Hi exc
Normaler Weise glaube ich, dass das möglich ist. WPs haben die
Expertise, viele Unternehmen zu kennen und sie sind in der
Regel gut über die aktuellen Normen und Gesetze informiert.
Bei großen WP-Gesellschaften arbeiten Spezialisten, die
durchaus auch Branchenerfahrung haben (zb habe ich letzte
Woche zusammen mit einem Bauingenieur ein Bauprojekt geprüft -
der kann den Baufortschritt durchaus einschätzen). Außerdem
werden bei offenen Fragen Gutachten oder Meinungen von Dritten
eingeholt.
leider muß ich Dir sagen, daß Du völlig auf dem falschen
Dampfer bist, wenn Du meinst, daß „die Wirtschaftsprüfer“
Ahnung von dem haben, was sie da tun.
ich bin da anderer Meinung. muss ich wohl auch. aber ich weiß, das es überall schwarze Schafe gibt und überall Fehler gemacht werden.
Des weiteren kann ich mal ganz klar sagen, daß ich jeden Tag
Wirtschaftsprüferberichte auf dem Tisch habe, bei denen schon
ich erkenne, daß sie in x Punkten fehlerhaft sind. Da werden
gestellte Sicherheiten nicht aufgeführt, Veränderungen in der
Geschäftsleitung vergessen oder es gibt schlichtweg dicke
Patzer, d.h. Bilanzsumme auf der Aktiv- und Passivseite
stimmen nicht überein oder Zwischensummen stimmen nicht usw…
das sind natürlich harte Brocken.
dabei ist es ja eigentlich das Wenigste eine Anhangscheckliste zur Hand zu nehmen und anhand dessen den Anhang zu prüfen. Dazu braucht man nicht einmal viel Fachwissen. naja, und das Summen stimmen sollten, versteht sich von selbst.
Bei Konzernabschlüssen, die nach IAS aufgestellt sind, ist es
noch schlimmer. Es kann nicht sein, daß ich als Bankmensch
mehr Ahnung von diesen Dingen habe, als die Wirtschaftsprüfer.
Da fehlen regelmäßig Pflichtangaben und die einfachsten Regeln
bzgl. Ansatz und Bewertung werden nicht beachtet, mal davon
abgesehen, daß ich mich nicht erinnern kann, mal irgendwo
einen impairment test gesehen zu haben, bestenfalls noch den
Hinweis, daß man darauf verzichtet habe.
ohja! ich liebe IAS 36. Dieser Standard ist sowas von auslegungsfähig, dass er halt im Zweifel gar nicht erst angewandt wird („An asset is impaired when the carrying amount of the asset exceeds its recoverable amount“) Da lassen sich immer gute Argumente finden, ein asset im Zweifel nicht abzuwerten. übrigens muss NICHT darüber berichet werden, dass ein impairment test durchgeführt wurde. er muss nämlich nicht immer durchgeführt werden, sondern nur unter bestimmten Voraussetzungen. hast Du IAS 36 mal gelesen?
Gründe sind klar: Extrem umfangreicher Stoff (erst recht
bei IAS und noch erst rechter bei US-Gaap), hohe Fluktuation
und wenig Zeit je Auftrag treffen auf ein kalkulierbares
Prüfungsrisiko und die Tatsache, daß man die Hand nicht beißt,
die man füttert.
das Problem ist doch, dass die Budgets immer knapper werden. Man kann halt ein Unternehmen nicht in ein paar Tagen mit hinreichender Sicherheit prüfen. und der Markt ist inzwischen sehr hart. da gibt es Wirtschaftsprüfer, die mit Dumpingpreisen locken und so die Budgets immer mehr kürzen. ich habe das Gefühl, dass die verfügbare Zeit immer kürzer wird, um ein Unternehmens zu prüfen. das kanns ja nun auch nicht sein. dann braucht man sich nun wirklich nicht zu wundern.
Die Frage ist für mich nur, wie das ganze weiter gehen soll.
Es ist ja nicht so, daß die Probleme den Kunden verborgen
bleiben. Der Spruch „Kinder prüfen mittelständische
Gesellschaften“ (KPMG) stammen von einem Kunden, der zum
dritten mal in Folge von anderen Leuten (alle natürlich direkt
von der Uni) geprüft wurde und die gleichen blöden Fragen
beantworten mußte, wie im Vorjahr.
(komisch, kommt mir bekannt vor - meine Bankberaterin fragt mich auch immer das selbe…)
da sehe ich auch ein Problem. schau dich doch bei den großen Gesellschaften mal um. da gibt es kaum Prüfer (von den Partnern mal abgesehen), die älter als 35 sind. mit 5 Jahren Berufserfahrung bist Du dann schon fast ein alter Hase. und wenn Du Pech hast, wirst Du abgesägt, weil Du zu teuer wirst.
Und mit diesen Aussichten soll man dann 60 Stunden die Woche arbeiten, über Jahre hinweg, oft unterwegs. zu einem Gehalt, dass unterdurchschnittlich ist. da muss sich tatsächlich was ändern.
Natürlich kein Einzelfall. Eine Frage ist also, warum werden
die Abschlüsse der Unternehmen geprüft, wenn sich die
Adressaten (i.W. Kapitalgeber) auf die Berichte nicht
verlassen können. Die andere Frage ist, wie man die Situation
verbessern kann. Ob ein „peer review“ was bringt, wage ich zu
bezweifeln.
ich denke, dass die Sanktionen auf beiden Seiten erhöht werden müssen. es kann nicht sein, dass man als Prüfer zum Unternehmen kommt und die nicht einmal wissen, was ein Rückstellungsspiegel ist, oder die Bilanz nicht aufgeht. aber genau da sollten auch Prüfer ansetzen. meiner Meinung nach sollten Testate viel öfter eingeschränkt oder versagt werden. das passiert natürlich momentan nicht, weil sich dann wohl ein anderer WP findet, der das dann macht. soviel zum Thema Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer!
Ein weiteres Problem ist meiner Meinung nach die Formalisierung, die IDW oder SEC oder wer auch immer auferlegen. da gibt es immer mehr Checklisten und Berichte und blablabla, die auszufüllen sind. nur das PRüfen kommt meiner Meinung nach oft zu kurz.
trotzdem- und das Problem wird bleiben, wenn eine Geschäftsführung beträgen will, dann wird die das auch tun. und das herauszufinden, erfordert ein bißchen mehr als Kenntnisse der jeweiligen Standards.
Grüße
Queedin - die jetzt weiter prüft 