Hallo,
bei uns soll im Schuljahr 2009/10 ein Kombiklasse 2/3 gebildet werden.
Dazu muss gesagt werden, dass die nächstjährige 3.Klasse schon zwei Jahre als Riesenklasse mit 31 Schülern beisammen ist, und die kommenden Zweitklässer in zwei Miniklassen zu je 15/17 Schülern sind.
Die kommende 1. Klasse hat 36 Kinder (das werden dann wohl zwei Klassen).
Jetzt ist natürlich die Frage, ob es überhaupt schon mal Kombiklasse 2+3 gab, oder ob wir Versuckskaninchen sein sollen. In einer anderen Schule im Landkreis klappt Kombi 1+2 eigentlich gut, schon seit ein paar Jahren. Aber von 2+3 habe ich auch nach einer Stunde stöbern im Internet nichts gefunden.
Danke für alle Erfahrungsberichte (auch andere Kombinationen) und Hinweise.
Hallo,
Jetzt ist natürlich die Frage, ob es überhaupt schon mal
Kombiklasse 2+3 gab, oder ob wir Versuckskaninchen sein
sollen. In einer anderen Schule im Landkreis klappt Kombi 1+2
eigentlich gut, schon seit ein paar Jahren. Aber von 2+3 habe
ich auch nach einer Stunde stöbern im Internet nichts
gefunden.
Hi,
Keine Sorge, Versuchskaninchen seit ihr nicht. In der Reformschule Kassel (eine Versuchsschule des Landes Hessen) wird seit 1990 jahrgangsübergreifend unterrichtet. Dort sind die Jahrgänge 0-10 auf 4 Gruppen verteilt (0-2, 3-5, 6-8, 9-10) und das klappt bis auf Ausnahmen gut (ab der 5. bzw. 6. werden Ma. De. Engl. Frz. wieder auf Jahrgänge verteilt unterrichtet). Die Schule ist dabei noch eine Gesamtschule, auf der man vom Hauptschulabschluss bis zur Empfehlung fürs Oberstufengymnasium alles bekommen kann, ohne äußere Differenzierungsmaßnahmen!
Also, die Erfahrungen zum Gemeinsamen Unterrichten gibt es durchaus (zur Reformschule Kassel gibts allein schon einige Bücher), inwiefern bei euch die Lehrer auf diese Herausforderung vorbereitet werden (ist schließlich was anderes als „normal“) und der Lehrplan darauf angepasst wird, ist aber eine andere Frage.
Hier jedenfalls mal zum Lesen ein Link unter dem du auch das Schulkonzept findest:
http://www.reformschule.de/index2.html
CU
Andi
Also, die Erfahrungen zum Gemeinsamen Unterrichten gibt es
durchaus
Waren gemeinsame Klassen nicht früher in jeder x-beliebigen kleinen Dorfschule ohnehin die Norm? Ist wohl wie mit der Mode, alles kommt wieder
.
Viele Grüße,
Sebastian
Hallo,
Waren gemeinsame Klassen nicht früher in jeder x-beliebigen
kleinen Dorfschule ohnehin die Norm?
Ich kenne es aus Harare, Simbabwe. Die dortige deutsche Schule bestand Ende der 90er Jahre aus etwa 25 Kindern, die in 3 Klassen unterrichtet wurden (1+2, 3+4, 5+6).
Die Erfahrungen der Eltern waren sehr gut, allerdings waren das wie man sieht sehr kleine Klassen.
Gruß
Elke
Moin,
Waren gemeinsame Klassen nicht früher in jeder x-beliebigen
kleinen Dorfschule ohnehin die Norm?
Nein, das waren keine Kombiklassen, wie sie heute konzipiert sind. Damals saßen lediglich zwei Klassen in einem Raum, wurden aber getrennt unterrichtet. Ich bin 1954 eingeschult worden, da saßen 1./2. sowie 3./4. jeweils in einem Raum, aber immer eine Klasse links, die andere rechts.
Frau Schumacher hatte immer 1./2., ihr Mann 3./4. Schade, ich erinnere mich nicht mehr, wie das funktioniert hat.
Pit
Die Erfahrungen der Eltern waren sehr gut, allerdings waren
das wie man sieht sehr kleine Klassen.
