Kommanditist statt atypisch stiller Gesellschafter

Hallo,

höre immer mal wieder von einem Bekannten oder Freund, dass jetzt verschiedene Firmen, die früher eine Firmenbeteiligung als atypisch stiller Gesellschafter angeboten haben, auf eine Beteiligung als Kommanditist umschwenken. Das soll angeblich das Risiko für den Anleger geringer machen.

Ich werde mich zwar hüten, mein Geld bei diesen Firmen anzulegen ( Frankonia, Südwest Renta etc. ), es würde mich aber trotzdem interessieren, ob das stimmt. Noch dazu, weil diese Firmen ja auf dem grauen Kapitalmarkt tätig sind und ich da immer so ein etwas mulmiges Gefühl bei habe. In einem der Werbetexte steht zum Beispiel:

„Neben den strengen Kontrollen durch das deutsche Aktiengesetz wird das Unternehmen durch eine renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft.“

Werden die nun kontrolliert und wie weit gehen die Kontrollen und vor allem - was besagt die Kontrolle durch eine Wirtschaftsprüfergesellschaft aus ? Papier ist ja geduldig und so …

Über Tips und Hinweise würde ich mich freuen,
Gruss,
Stefan

hi,

in der tat: ein kommanditist ist „ungefährdeter“ als ein atypisch stiller.

risiko des totalen verlustes besteht allerdings bei beiden und die steuerliche behandlung des kommanditisten (als verlustmodell) ist schlechter.

näheres sollte unbedingt vor abschluß mit einem objektiven dritten (steuerberater o. rechtsanwalt) geklärt werden. wie du ja selber sagst, sind solche anlagen i.d.R. nicht zu empfehlen.

zu den publizitätspflichten: google doch mal nach „Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich“ kurz KonTraG, vielleicht findest du auch was unter Prospekthaftung und unter Pubilzitätspflichten an sich.

ich habe mal einem mandanten im ernst empfohlen, er solle doch zu hause das fenster aufmachen, das geld einfach rausschmeissen und mich vorher anrufen, das ich unten stehe und alles aufsammle. hat er mehr davon (freudige gesichter)…

er konnte zwar nicht lachen, aber der ernst der sache kam rüber.

mfg vom

showbee

Werden die nun kontrolliert und wie weit gehen die Kontrollen
und vor allem - was besagt die Kontrolle durch eine
Wirtschaftsprüfergesellschaft aus ? Papier ist ja geduldig und
so …

Hallo Stefan,

in der Tat wird zumeist nur Papier geprüft. Ob der Wert einer Immobilie realistisch angesetzt wurde, läßt sich dabei noch vergleichsweise einfach überprüfen, nötigenfalls mit dem Zollstock, aber schon dabei versagen i. d. R. die Prüfungen. Ob Maschinen und Anlagen vorhanden sind, kann man sich angucken und man kann nachzählen. Ob die Teile aber überhaupt funktionieren und mehr als Schrottwert besitzen, kann ein Wirtschaftsprüfer nicht feststellen. Wenn es nur speziell genug wird, findet man nicht einmal sachverständige Gutachter. Mit anderen Worten: Geschickt genug getürkte Unterlagen gehen glatt durch und werden von den Wirtschaftsprüfern abgesegnet.

Wirtschaftsprüfer gehören in die Kaste der Steuerberater, oft sind es Juristen. Schau Dir die Ausbildung dieser Leute an. Woher sollen die eine Vorstellung vom Tun eines Unternehmens haben? Sie können Papier beurteilen, aber nicht das, was dahinter steckt. So prüfen sie viel, wenn der Tag lang ist. Von praktischen Dingen, von Hardware und Software, haben sie keinen Schimmer. Denen kann jemand mit Betrugsabsicht eine Lagerhalle voller Zeugs zeigen und erzählen, das sei zig Millionen wert, obwohl in Wirklichkeit nur Entsorgungskosten fällig werden. Den umgekehrten Sachverhalt kann der Betrüger auf diese Weise ebenfalls abgesegnet mit dem Siegel des Wirtschaftsprüfers glaubhaft machen.

Hinweise in Firmenprospekten auf ach so strenge Gesetze und Prüfungen durch wen auch immer sind deshalb nur wertlose Holzwolle, um die Seite möglichst nichtssagend zu füllen.

