Komisches Verhalten meines Vaters

Guten Tag,

ich verstehe eine Sache an dem Verhalten meines Vaters nicht. Ich will ein Beispiel geben, welches für sein Verhalten auch vorher steht.
Er hat sich ein neues Handy gekauft und fragte mich, ob ich sein altes Handy haben möchte. Er war auch am überlegen, ob er das alte Handy meiner Mutter gibt. Als ich ihn ein paar Tage später auf das alte Handy ansprach, antwortete er irritiert, erstaunt, eher verwundert und vor allem mit aggressiven Ton, dass er kein altes Handy habe. Aber er hat es noch, nur scheint es bei ihm in Gedanken nicht als ‚altes Handy‘ zu existieren.
Es geht nicht darum, dass er das alte Handy behalten will. Das weiß ich auch von meiner Mutter. Es hapert mehr an seiner Kommunikationswelt denke ich. Er meint wohl, dass ich über seine Gedanken im Bilde sein müsse, obwohl er nichts sagt. Als ich danach gefragt hatte, ob er sein altes Handy an mich abgeben möchte, hätte ich erwartet, was „sein altes Handy“
bedeutet. Sobald es nicht mehr seins ist (vielleicht weil meine Mutter es übernommen hat), kann es nicht mehr „sein“ altes Handy heißen. Daher der wirklich ernsthaft irritierte Blick. Dabei wusste ich nichts davon, dass er sein altes Handy nicht mehr hat. Und selbst wenn er es nicht hätte, er weiß ja was gemeint ist.
So etwas passiert dauernd. Irgendwie überspringt er immer wichtige Kommunikationsteile mit uns, erwartet aber, dass wir „im Bilde“ sind.
Wie gesagt, dies ist nur ein Beispiel für viele Fälle in denen er sich genauso verhält und keiner mit seinem Kommunikationsstil klar kommt. Als wenn er in einer eigenen Welt mit eigenen Begriffen lebt, die nicht mit unseren übereinstimmen. Meine Mutter regt sich zwar auf, hat aber nie so richtig bewusst gemerkt, dass etwas zu ändern sein müsste.
Sie kann es nicht in Worte fassen. Sie streiten halt einfach und mein Vater behauptet dann einfach trotzig, dass er meine Mutter etwas mitgeteilt habe, was sie darauf verneint.
Das gleiche passiert dann aber auch umgekehrt.

Was könnte die Ursache für dieses Kommunikationsverhalten sein? Warum macht mein Vater das, selbst wenn man ihn darauf hinweist? Er ist hierbei derjenige der aggressiv wird, obwohl ich
selber im Recht bin.
Wir Kinder haben übrigens alle psychische Probleme…

Gruß
Elmar

Hallo Elmar,
ich befürchte du, deine Geschwister und deine Mutter haben ein häufig vorkommendes Problem.

Was könnte die Ursache für dieses Kommunikationsverhalten
sein? Warum macht mein Vater das,

Es gibt eine Theorie, nach der Männer zu leichtem ‚Autismus‘ tendieren. Die Ursache dafür könnte das Testosteron sein. Unterschiedliche Evolutionäre Vorteile werden diskutiert…

Was euch natürlich kaum hilft. Außer vielleicht, dass du und vielleicht auch deine Mutter nicht mehr davon aus gehen müsst, dein Vater würde das mit Absicht machen.

selbst wenn man ihn darauf
hinweist? Er ist hierbei derjenige der aggressiv wird,

na ja, wenn die ‚Erlebniswelt‘ eine andere ist, und man denkt, man wäre sehr klar und deutlich - und die Hempels einem einfach nicht verstehen…:wink:

Es ist nicht einfach, in diesem Fall hilft allerdings meiner Erfahrung nach nur Geduld und Humor.

zu denken

… ich selber im Recht bin.

und damit meine ‚Erlebniswelt‘ über die eines anderen zu stellen… da reagieren besonders ältere Herren oft gereizt… ist ja auch schwer wenn man nicht mehr für voll genommen wird (oder zumindest das Gefühl hat)

Wir Kinder haben übrigens alle psychische Probleme…

Der Satz war mir ein Sternchen wert, nicht weil ich eure, sicher schwerwiegenden Probleme nicht ernst nehmen würde, sondern weil die ‚Beweiskette‘ schon ein wenig witzig ist. Keine Ahnung wie alt 'ihr Kinder seit - auf jeden Fall ist es (leider) idR nicht so einfach.

Mein einziger Tipp hier ist: ausatmen! und nicht ‚denken‘ sondern lieber nochmal nachfragen. Auch man selbst ist manchmal nicht so deutlich wie man denkt :smile:

Für mich hört sich das schon irgendwie schwerwiegender an. Ist ja schon sehr komisch die Reaktion deines Vaters, v.a. wenn es dauernd solche drastischen Kommunikationsprobleme gibt (denn es scheint ja inhaltlicher Natur zu sein). Das wirkt auf mich schon sehr merkwürdig!

