Hallo Sprachexperten,
ich würde gerne wissen, was richtig ist; hier der Satz:
„Es wird in diesem Zusammenhang zunächst darauf verwiesen, dass diese Roboter eben keinerlei komplexen Zusammenhänge begreifen.“
Ich empfinde das Wort KOMPLEXEN hier als falsch; meiner Meinung nach müsste KOMPLEXE stehen. Aber ich bin mir da nicht sicher. Wer weiß Bescheid und kann auch sicher begründen, welche Variante richtig ist? Besten Dank im voraus!
Gruß
Hermann
Ich empfinde das Wort KOMPLEXEN hier als falsch; meiner
Meinung nach müsste KOMPLEXE stehen.
Hallo Hermann,
ja, Du hast schon recht.
„eben keinerlei komplexe Zusammenhänge begreifen“ wäre richtig.
„eben nicht in komplexen Zusammenhängen denken können“ ebenfalls.
Das Adjektiv ahmt in diesem Fall das zugehörige Substantiv nach.
Grüße
Eckard.
Begründung?
Hallo Eckard,
ich wollte auch ganz spontan schreiben, dass es „keinerlei komplexe Zusammenhänge begreifen“ heißen muss.
Aber ich kann es nicht begründen!
Denn ersetze ich „keinerlei“ durch „keine“ (was ja synonym ist), dann müsste es lauten:
„keine komplexen Zusammenhänge begreifen“.
Es hat natürlich etwas mit der Deklination des Adjektives nach defininten bzw. indefiniten Pronomen zu tun. Warum aber jetzt ausgerechnet nach „keinerlei“ die starke Deklination angewendet wird, entzieht sich m.E. nach jeglicher Logik.
Vielleicht findet unser „Großmeister“ Fritz *wink* ja eine überzeugende Antwort.
Gruß
Uschi
Hallo Hermann, Eckard und Uschi,
die mit dem Suffix -lei gebildeten Indefinitpronomen gelten nicht als Artikelwörter, so wie auch die koupierten Formen: manch, solch, welch.
Darum werden die folgenden Adjektive auch wie nach „Null-Artikel“ (ich weiß, ein blöder Begriff), also wie nach „mit ohne“ Artikel verwendet:
Meine Oma hat mir manch dickes Butterbrot geschmiert.
Welch dickes Butterbrot sagten meine Freunde dann neidisch.
Solch dicke Butterbrote hätte ich gern mal wieder.
Und ebenso:
keinerlei, mancherlei, vielerlei, allerlei dicke Butterbrote.
Und darum auch: „keinerlei komplexe Zusammenhänge (Akkusativ Plural, ohne Artikel) begreifen“.
Der „Großmeister“ (Was sollen diese ironisierenden Gänsefüßchen?
) behauptet diese Analogie nur. Ich habe sie in keinem meiner Bücher gefunden.
Ein Nachweis der Richtigkeit meiner Vermutung würde mich freuen. Aber ich fürchte, das Problem ist den Sparchforschen bisher entgangen.
Fritz
Heiliger Bimbam! Besten Dank für Deine Mühen. Also ich hab’ zwar mal Latein gehabt und bin daher sicherer in Grammatik als vielleicht manch ein anderer, aber hier muss ich echt meinen nicht vorhandenen Hut ziehen; das meine ich jetzt übrigens nicht ironisch, ich glaube übrigens auch (sagt mir mein Gefühl), dass die Uschi das nicht besonders ironisch meinte. Ist doch schön, wenn sich einer im Regelwerk der deutschen Sprache weltbestens auskennt. Den Ausdruck „Null- Artikel“ habe ich wahrscheinlich mein Lebtag noch nicht gehört- trotz Abitur; shame on me
.
Besten Dank an alle!
Hermann
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Ironie…
Der „Großmeister“ (Was sollen diese ironisierenden
Gänsefüßchen?) behauptet diese Analogie nur. Ich habe sie
in keinem meiner Bücher gefunden.
Ein Nachweis der Richtigkeit meiner Vermutung würde mich
freuen. Aber ich fürchte, das Problem ist den Sparchforschen
bisher entgangen.
…liegt mir bei deinen Kenntnissen sehr fern, lieber Fritz… und das weißt du auch!
