Bin mir zwar nicht ganz sicher, ob ich mit dieser Frage hier genau richtig bin, aber eine historische Komponente hat sie auf jeden Fall- hab mich schon öfters gefragt seit wann es möglich war z.B: ein Telegramm aus Europa in die uSa zu schicken. Vermute mal, dass das vor 100 Jahren schon möglich war. Wurden die Leitunge unter dem Meer verlegt? Auf wessen Bestrebung?
cu Christian
Hallo !
Hier der Zustand und das Wissen um 1906.
Kabel (hierzu Tafel »Kabellegung I u. II«), mit Isolierstoff und Bewehrung umgebene Leiter der Elektrizität, die unterirdisch oder unter Wasser (vereinzelt als Luftkabel oder wetterbeständige K. auch oberirdisch) geführt werden sollen. Sömmering in München benutzte schon 1809 mit Schellack überzogene Drähte unter Wasser, Jacobi in Petersburg 1842 umsponnenen und gewachsten Draht in unterirdisch verlegten gläsernen Röhren. Diese und weitere Versuche in Amerika und England, den Draht durch Umspinnen mit Baumwolle und durch Firnissen zu isolieren und die Isolation durch Einschließen in Bleiröhren zu sichern, blieben erfolglos; eine ähnliche Art der Isolation ist erst neuerdings durch Einführung der Luftraumisolation (s. Fernsprecher, S. 445) gelungen. Seit 1846 wurde die 1843 in Europa bekannt gewordene Guttapercha auf Vorschlag von Werner Siemens, der auch die Maschine zum Umpressen des Drahtes mit Guttapercha angab, als geeignetstes Isolationsmittel benutzt. Das erste preußische Guttaperchakabel (1847) Berlin-Großbeeren wurde zwar bald unbrauchbar, da der der Guttapercha zugesetzte Schwefel durch Bildung von Schwefelkupfer die Isolationsfähigkeit aufhob; auch das erste, 1850 von Jakob Brett versenkte Guttaperchakabel Dover-Calais war nicht betriebsfähig; das zweite K. auf derselben Strecke wurde jedoch vorbildlich für alle weitern K.: es hatte vier Adern, jede Ader einen mit Guttapercha isolierten Kupferdraht, die Adern waren umeinander gedrillt, die Zwischenräume mit Hanffäden ausgefüllt und das Ganze mit zehn Eisendrähten in langen Windungen als Bewehrung umsponnen. In Deutschland haben die Erdkabel (s. Elektrische Leitung, S. 633, Fig. 11) ausgedehnte Verwendung gefunden. Von 1877-81 wurde für 30 Mill. Mk. ein großes unterirdisches Telegraphennetz hergestellt, das sich seit 1889, bez. 1890 auch auf Württemberg, bez. Bayern erstreckt und 90 Städte durch 5960 km meist siebenäderiges Erdkabel mit 40,329 km Kupferleitung verbindet. Frankreich besitzt ein ähnliches Netz, in England ist ein solches (1905) im Bau begriffen. Die K. haben als unterseeische Telegraphenkabel im Weltverkehr nicht nur für den Austausch von Handels-, Zeitungs- und persönlichen Telegrammen eine hohe Bedeutung erlangt, sondern sind in ihrer Eigenschaft als Mittel zur Landesverteidigung und zur Erteilung von Befehlen an die Flotte, namentlich im Kriegsfall, auch Gegenstand der Staatspolitik geworden. Das unterseeische Kabelnetz (s. die »Karte des Welttelegraphennetzes« beim Art. »Telegraph«) ist im wesentlichen das Werk Englands, das durch seine Handelsbeziehungen und insulare Lage schon frühzeitig dazu gedrängt wurde, die Teile seines großen Kolonialreichs durch K. zu verbinden, während andre Staaten erst im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrh. die Wichtigkeit unmittelbarer eigner Unterseekabel erkannten. Man unterscheidet Staats- und Privatkabel. Das bedeutendste Staatskabel der Neuzeit ist das 1902 im Stillen Ozean von der großbritannischen Regierung in Gemeinschaft mit Kanada und dem australischen Staatenbunde gelegte K.: Bamfield Creek (Vancouver)-Insel Fanning-Suva (Fidschi)- Insel Norfolk mit Abzweigungen nach Southport (Queensland) und nach Doubtleß Bay (Neu-Seeland, Gesamtlänge 14,516 km), das von einer besondern Behörde, dem Pacific Cable Board, verwaltet wird. Die längste, nicht durch Stationen unterbrochene Kabelstrecke befindet sich zwischen Vancouver u. Fanning (6404 km). Fast gleichzeitig (1902/03) hat die amerikanische Commercial Pacific Cable Company ein Privatkabel (14,519 km): San Francisco-Honolulu-Insel Midway-Insel Guam (Marianen)-Manila hergestellt, dessen längste ununterbrochene Strecke zwischen Midway und Guam (4826 km) liegt.
