Komposthaufen 'geerbt'

Hallo liebe Gemeinde,

wir haben ein Haus gekauft, zu welchem auch ein 250qm großer Garten gehört. In diesem Zusammenhang haben wir auch einen Komposthaufen übernommen. Ich gebe es zu - ich habe null Ahnung vom Gärtnern, gebe mir aber alle Mühe. Nun wollte ich den Garten langsam Frühjahrstauglich machen :smile: u.a. müssen mehrere Löcher zugeschüttet werden, die beim Entfernen von größeren Pflanzen durch den Vorbesitzer entstanden sind. Dazu wollte ich gern die (sich hoffentlich im unteren Bereich befindende) Erde des Kompostes benutzen. Zunächst wollte ich den Haufen aber „umschichten“ und durchsieben.
Und nun meine Frage - geht das so, wie ich mir das vorstelle? Muß ich irgendetwas beachten? Was ist mit möglichen Keimen / Samen etc. welche sich vielleicht noch im Haufen befinden (weiß nicht, was der Vorbesitzer alles drauf geworfen hat…).
Fragen über Fragen…

Würde mich über Antworten sehr freuen. Besonders auch für einen Tipp zu einem guten Gartenbuch (ich habe wirklich keine Ahnung, wann grubbere / harke ich, grabe ich um… vor allem wie… Düngung, geeignete Pflanzen?..).

LG
Cea

Hi Cea,

du sprichst mir aus dem Herzen. Auch ich „erbte“ einen Komposthaufen, Betonung auf haufen. Immerhin so etwa 10 m³ Material. Wie das so war, und ich schätze bei dir wirds nicht anders sein, ich fand einen Großteil Rasenschnitt, Laub und kleines Geäst. Jede Menge Unkräuter waren auch drin (Brennnessel, Quecke, Klee wuchsen auf dem Haufen). Leider wurden auch Speisereste entsorgt, ich fand vier Rattennester beim Umsetzen des Berges. Das zur Einstimmung.

Du solltest auf jeden Fall den ganzen Haufen durchsieben. Sehe etwas genauer auf Unkrautwurzeln. Sortiere die so gut es geht raus. Auch Steine nimm raus. Den Rest auf die Deponie als biologisches Restmaterial. Die gesiebte Erde kannst du 1:1 mit Sand mischen (je nach Beschaffenheit) und dann im Garten verteilen.

Viel Spaß
André

…oh je …
Hallo André,

Danke für Deine Antwort…
Das sind ja super Aussichten. Ich „freue“ mich auf meinen Arbeitseinsatz :frowning:(
Aber nicht jamern - ranklotzen und hoffen, daß sich keine Ratten finden…

LG

Cea

Hi Cea,

Würde mich über Antworten sehr freuen. Besonders auch für
einen Tipp zu einem guten Gartenbuch (ich habe wirklich keine
Ahnung, wann grubbere / harke ich, grabe ich um… vor allem
wie… Düngung, geeignete Pflanzen?..).

Das beste Gartenbuch, das ich kenne ist von
John Seymour
„Selbstversorgung aus dem Garten - wie man seinen Garten natürlich bestellt und gesunde Nahrung erntet.“
Erschienen im Otto Maier Verlag Ravensburg
ISBN 3-473-42617-2 Buch anschauen
Da findest Du alle Grundlagen (auch viiel über das Anlegen von Komposthaufen).
War auch durch Umzug auf einmal mit dem Phänomen Garten konfrontiert, hatte keine Ahnung. Heute bedauere ich, keinen Garten mehr zu haben…
Auch LG,
Anja

Hallo Cea,

André hat einen worst case beschrieben, um Dir Enttäuschungen zu ersparen. Das ist nicht zwingend gegeben, und die Tatsache, dass Der Vor-Gärtner einige Stauden mitgenommen hat, lässt eigentlich vermuten, dass er ein aufmerksamer Gärtner ist. Also auch einen akzeptablen Kompost führen kann.

