Hallo!
Ich habe mal eine Frage, bezogen auf das Konkordat, das am 20. Juli 1933 zwischen Hitler und dem Vatikan geschlossen wurde.
Also es gewährtleistet ja den Erhalt der kath. Kirche und seiner Organisationen, „zwingt“ die Geistlichen allerdings gleichzeitig
dazu, das deutsche Reich anzuerkennen und sich weder in Predigten noch sonstwo kritisch darüber zu äußern…
Gibt es noch andere Gründe die die katholische Kirche nennen konnte, außer dass die katholische Kirche nicht wie die Gewerkschaften zerschlagen werden würden, durch die Unterzeichnung dieses Konkordats?
Hoffe auf Hilfe =)
Viele Grüße
Hallo!
Gib mal bei Googel
konkordat+1933
ein, und du kriegst mehr Informationen, als dir hier in Kürze jemand schreiben kann.
Gruß!
Hannes
Hallo,
nun es gibt ja viele Dinge, die zwischen Kirche und Staat zu regeln sind. Die rechtliche Stellung der Kirche und ihrer Gliederungen sowie deren Kontrolle und Besteuerung zum Beispiel. Aber auch die Priesterausbildung bis hin zu der Frage, wer die Lehrkräfte bestimmen darf. Dann die Fragen des Religionsunterrichtes an den Schulen - und nicht zuletzt auch die Kirchensteuer. Und da machte die Dutsche Regierung der Kirche ja ein weltweit einmaliges Geschenk mit dem Kirchensteuerabzug über die Lohnberechnung. Das stammt von damals und das gibt es so nicht mal in in stockkonservativen katholischen Lämderm - überall sonst muß die Kirche selber sehen, wie sie zu ihrem Gelde kommt. Und wie man u.a. daran sieht - das Konkordat von 1933 gilt heute noch, auch die Bundesrepublik fühlt sich daran gebunden.
Aber nun mal zurück: ES war einfach so, daß nach der Revolution von 1918 an dieser Stelle viele Dinge nicht geklärt waren bzw. neu zu klären waren. Zudem war der Heilige Stuhl ganz und gar nicht abgeneigt gegenüber Hitler und seinem Regime. Im Gegenteil. Immerhn hatten ja die italienischen Faschisten unter Mussolini gerade erst den Kirchenstaat als rechtliches Subjekt wieder geschaffen und sich so das höchste Wohlwollen erkauft und immerhin war auch der deutsche Nationalsozialmus erst einmal offen gegen den Bolschewismus gerichtet - das war ja auch der Hauptfeind der Kurie. Das bischen Judenhetze, daß 1933/34 schon sichtbar war, … na ja… so richtig konnte die katholische Kirche doch die Juden auch nicht leiden.
Es ging der katholischen Kirche nicht explizit um den Schutz ihrer Kirchen und Priester - die sah sie in keinster Weise gefährdet zu diesem Zeitpunkt. Und auch später, als tatsächlich auch katholische Priester verschwanden - Rom hat brav geschwiegen dabei und nicht ein einziges Mal wirklich ernsthaft Hitler kritisiert bzw. die Katholiken zum Wiederstand aufgerufen.
Es ist leider war, aber der Vatikan hat sich ganz bewußt zum Steigbügelhalter des Naziregimes gemacht. Und da sich der Papst und die katholische Kirche ja bekanntlich nie irren, muß wohl alles, was dann kam bis 45 den höchsten Segen gehabt haben…
Gernot Geyer
Hallo,
da gibt es überall sehr viel, und viele der Links widersprechen sich ja auch fleißig gegenseitig. Wirklich klar ist, dass die Regierung auf die Kirche zukam, da die Kirche in dne Jahrzehnten zuvor bereits mehr oder weniger aufgegeben hatte. Es war einfach nicht möglich mit den ständig wechselnden Regierungen der Weimarer Republik zu verhandeln.
