrieb erneut nach Solothurn:
«Konsequenterweise habe ich wieder das Fleisch und Blut Jesu Christi verspiesen, bis mir erneut Ungewissheiten auftauchten. Ich realisierte, dass Sie mir zwar die Erlaubnis, nicht aber eine Begründung gaben, warum ich als Vegetarier Fleisch und Blut Christi verspeisen darf. So habe ich mich entschlossen, auf die Heilige Kommunion zu verzichten, bis ich von Ihnen eine nähere Erklärung erhalte.»
Zwei Wochen später ging die Antwort des Bischofssekretärs ein:
«Leider ist es nicht möglich, Ihnen im Rahmen eines Briefwechsels eingehend die Gründe darzulegen, warum Fegetarier (sic) kommunizieren können. Ich rate Ihnen deshalb, darüber mit einem Priester zu sprechen.»
Kummer schrieb zurück:
«Ich bin enttäuscht, zumal dies bereits der achte Brief ist, den wir wechseln, und ich noch immer nicht weiss, warum ein überzeugter Vegetarier das Fleisch und Blut Jesu Christi verspeisen kann, ohne seine vegetarischen Grundsätze zu übertreten. Ich sehe nicht ein, warum Sie die Gründe nicht im Rahmen eines Briefwechsels darlegen können. Der Priester sagt doch bei der Heiligen Messe, dass er im Namen Gottes gewöhnliches Brot und gewöhnlichen Wein in Fleisch und Blut Jesu Christi verwandelt. Ist dieses verwandelte Brot und Wein nun echtes Fleisch und Blut, oder meint man das nur so?»
Um den lästigen Frager loszuwerden, zog Domherr Hofer den Vertreter des Bischofs in Basel, den damaligen Regionaldekan Andreas Cavelti, ins Vertrauen. Und Kummer teilte er mit, sich für weitere Auskünfte künftig direkt an den Regionaldekan zu wenden.
Doch Fredi Kummer entschloss sich zu einem anderen Schritt. Er wandte sich an den Basler Kantonschemiker:
«Ich bitte Sie um Hilfe in einem schweren Konflikt, weil ich überzeugter Vegetarier und Katholik bin. Haben Sie schon einmal untersucht, ob sich bei der Heiligen Wandlung Brot und Wein in Fleisch und Blut verwandelt? Darf man jemandem etwas zum Essen anbieten, ohne dass man ihn über den Inhalt informiert? Wie steht es da mit der Lebensmittelkontrolle?»
Kummers Hoffnung, wenigstens vom Kantonschemiker eine klare Antwort zu erhalten, erfüllte sich. Rechtzeitig vor Ostern 1984 liess er Bischof Wüst wissen:
«Dank dem Kantonschemiker von Basel hat sich alles zum Guten gewendet. Er schrieb mir, dass nach seiner Meinung Vegetarismus und Heilige Kommunion nicht zu vergleichen seien. Es gebe nämlich zwei verschiedene Ebenen: 1. Vegetarismus = Überzeugung und Ansicht über Nahrungsaufnahme und 2. Heilige Kommunion = Glauben, Weltanschauung über religiös-geistige Probleme. Bei der Heiligen Kommunion ist nicht substantielle Gleichheit gemeint im vulgären, materialistischen Sinn. Es handelt sich demnach nicht um grob materielle Verwandlungen, sondern um feine geistige Wirkungen. Der Kantonschemiker findet daher, dass ich als Vegetarier die Heilige Kommunion empfangen kann.
Zu meiner Frage, ob die Heilige Kommunion unter die Lebensmittelkontrolle gestellt sei, meinte er, es gebe keine amtliche Kontrolle. Der Staat solle nur das leibliche Wohl der Mitbürger im Auge haben. Für das geistige Wohl bestehe die Gewissens- und Glaubensfreiheit, so dass Sie als Vertreter der Kirche keine staatliche Kontrolle befürchten müssen. Der Kantonschemiker hat durch klare Gedankengänge Licht in die dunklen Verwirrungen und Unsicherheiten gebracht und somit auch seelsorgerische Arbeit geleistet.»
Gold für den Kantonschemiker?
Die Antwort von Bischofssekretär Hofer liess nicht lange auf sich warten:
«Der Herr Bischof und ich freuen uns sehr, dass der Kantonschemiker von Basel Ihre Fragen beantworten konnte. Mit grosser Genugtuung habe ich auch festgestellt, dass der Herr Kantonschemiker und ich zum gleichen Ergebnis gekommen sind: Sie können also auch als Vegetarier die Heilige Kommunion empfangen.»
Die Genugtuung des Domherrn wurde allerdings bald gedämpft, denn Kummer schrieb zurück:
«Zwischen Ihnen und dem Kantonschemiker gibt es einen grossen Unterschied: Der Kantonschemiker legte mir die Gründe für seine Sichtweise dar, während Sie mir unbegründet einen Entscheid mitteilten! Aus Dankbarkeit, dass mich endlich jemand aus meiner Gewissensnot befreit hat, empfehle ich deshalb, dass dem Kantonschemiker die offizielle Erinnerungsmedaille zum Papstbesuch verliehen wird.»
Die darauf eintretende Funkstille wurde nur noch einmal unterbrochen. Einige Wochen später erkundigte sich nämlich Fredi Kummer bei Bischof Otto Wüst, wofür man sich nun in Bezug auf die Medaille entschieden habe: «Gold oder Silber?»