Wer langfristig Geld in Industriebeteiligungen anlegen möchte, tut gut daran, nicht ausgerechnet auf die Leute zu hören, die von der Materie wirklich nur so viel verstehen, wie die Kuh vom tanzen: Banker, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Juristen, Vermögensberater, Analysten, Journalisten. Vergiß sie allesamt.
Entweder läßt man die Finger davon oder man investiert vor dem Geld viel Zeit und bedient sich eigener Sachkenntnis. Dann sieht man sich das Unternehmen, sein Umfeld, seine Produkte, seine Märkte, Produktionsstätten und Führungsmannschaft mit eigenen Augen an. Das hört sich mühsam an. Ist es auch. Aber anders gehts nicht.

Das Schlimme ist, daß die Vertreter genannter Berufsgruppen selbst ganz fest von ihrer Kompetenz in Wirtschaftssachen überzeugt sind. Dabei zeigen sie täglich in ungezählten Fällen das Gegenteil. Die breite Öffentlichkeit einschließlich der Politik hat die Inkompetenz dieser Leute noch nicht mitbekommen. Eines von vielen Beispielen ist die Seifenblase, die sich hinter „IT-Branche“ verbarg. Das war irgendwas mit Internet und Telefon …oder so ähnlich. Keiner wußte Genaues. Wer in der Informatik und Elektronik zu Hause ist, konnte sich nur an den Kopf fassen. Daß UMTS ein Geldgrab wird, war am ersten Tag erkennbar und wurde von einigen Leuten bis heute nicht begriffen. Dabei läßt sich mit dem Taschenrechner zeigen, wie unsinnig die Sache wirtschaftlich nur sein kann.

Es gibt viele solcher Beispiele. Z. B. Preussag ist so ein Fall. Da hat man nicht etwa Kernbereiche mit Know-how erhalten und den Gemischtwarenladen bereinigt, sondern sich zum Zimmervermittler in einem umkämpften Markt gemacht. Na ja, jetzt läßt sich der Laden von Juristen und BWLern führen - in die Bedeutungslosigkeit.

Investiere zukünftig nur in Anlagen, die Du selbst beurteilen kannst.

Gruß
Wolfgang

Hi Stefan,

höre immer mal wieder von einem Bekannten oder Freund, dass
jetzt verschiedene Firmen, die früher eine Firmenbeteiligung
als atypisch stiller Gesellschafter angeboten haben, auf eine
Beteiligung als Kommanditist umschwenken. Das soll angeblich
das Risiko für den Anleger geringer machen.

Sinn machen solche Beteiligungen, wenn

  1. der Anteilskäufer steuerliche Vorteile hat
  2. nach der Investitionsphase tatsächlich Gewinne erwirtschaftet werden und an die Anteilseigner ausgezahlt werden.

Ich werde mich zwar hüten, mein Geld bei diesen Firmen
anzulegen ( Frankonia, Südwest Renta etc. ), es würde mich
aber trotzdem interessieren, ob das stimmt. Noch dazu, weil
diese Firmen ja auf dem grauen Kapitalmarkt tätig sind und ich
da immer so ein etwas mulmiges Gefühl bei habe.

Wenn jemand im großen Stil Anteilseigner sucht egal ob als stiller, atypisch Stiller, Kommanditist Aktionär oder anders und das mit bunten Prospekten und vollmundigen Versprechen tut, ist meist ein Geldsammler.

„Neben den strengen Kontrollen durch das deutsche Aktiengesetz
wird das Unternehmen durch eine renommierte
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft.“

Allein der Hinweis soll „Seriosität“ vorgauckeln. Wenn man seriös ist und eine seriöse Beteiligung verkauft, dann braucht man das nicht betonen sondern zeigt seine firma und seine Bücher ungeschminkt.

Werden die nun kontrolliert und wie weit gehen die Kontrollen
und vor allem - was besagt die Kontrolle durch eine
Wirtschaftsprüfergesellschaft aus ? Papier ist ja geduldig und
so …

Kontrolleure kann man kaufen wie Claqueure. Wenn das Kind im Brunnen ist, sind sowieso alle unschuldig und ebenfalls leider reingefallen. Zudem sind die Testate immer mit Haftungsausschlüssen versehen, so daß diese soviel wert sind, als ob ein Kindergartenkind sagt: „Mein Papa hat ne tolle firma“.