Mein Vater hat vorhin wieder auf eine merkwürdige Art und Weise geantwortet. Sein altes Handy hatte er nicht für meine Mutter bestimmt.
Auf meine erneute Frage, was er mit seinem alten Handy vorhat, konnte ich den Satz hören:
„Ich weiß noch nicht welches mein altes sein soll“. Das sollte heißen, dass ihm sein Neues nicht so gut gefällt und er noch nicht weiß, welches Handy er abgeben möchte (das neue oder das alte). Das neue würde dann in seinem Kopf das alte werden (=das Abzugebende).
Auch wenn ich es verstehe, weil ich meinen Vater kenne, selbst dann bleibt ja das neue Handy neu und das alte alt! Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Warum hat er nicht damals so geantwortet, dass ich wenigstens weiß, warum er so zögert? Seine Art zu kommunizieren ist sehr unverständlich. Ich muss immer wieder nachfragen, was er damit meint. Er erklärt es nicht und ich muss versuchen seine Aussagen zu entschlüsseln.
Kommunikation ist auch insgesamt nicht sein Fall. Er kann sehr schlecht erklären und erntet entsprechende verständnislos Reaktionen von seinen Mitmenschen. Auf seiner Arbeitsstelle musste er natürlich immer erklären, also hat er sich angestrengt (notgedrungen). Zuhause konnte er sich den Forderungen entziehen (er hatte ja die Macht das zu tun). Er schob die Schuld auf die Kinder („Ihr seid eben zu doof“, wenn ihr das nicht kapiert).

Noch ein Beispiel:
Als ich ihn fragte, warum er das neue Handy nicht mag, sagt er: „Es ist so einfach irgendwie“. Ich: „Wie meinst du das? Was ist einfach?“
Er „Die Videofunktion und die Tasten und so“ Ich: „was ist daran einfach?“
Er :„das Handy ist an manchen Stellen so kompliziert“.

Es gibt eine Theorie, nach der Männer zu leichtem ‚Autismus‘
tendieren. Die Ursache dafür könnte das Testosteron sein.
Unterschiedliche Evolutionäre Vorteile werden diskutiert…

Hallo,
Wer anders ist, ist krank. :wink: Aber von welcher Position betrachtet man das?
Grüße
Ulf

Hallo Ulf,
nein mit ‚krank‘ hat das doch nichts zu tun. :smile: und meine Position ist eine rein Biologische. Für bestimmte Tätigkeiten kann diese Form der ‚Konzentrationsfähigkeit‘ (um es mal positiver auszudrücken) von großem Vorteil sein.
Grüße…lux

Hallo Elmar,
mich würde mal interessieren wie alt dein Vater und du sind.

Nach deiner Beschreibung hast du sehr feste Vorstellungen davon wie dein Vater zu reagieren und zu sein hat.

Als ich ihn fragte, warum er das neue Handy nicht mag, sagt
er: „Es ist so einfach irgendwie“. Ich: „Wie meinst du das?
Was ist einfach?“
Er „Die Videofunktion und die Tasten und so“ Ich: „was ist
daran einfach?“
Er :„das Handy ist an manchen Stellen so kompliziert“.

Hier denke ich, liegt in diesem Fall zumindest einer der Gründe für das ‚merkwürdige‘ Verhalten deines Vaters.
Wenn man älter wird lässt zum einen die geistige Flexibilität nach, zum andern lernt man langsamer. Ausserdem ist man auch nicht mehr bereit in bestimmte Dinge sehr viel Zeit zu investieren.

Gleichzeitig merkt man dann aber, dass man ‚Dinge‘ nicht mehr kann und nicht mehr versteht. Das ist nicht so einfach zu verdauen, besonders wenn man ein bestimmtes Bild von sich im Kopf hat. Bis vor Kurzem war dein Vater für dich noch ‚der der alles kann‘ Jetzt bist du (fast?) erwachsen und dein Vater und du müsst eine neue Position zueinander finden.

Seine Art zu kommunizieren ist sehr unverständlich.

Deine für ihn wahrscheinlich auch.

Kommunikation ist auch insgesamt nicht sein Fall.

Ja, deine Einschätzung kann zutreffen, allerdings kannst du ihm das nicht vorwerfen, das tust du allerdings. Du scheinst auch sehr genaue Erwartungen zu haben wie er dir alles erklären soll und muss und bist sehr fordernd. Wenn jemand solchen Forderungen nicht nachkommen kann, er aber immer weiter bedrängt wird ist eine aggressive und Abwertende Reaktion schon fast zu erwarten:

Er schob die Schuld auf die Kinder („Ihr seid eben zu doof“, wenn
ihr das nicht kapiert).

