Komödie oder Tragödie?

Welche Form des Dramas hat literaturwissenschaftlich gesehen bessere Überlebenschancen - Komödie oder Tragödie?

Welche Form des Dramas hat literaturwissenschaftlich gesehen
bessere Überlebenschancen - Komödie oder Tragödie?

Guten Abend!
Die Literaturwissenschaft befasst sich gern mit vorhandenen Texten, weniger gern mit Prophezeiungen über zukünftige. Woher soll jemand wissen können, wie gut oder schlecht die Tragödien und Komödien, die zukünftig geschrieben werden, sein werden? Denn die guten kommen an.
Jemand, der behauptet, unsere Zeit sei keine für Tragödien bzw. Komödien, ist wahrscheinlich Lektor eines Theaterverlags und braucht ein Argument, um die Ablehnung eines Manuskripts plausibel zu machen.
Schönen Gruß!
Hannes

Hallo!

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht, aber wenn ich mir Otto Walkes, der ja Komödiant ist (ist er doch, oder?), wenn ich mir den als das genaue Gegenteil vorstelle, als Tragödiant (oder wie nennt sich das?), ob er dann genau so viel Erfolg hätte?

Die Frage ist übrigens ernst gemeint.

Grüße

Andreas

Kogödie oder Tramödie?

Welche Form des Dramas hat literaturwissenschaftlich gesehen
bessere Überlebenschancen - Komödie oder Tragödie?

Hallo –
als literaturwissenschaftlich gearbeitet habendem Kulturwissenschaftler drängt sich mir zunächst die – womöglich etwas ketzerische – Rückfrage auf, wie und wo sich denn dieses Überleben abspielen soll? Bekanntlich haben die Lesewelten der Literaturwissenschaftler mit der Leserealität aller anderen Menschen nicht so sehr viel zu tun (und wollen das ganz explizit meistens auch gar nicht). Die Literaturwissenschaft ist – das ist nicht nur meine Erfahrung - für Fragen der tatsächlichen zeitgenössischen Rezeption von Literatur entsprechend ein ganz schlechter Ansprechpartner. (Ob das bei den Theaterwissenschaften ähnlich ist, vermag ich allerdings nicht zu sagen.)

Es gibt sehr viele Texte – auch Dramen –, die außerhalb der Literaturwissenschaft im Grunde längst ausgestorben sind und andere, die trotz üppigen Blühens und Gedeihens dort praktisch nicht zur Kenntnis genommen werden.

Sofern Du mit Überleben also das Gelesen- und Diskutiert- und natürlich Gespieltwerden eines Dramas meinst, stellst Du im Grunde zwei Fragen, die ich mal so kommentieren möchte:

Ob die Begriffe Komödie und Tragödie INNERHALB der Literaturwissenschaft als Denkmodelle auch künftig gute Überlebenschancen haben werden, möchte ich wohl annehmen, denn sie sind griffig, gut etabliert, flexibel und ein guter, wenngleich recht undifferenzierter Ausgangspunkt für akademische Interpretationsmodelle.

Welche Dramenform AUSSERHALB die besseren Chancen hat, kann man wohl nur unter Zurücklassung der eben dieses Thema ausklammernden Literaturwissenschaft diskutieren.

Um Dir aber eine womöglich hilfreiche oder zumindest anregende These anzubieten, sage ich mal Folgendes:

M.E. gibt es kaum noch REINE Komödien oder REINE Tragödien. Es ist die Unterordnung des literarischen Schöpfers in die Vorgaben nur einer einzigen dieser Untergattungen, die im Aussterben begriffen ist, nicht die komischen oder tragischen Tendenzen der Gattung des Dramas selbst. Immerhin gilt es ja schon seit Langem als kreative Kür, solche Parameter auch zu überwinden, zu brechen und dadurch u.U. neu zu definieren. Selbst bei Shakespeare hat (soweit ich das überblicke) so ziemlich jede Tragödie komische Elemente und jede Komödie tragische Elemente – die Alternative wäre entweder höchst artifiziell oder völliger Klamauk. Ich würde daher sogar noch weiter gehen und behaupten, dass das auch eine Frage des literarischen Niveaus eines Werkes sein mag: nur die kreative Reibung der beiden Gegensatztendenzen des Dramas macht ein Drama erst gut – und, wenn Du so willst, überlebensfähig.

Dies, wie gesagt, nur mal als Diskussionsthese. Was meinen andere?

Liebe Grüße

Pengoblin