Willst du dich an einer Firma beteiligen und das mit Engagement und Überzeugung in die Firmenziele such in den Kooperationsbörsen der IHK, fahr zu der Firma hin und frage und prüfe selbst.

gruss
winkel

Danke erstmal an die bisherigen Ratgeber
Hallo liebe Tipgeber,

erstmal besten Dank für die ganzen Tips von Euch, die bis auf wenige Details, genau dem entsprechen, was ich auch vermutet hatte. Firmen wie die Frankonia oder auch Südwest Renta III oder was weiß ich für Firmen fahren alle auf derselben Schiene:

Über diverse Vermittler mit Hochglanzprospekten soviel als möglich Anteilseigner zusammenkriegen und mit den ach so tollen „Steuervorteilen“ werben. Das Risiko eines Totalverlustes besteht nach wie vor, wird aber verschleiert und bei der Beratung nur dezent angeschnitten.

Wenn man versucht, diese Leute vom hohen Risiko, ob nun Kommanditist oder atypisch stiller Gesellschafter, zu überzeugen, bekomme ich mit hartnäckiger Regelmäßigkeit missionarisch heruntergebetet, dass alles geprüft ist, daß die Firma ganz toll und alles seriös ist und alle, die was Schlechtes drüber schreiben einfach keine Ahnung haben. „Die haben bereits eine Unterlassungsklage von uns am Hals …“ etc. sind die üblichen Kommentare. Auch die bestehenden Kunden sind so davon überzeugt, dass sie sich einfach nix sagen lassen. spielt da etwa die Angst mit, sich eingestehen zu müssen, daß man vielleicht aufs falsche Pferd gesetzt hat. Vor allem, wenn der Vermittler ein guter Freund oder Bekannter war, der einen „nie…“ bescheißen würde.

Ich verstehs einfach nicht, aber die menschliche Psyche wird wohl auf ewig ein Geheimniss bleiben ! :smile:

Gruss,
Stefan

wirtschaftsprüfer
Hallo Stefan,

hier wurde ja jetzt viel über wirtschaftsprüfer gesagt, und sicher ist da auch was wahres dran. aber ich versuche mal, konkreter zu werden.

also, jedes Unternehmen aber einer bestimmten Rechtsform und Größe ist dazu verpflichtet, Bücher zu führen und zum Jahresende eine Jahresabschluss aufzustellen. Der besteht aus Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und Anhang. außerdem ist ein Lagebericht zu veröffentlichen.

Im Jahresabschluss berichtet ein Unternehmen über die Vergangenheit. Im wesentlichen steht da drin, welches Vermögen das Unternehmen besitzt, welche Schulden es hat (bilanz) und wieviel Umsatz mit welchen Kosten gemacht wurde (GuV). im Anhang gibt es dazu ein paar Erläuterungen. Also eine Menge Zahlen.
Im Lagebericht versucht die Geschäftsführung/der vorstand über die Entwicklung des Unternehmens zu berichten (verbal) und beschreibt dabei auch die voraussichtliche zukünftige Entwicklung.

Die Aufstellung von Jahresabschluss und Lagebericht unterliegt natürlich gewissen Regeln. also zB, wie Vermögen zu bewerten ist und wann ein Unternehmen Umsatz macht. In Deutschland ist das im Wesentlichen das Handelsgesetzbuch oder inzwischen auch schon häufig die IAS (International Accounting Standards).

wiederum bei einer bestimmten Unternehmensgröße und Rechtsform (Kapitalgesellschaften) besteht Prüfungspflicht. Dh, Abschluss und Lagebericht müssen von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer geprüft werden. Der soll bestätigen, dass bei der Aufstellung die entsprechenden Normen beachtet wurden und dass der Abschluss der tatsächlichen Vermögens-, finanz- und Ertragslage entspricht (sog. „true and fair view“).

