Hallo Sebastian!
Schön, dass dich manipulieren konnte, mir zu antworten *lol*
ich glaube, dass alles, was ich tue, nur mir dient. Klingt
fruchtbar, ich weiß.
Mmmmh, naja, da stimme ich Dir schon zu. Nur denke ich, daß
die Motivation nicht die Lebenserhaltung ist, sondern gücklich
zu sein. Das ist nicht das gleiche.
Von Lebenserhaltung hatte ich nicht geschrieben, sondern von Selbsterhaltung und die gibt es auf verschiedenen Ebenen. Du kennst bestimmt die Maslow’sche Bedürfnispyramide, da geht es nicht nur um Essen, Trinken, Schlafen, sondern auch um geistige, spirituelle und intellektuelle Bedürfnisse. Wenn ich von Selbsterhaltung spreche, dann nicht im Sinne von physischem Überleben, sondern als Ganzes positiv zu existieren und auch evtl. nach meinem Tod als gute Erinnerung weiterzuexistieren. Ein Sterbender wird nicht plötzlich anfangen, Dinge zu tun, die ihm nicht nützen. Wenn er z.B. seine Angehörigen nach Herzenslust beschimpft, was er vorher nie getan hat, dann hilft ihm das, endlich den aufgestauten Druck loszuwerden und er wird den Teufel tun, sich das in seinen letzten Stunden noch zu verkneifen. Ein anderer wird sich mit seinen Angehörigen, mit denen er lange im Streit lag, wieder versöhnen wollen, um später bei ihnen in guter Erinnerung zu sein. Egal was er tut, es dient nur seinen Bedürfnissen und nicht denen der Angehörigen.
Sollte er doch glücklich sein zum Zeitpunkt des Todes, dann
hat er auch keinen Handlungsbedarf mehr, es sei denn er möchte
anderen was Gutes tun.
Und warum will er ihnen was Gutes tun? Damit sie ihn in guter Erinnerung halten.
Wenn ich etwas tue, weil es für mich gut ist, heißt das ja nicht, dass es anderen schaden soll. Natürlich tue ich viel für andere Leute, aber ich tue es, weil ich das so will und nicht, weil sie sich das so wünschen.
Als meine Tochter noch sehr klein war (3 Jahre) hatte ich ursprünglich vor, mit ihr noch nichts zum Karneval zu unternehmen. Einen Tag vor dem Kinderkarnevalszug fiel mir ein, dass ich vielleicht doch etwas mit ihr unternehmen sollte und dass sie sicher schon Spaß daran haben würde. Also setzte ich mich hin und nähte die ganze Nacht hindurch an einem Clownskostüm, das über einen Skianzug passen musse. Ich hatte keine Ahnung vom Nähen und außerdem keine Nähmaschine, aber ich habs geschafft, es sah wirklich niedlich aus. Rate mal, für wen ich das gemacht habe? Nur für mich!!! Meine Tochter hatte überhaupt keine Veranlassung, mir dankbar zu sein, denn sie konnte es ja gar nicht beurteilen, welche Arbeit ich da reingesteckt hatte und was sie verpasst hätte, wenn ich keine Lust dazu gehabt und ihr kein Kostüm genäht hätte.
Es kam, wie es kommen musste: Meine Tochter war schon knatschig, als sie am nächsten Morgen aufstand, wollte dann mittags weder den Skianzug noch das Clownskostüm anziehen und heulte auch noch beim Karnevalszug unzufrieden vor sich hin. Wäre ich jetzt davon ausgegagen, dass ich mir die letzte Nacht nur für sie um die Ohren geschlagen hätte, hätte ich natürlich sagen müssen: „Dieses Blag ist einfach undankbar!!!“ Aber ich wusste sehr genau, für wen ich das Kostüm genäht hatte, einzig und allein für mich, damit ich das Gefühl haben konnte, etwas Tolles für mein Kind getan zu haben. Also habe ich ihre schlechte Laune unter Pech abgehakt, bin mit ihr, nachdem wir 10 Minuten Kinderkarnevalszug geguckt hatten, nach Hause gefahren und habe einen ganz gewöhnlichen,langweiligen Tag mit ihr verbracht. Kann vorkommen, ist aber kein Drama, wenn sich mal das „Objekt meiner Begierde“ meinen Manipulationsversuchen entzieht.
Puh, jetzt habe ich mich fast um meine eigene Begründung geschrieben. Natürlich kann es also sein, dass Kommunikation nicht zur Manipulation wird, weil sich der andere meinen Wünschen entzieht. Aber damit muss man leben können, weil es nur fair ist, niemanden mit Gewalt manipulieren zu wollen. Aber das Ziel von Kommunikation ist trotzdem immer Manipulation, egal, wie gut es dem anderen tut *grins*
So, das wars für heute. Bin nach einem überaus sonnigen, langen Wochenende etwas erholungsbedüftig.
Schöne Grüße
Sylvia