Hi,
Ist natürlich auch ein Grund. An der Reformschule sind die Gruppen so ca. 24 Kinder stark. Deren Konzept setzt eben auf die Förderung der Fähigkeit an/in Projekten als Team aus 2-3 Schülern zu arbeiten. Wenn du das mit 35 Schülern machen sollst, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass die individuelle Betreuung nicht zu kurz kommt.
Ich glaube man kann zusammenfassend sagen, dass jahrgangsübergreifender Unterricht nicht an sich Segen oder Fluch ist. Das entscheidende, wie auch am „normalen“ Unterricht, ist die Umsetzung.
CU
Andi
Grüß Dich.
Waren gemeinsame Klassen nicht früher in jeder x-beliebigen
kleinen Dorfschule ohnehin die Norm?
Richtig, richtig – im Bildungssystem des 18. und 19. Jahrhunderts - im Bildungssystem der Ständegesellschaft mit seinen erstrebenswerten Eigenschaften wie der sozialen Abschottung nach unten, dem aristrokratischen Standesdünkels, den Privilegien der Reichen und den Lebenswegen geprägt ausschließlich von der sozialen Herkunft. Prima!
Jahrgangsübergreifende Klassen und die blindwütige Heiligsprechung des offenen Unterrichts sind der größte Quatsch, der gegenwärtig im Schulsystem abläuft.
Nebenbei: Das zweite Deutschland hat so seine Erfahrungen mit jahrgangsübergreifenden Klassen gehabt. Und auf dem Wege zur Errichtung der einheitlichen Polytechnischen Oberschule wurden interessanterweise die Mehrstufenklassen mit allerallergrößter Intensität abgeschafft. Abermilliarden wurden dafür in das Schulnetz zur Schaffung von einzügigen oder zweizügigen vollausgebauten Acht- und Zehnklassenschulen in kleinen Dörfern investiert, damit dieses reaktionäre Relikt des gegliederten Schulsystem möglichst heute statt morgen verschwand. Danach, so erfährt der geneigte Leser aus den damals dem Volk unzugänglichen Schulstatistiken. die in den Archiven schlummern, stiegen die Leistungen auf dem Lande im erhofften Maße. Die Chancengleichheit auf dem Lande war endlich die gleiche wie in den Städten.
Mit anderen Worten: In einem Land wie unserem heutigen Deutschland, wo Bildung am besten keinen Pfennig kosten darf, wo keine Wertschätzung für allseitige, hohe Bildung aller Menschen ausgeprägt ist, wo auch kein ideelles Bild des gebildeten Menschen vermittelt wird, wo die Anforderungen im Kindergarten und in der Unterstufe hoffnungslos versacken, wo in Ostdeutschland ein unglaublich gut ausgebautes Schulnetz aus ideologischen Gründen und aus Grunden brachialer Ökonomisierung 1990 in den Abfluß gekippt worden ist – in diesem Land ist es doch vorhersehbar wie der Sonnenaufgang, daß ständig und überall großer Rummel um leistungsfeindliche Pädagogik über den Äther poltert.
Warum? Schulinfrastruktur ist teuer.
Die arme DDR hat sich trotzdem ein Schulsystem geleistet, davon träumt die reiche BRD noch in 30 Jahren, obwohl unser heutiges Deutschland das gleiche System finanziell aus dem linken Ärmel schütteln könnte.
Und da kommen Dinge wie Mehrstufenklassen natürlich gerade recht - es ist ja Geld mit dem Mist zu sparen.
Schulen wie meine damalige einzügige, vollausgebaute, zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule (Dorf! 1500 Einwohner!) mit großem Schulhort, eigenem Observatorium, Turnhalle, Sportplatz, Ballsportspielfeldern, eigener Schulküche, Schulbibliothek, vollausgestatteten Fachräumen für Technik, Chemie, Physik, Werken, gut ausgebildeten Lehrern, Kunstatelier auf dem Dachboden, gut ausgebildeten Erzieherinnen, mit vielfältiger Nachmittagsbetreuung in vierzig bis sechszig (!!) kostenlosen Arbeitsgemeinschaften und Interessenszirkeln, einem Schulgarten u.v.m. –
solche Schulen kosten Geld, v iel mehr als die jetzigen Schulen in unserem steinzeitlichen Bildungssystem.
