hallo,
hat jemand erfahrungen mit obiger therapie hinsichtlich einer stark ausgeprägten arachnophobie?
danke für alle infos oder erfahrungsberichte.
Mit der Therapie selbst nicht, aber ich weiß von einem Bekannten, das einige Zoos sogenannte „Begegnungstherapien“ mit Vogelspinnen u.ä. anbieten.
Frag mich jetzt nicht welche, aber über Google müsste etwas zu finden sein.
Hai, Zugastbeimweltmeister,
ich hab’s schon mal geschrieben, krieg das mit den Archiv-Links aber nie hin, also kopier ich Dir, wie ich es gemacht habe:
zunächst mal ein kurzer Exkurs, wie ich von der begeisterten Spinnen-Fängerin zur Phobikerin wurde: ich war 11, als wir ins Berliner Aquarium gingen. Dort hatten wir das Glück, der Fütterung der Achtbeiner beizuwohnen und vom Pfleger jede Menge Detailwissen verpasst zu bekommen, z.B. „…diese Spinne ist eine der wenigen tötlichen Arten - wir haben extra ein Antidot hier, ins Krankenhaus zu fahren, würde zu lange dauern…“
Wenige Tage danach brachte mein Vater, der zu der Zeit frühmorgens auf dem Fruchtmarkt arbeitete, eine Bananenstaude mit. Als ich kurz danach aufstand, um mich zur Schule fertigzumachen, robbte plötzlich so ein Vieh genau zwischen meinen Füßen durch unter den Nachtisch - und ich erkannte die Spinne - und mir geisterte der Spruch des Pflegers durch den Kopf - ich schrie…
…und wiederum ein paar Tage später erfuhr ich dann, daß aus dem Schreck in der Morgenstunde eine Phobie entstanden war: ein Klassenkamerad setzte mir eine harmlose Kreuzspinne auf die Schulter und ich flippte total aus und verdrosch ihn - den stärksten Jungen unserer Klasse…
…und ich konnte keine Räume mehr betreten, von denen ich wusste, daß eine Spinne drin sitzt…
…und ich konnte kein Buch anfassen, von dem ich wusste, daß das Bild einer Spinne drin ist…
Wie ich meine Arachnophobie unter Kontrolle bekam:
Schritt 1: mein Bruder musste mir das Bild einer Spinne ins Zimmer hängen - soweit hinter dem Schrank, daß gerade noch ein Bein zu sehen war. *grusel* Langsam gewöhnte ich mich an den Anblick dieses Spinnenbeines und mein Bruder musste das Bild etwas sichtbarer hinhängen. Irgendwann konnte ich mir das Bild ansehen, ohne Herzrasen zu bekommen.
Schritt 2: Filme über Spinnen. Es gibt da einen genialen Zweiteiler von Stern - den sah ich mir an. Na gut, bei ersten Versuch sah ich mir 5 Minuten an, bevor es zuviel wurde - aber nach einigen Anläufen, konnte ich die ganze Dokumentation ohne Panik-Anfall sehen.
Schritt 3: Wieder die Dokumentation über Spinnen - diesmal aber mit Bildschirm anfassen.
Schritt 4: in der freien Natur (also ohne Scheibe dazwischen) Netzspinnen betrachten (die bleiben freundlicherweise in ihren Netzen sitzen)
Schritt 5: am Netz wackeln
Ab Schritt 4 konnte ich Netzspinnen auch im Raum ertragen, nachdem ich mich zu Schritt 5 durchringen konnte, zog eine Spinne in meinem Büro ein und ich begann sie zu füttern. OK - meine Kollegen hielten mich für ziemlich verrückt, wenn ich wiedermal auf Fliegenjagd war („NICHT totschlagen!“) und Egon fütterte, aber mir half’s.
Heute versucht die Panik nur noch kurz hochzukochen, wenn mir mal so ein Spinnentier unerwartet auf die Hand fällt (auf’m Balkon, oder so), was lustigerweise dazu führt, daß mir 'ne Riesennetzspinne im Aquarium nichts mehr ausmacht, ich aber immernoch soetwas wie Furcht empfinde, wenn mir eine 1,5 mm große Springspinne über den Weg läuft hüpft.
Gruß
Sibylle
Hallo!
Bei mir lief es ähnlich ab wie bei Sibylle. Erst Bücher über Spinnen, dann Dokus, dann freilebende Spinnen. Ich habe mich gezwungen, davor zu sitzen und sie zu beobachten.
Bei mir hat es dann alllerdings darin gegipfelt, dass ich mir Vogelspinnen zugelegt habe. Wunderschöne, faszinierende Tiere!
