Konjunktiv?

Hallo -

soeben lese ich im „Spiegel online“ unter ->‚Reisen‘ ->‚Busreisen allzu billig‘ den folgenden Satz:

„Wenn diese Daten ausgetauscht würden“, sagt Martin Kaßler vom BDO, „dann kriegen wir schwarze Schafe ganz schnell vom Markt.“

Und da stolpere ich über das „kriegen“ im Text.
Frage: Gibt es für „kriegen“ eigentlich einen Konjunktiv?
Z.B. „kriegten“?? :wink:

Mit der Formulierung „…dann bekämen wir schwarze Schafe …“ bekäme ich Ordnung in das Satzgefüge.

Oder täusche ich mich da und bin auf dem Holzweg?

Erwartungsvolle Grüsse -
Arnica

„Wenn diese Daten ausgetauscht würden“, sagt Martin Kaßler vom BDO, „dann kriegen wir schwarze Schafe ganz schnell vom
Markt.“

Was dir hier aufstößt, schöne, traute, rote Arnica, ist der schludrige Gebrauch des Konjunktivs. Der Herr Kaßler gebraucht im ersten Teil des Satzes den Konjunktiv II - den Irrealis - des Passiv Präsens, was korrekt ist; und im zweiten Satz verzichtet er auf den Konjunktiv.
Er wird sich im Recht fühlen, denn - so denkt er wohl -, wenn die von ihm gemachte Annahme: Austausch der Daten, eintritt, wäre die reale Folge, das was er beschreibt, nämlich das Verschwinden schwarzer Schafe.

Das ist zwar nicht die Hohe Schule der Grammatik, aber so wird allüberall in den Zeitungs- und Gesellschaftsspitzen, wo gedankenlose Schwätzer sitzen, geschwätzt und parliert und geschrieben und gedruckt.

Den Konjunktiv II des regelmäßigen Verbs „kriegen“ bildest du korrekt: „kriegten“; da diese Form aber mit dem Präteritum übereinstimmt, zöge man hier im Allgemeinen die Umschreibung mit „würden wir kriegen“ vor; diese Umschreibung wäre nicht nötig beim Verb „bekommen“, wie du es vorschlägst, denn „bekommen“ ist ein unregelmäßiges, umlautfähiges Verb, so dass der Konjunktiv II klar vom Präteritum unterschieden werden kann.

Gäbe es jetzt noch Unklarheiten, so wäre eine Rückfrage die natürlichste Reaktion. :wink:

Und noch einen Guten Rosch!

Beste Grüße Fritz

Ist „kriegen“ überhaupt stilistisch korrekt? Ich kann mich nämlich noch gut erinnern, dass ich bei meiner ersten Deutsch-Schularbeit in der Volksschule eben dieses „kriegen“ angestrichen bekommen habe - seitdem verwende ich es eigentlich gar nicht mehr.

Wundert mich ehrlich, dass es überhaupt noch Leute gibt, die solche Wörter in der Öffentlichkeit verwenden tun. :wink:

Christoph

Hallo, Christoph,

zunächst einmal bitte ich dich, nicht böse zu sein, weil ich das lange vollständige Zitat aus deinem Artikel löschte. So kann man schneller das von dir Gesagte zur Kenntnis nehmen.

Ist „kriegen“ überhaupt stilistisch korrekt?

Du bemerkst zurecht, dass „kriegen“ durchaus als „umgangsprachlich“ galt und heute noch kennzeichnet der Duden es so (s. u.).

Aber es deshalb ganz zu bannen aus der Öffentlichkeit, halte ich für einen übertriebenen Purismus, den die allseitige Verwendung des Verbs nicht nahelegt.

Ich kann mich
nämlich noch gut erinnern, dass ich bei meiner ersten
Deutsch-Schularbeit in der Volksschule eben dieses „kriegen“
angestrichen bekommen habe

Ja ja, die braven Deutschlehrer in den Grundschulen! Gelobt sei ihre segensreiche Arbeit bei der Austreibung von Regional- und Dialektismen und Straßensprache. Man muss das Beet erst mal sauber jäten, ehe die gewünschten Früchte und Kräuter wachsen. Unkräuter und -früchte kommen später von allein wieder.

seitdem verwende ich es eigentlich gar nicht mehr.

