Komplianz/Akzeptanz/Verhaltensakzeptanz

Hallo zusammen,

ich habe wieder eine technische Frage: Nach meiner Literaturrecherche beschreibt Komplianz ein kooperatives, aber nicht unbedingt überzeugtes Verhalten, während Akzeptanz eine positive Einstellung meint. Jetzt habe ich aber in einer Quelle gefunden, dass bei der Akzeptanz zwischen Einstellungs- und verhaltensakzeptanz unterschieden wird. Wäre dann Komplianz und Verhaltensakzeptanz dasgleiche? Da die Frage für eine Arbeit sehr zentral ist, würde ich mich über eine Einschätzung feruen :o)

Gruss Joerg

Darüber könnt (und vlt. solle *g*) ich jetzt länger nachdenken, aber ich schieß mal eben aus der Hüfte.

Akzeptanz ist kontextabhängig, Personen- oder Objektgebunden und enthält ein positives Werteurteil.
Sie bezieht sich also auf Situationen, Objekte oder Personen
(inkl. Einstellungen und Verhalten), die ich in ihrer „Art und Weise“,
(auch hinsichtlich ihrer Existenz) aktiv und positiv „hinnehme“-
im Gegensatz zur Toleranz, die eine passive Duldung meint.

Compliance ist wenn man so will situationsabhängig.
Findet das Wort (zu deutsch) ursprünglich Verwendung in BWL und Psychologie/Medizin und meint dort die Einhaltung der dort herrschenden Richtlinien
(in einem Unternehmen, einer Therapieeinrichtung, einem Setting etc.).

Okay und jetzt die lustigen Wortspiele
Für Compliance bedarf es nicht zwangsläufig einer Akzeptanz, aber mind. einer Toleranz-.

Toleranz (tolerare) zu deutsch: ertragen, durchstehen, aushalten, erdulden.
Vorstufe zur Akzeptanz.

Wenn ich für Compliance keine Akzeptanz brauche, kann das nach Adam Riese nicht dasselbe sein.

Verhaltens- bzw. Einstellungsakzeptanz ist, meinem Verständnis nach, losgelöst von der eigenen Person. Ich akzeptiere die Einstellung oder das Verhalten einer Dritten Person, und ich kann die Einstellungen einer Person akzeptieren, während ich das dazugehörige Verhalten ablehne oder umgekehrt.
konstruiertes Praktisches Beispiel:
Ich akzeptiere (bewerte positiv) die Arbeit einer ehrenamtlich tätigen Person, finde deren Einstellung, dies nur zu tun, um anschließend eine Vorteil daraus zu schlagen
(ich sag jetzt einfach mal einen Zeitungsartikel- Prominenz) jedoch negativ.

Weils hier steht und nicht woanders, geh ich von medizinisch/psychologischer Compliance aus, die meint, dass in dem Fall, dass der Heilungsprozess eines Patienten von seiner Kooperation abhängt, der Patient die ihm aufgetragenen Anweisungen konsequent befolgt (zb. Einnahme von Medikamenten).

Compliance ist gegenüber der Akzeptanz
* zeitlich gebunden
(für die Dauer meiner Anstellung bei Unternehmen X, oder die meiner Therapie)
* enthält ein neutrales (oder positives) Werteurteil
* entsteht in einer bestimmten (Abhängigkeits-)Situation

zum Werteurteil und der Abhängigkeit:
Ich muß einer Therapie nicht positiv gegenüberstehen, um mich „compliant“ zu zeigen. Während Non-Compliance dagegen eine Ablehnung beinhaltet. Man nehme an, ich arbeite in einem Betrieb X, der seinen Mitarbeitern die Auflage erteilt in Hasenkostümen herumzurennen.
Anzunehmenderweise findet das bei 30 Grad im Schatten keiner lustig
(und der Herr Anwalt riebe sich die Hände *fg*),
trotzdem kann ich mich compliant- regelkonform- verhalten, zb. weil ich andernfalls massive Einbußen habe zb. existenzieller Hinsicht.
Genauso wenig freuen wir uns über eine wichtige Operation, verhalten uns aber „compliant“, um der schwerwiegenderen Konsequenz zb. todbringende Krankheit, aus dem Wege zu gehen.