Ich bewundere ganz ehrlich deine Kenntnisse und vor allem die Geduld und Gründlichkeit, die deinen Antworten immer zu Grunde liegen.
Chapeau!
Liebe Grüße
Uschi
Lieber Hermann,
das
das meine ich jetzt übrigens
nicht ironisch,
glaube ich gern.
Und das
ich glaube übrigens auch (sagt mir mein
Gefühl), dass die Uschi das nicht besonders ironisch meinte.
nehme auch ich an. Aber mir war so nach: fishing for compliments. Das kann doch jedem mal zustoßen.
Den Ausdruck „Null- Artikel“
habe ich wahrscheinlich mein Lebtag noch nicht gehört- trotz
Abitur; shame on me.
Kein Grund zur Scham. Ist ein recht verquaster Begriff, vermutlich geschaffen, um die Umschreibung: „Deklination eines Adjektivs, wenn kein Artikel davorsteht“ abzukürzen.
Und findet sich keineswegs in allen Grammatiken, wird aber von Helbig/Buscha - zwei Grammatiker aus Ostdeutschland/Ex-DDR - gern gebraucht.
Gruß Fritz
Begründung mit Beleg
Hallo, Hermann und auch alle andren,
ich habs nun doch gefunden. Natürlich bei Helbig/Buscha.
Verzeiht die Fachterminologie.
Diese Wörter sind Indefinite Gattungszahlwörter!
aus Helbig/Buscha, Deutsche Grammatik, S. 300ff (in der DDR-Ausgabe)
_2.3.5.7. Unbestimmte Zahladjektive
Die unbestimmten Zahladjektive stehen zwischen den indefiniten Pronomina/Artikelwörtern und den Zahladjektiven. In semantischer Hinsicht entsprechen sie den indefiniten Wörtern [etwas, jemand, man, irgendwer, niemand, nichts].
In syntaktischer und morphologischer Hinsicht verhalten sie sich weitgehend wie Adjektive :
wie Adjektive der Gruppe A2 (attributiv - also vor einem Nomen - und prädikativ - beim Verb - möglich; flektierbar - also mit Endungen, aber nicht graduierbar - also nicht steigerbar)
das einzelne Haus - das Haus ist einzeln - nicht möglich: das einzelnere Haus
die verschiedenen Menschen - die Menschen sind verschieden - nicht möglich: die verschiedeneren Menschen
wie Adjektive der Gruppe B2 (nur attributiv möglich; flektierbar, aber nicht graduierbar)
ein anderer Film - nicht möglich: ein Film ist ander - nicht möglich: ein andererer Film
folgendes Gesetz - nicht möglich: Gesetz ist folgend - nicht möglich: folgendereres Gesetz
…
(4) Zu den unbestimmten Zahladjektiven gehören auch einige Ableitungen auf -erlei: allerlei, mancherlei, vielerlei
Es handelt sich hier um unbestimmte Gattungszahlen, die wie die bestimmten Gattungszahlen nicht flektierbar(sie können nicht dekliniert werden) sind und in der Regel mit Nullartikel (das Adjektiv danach wird also dekliniert wie „mit ohne“ Artikel) stehen:
Er wusste allerlei lustige Lieder und Sprüche.
Gegen Grippe wenden die Leute mancherlei uralte Hausmittel an.
Er hatte vielerlei alberne Einwände gegen den Vorschlag._
Hoffentlich ist es nicht ganz unverständlich.
Gruß Fritz
Lieber Fritz,
ich glaube übrigens auch (sagt mir mein
Gefühl), dass die Uschi das nicht besonders ironisch meinte.nehme auch ich an. Aber mir war so nach: fishing for
compliments. Das kann doch jedem mal zustoßen.
Das kenne ich allerdings auch, und ich nehme es auch keinem übel! Wenn man das nicht hin und wieder hätte, käme man in die Nähe eines Roboters. Bei Interesse: www.hnf.de (Heinz- Nixdorf- Museum; bei mir in der Nähe, wohne in Detmold).
Gruß
Hermann
Wir hatten dieses Thema vor ein paar Monaten schon mal. Bei diesem Satz ist der Fall klar, es muß „komplexe“ heißen. Aber es gibt andere Fälle, bei denen es offenbar nicht geklärt ist, d.h. beides ist möglich, z.B. bei sämtliche + Adjektiv + Substantiv.
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