hallo lothar,
weiter unten in diesem posting habe ich einen auszug aus www.miginfo.de angeführt, der deine frage ansatzweise beanntworten sollte.
das bemerke ich echt bei jedem brötchen, das ich ohne wurst/käse/butter essen würde.
ich bekomm dann sofort migräne.
esse ich nudeln mit fleisch und reichhaltiger soße, dann hält sich das jedoch in grenzen.
auf der seite www.miginfo.de ist das schön erklärt und ich habe auch weitere bücher dazu gelesen (z.b. von peter mersch, der die seite betreibt und selbst jahrelang unter migräne litt).
also ich habe einfach die erfahrung gemacht, daß kohlehydrate pur mir garnicht gut bekommen. und ich möchte den verzehr einfach einschränken oder sinnvoller und für mich gesünder gestalten, als ich das bisher gemacht habe.
beantwortet das deine frage ein wenig?
gruß yvi (ein auszug aus miginfo.de
In der Medizin wird Hypoglykämie in der Regel statisch über die absolute Höhe des Blutzuckerwertes definiert:
Hypoglykämie ist eine Unterzuckerung, bei der der Blutzuckerspiegel auf Werte unter 50 mg/dl absinkt.
Eine solche statische Definition wird der Dynamik der Blutzucker-Regulierung jedoch nicht gerecht und wir werden stattdessen eine dynamische Definition vorschlagen.
Im Folgenden soll unter Hypoglykämie in Unterscheidung zur diabetischen Hypoglykämie (etwa als Folge einer zu hohen Insulin-Dosis) immer die sog. postprandiale Hypoglykämie (andere Bezeichnungen sind: funktionelle bzw. reaktive Hypoglykämie), die sich in chronisch labilen und häufig zu niedrigen Blutzuckerspiegeln ausdrückt, verstanden werden.
Einer postprandialen Unterzuckerung geht häufig eine postprandiale Hyperglykämie voraus. In diesem Fall ist typischerweise der Blutzu-ckerspiegel 2 - 3 Stunden nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit zu hoch und 4 - 5 Stunden nach der Mahlzeit zu niedrig. Bei Patienten mit ausgeprägtem Hyperinsulinismus können die Zeiten auch erheblich kürzer sein. Wikipedia führt dazu aus :
„Bei der nichtdiabetischen Hypoglykämie handelt es sich um einen instabilen Blutzucker, der durch starke Schwankungen gekennzeichnet ist. Der Blutzucker steigt zu schnell und sinkt zu tief. Die Betroffenen sind zwar organisch gesund, weisen jedoch Symptome der verschiedensten Krankheiten auf.“
Die Selbstregulierung des Blutzuckerspiegels im Körper nennt man Blutzucker-Homöostase.
Bei Hypoglykämie (und anderen chronisch labilen Blutzuckerspiegeln) ist folglich die Blutzucker-Homöostase gestört. Mitunter kann sie nur durch eine massive Ausschüttung der Stresshormone aufrechterhalten werden:
Blutzuckerwerte über 60 mg/dl (entspr. >3.33 mmol/l) schließen eine akute Unterzuckerung aus, auch wenn Symptome darauf hindeuten könnten. Allerdings reagiert der Hypothalamus durch Ausschüttung der Katecholamine in erster Linie auf die Geschwindigkeit des Blutzuckerabfalls. Das erklärt, warum Unterzuckerungssymptome vorliegen können, obwohl der aktuelle absolute Blutzuckerwert dazu noch keinen Anlass zu geben scheint."
Sollte die Blutzucker-Homöostase nicht aufrechterhalten werden, können diverse neurologische Symptome entstehen:
„Oft geht eine Unterzuckerung mit Symptomen der verminderten Hirnleistung, Krampfanfällen oder der vermehrten Adrenalinausschüttung einher.“
Und weiter :
„Eine funktionelle Hypoglykämie kann sich in einem geistig verwirrten Zustand äußern. Möglich sind auch Depressionen oder Migräne.“
Ein Teil der neurologischen Symptome können dabei dem Glucose-Mangel im Gehirn, ein anderer Teil der durch den sinkenden Blutzuckerspiegel ausgelösten sympathischen Überaktivierung (Adrenalin) zugeordnet werden.