Quecke - die tatsächlich ein Problem darstellen kann, weil selbst kleinste Wurzelabschnitte wieder richtige Horste bilden - erkennst Du sofort, wenn Du den Haufen angehst: kein anderes hierzuland verbreitetes Gras hat diese weißen, langen, ausläuferbildenden Speicherwurzeln - übrigens schön süß, werden in der Volksheilkunde verwendet. Wegen Samen im Kompost würde ich mir persönlich keine Sorgen machen: Viele davon sind eine Bereicherung. Wenn man nicht stur auf „sauberes Beet“ hackt, hat man immer ein paar freundliche Gäste (Vergissmeinicht, Kapuzinerkresse, Ringelblumen, Antirrhinum (Löwenmäulchen), Goldlack, Borretsch usw., sobald ein normal geführter Kompost im Spiel ist: Die Samen bleiben im Kreislauf und keimen von sich aus, alles, was man tun muss, ist Stehen lassen. Mit ein bisschen Übung und der nötigen Faulheit (nicht so oft hacken, dann erkennt man die Kleinen leichter) gibt das an vielen Stellen schon eine nette florale Begleitung.

Schreib doch näheres zu Aussehen und Struktur des fraglichen Komposthaufens, gerne per mail: Ist ein Übermaß an mangelhaft verrottetem Rasenschnitt drin? Moos? Grundsätzlich Spuren von einem vergewaltigten Rasen? - By the way: Willst Du künftig Rasen oder Wiese haben? Rasenschnitt ist etwa das Ärgste, was man einem Kompost antun kann. Dagegen angewelkter Mulch von einer etwa vier Mal im Jahr sensengemähten Wiese eine wertvolle Angelegenheit etwa für Himbeeren, Heidelbeeren etc.

Überleg Dir auch, ob Du tatsächlich jetzt gleich die vorgefundenen „Löcher“ zumachen musst oder ob diese sich auch anders provisorisch einebnen lassen: Zwischen Januar und April ist am meisten Feuchtigkeit im Boden, der Kompost also fürs Sieben sehr schwer - Wurfsieb geht fast gar nicht, Rüttelsieb ist in diesem Bodenzustand eine Kraftsportübung. Bester Zeitpunkt zum Umsetzen von Kompost ist Ende Sommer (August), auch weil dann die für einen ordentlichen Kompost wichtige Fauna (Tausendfüßler, Asseln, Regenwürmer, Mistwürmer etc.) nicht unter den tiefen Temperaturen leidet, sondern nach Umsetzen gleich da weiterarbeiten kann, wo sie aufgehört hat.

Zu Deiner Frage nach Literatur:

Vielleicht nicht das allerpraktischste Anleitungsbüchlein, aber für Anfänger eine sehr schöne Quelle, weil für Anfänger geschrieben und in der Ausstattung so reich, dass fast jeder richtig Lust kriegt, auch zum Ausprobieren, ist der „Seymour“ aus den siebziger Jahren:

ISBN 3-473-42617-2 Buch anschauen

Das Buch ist für südenglische Verhältnisse geschrieben und, was das Klima betrifft, daher nicht ganz 1:1 auf die rauheren Börde-Winter übertragbar. Trotzdem eine unerschöpfliche Quelle auch von teils ungewöhnlichen Ideen. Die von Seymour favorisierte Tiefkultur dürfte zu einem Magdeburger Boden (um den ich Dich aufs heftigste beneide) recht gut passen.

Weiteres bekommst Du gerne, wenn Du mehr darüber schreibst, was Du mit der Gärtelei so vorhast.

Schöne Grüße

MM

3 „Gefällt mir“

hab nicht gesehen, dass Du meinen Freund Seymour auch schon empfohlen hast. Wollte Dir nicht über den Mund fahren.

Schöne Grüße

MM

Hey Martin,

hab nicht gesehen, dass Du meinen Freund Seymour auch schon
empfohlen hast.