Normaler Weise glaube ich, dass das möglich ist. WPs haben die Expertise, viele Unternehmen zu kennen und sie sind in der Regel gut über die aktuellen Normen und Gesetze informiert. Bei großen WP-Gesellschaften arbeiten Spezialisten, die durchaus auch Branchenerfahrung haben (zb habe ich letzte Woche zusammen mit einem Bauingenieur ein Bauprojekt geprüft - der kann den Baufortschritt durchaus einschätzen). Außerdem werden bei offenen Fragen Gutachten oder Meinungen von Dritten eingeholt.

Schwierig wird es immer dann, wenn die Geschäftsführung versucht, zu betrügen. wirtschaftsprüfer sind keine Kriminalisten. niemand geht automatisch immer von Betrugsfällen auf. wenn mir jemand einen Bankauszug vorlegt, gehe ich davon aus, das echt ist. ich habe nicht die Mittel zu prüfen, ob der gefälscht ist. dh also, wenn jemand versucht, zu betrügen, und wenn das gut gemacht wird, hat ein Wirtschaftsprüfer keine chance.

oft wird auch was verwechselt: Wirtschaftsprüfer sind nicht dazu da, die Arbeit der Geschäftsführung zu beurteilen! wenn jemand Geld zum Fenster raus wirft, das aber richtig bilanziert, wird da auch ein Stempel drauf landen! (mal davon abgesehen, dass dann im Lagebericht vielleicht nicht mehr von der going-concern-Annahme auszugehen sein wird…)

Queedin

Wirtschafts’prüfer’
Hallo,

Normaler Weise glaube ich, dass das möglich ist. WPs haben die
Expertise, viele Unternehmen zu kennen und sie sind in der
Regel gut über die aktuellen Normen und Gesetze informiert.
Bei großen WP-Gesellschaften arbeiten Spezialisten, die
durchaus auch Branchenerfahrung haben (zb habe ich letzte
Woche zusammen mit einem Bauingenieur ein Bauprojekt geprüft -
der kann den Baufortschritt durchaus einschätzen). Außerdem
werden bei offenen Fragen Gutachten oder Meinungen von Dritten
eingeholt.

leider muß ich Dir sagen, daß Du völlig auf dem falschen Dampfer bist, wenn Du meinst, daß „die Wirtschaftsprüfer“ Ahnung von dem haben, was sie da tun. Wobei, Ahnung haben sie schon, aber leider in einer großen Zahl der Fälle kein oder zumindest eingeschränktes Wissen. Insbesondere dann, wenn Du so tolle Dinge wie IAS oder US-GAAP ansprichst. Untersuchungen z.B. bei den WP-Berichten am neuen Markt belegen dies in erschreckendem Ausmaß.

Des weiteren kann ich mal ganz klar sagen, daß ich jeden Tag Wirtschaftsprüferberichte auf dem Tisch habe, bei denen schon ich erkenne, daß sie in x Punkten fehlerhaft sind. Da werden gestellte Sicherheiten nicht aufgeführt, Veränderungen in der Geschäftsleitung vergessen oder es gibt schlichtweg dicke Patzer, d.h. Bilanzsumme auf der Aktiv- und Passivseite stimmen nicht überein oder Zwischensummen stimmen nicht usw…

Bei Konzernabschlüssen, die nach IAS aufgestellt sind, ist es noch schlimmer. Es kann nicht sein, daß ich als Bankmensch mehr Ahnung von diesen Dingen habe, als die Wirtschaftsprüfer. Da fehlen regelmäßig Pflichtangaben und die einfachsten Regeln bzgl. Ansatz und Bewertung werden nicht beachtet, mal davon abgesehen, daß ich mich nicht erinnern kann, mal irgendwo einen impairment test gesehen zu haben, bestenfalls noch den Hinweis, daß man darauf verzichtet habe. Wenn man mit entsprechendem Sachverstand an die Berichte herangeht, findet man sogar bei DAX-Unternehmen dicke Klopper.

Die Gründe sind klar: Extrem umfangreicher Stoff (erst recht bei IAS und noch erst rechter bei US-Gaap), hohe Fluktuation und wenig Zeit je Auftrag treffen auf ein kalkulierbares Prüfungsrisiko und die Tatsache, daß man die Hand nicht beißt, die man füttert.