Du verlangst von deinem Vater etwas was er offensichtlich nicht kann: offene reflektierte Kommunikation.
Deine Art das zu verlangen macht auf mich, so wie du es beschreibst einen schon fast aggressiven vorwurfsvollen Eindruck. Da du anscheinend die Kommunikationsart deines Vaters nicht ändern kannst (versuchst es ja schon eine Weile) könntest du eine neue Strategie versuchen und deine Kommunikationsart so ändern, dass dein Vater sich nicht angegriffen fühlt. Und da das Ändern ja so einfach zu sein scheint (du erwartest es ja von ihm) kannst du es ja auch mal probieren?
Gruß…lux

Wenn jemand

solchen Forderungen nicht nachkommen kann, er aber immer
weiter bedrängt wird ist eine aggressive und Abwertende
Reaktion schon fast zu erwarten:

Er schob die Schuld auf die Kinder („Ihr seid eben zu doof“, wenn
ihr das nicht kapiert).

Also ich sehe das genau umgekehrt. Wenn Eltern sich so verhalten haben, und die Kinder inzwischen erwachsen (und dahinter gekommen) sind, ist es kein Wunder, dass sie es ihren Eltern später vorwerfen (vorher war es ja umgekehrt und da konnten sich die Kinder überhaupt nicht wehren) Es wirkt auf mich sehr extrem seinen Kindern die Schuld zu geben, wenn man selbst nicht in der Lage zu Erklärungen ist. Hier würde ich auch wieder auf eine psychische Störung des Elternteils tippen (narzisstische Störung).

Nachtrag ‚Alice Miller‘
laut Alice Miller ist es gut, wütend auf seine Eltern sein zu dürfen!

nein mit ‚krank‘ hat das doch nichts zu tun. :smile: und meine
Position ist eine rein Biologische.

Hallo,
Autismus ist nun mal als (tief greifende) Entwicklungsstörung definiert. Wenn bei den Esoterikern die Frauen dominieren, bezeichne ich das auch nicht als Krank/gestört.
Sicher ticken Frauen und Männer im Allgemeinen anders. Aber eine Abweichung von der gemeinsamen Mitte ist einfach normal. Da passt der Begriff Autismus nicht, selbst wenn er in Anführungsstriche gesetzt wird.
Und wenn die Abweichung des Mannes eine Persönlichkeitsstörung ist, dann würde es auch für die Abweichung der Frau gelten. Benenne letztere bitte mal im Genderbrett! :wink:
Grüße
Ulf

Hallo Elmar

Zwar bin ich keine Fachfrau in Psychologie, aber Deine Schilderung erinnert mich an einen Verwandten, der ein ähnliches Verhalten zeigt.

Er ist eigentlich ein unsicherer Mensch. Von klein auf hat er sich deshalb angewöhnt, alles x-mal zu überdenken, damit ja nichts schief geht oder oberflächlich getan wird. Deshalb überlegt er alles schon vorher stundenlang, wägt Vor- und Nachteile ab, prüft Vorgehensweisen. Spricht man ihn - ahnungslos - auf die Angelegenheit an, weiss er nicht mehr, was er bloss gedacht und was bereits jemandem mitgeteilt hat (und wem).

Wäre das bei Deinem Vater auch möglich? Biete ihm doch an, gemeinsam das Handy zu testen und zu vergleichen, es sei bei dieser rasanten Entwicklung der Technologie normal, dass man sich gegenseitig hilft. Verklemm’s aber von „Schwierigkeiten bei älteren Menschen“ zu sprechen!

Es grüsst Dich: Maggie

Hallo Elmar,

vielleicht ist Dein Vater jemand, der Dinge sehr wörtlich nimmt? „Altes Handy“ könnte man ja durchaus so verstehen, dass Du damit ein uraltes Modell meinst, welches ja tatsächlich nicht zu existieren scheint. Benützt er beim Reden denn Metaphern, Übertreibungen, Redensarten? Wenn nicht, würde ich stark davon ausgehen, dass er wirklich einfach zu den Menschen gehört, die alles unglaublich wörtlich meinen und nehmen. Oder ist er möglicherweise nicht Deutsch-Muttersprachler? Ich habe für einen Herrn gearbeitet, der trotz 30 Jahren in Deutschland immer noch keine Zwischentöne/usw. verstanden hat. „Todmüde“ hätte er für eine Ankündigung baldigen Ablebens gehalten, „mit jemand ein Hühnchen rupfen“ hielt er für eine Aufforderung, Essen zu bereiten. Das übertrug sich auf alle Lebensbereiche. Einmal wies er mich an, ich solle (ungelogen) hunderte von Spammails für ihn persönlich beantworten, weil er sich einfach nicht vorstellen konnte, dass irgendjemand, der ihm schrieb nicht auch tatsächlich ein höchstpersönliches Anliegen haben könnte. Anstrengend.

Viel Erfolg noch!