Zumindest offiziell handelte es sich beim Reichskonkordat aus der Sicht des Vatikans eigentlich immer noch um eines aus einer ganzen Reihe Konkordate in Europa, die gewissermaßen der nach dem 1.Weltkrieg notwendig gewordenen diplomatischen Selbstdefinitiion im Zusammenhang mit den anderen Völkern Europas dienten. Immerhin war man ja seit 1929 ganz offiziell auch wieder Staat (was man 1870 verloren hatte). Die Konkordate z.B. mit Lettland oder auch Italien (denn die Lateranverträge sind ebenfalls im engeren Sinne Konkordate) haben also eigentlich einen Status, der bilateralen Verträgen zwischen Staaten vergleichbar ist und entsprangen der gleichen Notwendigkeit.
Jedoch, das ist ja die Besonderheit einer weltumspannenden Kirche, mit dem speziellen Verhandlungsschwerpunkt, die Kirche auch innerhalb der Vertragspartnerländer abzusichern. Pinkant wurde die Sache in Deutschland. Einerseits gab es natürlich das Bestreben der NSDAP, die Kirche aus der Innen- und Parteipolitik rauszuhalten, andererseits bot gerade der Vatikan eine Möglichkeit, sich aus der außenpolitischen Isolation, in der sich die Regierung Hitlers zu Anfang befand, zu befreien. Für Hitler gab es also was zu gewinnen. Gab es auch für die Kirche was zu gewinnen?
Dem ersten Augenschein nicht. Nicht nur, dass die katholische Kirche einfach zu groß war um zerschlagen zu werden wie die Gewerkschaften. Das wusste ein Pacelli so gut wie ein von Papen. Hitler musste auch immer noch Rücksicht auf die Zentrumspartei nehmen repective gemäßigte DNVP-Flügel, die größtenteils genau aus dieser politischen Ecke stammten. Ein Losgehen auf die Kirche hätte u.U. sogar die ganze Harzburger Front zerbrechen können und 1933 saß Hitler ja noch nicht so fest im Sattel wie z.B. drei Jahre später. Was es also tatsächlich von Seiten der Kirche zu reden gab, war das Wehrpflichtproblem Geistlicher, Kirchensteuer und Staatszuwendungen sowie das Schulthema. Wobei eigentlich nichts gefordert wurde, was man nicht de facto bereits hatte.
Was allerdings im Interesse der Kirche lag, war, einen jeden zu stärken, der Antikommunist auf die Fahnen geschireben hatte. Schon 1929 hatte man ja mit Mussolini ein Konkordat geschlossen, aber da fiel es noch nicht so auf, weil da ja die Vatikanfrage offen war. Die Machart war trotzdem die gleiche. Und hier findet sich ein Teil der Erklärung (nicht Entschuldigung, falls eine solche denn überhaupt eingefordert werden kann). Der Vatikan und das Deutsche Reich hatten den gleichen ideologischen Gegner. Ganz einfach. Der Rest, Schulthema, Wehrpflicht Geistlicher, das war Makulatur. Die Kirche hat ja gar nichts bekommen was sie nicht schon vorher hatte.
Gruß
Peter B.
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Hallo,
Schulthema, Wehrpflicht Geistlicher, das war Makulatur. Die
Kirche hat ja gar nichts bekommen was sie nicht schon vorher
hatte.
Doch - sie hat was ganz Großes geschenkt bekommen: Den Kirchensteuerabzug vom Lohn. Das gab und gibt es wirklich nur in Deutschland und auf der Grundlage genau dieses Konkordates.
In den meisten Ländern muß die Kirche selber kassieren und zudem ist die Steuer dann als Beitrag zu einer freiwilligen Organisation nicht mal einklagbar. Man zahlt einfach nicht und Ruhe hat es. In Deutschland muß man zum Notar rennen und seinen Kirchenaustritt schriftlich erklären. Das begreife ich nie! Schließlich ist man doch in den Laden auch nicht freiwillig eingetreten sondern durch Entscheidung der Eltern - wieso wird man beim Austritt dann zu einem Mist gezwungen?
Gernot Geyer
Lieber Gernot,
manchmal wäre es wirklich angeraten, einen Blick über den Tellerrand der eigenen Vorurteile hinaus zu tun.
