Hallo, Hanna!
Ha! Verwirrst du mir den armen Buben, der sich das Wort „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“ hinter die Ohren geschrieben hat?
Nicht doch! So wie man zu meinen Zeiten glaubte, man müsse uns den Dialekt austreiben - „austreiben“, welch ein Wort! Man trieb Teufel aus. - , so hat man auch geglaubt, die „Straßensprache“ bekämpfen zu müssen. Aber das galt doch nur „für die Schule“.
- Was haben wir nicht alles nur für die Schule gelernt! Was habe ich Kurven abgeleitet und Integrale integriert! Wenn ich aber auszurechnen habe, wieviel Tapeten und Farbe ich brauche, so muss ich wieder die Finger gebrauchen, um zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen.
„Fürs Leben“ habe - ich jedenfalls - selbst entschieden, was nötig und nützlich und schön ist.
Demnach bestärke ich den Buben - auch so ein Wort! -, dem Grundsatz zu gehorchen.
Wenn du schon Klage führst, dann gegen den Lehrer!
Auch hier: Nicht doch! Da gibt es Richtlinien und Vorgaben, die der einzelne Lehrer nicht ignorieren kann.
Also klage bei den Ministern und der Schulbehörde. Und bei den Eltern, die all die Weisungen von dort hinnehmen, ja meist nicht mal zur Kenntnis nehmen.
Wenn ich Sachen unterrichte wie Konjunktiv I oder „zu + Infinitiv nach brauchen“ - was nicht einmal meine Kolleginnen korrekt gebrauchen -, höre ich jedesmal: „Aber ich habe gehört, wie ein Deutscher/mein Nachbar/mein vorheriger Lehrer so und so …“
Dann erkläre ich jedesmal: Es gibt eine Hochsprache in D, auch in Österreich, so bin ich berichtet, aber niemand, wirklich niemand spricht so. Hochsprache ist ein artifizielles, SCHRIFTLICHES Konstrukt. Diesem Ideal versuche ich im Unterricht nahezukommen. Darum verlange ich von euch - den Schülern -, dass ihr im Unterricht nach der Regel sprecht und schreibt.
Was und wie ihr auf der Straße redet, vor allem, wie und was die Deutschen und anderen Deutschsprachígen reden, ist mir in diesem Kontext gleichgültig.
Dass ich oft über deren Sprachschnitzer Magenschmerzen bekomme, steht auf einem anderen Blatt.
der das Wort „kriegen“ auch in der Volksschule ausgetrieben
worden ist
Na, ich hoffe, du kannst es von nun an wieder gebrauchen. 
Beste Grüße und ich hoffe, ihr hattet einen guten Rosch!
Fritz