Wenn das dein Entschluss ist, kann man nichts dagegen sagen. Aber warum so skrupulös? Grammatisch falsch ist es sicher nicht. Und wann und ob es stilistisch passt, kannst du selbst entscheiden, Grundschullehrer hin oder her.

Wundert mich ehrlich, dass es überhaupt noch Leute gibt, die
solche Wörter in der Öffentlichkeit verwenden tun. :wink:

Siehst du! Du kannst es doch! Tu nur weiter so tun! :wink:

Hier noch ausführlich der Dudenbefund:

_}krie|gen [zu kriegen, ausgehend von der mhd. (md.) Präfixbildung erkrigen (gek. zu mhd. krigen)= strebend erlangen, erringen] (umgangssprachlich):

  1. a) bekommen, erhalten; mit etw. bedacht, versehen werden: ein Geschenk, eine Belohnung, einen Preis k.;
    b) jmdm. (als Äquivalent, als Bezahlung o.Ä.) zuteil werden; (etwas, worauf ein Anspruch besteht) bekommen, erhalten: Gehalt, Urlaub k.; ich kriege noch 5 Mark von dir (du schuldest mir noch 5 Mark); was kriegen Sie (verlangen Sie) für Ihre Arbeit?; er kriegt 20 Mark für die Stunde (verdient 20 Mark in der Stunde);
    c) jmdm. zugestellt, übermittelt werden: Post, einen Brief, eine Nachricht k.;
    d) (als Strafe o.Ä.) hinnehmen müssen; bekommen, erhalten: eine Ohrfeige, Schelte, Schläge k.; für den Einbruch hat er [ein Jahr] Gefängnis gekriegt (ist er mit [einem Jahr] Gefängnis bestraft worden);
    e) (an einer bestimmten Körperstelle) plötzlich von etw. getroffen werden: einen Stoß, einen Tritt k.;
    f) von etw. befallen, erfasst werden; Wut, Angst k.; einen Schrecken k.; allmählich Hunger k.; Falten, eine Glatze k. (faltig, kahlköpfig werden);
    g) sich etw. zuziehen; erleiden: eine schwere Krankheit, Fieber, einen Herzinfarkt k.;
    h) zu erwarten haben; mit etw. rechnen müssen: Besuch, Gäste k.; Ärger k.; Schnee, Regen k.;
    i) in einen bestimmten Zustand geraten: Löcher, Risse k. (löcherig, rissig werden);
    j) jmdm. erteilt werden: einen Befehl, keine Erlaubnis k.; er kriegt immer seinen Willen (seinen Wünschen wird immer nachgegeben).

  2. a) (durch eigenes Bemühen) zu etw. kommen; sich verschaffen: eine [neue] Stellung, keine Arbeit k.; er hat noch einen Platz gekriegt; keinen Anschluss, keine Verbindung beim Telefonieren k.; einen Einblick in etw., einen Eindruck von etw. k. (gewinnen, erlangen); er hat sie endlich gekriegt (für sich gewinnen können);
    b) kaufen können, (gegen Geld) erhalten: das Buch ist nicht mehr zu k.; er hat die Sachen billig gekriegt; was kriegen Sie? (was wünschen Sie, was möchten Sie haben?);
    c) hervorbringen, entstehen lassen: der Baum hat Blüten gekriegt; sie kriegt ein Kind, ein Baby (ist schwanger);
    d) zu einem bestimmten Verhalten o.Ä. bringen: er hat ihn nicht dazu gekriegt mitzugehen; er war bei dem Wetter nicht aus dem Haus zu k.;
    e) erreichen, dass jmd., etw. in einen bestimmten Zustand versetzt wird: das Fleisch weich k.; sie kriegt ihre Kinder nicht satt;
    f) erreichen, dass etw. irgendwohin gelangt: das Klavier durch die Tür k.; den Ball ins Tor, Netz k.;
    g) hinkriegen, schaffen, bewältigen: die Sache ist nicht ganz einfach, aber wir werden es schon k.;
    h) (noch zum richtigen Zeitpunkt) erreichen: die Straßenbahn noch, nicht mehr k.;
    i) jmds., einer Sache habhaft werden; fangen, fassen: den Dieb, den Flüchtigen k.

