Komma-Frage

Hallo,
Auch ich hab jetzt mal eine Kommafrage. Ich zoffe mich gerade virtuell mit einer Person, die meint, im folgenden Satz müsse das zweite Komma stehen. Ich bin der Meinung, da kommt kein Komma, da eine Konjunktion „oder“ von einem Nebensatz gefolgt wird. Und soweit ich weiß müsste/dürfte da nur ein Komma stehen, wenn hinter „oder“ ein vollständiger Hauptsatz kommt. Hier der Satz:

"am allermeisten regt es mich aber auf, wenn leute ihre kommata falsch oder gar nicht setzten, oder wenn Menschen diese Sache mit das und dass nicht verstehen."

Welche Regel greift hier genau? Es geht um da 2. Komma nach „setzten“ (willkürliche Groß- und Kleinschreibung und das überflüssige „t“ bei „setzen“ ignorieren wir einfach mal).

Grüße,

  • André

Etwas tiefer betrachtet
Hallo!

"am allermeisten regt es mich aber auf, wenn leute ihre
kommata falsch oder gar nicht setzten, oder wenn Menschen
diese Sache mit das und dass nicht verstehen."

Mit Regeln kann ich Dir da nicht dienen; es ist in den Regeln ja auch manches festzementiert, was linquistisch auf tönernen Füßen steht.

Sprachwissenschaftlich würde ich sagen: Ob hier ein Komma gesetzt wird, hängt davon ab, wie man den zweiten Teil betrachten möchte. Betrachtet man ihn als unselbständigen (Neben-)Satz, ist das Komma überflüssig. Man könnte den zweiten Teil aber durchaus auch als selbstständige Konstruktion auffassen, und zwar als Satzäquivalent. Eine solche Betrachtungsweise liegt mE auch der folgenden, durchaus denkbaren Schreibweise zugrunde:

"am allermeisten regt es mich aber auf, wenn leute ihre
kommata falsch oder gar nicht setzten. Oder wenn Menschen
diese Sache mit das und dass nicht verstehen."

Auch wenn der zweite Teilsatz fornal immer noch die Merkmale eines Nebensatzes (z.B. Verbstellung) aufweist, ist er syntaktisch mE einem Hauptsatz vergleichbar.

Ich denke, daß die Schwierigkeit in der Schwammigkeit des Satzbegriffes liegt. Die „Regeln“ stützen sich auf eine Vorstellung von „Satz“, die hinten und vorne löchrig ist, wenn man dagegenstuppst.
Nicht zu Unrecht bezeichnen Zifonun et al. in der IDS-Grammatik den Satz als „eines der umstrittensten Konzepte“ der Sprachwissenschaft und verweisen darauf, dass es etwa 200 Versuche von Satzdefinitionen gibt. :smile:

So, das war jetzt mal schnell aus der Hüfte geschossen und überhaupt nicht daß, was Du wolltest - aber zu Regeln kann ich Dir echt nichts sagen. :smile:

Gruß,
Max

Hallo, Max
bei all deiner Liebe zum „daß“…

So, das war jetzt mal schnell aus der Hüfte geschossen und
überhaupt nicht daß, was Du wolltest

…aber ist das daß hier wirklich das, was du willst ?
Wenn schon, dann „daß, waß“
findet
Olgu

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Wenn schon, dann „daß, waß“

Einverstanden. :smile:
Sorry, eigentlich sollte ich grade arbeiten. Wenn ich dann zu einer linguistisch höchst anregenden Disklussion verführt werden, dann versuche ich das zumindest durch Überschalltippen zu kompensaieren - was sich bei mir dann in der Regel in einer Menge von kruden Fehlern äußert. Und ich lese häufig dann auch nicht mehr so sorgfältig durch, was ich hinterher schon oft bitter bereut habe. Es sind ja nicht nur Tipfehler darunter, sondern manchmal auch ganz merkwürdige Gehirnkurzschlüsse … den Satz auf eine Weise angefangen, aber agnz anders beendet … ein anderes Verb geschrieben als gedacht … alles sehr merkwürdig. Tut mir leid.

Die daß/das-Regeln kenne ich antürlich.

Gruß,
Max

Hallo, André,

die meint, im folgenden Satz müsse
das zweite Komma stehen.

"am allermeisten regt es mich aber auf, wenn leute ihre
kommata falsch oder gar nicht setzten, oder wenn Menschen
diese Sache mit das und dass nicht verstehen."

Welche Regel greift hier genau? Es geht um da 2. Komma nach
„setzten“ (willkürliche Groß- und Kleinschreibung und das
überflüssige „t“ bei „setzen“ ignorieren wir einfach mal).

§ 72 der amtlichen Regelung besagt:

„Sind die gleichrangigen Teilsätze, Wortgruppen oder Wörter durch und, oder, beziehungsweise/bzw., sowie (= und), wie (= und), entweder … oder, nicht … noch, sowohl … als (auch), sowohl … wie (auch) oder durch weder … noch verbunden, so setzt man kein Komma.“

So auch bei Wahrig (159.1) und Pons.

Der Duden hingegen spricht von einem „Kann-Komma“, um das Satzgefüge übersichtlicher zu machen.

Von „müssen“ kann also sicher nicht die Rede sein.

Vielleicht interessieren Dich auch die Ausführungen auf http://www.belleslettres.eu/artikel/komma-setzung-re… .

Gruß
Kreszenz

Wenn schon, dann „daß, waß“

Einverstanden. :smile:

Die daß/das-Regeln kenne ich antürlich.

Antürlich. Weiß ich doch. Reine Fopperei…
LG

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Antürlich.

Ich dachte, das heißt latürnich? *hicks*
http://www.comedix.de/lexikon/db/latuernich.php

Gruß,
Max

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Hi,
ganz persönlich (und völlig unwissenschaftlich) würde mich jedes weitere Komma in diesem Satz stören!

gruss, isabel

Ergänzung
Umgekehrt wird ein Schmu draus … :smile:

Die Regel sagt: Hier darf kein Komma stehen, weil das keine selbständige Einheit ist.

Die Linguistik sagt: Weil hier ein Koma steht, muss das folgende wohl als selbständige oder verselbständigte Einheit betrachtet werden.

Ich sehe Peter und Paul, der neben ihm steht.

Fehlt hier ein Komma? Nein. Wenn es aber kommt, laufen wir dann davon?

Ich sehe Peter, und Paul, der neben ihm steht.

Ich sehe Peter (und Paul, der neben ihm steht.)

Ich sehe Peter - und Paul, der neben ihm steht.

Ich sehe Peter. Und Paul, der neben ihm steht.

Die Zeichensetzung markiert mE einen steigenden Grad der Verselbständigung. Im Gesprochen würde man eine mehr oder weniger starke intonatorische Markierung setzen, z.B. eine Sprechpaise.

Gruß,
Max

Ja, lieber Max,
nimm noch ein Tässchen Schie®lingsblättertee, damit daß dadurch noch ein paar luschtige Buxstabenverdreherer herauskommen.
Gruß
Nastaly

Ablenken
Hallo André,

Du könntest auch geschickt ablenken und der Person mitteilen, dass ihr die Anwendung des Konjunktivs („setzten“) missglückt ist.

Schöne Grüße,

Mohamed.