Aepfel mit Birnen vergaertnern
„Trotz des Überatmens besteht ein Gefühl von Luftnot, das sich
bis zur Erstickungsangst steigern kann. Dies hängt damit
zusammen, dass die normale Atmung vor allem durch einen
Kohlendioxidüberschuss und in geringerem Ausmaß auch durch
einen Sauerstoffmangel angeregt wird. Bei einer
Hyperventilation ist gerade das Umgekehrte der Fall, so dass
das Atemzentrum die Atmungsvorgänge vermindert.“
Das habe ich so nirgends gefunden und ich verstehe es auch
nicht. Das war der Grund für meine Frage, und keine
Blutuntersuchung… Kann mir den Absatz denn jemand erklären
oder ist er schlicht falsch?
Ich will es mal versuchen: Die Aussage ist Quatsch, weil sie Aepfel mit Birnen vermischt.
Bei Regelkreisen ist es immer wichtig, sich die Rolle der einzelnen Komponenten zu vergegenwaertigen. In diesem Fall:
Sensoren: art. paCO2, art.PO2, metabolische Messwerte
Fuehrungsgroessen: optim. paCO2, opt. pO2, psychische Situation („Flucht“)
Regler: Atemzentrum
Stellgroesse: Atemfrequenz
Stellglied: Atem-Muskulatur
Zum Zitat:
"Trotz des Überatmens besteht ein Gefühl von Luftnot, das sich bis zur Erstickungsangst steigern kann. "
Richtig.
„Dies hängt damit zusammen,…“
Falsch. Die Ursache ist in der vermehrten Atemarbeit (Hoehere Gasfluss-geschwindigkeit in der Lunge -> hoeherer Widerstand) und in der psychischen Situation, die als Bedrohung empfunden wird, zu suchen.
"… dass die normale Atmung vor allem durch einen Kohlendioxidüberschuss und in geringerem Ausmaß auch durch einen Sauerstoffmangel angeregt wird. "
Richtig.
„Bei einer Hyperventilation ist gerade das Umgekehrte der Fall, so dass das Atemzentrum die Atmungsvorgänge vermindert.“
Falsch, denn das Atemzentrum verringert die Atmungsvorgaenge eben nicht. Weil es ja schneller atmen will (psychischer Einfluss ueberschreibt metabolische Einfluesse -> Sollwert verstellt)
Wenn das Atemzentrum die Frequenz mindern wuerde, waere ja wieder alles in Butter.
Mir scheint ein Problem in der Vermischung der beiden Ausdruecke „Hyperventilation“ und Hyperventilationstetanie" zu liegen. ersteres heisst einfach nur beschleunigte Atmung, letzteres ist die psychisch ausgeloeste pathologische Angstreaktion mit konsekutiver Atemfrequenzsteigerung. Die zitierte Physiologie beschreibt ersteres, die Aussage soll aber letzteres erklaeren.
Zum Thema Bronchokonstriktion durch Kohlendioxidmangel:
Tatsaechlich weisen mehrere Studien darauf hin, das Hypokapnie (CO2-Mangel) zur Bronchokonstriktion fuehrt, und dass diese z.B. bei Asthma vielleicht auch den Teufelskreis anheizt: [Bronchokonstriktion] -> [Atemarbeit +, Gasfluss -] -> [Atemnot +] -> [Atemfrequenz +] -> [CO2 -] -> [Bronchokonstriktion +].
Bewiesen ist das aber nicht, und therapeutisch wird es zumindest beim Asthma nicht genutzt. Bei der Hyperventilations-tetanie haette der Effekt sogar etwas positives, denn er wuerde die „Effektivitaet“ der Hyperventilation daempfen (Wegen des erhoehten Atemwiderstandes koennte nicht soviel Luft hin- und hergeschaufelt werden, und das CO2 wuerde weniger stark absinken.
Da Hyperventilation im Uebrigen ein benignes Krankheitsbild ist, finde ich im Netz eigentlich keine ernstzunehmend physiologischen Aufarbeitungen des Themas. Hoffe, meine Darstellung loest Deinen Kopfknoten.
Gruss, Dennis