  3. a) in den Stand gesetzt werden, die Möglichkeit haben, etw. [zu seinem Nutzen] zu tun: etw. zu kaufen, zu essen, zu sehen k.;
    b) ertragen müssen: wenn er das tut, kriegt er von mir etw. zu hören (werde ich ihm die Meinung sagen).

  4. etw. geschenkt, geschickt, gesagt k.

  5. *es nicht über sich k. (sich nicht zu einer [für die eigene od. eine andere Person] unangenehmen Handlung entschließen können): ich habe es nicht über mich gekriegt, ihn abzuweisen.

© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_

Ist das nicht ein tolles Wort? Und darauf leistest du freiwillig Verzicht, weil einmal ein Grundschullehrer …
Also nee! :wink:

Beste Grüße
Fritz

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Hallo Fritz!

Ist das nicht ein tolles Wort? Und darauf leistest du
freiwillig Verzicht, weil einmal ein Grundschullehrer …
Also nee! :wink:

Ha! Verwirrst du mir den armen Buben, der sich das Wort „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“ hinter die Ohren geschrieben hat?
Wenn du schon Klage führst, dann gegen den Lehrer!

Hanna,
der das Wort „kriegen“ auch in der Volksschule ausgetrieben worden ist

Hallo, Hanna!

Ha! Verwirrst du mir den armen Buben, der sich das Wort „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“ hinter die Ohren geschrieben hat?

Nicht doch! So wie man zu meinen Zeiten glaubte, man müsse uns den Dialekt austreiben - „austreiben“, welch ein Wort! Man trieb Teufel aus. - , so hat man auch geglaubt, die „Straßensprache“ bekämpfen zu müssen. Aber das galt doch nur „für die Schule“.

  • Was haben wir nicht alles nur für die Schule gelernt! Was habe ich Kurven abgeleitet und Integrale integriert! Wenn ich aber auszurechnen habe, wieviel Tapeten und Farbe ich brauche, so muss ich wieder die Finger gebrauchen, um zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen.

„Fürs Leben“ habe - ich jedenfalls - selbst entschieden, was nötig und nützlich und schön ist.
Demnach bestärke ich den Buben - auch so ein Wort! -, dem Grundsatz zu gehorchen.

Wenn du schon Klage führst, dann gegen den Lehrer!

Auch hier: Nicht doch! Da gibt es Richtlinien und Vorgaben, die der einzelne Lehrer nicht ignorieren kann.

Also klage bei den Ministern und der Schulbehörde. Und bei den Eltern, die all die Weisungen von dort hinnehmen, ja meist nicht mal zur Kenntnis nehmen.

Wenn ich Sachen unterrichte wie Konjunktiv I oder „zu + Infinitiv nach brauchen“ - was nicht einmal meine Kolleginnen korrekt gebrauchen -, höre ich jedesmal: „Aber ich habe gehört, wie ein Deutscher/mein Nachbar/mein vorheriger Lehrer so und so …“

Dann erkläre ich jedesmal: Es gibt eine Hochsprache in D, auch in Österreich, so bin ich berichtet, aber niemand, wirklich niemand spricht so. Hochsprache ist ein artifizielles, SCHRIFTLICHES Konstrukt. Diesem Ideal versuche ich im Unterricht nahezukommen. Darum verlange ich von euch - den Schülern -, dass ihr im Unterricht nach der Regel sprecht und schreibt.
Was und wie ihr auf der Straße redet, vor allem, wie und was die Deutschen und anderen Deutschsprachígen reden, ist mir in diesem Kontext gleichgültig.

Dass ich oft über deren Sprachschnitzer Magenschmerzen bekomme, steht auf einem anderen Blatt.

der das Wort „kriegen“ auch in der Volksschule ausgetrieben
worden ist

Na, ich hoffe, du kannst es von nun an wieder gebrauchen. :wink:

Beste Grüße und ich hoffe, ihr hattet einen guten Rosch!

Fritz

Hi Hanna,

der das Wort „kriegen“ auch in der Volksschule ausgetrieben
worden ist

Aber es klingt doch sprachlich wesentlich besser, zu sagen: „Ich krieg die Krise“ - als „Ich bekomme die Krise“???
Oder?
schmunzelnd:
Anja