Meyers lexikon
Gruß Max
Hallo Christian,
zunächst einmal ein kleiner Ausflug in die Geschichte…
„Telegraphen-Apparaturen“ gab es schon vor dem berühmten „MORSE-Telegrafen“…zu nennen sind hier die Herren Fardely,Kramer
Siemens&Halske,Stöhrer und Leonhardt.
Diese hatten bereits Telegrafen für die Eisenbahn-Verwaltungen in D,GB und Ö gebaut.Nachteilig bei allen war jedoch,das die übermittelten
Zeichen nicht festgehalten wurden.
Erst Samuel Morse schuf eine ebendso einfache wie geniale Methode,die gesendeten Zeichen auf einem Papierstreifen zu dokumentieren und zwar sowohl auf der Sender-wie auch Empfänger-Seite.
Erst damit trat der „Telegraf“ seinen Siegeszug um die Welt an.
Da die Eisenbahnen in der Mitte des 19.Jahrhunderts ihren Zugverkehr
nur nach dem sogenannten „Zugmeldeverfahren“ abwickelten,waren diese
natürlich auch „Feuer und Flamme“ für den Morse-Telegraf.
Denn dieses „Morse-Verfahren“ erlaubte es erstmal,diese „Zugmeldungen“
zu dokumentieren und mehr Sicherheit zu schaffen.
Anfang 1863 hatten alle deutschen Eisenbahnverwaltungen den Morse-Apparat im Einsatz.
Von daher ist es auch bis zum Ende der 1970er Jahre noch möglich gewesen,private Telegramme bei der Eisenbahn zu versenden…
Denn die „Gelbe Post“ hatte diesen Dienst im 19.Jahrhundert noch gar nicht…
1858 wurde das erste Transatlantik-Kabel verlegt zwischen Europa und den USA,das jedoch nicht lange funktionsfähig blieb…
Grund waren die zu der damaligen Zeit noch unvollkommenen
Möglichkeiten,Verstärker in die Unterwasser-Leitung zu bauen…
1874 versucht Siemens mit dem Kabel Irland-USA sein Glück…
und so ging es fort…
Im Prinzip waren alle Versuche des 19.Jahrhunderts nur von kurzer Dauer,da das Hauptproblem der Signalaufarbeitung nicht gelöst werden konnte…von anderen Problemen mal ganz abgesehen…
Das Funktelegrafie-Verfahren des Guglielmo Marconi brachte dann im Jahre 1901 den entscheidenden Durchbruch…
Die Masse der Telegramme wurde daraufhin auf dem Funkwege übertragen…
Erst im Jahre 1940 war es dann soweit,das Seekabel mit eingebauten Verstärkern gelegt werden konnten,die dann auch längerfristig zufriedenstellend funktionierten…
Heutzutage ist es so,das Bündel von Glasfaserkabeln Europa mit den USA
verbinden und auf ihnen Gigabyte-Transferraten möglich sind…
mfg
Frank
danke für eure Antworten! nt
++