Freut mich doch, dass wir den gleichen Gedanken hatten…

Wollte Dir nicht über den Mund fahren.

So hab’ ich das nicht empfunden :smile:
Einen schönen Tach Dir,
Anja

Hallo,

und dann gibt es noch unsere FAQ`s:

Komposthaufen: Wie lege ich einen an?

FAQ:1024

Zudem findest du noch so manches nützliches
für Garten und Co.

Gruss BelRia

danke für den tip
hallöchen, Anja:smile:
vielen dank für den tip…das buch war auch mir neu!
lieben gruss aus wien
jenny

Hallo Martin,

und die Tatsache,

dass Der Vor-Gärtner einige Stauden mitgenommen hat, lässt
eigentlich vermuten, dass er ein aufmerksamer Gärtner ist.
Also auch einen akzeptablen Kompost führen kann.

Glaube ich nicht - der Garten wurde von einem Mieter in dem Haus bewirtschaftet, der im Rahmen des Kaufes ausgezogen ist und alles an Bekannte verschenkt hat, was er einmal eingebracht hat. Auf dem Kompost habe ich bereits div. Plasteblumentöpfe und Tüten „gefunden“ :frowning:(

Danke für den Hinweis mit der Quecke, da werde ich mal den Detektiv spielen :smile:

Wegen Samen im Kompost

würde ich mir persönlich keine Sorgen machen: Viele davon sind
eine Bereicherung. Wenn man nicht stur auf „sauberes Beet“
hackt, hat man immer ein paar freundliche Gäste

Ich gehöre sowieso zu der Sorte „Was wächste denn da, das könnte interessant werden…“

Schreib doch näheres zu Aussehen und Struktur des fraglichen
Komposthaufens,

h 1,5m, b 2m t 1,5m - und wie gesagt auch diverse nichtkompostierbare Dinge drauf. Deswegen möchte ich ihn eigentlich auch komplett auseinandernehmen und schauen, was verwertbar ist und ihn im Endeffekt neuanlegen.

Willst Du künftig

Rasen oder Wiese haben? Rasenschnitt ist etwa das Ärgste, was
man einem Kompost antun kann. Dagegen angewelkter Mulch von
einer etwa vier Mal im Jahr sensengemähten Wiese eine
wertvolle Angelegenheit etwa für Himbeeren, Heidelbeeren etc.

Auch wenn wir uns bereits diverse Augenbrauenzuckungen von Bekannten eingehandelt haben - wir mähen eigentlich nicht. Im Gegenteil, ich will in diesem Jahr noch mit ein paar Sommerblumensamen drübergehen (Mohn und so) :smile:

Überleg Dir auch, ob Du tatsächlich jetzt gleich die
vorgefundenen „Löcher“ zumachen musst oder ob diese sich auch
anders provisorisch einebnen lassen:

Es geht auch hauptsächlich um die Kindersicherheit, jetzt geht ja die Sandkastensaison wieder los. Ende letzten Jahres ist mein Sohn mit Bobbycar fast komplett in einem Loch verschwunden…

Weiteres bekommst Du gerne, wenn Du mehr darüber schreibst,
was Du mit der Gärtelei so vorhast.

Ich möchte einem möglichst „natürlichen“ Garten. Möglichst auch Pflanzen, welche mit sich selbst zufrieden sind. Aber es sollte auch kindersicher sein, sprich nicht giftig (abgesehen von meinem Sohn werde ich langfristig weitere Kinder als Tagesmutter betreuen). Und ich möchte gern gaaaaz viele Fraben im Garten, es soll bunt sein. Ein bischen Gemüse soll auch sein, aber mehr zum „Naschen“ für die Kinder gedacht: ein paar E
rbsen, Möhren… einen Heidelbeerstrauch habe ich auch schon.
Problematisch ist auch, daß bei jedem Graben ein Haufen alter Bauschutt und diverse Eisenteile zum Vorschein kommen (es gab vor x Jahren mal ein Hinterhaus, welche abgerissen wurde. Nur die Überreste wurde nicht richtig beseitigt. Also nix mit dem guten Magdeburger Boden - wer weiß, was da alles drin ist…

Danke für Deine wirklich sehr hilfreichen Tipps!

