körperliche vs. geistige Anstrengung

Hallo zusammen,

ich habe folgende Beobachtung gemacht: Wenn ich körperlich erschöpft bin (vom Sport) fühle ich mich gut. Bei geistiger Erschöpfung (Studium) bin ich aber meistens schlecht gelaunt.

Wahrscheinlich ist die Idee Unsinn; aber gibt es eine Möglichkeit, das gute Gefühl nach dem Sport auch nach dem Lernen zu erreichen?

Freue mich auf Antworten,

Groove

Hallo,

Wahrscheinlich ist die Idee Unsinn; aber gibt es eine
Möglichkeit, das gute Gefühl nach dem Sport auch nach dem
Lernen zu erreichen?

Indem du das große Paket Studium in kleinste Zwischenschritte einteilst (natürlich nur jeweils für einen Zeitraum von ein oder zwei Wochen). In Abschnitte, die du am selbigen Tag fertig stellen kannst. Zum Beispiel ein Kapitel einer Facharbeit … etc.

Das Erreichen selbst gesteckter Ziele, (Zwischen-)Erfolge als Belohnung.

Grüße
Tommy

Hallo Tommy,

danke für die Antwort. Das mit dem Einteilen ist zwar eigentlich klar, aber bei mir sicherlich verbesserungsfähig.

Das Erreichen selbst gesteckter Ziele, (Zwischen-)Erfolge als
Belohnung.

Das ist ja das Problem: Wenn ich etwas fürs Studium erreicht habe, hat das nicht diesen Belohnungs-Effekt, den Sport hat. Deshalb ist meine Überlegung, ob das vielleicht nur eine Sache der Konditionierung ist.

Groove

Hallo

Meine Erfahrung und Meinung ist die Folgende:
Bei geistiger Beschäftigung wird man müde, oder genauer gesagt, man merkt das man müde ist.

Das Denken ist ja keine Frage der Intensität wie beim Sport, sondern mehr eine der Übung, Ordnung und Konzentration.

Da kann man, wenn man einmal etwas Zeit hat, zum Beispiel am Wochenende, sich eine intellektuelle Beschäftigung suchen, zum Beispiel ein Buch lesen der auch was aus Deinem Studium nehm ich an, suchen, und wenn man müde geworden ist, sich kurz hinlegen.
Wenn man merkt, das man müde ist, hat man einen guten Schlaf.
Wenn man wieder aufwacht, sollte es besser gehen.

Im allgemeinen ist es, wie Du bereits vermutest hast, eine Sache der Konditionierung.

Bei neuen Aufgaben, die man zunächst nicht gut lösen kann, braucht man eine Art Neuorientierung, die u.U. etwas Zeit benötigt.

Zur Konditionierung ist die Erfolgsbeimessung sehr wesentlich. Beim Sport hat man genaue Daten, oder man fühlt es direkt im Körper.
Beim Denken merkt man nur, das man sich evtl. nicht mehr so gut konzentrieren kann, oder das man müde wird.

Ganz schlecht ist es, wenn man sich große Mengen Stoff reinziehen soll, wo der Hintergrund weitgehend abstrakt ist und eine emotionelle Erfolgsbeimessung fehlt. Das ist zum Beispiel so beim Sprachen lernen, wenn man einfach niemanden zum Sprechen hat!
Ein entsprechender Auslandsurlaub stellt nach meiner Ansicht einen großen Lernvorschub dar. Nur als Beispiel.
Bei dieser emotionellen Erfolgsbeimessung stehen natürlich die bekannten Vergnügungen ein Konkurrenzobjekt dar (dessen man sich unbedingt klar sein sollte), und da muss man es schaffen, sich Prioritäten zu setzen und selbst durch logisches Betrachten neue Werte finden.

Frustrierend ist es auch, wenn man zu müde ist, und trotzdem etwas lernen möchte. Irgendwas im Inneren wird sich bald rächen, ist meine Vermutung, und man versucht unbewusst, eine einfachere, angenehmere Lösung zu finden.
Ein Problem kann es natürlich auch sein, das man einfach keine Kapazität darstellt. Muskeln und Gehirn lassen sich in diesem Sinne nicht oder nur schlecht vergleichen. Ein weites Thema.

MfG
Matthias

Hallo Groove,

Wahrscheinlich ist die Idee Unsinn; aber gibt es eine
Möglichkeit, das gute Gefühl nach dem Sport auch nach dem
Lernen zu erreichen?

Meiner Erfahrung nach: ja, die gibt es. Dass sich dieses Gefühl einstellt, ist allerdings von verschiedenen Faktoren abhängig, die wohl bei jedem verschieden sein dürften.

Bei mir hängt es beispielsweise mit dem Thema und der Art der “Studienleistung” unmittelbar zusammen: stumpfes Auswendiglernen (beispielsweise für Klausuren) macht mich auch müde. Den Tipp mit dem dosierten Lernen hast du dazu ja schon erhalten. Wenn du dich für jede Etappe belohnst, könnte es vielleicht auch mit dem guten Gefühl klappen :wink:

Der Erstellung von Hausaufgaben oder Referaten attestiere ich hingegen eine weitaus höhere Chance auf ein (mitunter umwerfendes) Glücksgefühl. Wenn es ein Thema und eine Fragestellung ist, die ich mir selbst aussuchen konnte und die mich interessiert, stellt sich bei mir dieses Gefühl vor allem in der letzten Phase der Ausarbeitung ein. Die Voraussetzung dafür ist aber, dass ich mir genügend Zeit gelassen habe, meine Gedanken in Ruhe zu entwickeln. Dem geht aber - machen wir uns nichts vor - mitunter eine grausame und auch ermüdende Phase voraus, in der ich den Aufbau der Arbeit x Male umstelle, alle Argumente ständig neu sortiere, ergänze und verändere und neu miteinander verbinde. Ermüdend ist daran vor allem, dass man zwischenzeitlich denkt, man würde es nie hinbekommen…

Inzwischen weiß ich aber: Dieses Gefühl ist ganz normal und geht vorüber, wenn man schon selber nicht mehr daran glaubt: Dann nämlich, wenn die Hausarbeit und/oder das Referat langsam eine erkennbare Gestalt annimmt, die einem selbst gefällt. Das Sahnehäubchen dieses Gefühls: Erkenntnisgewinn.

Ich weiß nicht, ob dieses Glücksgefühl vor allem deshalb so toll ist, weil es im Gegensatz zu den Selbstzweifeln und den chaotischen Gedankengängen in der vorigen Phase auftritt :wink: Aber so oder so wollte ich dir hiermit bestätigen, dass sich auch geistige Betätigung verdammt gut anfühlen kann. Meine Zutaten für ein geistiges Kribbeln: ein spannendes Thema und genügend Zeit. Finde du die deinen! Und hab dabei Geduld mit dir.

Auch wenn dir bei deiner Frage vielleicht vor allem an fachlichen Antworten gelegen war, hilft dir mein Erfahrungsbericht hoffentlich trotzdem weiter.

Viele Grüße
Jessica