Wohlgemerkt: Ich beziehe mich auf alle Wirtschaftsprüfer. Die „big five“ (bzw. „big four“) genauso wie den Feld-, Wald- und Wiesenwirtschaftsprüfer aus Radevormwald. Und das schlimme ist, das kostet richtig Geld, für das der WP nicht oder nur kaum in geringem Maße aufkommen muß.

Die Frage ist für mich nur, wie das ganze weiter gehen soll. Es ist ja nicht so, daß die Probleme den Kunden verborgen bleiben. Der Spruch „Kinder prüfen mittelständische Gesellschaften“ (KPMG) stammen von einem Kunden, der zum dritten mal in Folge von anderen Leuten (alle natürlich direkt von der Uni) geprüft wurde und die gleichen blöden Fragen beantworten mußte, wie im Vorjahr. Das ganze natürlich bei steigenden Preisen wegen umfangreicherer Prüfungspflichten. Daß dann der Bericht dann zwei mal korrigiert werden mußte und am Ende immer noch in weiten Teilen fehlerhaft war, führte seltsamerweise nicht zu einer Rückerstattung der Prüfungsgebühren. Wohl aber dazu, daß sich der Kunde inzwischen einen neuen WP besorgt hat.

Natürlich kein Einzelfall. Eine Frage ist also, warum werden die Abschlüsse der Unternehmen geprüft, wenn sich die Adressaten (i.W. Kapitalgeber) auf die Berichte nicht verlassen können. Die andere Frage ist, wie man die Situation verbessern kann. Ob ein „peer review“ was bringt, wage ich zu bezweifeln.

Gruß
Christian

Hi exc

Normaler Weise glaube ich, dass das möglich ist. WPs haben die
Expertise, viele Unternehmen zu kennen und sie sind in der
Regel gut über die aktuellen Normen und Gesetze informiert.
Bei großen WP-Gesellschaften arbeiten Spezialisten, die
durchaus auch Branchenerfahrung haben (zb habe ich letzte
Woche zusammen mit einem Bauingenieur ein Bauprojekt geprüft -
der kann den Baufortschritt durchaus einschätzen). Außerdem
werden bei offenen Fragen Gutachten oder Meinungen von Dritten
eingeholt.

leider muß ich Dir sagen, daß Du völlig auf dem falschen
Dampfer bist, wenn Du meinst, daß „die Wirtschaftsprüfer“
Ahnung von dem haben, was sie da tun.

ich bin da anderer Meinung. muss ich wohl auch. aber ich weiß, das es überall schwarze Schafe gibt und überall Fehler gemacht werden.

Des weiteren kann ich mal ganz klar sagen, daß ich jeden Tag
Wirtschaftsprüferberichte auf dem Tisch habe, bei denen schon
ich erkenne, daß sie in x Punkten fehlerhaft sind. Da werden
gestellte Sicherheiten nicht aufgeführt, Veränderungen in der
Geschäftsleitung vergessen oder es gibt schlichtweg dicke
Patzer, d.h. Bilanzsumme auf der Aktiv- und Passivseite
stimmen nicht überein oder Zwischensummen stimmen nicht usw…

das sind natürlich harte Brocken.
dabei ist es ja eigentlich das Wenigste eine Anhangscheckliste zur Hand zu nehmen und anhand dessen den Anhang zu prüfen. Dazu braucht man nicht einmal viel Fachwissen. naja, und das Summen stimmen sollten, versteht sich von selbst.

Bei Konzernabschlüssen, die nach IAS aufgestellt sind, ist es
noch schlimmer. Es kann nicht sein, daß ich als Bankmensch
mehr Ahnung von diesen Dingen habe, als die Wirtschaftsprüfer.
Da fehlen regelmäßig Pflichtangaben und die einfachsten Regeln
bzgl. Ansatz und Bewertung werden nicht beachtet, mal davon
abgesehen, daß ich mich nicht erinnern kann, mal irgendwo
einen impairment test gesehen zu haben, bestenfalls noch den
Hinweis, daß man darauf verzichtet habe.

ohja! ich liebe IAS 36. Dieser Standard ist sowas von auslegungsfähig, dass er halt im Zweifel gar nicht erst angewandt wird („An asset is impaired when the carrying amount of the asset exceeds its recoverable amount“) Da lassen sich immer gute Argumente finden, ein asset im Zweifel nicht abzuwerten. übrigens muss NICHT darüber berichet werden, dass ein impairment test durchgeführt wurde. er muss nämlich nicht immer durchgeführt werden, sondern nur unter bestimmten Voraussetzungen. hast Du IAS 36 mal gelesen?

