Kommunikationstraining

Liebe/-r Experte/-in,

welche Tricks und Kniffe gibt es denn, um Menschen, die zum Monologisieren neigen, höflich aber bestimmt, und möglichst dauerhaft, davon abzubringen?
Findet sich diesbezüglich etwas in der Literatur?

Danke
Anton

hm…
*ein offenes Gespräch unter vier Augen?
*nach den Regeln der gewaltfreien Kommunikation vorgehen:
ich nehme war…
ich empfinde dabei…
ich habe das Bedürfnis…
ich bitte dich /Sie…
* Redezeiten festlegen
* überlegen, wozu der andere das so macht (was hat er davon? was ist sein Interesse? wovor schützt er sich dadurch vielleicht?)
* evtl. unterbrechen und sagen „ich möchte gern mal sagen, was ich jetzt verstanden habe " und dann den langen Monolog in drei Sätzen präzise zusammenfassen?
* oder mal das Gegenenteil ausprobieren…und wenn er aufhört im Ernst fragen: „und was willst du uns noch sagen?“ " und was noch…?“

so ein paar Überlegungen…
Kommt halt auch auf den Kontext an (beruflich, privat, Rollen der Gesprächsteilnehmer…)
Grüße
Regina

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Hallo Anton,

welche Tricks und Kniffe gibt es denn, um Menschen, die zum Monologisieren neigen, höflich aber bestimmt, und möglichst dauerhaft, davon abzubringen?

Wie in anderen zwischenmenschlichen Interaktionen gilt auch in der Rhetorik - bzw genauer: im dialogischen Verhalten - daß jemand eine Unart nur entwickelt, wenn er lange genug nicht daran gehindert wird. Anders gesagt: Wenn ihm kein Widerstand geboten wird.

Man muß also den Monologisierenden _unterbrechen_, und nicht nur, wenn und weil es unerträglich ist. Sondern deshalb, weil man dann, wenn man es nicht tut, aber anderserseits ein Interesse daran hat, selbst einen Gesprächsbeitrag zu leisten, sich _selbst_ der rhetorischen Grenzüberschreitung des anderen unterwirft.

Wie genau, mit welchen Worten, mit welchen Texten man das dann tut, läßt sich nicht verallgemeinert sagen. Es hängt entscheidend von der Art der persönlichen Beziehung ab. Ob es ein Lebenspartner ist, eine befreundete Person, ein Kollege, ein Vorgesetzter, ein Angestellter, ein Fremder …

Ein Text vom Typ: „So. An dieser Stelle will/werde ich Sie/dich jetzt mal unterbrechen …“ oder respektierlicher: „Darf ich Sie an dieser Stelle unterbrechen? Ich habe … einen Einwand, und den will ich jetzt einmal ausführen …“ wird seine Wirkúng nicht verfehlen.

Oft wird man hören soetwas wie „Ach ja. Ich weiß. Ich rede mal wieder zu viel“. Das sind dann deutliche Signale einer unkontrollierten Logorrhoe. Solchen Personen nützt dann auch in der Regel ein Rhetorikseminar nichts. Das ist eine andere Art von Problem.

Auch ein mit humorvollem Augenzwinkern eingewendetes: „Ich unterbreche dich/Sie ja ungern. Aber hierzu … möchte ich etwas sagen“ ist ein Weg. Wenn Sie noch etwas draufsetzen wollen: „Ist das ok für dich/Sie?“. Das hat seih sehr oft sogar eine längerfristige Wirkung. Es ist ein dialogischer Stirnschuß, aber er bleibt ja äußerst deutlich auf der Respektsebene, die der andere ja nicht mehr hat(te).

Eine oft überraschende Wirkung hat die paradoxe Intervention, die der andere naturgemäß nicht oft erleben wird, die den Redefluß - scheinbar - sogar noch unterstützt: Den Gesprächspartner auf einen bestimmten Punkt einer längst vergangenen Äußerung zurückzuholen: „Sie haben vorhin dies … gesagt. Da möchte ich jetzt doch mal genauer nachfragen …“. Man wird da so manche erstaunliche Reaktion des Monologprofis erfahren.

Das Grundprinzip ist hier: Selbst einem solchen Gesprächspartner, der ja meist enorm auch langweilt, wenigstens eine kurze Zeit mal „genauer zuhören als er spricht“.

Zumindest im aktuellen Dialog kann man damit bremsen und sich selbst Freiraum verschaffen. Solche Personen grundsätzlich und auf Dauer auf ein kommunikables und respektierendes Niveau herunterzuholen - dafür wäre dann schon eine darauf spezialisierte Rhetorikschulung zu empfehlen.

Ich hoffe, Ihnen damit fürs Erste ein wenig geholfen zu haben.

Freundliche Grüße
Metapher

Hallo Anton,

danke für Deine Frage. Monologisieren - schwierig!
Meiner Erfahrung nach gibt es viele Gründe für solche „Schwafelattacken“. Mein bester Tipp besteht daher darin: Finde heraus was der Grund für das Monologisieren ist.

Es könnte ja sein, dass Dein Gegenüber Stille und peinliches Schweigen als unangenehm empfindet und daher so viel erzählt. In diesem Fall wird sich das Problem über die Zeit möglicherweise verringern oder Du kannst andere Maßnahmen wählen, damit sich Dein Gesprächspartner wohler fühlt.

Oder Dein Gesprächspartner hat den Eindruck Dir Kompetenz beweisen zu wollen. Häufig sind es eigentlich unsichere Menschen, die so etwas tun. Aus meiner Erfahrung hilft hier ein ehrlich gemeintes Lob Wunder. Es muss aber deutlich, authentisch, glaubwürdig und zum richtigen Zeitpunkt kommen. Daher wohlüberlegt.

Sicher gibt es noch viele mögliche Ursachen. Wenn Du näher darüber nachdenkst werden Dir vielleicht auch für Deinen konkreten Fall Ursachen einfallen?

viel Erfolg dabei!
joost

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Danke! Diese Antwort ist hilfreich.

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