Doch lange nicht soviel, wie die Politiker den Leuten gerne suggerieren möchten. („Unbezahlbar“ ist vermutlich das meistverwendete polemische Wort der konservativen und liberalen Hohlköpfe.)
Bis auf das Sternenobservatorium, das es an dem Ort lange vor der DDR gab, war die beschriebene Einrichtung eine normale Schule; landesweit anzutreffen, ob an der Ostsee oder im Erzgebirge. Null-acht-fünfzehn.
Education isn’t expensive - it’s priceless!
Es kann kein logisch denkender Mensch ernsthaft glauben, daß die Machthaber in Deutschland die Volksbildung von unten nach oben konzipieren wie das ironischerweise die Roten einst mit der Polytechnischen Oberschule taten, die auf den Entwicklungsweg des Kindes zugeschnitten war.
Niemand wird nirgends auch nur einen Pfennig Geld für die Bedürfnisse jahrgangsübergreifender Klassen bereitstellen.
Es wird keinen zweiten oder dritten Lehrer für solche Klassen geben.
Es werden keine groß angelegten methodischen Studien geführt werden, um den Lehrern durchdachte, ausführliche Lehrpläne und Unterrichtshilfen an die Hand zu geben, damit der gleiche Lernfortschritt wie in vollausgebaute Klassen erreicht werden kann.
Die Prämisse lautet: Es muß billiger werden.
Nicht der Gehalt einer Sache muß stimmen, sondern die Gestalt. Wenn ich den zunehmend der Verdummung anheimfallenden Leuten verkaufen kann, daß z.B. jahrgangsübergreifende Klassen etwas bringen, freuen die sich sogar noch über meine wirtschaftslobbyistischen Sparmaßnahmen. Daß das Bildungsniveau zusammenbricht, hebt ja keinen an. Denn Beweise anschleppen zu müssen, das ist ja außer Mode! Hauptsache Behauptungen, das reicht zu. Es muß nur oft genug wiederholt werden, damit es auch der letzte Idiot endlich glaubt.
Harte Fakten dagegen werden ignoriert, kleingeredet, verfälschend dargestellt usf… Das Max-Planck-Institut bspw. spricht sich seit den Leistungsvergleichen mit dem DDR-Schulsystem 1990-92 gegen offenen Unterricht und für die lehrerzentrierte Klassenführung aus. Aber wen kümmert’s.
In der Sächsischen Zeitung war vor einigen Wochen in einem tollen Leserbrief geschrieben, 1990 seien „wir schulisch ins Mittelalter zurückgeschossen worden“. Wunderbar, und jetzt spart man das ohnehin in allen Aspekten fragwürdige gegliederte Schulsystem darüber hinaus noch restlos kaputt, und unterdessen?
Die steinschmeißenden Revoluzzer von 68 stoßen auf ihren linksutopistischen Blödsinn mit Champagner an, die Lobbyisten schieben sich dafür gleich noch „leistungsgerechte Prämien“ über den Tisch, oder eher unter dem Tisch entlang, Bertelsmann plant die privatwirtschaftliche Bildungsdiktatur und wetzt die Messer für den Putsch, die sogenannten Pädagogikexperten, die zusammen mit der unfähigen gegenwärtigen Elterngeneration ein Erziehungs- und Bildungsvakuum unglaublichen Ausmaßes herbeigeführt haben, saugen sich eine unbewiesene, weichgespülte Theorie nach der anderen aus den Fingern. Aber Hauptsache alle freuen sich darauf, „Schule neu zu denken“. :-/
Da stören auch Klassenkonzepte aus dem 18. Jahrhundert für den Dritten Stand nicht weiter. 
Tschüß 
Hallo,
du hast vollkommen recht damit, wenn du bemängelst, dass an der Bildung gespart wird.
Aber stufenübergreifende Klassen sind nicht unbedingt nur des Sparens wegen eingeführt worden. Gerade Kl. 1/2 haben einen pädagogischen Nutzen, den ich zum Teil auch in anderen Jahrgangsmischungen sehen kann. Ich habe nur damit keine konkreten Erfahrungen, weshalb ich mich nicht direkt dazu ausgelassen habe.
Gruß
Elke
Das Bildungssystem der BRD stammt aus dem 19. Jahrhundert. Danach sind die Stände durch die frühe Teilung noch vorhanden. Da war die DDR schon 200 Jahre fortschrittlicher.