Robert C. Atkins präziert dazu (Atkins, Robert C.: Dr. Atkins’ Gesundheitsrevolution - Länger und gesünder leben, 1989, Seite 114):
„Bei einer extremen Sekundärreaktion fällt der Glucosespiegel zu steil und zu tief (unter das Ausgangsniveau). Beide Reaktionen können hypoglykämische Symptome auslösen, aber auch Hormonausschüttungen, wie zum Beispiel von Adrenalin und ähnlichen Substanzen, die der Organismus rasch frei setzt, um den extremen Blutzuckerabfall zu bremsen. Auf der Adrenalinwirkung beruhen die Angstanfälle, Ausbrüche von kaltem Schweiß, Herzklopfen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und nervöse Spannung, während Müdigkeit, Schwäche, Konzentrationsstörungen, Gier nach Süßem, Verwirrtheit und Gedächtnisstörungen durch den Mangel an dem Energiespender Glucose bedingt sind.“
Normalerweise wird der Blutzuckerspiegel durch die beiden Hormon-Antagonisten Insulin und Glucagon im Rahmen der Blutzucker-Homöostase reguliert. Sinkt der Blutzuckerspiegel zu stark, dann kann Glucagon seine Aufgaben nicht reibungslos entfalten, weil es zu langsam reagiert. Deutlich schneller wirken hier die Stresshormone Adrenalin und Cortisol. Noch schneller wirkt allerdings die direkte Aufnahme von Glucose über den Magen, wie Diabetiker leidvoll erfahren mussten. Aus diesem Grund neigen wohl viele Menschen heute dazu, ihren Blutzuckerspiegel tagsüber ständig durch kleine Snacks künstlich zu stützen. Eine sehr einfache und humorvolle Darstellung der Zusammenhänge kann bei Diabetesinfo nachgelesen werden.
Nun sind die Vorarbeiten abgeschlossen, um den Begriff der Hypoglykämie zu präzisieren.
Dynamische Hypoglykämie-Definition:
Hypoglykämie ist die fehlende Fähigkeit des Organismus, einen Blutzuckerspiegel in Ruhe ohne abnorme Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Cortisol (also ohne abnorme sympathische Aktivierung) und ohne eine zusätzliche Nahrungsaufnahme innerhalb enger Grenzen halten zu können.
Es liegt folglich auch dann Hypoglykämie vor, wenn der Blutzucker oberhalb 60 mg/dl ist, aber nur durch den massiven Einsatz der Stresshormone oder eine zusätzliche Nahrungsaufnahme auf diesem Wert gehalten werden kann.
Nehmen wir einmal an, Sie sind gezwungen, alle 3 Stunden eine Kleinigkeit zu essen, weil Ihr Blutzuckerwert sonst unter 50 mg/dl sinken würde. Durch Ihre Methode unterschreitet Ihr Blutzuckerwert nie 70 mg/dl. Sind Sie unter diesen Voraussetzungen hypoglykämisch?
Die formale und statische Definition der Medizin würde im Gegensatz zu unserer dynamischen Definition zu dem Ergebnis kommen: Nein, und dieses Resultat ist eindeutig falsch, denn selbstverständlich sind Sie unter diesen Gegebenheiten hypoglykämisch.
Wenn also praktisch alle Kopfschmerzexperten Ihnen dringend ans Herz legen, ein regelmäßiges Leben zu führen, regelmäßig zu essen und vor allem bei Stress keine Mahlzeiten auszulassen (auf der Migräne-Site von Pfizer liest sich das so; „Ein möglichst regelmäßiger Tagesablauf, der auch am Wochenende oder im Urlaub beibehalten wird, kann Anfälle verhindern.“), dann unterstellen sie Ihnen nichts anderes als: Hypoglykämie, und zwar in dem Sinne, wie wir es gerade versucht haben zu definieren.