Nach allem Palaver lautet das Frosch-Fazit also:
Akzeptanz bedarf Toleranz
Compliance bedarf Toleranz
Intoleranz führt zu Inakzeptanz
Intoleranz führt zu Non-Compliance
Compliance bedarf keiner Akzeptanz

Ich hoff, dass hat Dich jetzt irgendwie weiter gebracht

Frosch

PS. wo sind denn alle hin? Fühlt sich hier langsam einsam *fg*

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Vielen Dank…
…für die sehr ausführliche Antwort,
darüber sollte ich jetzt länger nachdenken :o)

Die Abgrenzung von Akzeptanz und Compliance ist gut zu verstehen. Ich hoffe ich habe jetzt richtig gefolgert, dass
Komplianz zu Verhalten (z.B. Pillen schlucken) führen kann, auch wenn die Einstellung dazu negativ ist, Einstellungakzeptanz heisst, dass ich das gut finde, aber die Pillen nicht unbedingt schlucke und Verhaltensakzeptanz, dass ich die Pillen schlucke und auch gut finde… uff.

Danke nochmal, Gruss Jörg

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Ich glaube, wir meinen dasselbe*g*
aber da ja auch noch andere ggf. hier lesen

Ich hoffe ich habe jetzt richtig gefolgert, dass
Komplianz zu Verhalten (z.B. Pillen schlucken) führen kann,
auch wenn die Einstellung dazu negativ ist,

Solang es keine ablehnende Einstellung ist natürlich.
Bin ich der Meinung, dass Medikamente dem Körper vorrangig schaden, werde ich sie anzunehmenderweise auch nicht nehmen.
Das kann man am Absetzen aufgrund von Nebenwirkungen ganz gut sehen-
Sind die Newis zu stark, fliegen die Pillen i.d.R. irgendwann in die Ecke, sind sie aushaltbar, finde ich sie zwar nicht toll, aber nehme es in Kauf. Man müsste also deutlich machen, was man unter negativ, neutral und positiv versteht…

Einstellungakzeptanz heisst, dass ich das gut finde,

zb. dass mir jmd. in meiner Situation „Krankheit“ helfen möchte,

aber die Pillen nicht unbedingt schlucke

bzw. sich mein Verhalten nicht danach richten oder
ich sein (aus der Einstellung) resultierendes Verhalten gut finden muß. (wenn man zb. mit Kanonen auf Spatzen schießt)

und Verhaltensakzeptanz, dass
ich die Pillen schlucke und auch gut finde…

örgs. falsche Person. und die Grenze des Pillenbeispiels…

Eher in Richtung ich akzeptiere sein Vorgehen (das des Arztes)
auch wenn ich die zugrundeliegende Einstellung nicht gut finde
(aus der Behandlung persönliche Vorteile zu gewinnen).

Das Pillenbeispiel ist in sofern ungünstig, weil es bei Einstellungs- und Verhaltensakzeptanz um zwischenmenschliche Beziehungen geht.
Quasi eine Untergruppe der Akzeptanz (Kontext, Subjekt, Objekt).
Da sich die Pille nicht „verhält“ kann ich ihr gegenüber keine Verhaltensakzeptanz haben.

Es gibt häufiger das Phänomen, dass ich eine Einstellung akzeptiere, jedoch das Verhalten dazu verurteile, als umgekehrt. *behaupt*
So akzeptiere ich, dass Straftaten sanktioniert werden sollen, bin aber ein Gegner der Todesstrafe. Oder ich akzeptiere die Gefühle eines anderen (Eifersucht), kann aber nicht akzeptieren, dass er deshalb seinen Partner überwacht. etc.

Umgekehrt gibt es auch Situationen, in denen ich das Verhalten eines Menschen akzeptiere, positiv bewerte, allerdings die zugrundeliegende Einstellung/Motivation ablehne.
á la „der macht das doch nur um selber aus dem Schneider zu sein“ oder
„um anschließend gut dazustehen“