Gründe sind klar: Extrem umfangreicher Stoff (erst recht

bei IAS und noch erst rechter bei US-Gaap), hohe Fluktuation
und wenig Zeit je Auftrag treffen auf ein kalkulierbares
Prüfungsrisiko und die Tatsache, daß man die Hand nicht beißt,
die man füttert.

das Problem ist doch, dass die Budgets immer knapper werden. Man kann halt ein Unternehmen nicht in ein paar Tagen mit hinreichender Sicherheit prüfen. und der Markt ist inzwischen sehr hart. da gibt es Wirtschaftsprüfer, die mit Dumpingpreisen locken und so die Budgets immer mehr kürzen. ich habe das Gefühl, dass die verfügbare Zeit immer kürzer wird, um ein Unternehmens zu prüfen. das kanns ja nun auch nicht sein. dann braucht man sich nun wirklich nicht zu wundern.

Die Frage ist für mich nur, wie das ganze weiter gehen soll.
Es ist ja nicht so, daß die Probleme den Kunden verborgen
bleiben. Der Spruch „Kinder prüfen mittelständische
Gesellschaften“ (KPMG) stammen von einem Kunden, der zum
dritten mal in Folge von anderen Leuten (alle natürlich direkt
von der Uni) geprüft wurde und die gleichen blöden Fragen
beantworten mußte, wie im Vorjahr.

(komisch, kommt mir bekannt vor - meine Bankberaterin fragt mich auch immer das selbe…)
da sehe ich auch ein Problem. schau dich doch bei den großen Gesellschaften mal um. da gibt es kaum Prüfer (von den Partnern mal abgesehen), die älter als 35 sind. mit 5 Jahren Berufserfahrung bist Du dann schon fast ein alter Hase. und wenn Du Pech hast, wirst Du abgesägt, weil Du zu teuer wirst.
Und mit diesen Aussichten soll man dann 60 Stunden die Woche arbeiten, über Jahre hinweg, oft unterwegs. zu einem Gehalt, dass unterdurchschnittlich ist. da muss sich tatsächlich was ändern.

Natürlich kein Einzelfall. Eine Frage ist also, warum werden
die Abschlüsse der Unternehmen geprüft, wenn sich die
Adressaten (i.W. Kapitalgeber) auf die Berichte nicht
verlassen können. Die andere Frage ist, wie man die Situation
verbessern kann. Ob ein „peer review“ was bringt, wage ich zu
bezweifeln.

ich denke, dass die Sanktionen auf beiden Seiten erhöht werden müssen. es kann nicht sein, dass man als Prüfer zum Unternehmen kommt und die nicht einmal wissen, was ein Rückstellungsspiegel ist, oder die Bilanz nicht aufgeht. aber genau da sollten auch Prüfer ansetzen. meiner Meinung nach sollten Testate viel öfter eingeschränkt oder versagt werden. das passiert natürlich momentan nicht, weil sich dann wohl ein anderer WP findet, der das dann macht. soviel zum Thema Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer!

Ein weiteres Problem ist meiner Meinung nach die Formalisierung, die IDW oder SEC oder wer auch immer auferlegen. da gibt es immer mehr Checklisten und Berichte und blablabla, die auszufüllen sind. nur das PRüfen kommt meiner Meinung nach oft zu kurz.

trotzdem- und das Problem wird bleiben, wenn eine Geschäftsführung beträgen will, dann wird die das auch tun. und das herauszufinden, erfordert ein bißchen mehr als Kenntnisse der jeweiligen Standards.

Grüße
Queedin - die jetzt weiter prüft :wink:

Hi,

leider muß ich Dir sagen, daß Du völlig auf dem falschen
Dampfer bist, wenn Du meinst, daß „die Wirtschaftsprüfer“
Ahnung von dem haben, was sie da tun.

ich bin da anderer Meinung. muss ich wohl auch.

nicht zwangsläufig. Ich bin ohne weiteres bereit zu unterschreiben, daß 90 % der Bankmenschen Ganoven und/oder Idioten sind. :wink:

aber ich weiß,
das es überall schwarze Schafe gibt und überall Fehler gemacht
werden.

