Kongruenz von Haupt- und Nebensatz

Hallo,

ist die Kongruenz von Zeitformen im Deutschen wirklich obligatorisch?
Sind solche Konstrukionen wie

  • Ich weiss, dass du dort gestern warst.
  • Ich wusste, dass du dort gestern gewesen bist.

erlaubt?

Wie sagt man es richtig? Oder ist es egal?

Gruss
Wladimir

Hallo, Wlad,

was stört dich an den Sätzen? Beide sind völlig richtig nach den Regel der deutschen Grammatik gebaut.

  • Ich weiss, dass du dort gestern warst.

Ich weiß -jetzt, hier und heute -, dass du gestern - eben gestern, also am Samstag -, dort warst.

Und ebenso:

  • Ich wusste, dass du dort gestern gewesen bist.

Ich wusste - gestern oder vorgestern, also einen oder zwei Tag vorher -, dass du gestern - an dem Tag zuvor, an dem ich das wusste - dort gewesen bist.

Dass du im Nebensatz Perfekt statt auch ein Präteritum zu verwenden, kann man dir als Stil-, aber nicht als Grammatikfehler anrechnen.

Auch die Voranstellung von „dort“ vor „gestern“ striche ich dir als Stilfehler an, es sei den du häbest einen guten Grund gegen TeKaMoLo zu verstoßen.

Nur bei der Konjunktion „nachdem“ haben wir eine feste Zeitenfolge (Consecutio temporum).

Gruß Fritz

Hallo Wladimir,
vielleicht hat es ja mittlerweile eine Grammatikreform im Deutschen gegeben, aber früher drückte das Perfekt die Vorzeitigkeit zum Präsens aus, das Plusquamperfekt die zu jeder Zeit der Vergangenheit.

  • Ich weiss, dass du dort gestern warst.

Ich weiss, dass du dort gestern gewesen bist.

  • Ich wusste, dass du dort gestern gewesen bist.

Ich wusste, dass du dort gestern gewesen warst.
Wobei hier das „gestern“ schräg klingt…
Zumindest die allgemeinen Richtlinien für die Korrektur altsprachlicher Klausuren (vor allem Latein, griechisch ist da komplexer), legen auf diese Art, Vorzeitigkeit auszudrücken, Wert, denn sonst ist nicht erkennbar, ob der Prüfling die entsprechenden Zeitverhältnisse im Originaltext erkannt hat.
Beide Sätze wären also dann falsch-

Grüße,
Taju

Verzeih mir, Taju,

aber das kann nicht unwidersprochen stehen bleiben. Du scheinst sehr stark von der lateinischen Grammatik geprägt zu sein, was nicht unbedingt nützlich ist für die deutsche Grammatik.

vielleicht hat es ja mittlerweile eine Grammatikreform im Deutschen gegeben,

Einer solchen Reform bedurfte es nie.

aber früher drückte das Perfekt die Vorzeitigkeit zum Präsens aus, das Plusquamperfekt die zu jeder Zeit der Vergangenheit.

Auch früher war dem nicht so, und heute ist dem genauso wenig so.

Es ist zwar teilweise richtig, gilt aber so nur von Temporalsätzen und ganz streng nur für die Konjunktion „nachdem“ - wie ich unten schon ausführte.

Nicht aber gilt es für die anderen Nebensatzarten und schon gar nicht für abhängige Aussagesätze mit „dass“.

Das kannst du in der Dudengrammatik - ab § 1364 bis §1383 - nachlesen.

Zu „Probleme der Tempuswahl und des Konjunktionsgebrauch“ ist vor allem der § 1374 anzusehen. Dieser beginnt mit den Worten

"Für die Abfolge der Tempora im zusammengesetzten Satz existiert im Deutschen (anders als in manchen benachbarten Fremdsprachen) keine strenge Regelung. Es gibt in unserer Sprache grundsätzlich keine Consecutio Temperorum. Immerhin sind bei Temporalsätzen gewisse Einschränkungen zu beachten, die zum Teil mit der Wahl der Konjunktion zusammenhängen. …

Wobei hier das „gestern“ schräg klingt…

Das liegt daran, dass die Temporalangabe normalerweise vor der Lokalangabe steht; es müsste deshalb heißen:

…, dass du gestern dort …

Aber auch das habe ich, mit dem Hinweis auf die Regel „tekamolo“ (Reihenfolge der Angaben: te mporal, ka usal, mo dal, lo kal), schon ausgeführt.

Beide Sätze wären also dann falsch-

Das ist - mit Verlaub zu sagen - grottenfalsch!

Und verzeih nochmals meine deutliche Zurechtrückung deiner Aussagen.

Gruß Fritz

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Hallo Fritz,

Verzeih mir, Taju,

kein Problem, gerne kann ein Moderator auch mein Posting löschen, um Verwirrungen zu vermeiden.

aber das kann nicht unwidersprochen stehen bleiben. Du
scheinst sehr stark von der lateinischen Grammatik geprägt zu
sein, was nicht unbedingt nützlich ist für die deutsche
Grammatik.

Klar bin ich das. Ich habe nachgeschaut in meinen Korrekturrichtlinien, da steht es tatsächlich so, wie von mir beschrieben und ich werde bei der nächsten Konferenz dafür plädieren (da wir die ja auch an die Studenten rausgeben), dass diese Anforderungen an den Ausdruck der Vorzeitigkeit im Deutschen im Zusammenhang mit der im Lateinischen ausgedrückten cons.temp. steht, es sich aber nicht um eine eigenständige Regel der deutschen Grammatik handelt.

Beide Sätze wären also dann falsch-

Das ist - mit Verlaub zu sagen - grottenfalsch!

Gestehe mir wenigstens den Gebrauch des Konjunktivs zu:wink:

Und verzeih nochmals meine deutliche Zurechtrückung deiner
Aussagen.

Wenn’s nötig ist, gibt’s nichts zu verzeihen, eher zu besternen.

Grüße,
Taju

Oh, Taju!

Beide Sätze wären also dann falsch-

Das ist - mit Verlaub zu sagen - grottenfalsch!

Gestehe mir wenigstens den Gebrauch des Konjunktivs zu:wink:

Gutgutgut! Aber heute wird dieser Konjunktiv oft nur in „diplomatischer Wischischiwaschisprache windelweicher Politiker“ verwendet.

Ich würde sagen wollen, dass ich deinen Konjunktiv so verstand. :wink:

Gruß Fritz

Hallo Fritz,

Gestehe mir wenigstens den Gebrauch des Konjunktivs zu:wink:

Gutgutgut! Aber heute wird dieser Konjunktiv oft nur in
„diplomatischer Wischischiwaschisprache windelweicher
Politiker“ verwendet.

Wie einig wir uns sein können…

Grüße,
Taju

Einigkeit und Recht auf Freiheit (ot)

Wie einig wir uns sein können…

An mir solls, beste Taju, nicht liegen!

Gruß Fritz

Grüß dich, Taju!

Klar bin ich das. Ich habe nachgeschaut in meinen Korrekturrichtlinien, da steht es tatsächlich so, wie von mir beschrieben und ich werde bei der nächsten Konferenz dafür plädieren (da wir die ja auch an die Studenten rausgeben),

Könntest du mir Genaueres dazu mitteilen?
Was sind das für Studenten?
Wer gibt die Korrekturrichtlinien vor?
Was ist das für ein Schulbetrieb?

Nicht hier im Forum, aber durch eine Privatmail.
Bin halt neugierig in solchen Sachen.

Gruß Fritz