Körpertherapieformen

Liebe ExpertInnen,

ich habe die Schnauze gestrichen voll von all den Psychotherapien, Analysen, Gesprächstherapien, etc., bei denen ich ja doch nur immer in der Vergangenheit wühle und die Sch… immer wieder aufwühle, so daß sie niemals zu stinken aufhören kann. :frowning:(( In einem sehr guten Lebensfreude- und Realitätsgestaltungsseminar habe ich außerdem gelernt, daß ich, indem ich mich immer nur mit diesen negativen Dingen befasse, auch in der Gegenwart immer nur wieder Sch… anziehe. Ich möchte mich deshalb in Zukunft nicht mehr mit meiner Vergangenheit beschäftigen, sondern mehr mit Dingen, die mir Spaß und Freude machen.

Was ich jetzt suche ist eine spielerische, spaßmachende und effektive Methode, mit mir und meinem Körper in Kontakt zu kommen, ihn und meine Weiblichkeit anzunehmen und zu integrieren. Habt Ihr Tips für mich, welche Therapieformen hier sinnvoll sein könnten?

Und habt Ihr eine Ahnung, wo/wie/bei wem man sich einen guten Überblick über die verschiedenen Formen der Körpertherapie informieren kann? Welche Arten es gibt, ob und wie ggf. Kassenerstattung möglich ist und welche Ausbildungen man benötigt, wenn man solche Körpertherapien auch an anderen anwenden möchte (beruflich)?

Danke für jeden Tip! Und liebe Grüße, Nena

Hallo Nena,
kann leider nur für Österreich sprechen, könnte mir vorstellen, dass es bei Euch ähnlich ist.
Da in Österreich der Begriff „Psychotherapie“ streng geschützt und mit Auflagen verbunden ist, kann man sich in jeder Krankenkassenstelle eine Liste mit den eingetragenen Therapeuten und natürlich deren Therapieausbildungen abholen.
Allerdings sind in Österreich Körpertherpien dabei nicht noch als anerkannte Psychotherapien dabei.
Am ehesten in der Richtung arbeitet die Gestalttherapie und die Familientherapie nach Bert Hellinger. Da geht es zwar nicht primär um Körperarbeit, aber die Probleme werden nicht nur durch Reden gelöst sondern auch dargestellt, was oft zu tollem Körpererleben führt (Eigenerfahrung).
Es gibt sicher Psychotherapeuten, die auch mit Körperarbeit arbeiten, da bräuchtest Du aber gezielte Tipps aus Deinem Umfeld.
Es gibt auch Therapeuten (Vorsicht - die dürfen sich bei uns nicht Psychotherapeuten nennen und werden auch nicht von der Kasse refundiert), die Körperzentrierte Was-auch-Immer anbieten.
Aber mal weg von Therapie an sich (Du siehst, auch für mich ist das ein Thema):
Es gibt auch andere Wege, zu seinem Körper zu finden: Luna-Yoga, Orientalischer Tanz (beides sehr zu empfehlen), Theaterarbeit, Trommeln und ethnische und/oder schamanische Tänze (zur Zeit sehr in), ChiGong und/oder TaiChi oder - wer es lieber aktiver mag: jede asiatische Kampfsportart

Liebe Grüße#
Birgit

Hallo Nena,

ich finde es sehr erfrischend, Deine Empörung zu den „redseligen“ Therapien zu lesen. Ich denke auch, daß man irgendwann an den Punkt kommen muß, Taten folgen zu lassen und Eigeninitiative zu ergreifen. Und als genau das erscheint mir Dein Wunsch: Weg von der Theorie und hin zur körperlich-sinnlichen Praxis des Sich-Wirklich-Erlebens.
Nicht immer nur auf der Landkarte in längst verlassene oder noch zu ergründende Länder reisen, sondern sich in den Tag stürzen und den Augenblick mit allen Sinnen er-leben. Wenn dieser Wunsch aufkommt, wenn dieser Durst wieder gespürt wird, beginnt man sich wieder etwas zuzutrauen. Man fühlt sich fähig, mit den Unwägbarkeiten des Alltags fertig zu werden und traut sich zu leben, obwohl man nicht wissen kann, was einen erwartet.

Wenn Du aber von Körpertherapien sprichst, so könnte darin wieder eine Sicherheitsleine gesehen werden. Warum überhaupt Therapie? Warum sich nicht in die Tradition der Selbstkultivierung einreihen. Eine Therapiebedürftigkeit annehmen, bedeutet immer eigene Kompetenz anzuzweifeln. Sich weiter-entwickelnd akzeptiert man die momentanen Grenzen als vorrübergehende Durchgangsstadien. Notwendige Wegpunkte, die nicht fremdbestimmt beseitigt werden müssen, sondern mit eigener Durchdringung erkennend durchschritten werden können.

So modern es heute geworden ist von Körpertherapien zu sprechen, und so wichtig ich diesen Ansatz eigentlich finde, so abhängig machend kann er sein, wenn die Perspektive nicht stimmt.
In Asien, wo die Kultur des Übens eine jahrtausendalte Tradition hat, spricht kein Mensch von Therapie dabei.
Der Schüler wird so weder für schwach gehalten noch wird er verwöhnt. Er ist auf dem Weg, auf seinem ganz persönlichen Weg, für den er die kompetenteste Person werden kann. Dieses Zutrauen zu sich selbst, ist das Wichtigste beim Erkennen des eigenen „Körpers“. Man kann seinen Körper nicht erkennen. Man erkennt immer nur sich selbst.

Ich bin seit 15 Jahren im Bereich Körpertherapien tätig und halte sehr viel davon. Aber ich sehe immer mehr, daß die meisten Teilnehmer in den Kursen eine Abkürzung des Erkenntnisweges suchen. Andere sollen helfen, andere sollen die Mühe abnehmen. Es ist sehr selten, daß jemand einfach aus erlebnishungriger Neugier kommt. Man hat immer schon ein Ziel im Sinn. Man möchte Streßabbau, Spaß, Gesundheit. Wie kann Selbsterkenntnis eintreten, wenn man den in der Vergangenheit eingeschlagenen Weg nicht verlassen möchte?

Herzliche Grüße und viel Erfolg bei Deiner Suche.
Hans

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