Das ganze hat zwar seine Zeit gedauert, aber es hat sich absolut gelohnt!
Früher habe ich beim Anblick eines noch so kleinen Tierchens Panikattacken bekommen, habe hyperventiliert etc. etc… und heute? „Stören“ sie mich genauso wenig wie ein Marienkäfer.
Also, wenn man Geduld und Mut hat, muss man keinem Therapeuten bezahlen, es geht auch alleine!
Liebe Grüße
Maria
hallo ihr lieben,
danke für eure interessanten antworten. ich bin quasi sprachlos, weil ich es mir überhaupt nicht vorstellen kann, mich sozusagen selbst zu therapieren, mich zu zwingen, spinnen zu beobachten etc. ich bin beeindruckt, ehrlich.
ich hab einst unter höchster anstrengung „arachnophobie“ geschaut; es war die hölle. später hab ich irgendwo gelesen, dass man sowas als phobiker gerade nicht tun soll.
dieser sommer (auch wenn´s gerade gar keiner mehr ist) ist superschlimm. spinnen sind überall: in der wohnung, im hausflur, im büro, sogar beim zahnarzt. mir geht es so wie ihr es auch beschrieben habt. ich hyperventiliere, habe schweißausbrüche, heule. kann nicht mehr denken, nur noch panik. wenn ich mal allein daheim bin, muss ich jemand anrufen, der vorbeikommt und mir hilft.
ich habe wohl nicht euren mut. ich weiß es nicht. heute bin ich also zu einer therapeutin gegangen.totaler schuss in den ofen. die wollte wohl eher herausfinden, warum ich die phobie hab, statt mir zu helfen, dass ich damit leben kann. mir ist scheißegal, warum ich die phobie hab (im grunde kann ich´s mir denken, denn meine oma hat mir als kleinkind eingeredet, dass die böse sind, beißen etc.). ich will nur damit leben können.
danke schön für eure hilfe. ich bin beeindruckt von eurem mut und der willensstärke.
liebe grüße.
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Hai, Zugastbeimweltmeister,
ich hab einst unter höchster anstrengung „arachnophobie“
geschaut; es war die hölle. später hab ich irgendwo gelesen,
dass man sowas als phobiker gerade nicht tun soll.
ach du meine Nase - ausgerechnet Arachophobia? Nee, der ist wirklich nicht geeignet, um eine Phobie loszuwerden - der ist schließlich dafür gemacht, ein Maximum an Angst zu erzeugen…
Laaaaaangsaaaammmm anfangen! Mit einem Bild, einer Photographie. Kannst Du es nicht anfassen, dann legst Du es lässt Du es Dir irgendwo hinlegen, wo Du es betrachten kannst. Und dann solange immer wieder ansehen, bis Du Dich dran gewöhnt hast und keine Panik mehr schiebst. Erst dann (!) kommt der nächste Schritt: ein Film. Und nein, ich meine ganz sicher keinen Horrorstreifen mit Spinnen, sondern eine Dokumentation. Du brauchst Dir nicht blöd vorkommen, wenn Du nach fünf Minuten am ganzen Körper schlotternd den Fernseher ausmachst (wir hatten damals keine Fernbedienung; ich bin in großem Bogen um die Kiste rum und hab sie von hinten ausgeschaltet *grusel*).
Aber auch die Doku kommt erst dann, wenn Du Bilder in Ruhe ansehen kannst.
Pack’s an - aber laaaaangsaaammm…
Gruß
Sibylle
hi sybille,
zumindest habe ich bei dem film eines gelernt: auch mir fehlt dieser besagte neurotransmitter in hirn, der uns wohl signalisieren soll, dass spinnen uns nichts tun.
mit fotos geht es bei mir, wenn ich mir darauf vorbereiten kann, also wenn ich weiß, dass ich jetzt so ein bild sehe. wenn ich jedoch eine seite in einer zeitschrift umschlage und unvorbereitet auf eine spinne treffe, zucke ich arg zusammen. ähnlich ist es mit reportagen, aber das lebende objekt ist eindeutig schlimmer.
ach du meine Nase - ausgerechnet Arachophobia? Nee, der ist
wirklich nicht geeignet, um eine Phobie loszuwerden - der ist
schließlich dafür gemacht, ein Maximum an Angst zu erzeugen…
ich bin in großem Bogen um die Kiste rum und hab sie von
hinten ausgeschaltet *grusel*).
krass. ich denke aber, ich könnte auch nicht an das gerät rangehen…
Pack’s an - aber laaaaangsaaammm…
danke! ich werde dich auf dem laufenden halten (wenn du magst)
liebe grüße, sandrina.