Kommafrage

Guten Tag,

Warum macht man in dem Satz „Er kriegt, was er sich wünscht“ ein Komma? Wie werden die beiden Satzteile genannt (Fachbegriffe)? Ich finde das merkwürdig, weil es sich bei dieser Konstruktion ja nicht um die typische Hauptsatz - Nebensatz - Konstruktion handelt, die man durch ein Komma abtrennt.
Bitte um schnelle Antwort - danke! :smile:

Hallo,
Bei „was er sich wünscht“ handelt es sich – wenn ich mich nicht irre – um einen Objektsatz, also einen Nebensatz (oder wie übersetzt man „clause“ richtig?), der als Objekt dient.
Man kann ihn als Relativsatz ohne Bezugswort analysieren, mit Bezugswort hieße er: „Er kriegt DAS/ALLES, was er sich wünscht.“ — Relativsätze werden klar mit einem Komma abgetrennt. Ich denke, dass diese Regel auch dann greift, wenn das Bezugswort verschwindet.

Grüße,

  • André

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo André!

Bei „was er sich wünscht“ handelt es sich – wenn ich mich
nicht irre – um einen Objektsatz,

Du irrst nicht.

also einen Nebensatz (oder
wie übersetzt man „clause“ richtig?), der als Objekt dient.

Genau so. „Clause“ ist eigentlich ein Satzteil oder auch Gliedsatz; aber in Komposita (subordinate clause; object clause etc.) ist es einfach -satz.

Man kann ihn als Relativsatz ohne Bezugswort analysieren,

Könnte man machen, ist aber (zumindest in der klassischen Beschreibung der deutschen Grammatik) nicht üblich. Hier werden unter dem Begriff „Relativsätze“ nur Attributsätze und solche Gliedsätze, die den gesamten Hauptsatz näher beschreiben, subsummiert, also „der Herr, der mich angesprochen hat, …“ oder „Damit ist der Beweis erbracht, was auch langsam Zeit wurde.“
Der im Beispiel vorliegende Satz ist wirklich einfach ein Objektsatz, man findet mitunter auch den Begriff „Akkusativsatz“, der allerdings nicht wirklich schön ist. Ganz pedantisch könnte man ihn als „Akkusativobjektsatz“ bezeichnen.

mit Bezugswort hieße er: „Er kriegt DAS/ALLES, was er sich
wünscht.“ — Relativsätze Nebensätze werden klar mit einem Komma
abgetrennt. Ich denke, dass diese Regel auch dann greift, wenn
das Bezugswort verschwindet.

Natürlich. Der prototypische Nebensatz hat auch gar kein Bezugswort, er nimmt allein die Funktion eines Satzgliedes ein. (Als Relativsatz natürlich nur die Funktion eines Attributs.)

Liebe Grüße
Immo

Hallo Balusine!

Warum macht man in dem Satz „Er kriegt, was er sich wünscht“
ein Komma?

Weil er zwei finite Verbformen beinhaltet: „(er) kriegt“ und „(er) wünscht“. Damit hast Du zwei Teilsätze, die ja (so sie nicht durch „und“ verbunden sind) durch ein Komma getrennt werden.

Wie werden die beiden Satzteile genannt
(Fachbegriffe)?

Der zweite Teilsatz antwortet auf die Frage: „Wen oder was (kriegt er)?“, hat also die Funktion eines Satzgliedes inne. Damit ist er ein Nebensatz, und weil er als Akkusativobjekt dient, ist er ein Akkusativ(objekt)satz.
Der erste Teilsatz ist der Hauptsatz.

Ich finde das merkwürdig, weil es sich bei
dieser Konstruktion ja nicht um die typische Hauptsatz -
Nebensatz - Konstruktion handelt.

Das wiederum finde ich merkwürdig: Was ist denn für Dich die „typische Hauptsatz-Nebensatz-Konstruktion“, wenn nicht dies hier?

Liebe Grüße
Immo

Ich ergänze meine Vorredner:

Es gibt nicht nur Nebensätze, die das Objekt darstellen, sondern das gleich auch fürs Subjekt:

Dass du zu spät kommst, ärgert mich. (Wer oder was ärgert micht? Dass du…)

Also kann man auch Sätze konstruieren, wo sowohl Subjekt als auch Objekt als Nebensatz vorliegen:

Dass du zu spät kommt, ist, was mich ärgert.
Was er kriegt, ist, was er sich wünscht.

Das Prädikat von gleich zwei Kommas umringt zu sehen, ist allerdings ein seltener Anblic. Wenn man ein wildlebendes Prädikat dergestalt antrifft, sollte man den Anblick still genießen.