LG

Cea

Danke :smile:!!! o.w.T.

Hallo Cea,

auf diese Altlasten-Beschreibung hin versteh ich das „o je“ besser…

Trotzdem oder grad deswegen ein paar Möglichkeiten:

Mehrjährige bunte Blumen für die garnichtgemähte Wiese:

Habichtskraut (Hieracium). Es gibt im Handel (für naturnahe Gärten) eine gelbblühende Art, ausgesprochene Pionierpflanze, und eine orange/rostrote. Beide bedecken mehr oder weniger rasch ganze Flächen. Grundständige Blattrosetten machen einen robusten Grund: wenn man lieber nicht mähen will, besser als Wiese.

Ebenfalls für die Wiese und ziemlich unempfindlich, wenn sie mal da sind: Wiesensalbei, Wiesenmargerite. Am Rand Wiesenstorchschnabel, Lupinen (da gibt es auch, glaube ich, alkaloidhaltige; also nachfragen). Weiter hinten, zaunwärts, hohe Herbstastern (Vorsicht beim Kauf: viele sind etwas kitschig rosa, aber es gibt auch blaue Sorten). In die Wiese rein einige Gruppen von botanischen Krokussen. Wenn es denen gefällt, bleiben sie nicht nur, sondern werden auch mehr.

Einjährige, bunte, ungiftige, anspruchslose Sommerblüher:

Ringelblumen, Kapuzinerkresse, Cosmea, Löwenmäulchen, Drummondphlox, Jungfer im Grünen (Nigella damascena), alle Arten Sonnenblumen - von der rund drei Meter hohen einblütigen Riesensonnenblume bis zu verzweigten rotbraunen Formen alles dabei -. Wicken, Prunkwinden zum Beranken von Zäunen.

Zweijährige: Nachtkerzen. Für Kinder, die im Sommer in der Abenddämmerung noch auf sind, eine spannende Sache, weil man den Blüten abends beim Aufgehen zusehen kann - man sieht, wie sich die Blätter bewegen. Wenn Nachtkerzen einmal da sind, gehen sie nicht wieder, samen weiter von selber aus. Bartnelken. Königskerzen. Stockrosen („schwarze Malve“).

Nasch-Gemüse: Erbsen, meterweise, im Wochenabstand nachgesät. Ganz unproblematisch, und die zuckersüßen jungen Schoten gibts so wie sie von der Pflanze kommen nicht zu kaufen. Hochwachsende Sorten (z.B. die blaublühende Kapuzinererbse) kann man auch gut zum Versteckspielen benutzen, wenn man nicht über 1,30m groß ist. Radieschen natürlich - kann man als Kind auch leicht selber säen, auch diese im Abstand von acht bis zehn Tagen, dann sind immer kleine zarte da. Karotten bei dem Abbruchschuttboden vielleicht eher enttäuschend.

Eher zur Zier als zum Naschen ein Kürbis: „Gelber Zentner“ macht richtige Krawenzmänner; braucht allerdings einen humosen Untergrund, vielleicht dort, wo Du den besprochenen Haufen abträgst?

Immer dabei die alte vicia faba, Ackerbohne: Wenn Schutt und dergleichen eine Rolle spielen, etwas zur Bodengesundung.

Auch gut zum Versteckspielen: Topinambur. Hohe, gelb blühende Stauden, mit (Geschmackssache…) essbaren Knollen. Der lässt sich allerdings nicht rausschmeißen, wenn man ihn mal reingelassen hat.

Soviel für hier & jetzt, schöne Grüße

MM

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