(Nicht nur) Meiner Meinung nach, sind die schwarzen bei den Wirtschaftsprüfer ganz klar in der Überzahl. Ich habe gerade mit einem Kollegen über die Thematik gesprochen (macht den Job seit rd. 20 Jahren). Er ist der festen Überzeugung, daß er in den ganzen Jahren nicht einen Bericht gesehen hat, der fehlerfrei gewesen ist. Außerdem meint er, daß in praktisch allen Berichten mindestens ein größerer Fehler enthalten ist.

ohja! ich liebe IAS 36. Dieser Standard ist sowas von
auslegungsfähig, dass er halt im Zweifel gar nicht erst
angewandt wird („An asset is impaired when the carrying amount
of the asset exceeds its recoverable amount“) Da lassen sich
immer gute Argumente finden, ein asset im Zweifel nicht
abzuwerten.

Naja, „gute Argumente“ ist natürlich relativ. Welche Argumente bei Mobilcom geholfen haben, die UMTS-Lizenzen (ist zwar nicht IAS 36, sondern 38, aber das Beispiel fiel mir grad ein) nicht geringer bewertet wurden (tatsächlich wurden sie sogar aufgrund der miteinbezogenen Fremdkapitalkosten immer noch höher bewertet), ist mir bekannt. Viele dieser Argumente passen aber nicht besonders gut zu den Worten „true and fari view“.

übrigens muss NICHT darüber berichet werden, dass
ein impairment test durchgeführt wurde. er muss nämlich nicht
immer durchgeführt werden, sondern nur unter bestimmten
Voraussetzungen.

Deswegen muß nicht darüber berichtet werden, daß ein impairment test durchgeführt wurde? Da muß ich aber noch mal nachschlagen.

Die Voraussetzungen, unter denen eine Wertbestimmung durchgeführt werden muß, sind mir (wahrscheinlich nicht alle) bekannt.

hast Du IAS 36 mal gelesen?

Ist mir ein bißchen viel Lektüre. Wieviele Seiten hat der Standard? 40?

Was den Rest angeht: Ich bin ja durchaus Deiner Meinung und erkenne ja auch die Hintergründe. Das Problem ist aber, daß an dem Bericht und dem Testat richtig was dranhängt. Die letzte Pleite bei uns ist ausschließlich darauf zurückzuführen, daß der WP - aus welchen Gründen auch immer - gewaltige Fehler gemacht hat. Sogar die Tölpel aus unserer Sicherheitenabteilung haben bei einer Kurzprüfung gemerkt, daß da was faul war (wenn sie auch nicht gemerkt haben, was faul war). Nur ein einziges mal einen Schritt ins Lager zu machen und ein paar Positionen auszuhaken, hätte gereicht. Aber bestätigt hat er dann doch, daß er an der Inventur teilgenommen hat. Er hat auch bestätigt, daß der Rücklauf der Saldenbestätigungen unter seiner Kontrolle war. Wie das dann sein kann, daß die alle vom Kunden gefälscht waren, ist bis heute eher unklar. Usw. usw.

Schaden für uns: Rd. 2 Mio. Schaden insgesamt: Rd. 50 Mio.

Anderes Beispiel: Muttergesellschaft M nimmt Kredit auf, Tochtergesellschaft T haftet dafür (§§30, 31 GmbHG sind hier kein Problem). M ist so gut wie pleite. Was steht im WP-Breicht für die Tochter? Richtig: Nichts. Problemlos hätten die Gesellschafter über die T neue Liquidität einsammeln können, die dann an die M abgeführt worden wäre.

Und das schlimme ist: Es sind eben keine Einzelfälle. Die Namen der großen Skandale sind bekannt, kleinere sind massig vorhanden, wenn auch nicht mit vergleichbarem Medieninteresse und natürlich mit einer anderen Schadenshöhe je Fall.

Das Problem ist: Dem Mittelstand geht die Luft aus, weil die Kreditgeber sich auch aus diesem Grund zurückziehen.

Finale Lösungsvorschläge habe ich aber derzeit nicht parat.

Gruß
Christian