Dieser Artikel könnte Dir dazu verhelfen:
http://www.steuer-forum-kirche.de/faq-geschichte.htm
Im Übrigen gibt es eine Reihe von Staaten, die eine „Staatsreligion“ haben - England beispielsweise. Und da wird die Kirche vom Staat unterhalten, auch ganz ohne Kirchensteuer. Und da kann es geschehen, dass, wenn eine größere finanzielle Umschichtung zwischen den einzelnen Diözesen nötig wird, das Unterhaus sich mit der Angelegenheit befassen und darüber beschließen muss!
Warum, verdammte Hacke, wird in ecclesiasticis gediegenes Wissen so schnell durch Gerüchte, Vorurteile und Infamien ersetzt?
Gruß - Rolf
Darf ich mal ganz blöd fragen, was genau es der Kirche bringt wenn sie den Wohlwollen der Länder hat?
Und ob es jetzt definitv so ist, dass die Kirchensteuer durch dieses Konkordat eingeführt wurde?
Liebe Grüße und danke für eure Antworten
Liebe Tina-Helen,
was es für die Kirche bedeutet, wenn sie das Wohlwollen des Staates nicht hat, siehst Du an den Verhältnissen in der ehemaligen DDR ziemlich deutlich: Da sind gerade noch 10 % der Einwohner von Wittenberg evangelisch!
Es ist also einem Staat à la longue durchaus möglich, die Kirche an den Rand der Bedeutungslosigkeit zu bringen.
Ein weiteres Beispiel wäre die Verfolgung der Hugenotten in Frankreich und die Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV.
Und was die Kirchensteuer (Und die Zurschaustellung fundierten Nichtwissens durch einen gewissen Teilnehmer allhier) angeht, hilft Dir der Artikel sicher weiter, auf den ich schon verwiesen hatte:
http://www.steuer-forum-kirche.de/faq-geschichte.htm
Gruß - Rolf
Vielen Danke für die Antwort und sorry für die doofe Frage!
Ja den Artikel hab ich übersehen, mir aber jetzt bereits durchgelesen!
Also nochmal Dankeschön an euch alle!
Hallo Gernot,
wie Rolf schon geschrieben hat, gibt es eine Reihe von Staatskirchen, z.B. die angelikanische Kirche in England. Und was die Kirchensteuer in Deutschland angeht, hast Du schon mal was von dem Zehnten gehört? Ähnliche Konstrukte gab es in Deutschland ja auch erst seit dem Mittelalter (wie in vielen anderen Ländern auch). Außerdem solltest Du vielleicht auch berücksichtigen, dass dabei in D. nicht nur fpr „die Kirche“ eingezogen wird, also für die katholische Kirche, die das Konkordat hat, sondern auch für alle anderen anerkannten Religionsgemeinschaften.
Gruß
Peter B.
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Na DU stellst Fragen!
Denk doch nur mal an die Ausbildung der Priester! Wie soll das laufen, wenn es kein Theologiestudium gibt?
Schau doch mal in islamische Länder, in die Türkei zum Beispiel. Dort wird die Kirche und ihre Organisation gar nicht als Rechtssubjekt anerkannt. WIe willst Du da dann Kirchen bauen und unterhalten, wenn niemand da ist, der als Eigentümer anerkannt wird und verträge schließen kann? Wie willst Du kirchliche Sozialarbeit betreiben unter diesen Bedingungen?
In der DDR war die Kirche zumindest geduldet. Aber das Fehlen jeglicher staatlicher Unterstützung und die Propaganda des Staates haben über die Zeit hinweg bewirkt, daß am Ende nur noch eine Minderheit Kirchenmitglied war. Und selbst der Preis für diese Duldung war sehr hoch, weil sich die Kirchenfunktionäre dafür mit dem Staat auf manchen Luhhandel einlassen mußten, der recht zweifelfater Natur war.
Dein Geschwichtswissen scheint recht beschränkt zu sein.
Die anglikanische Kirche als englische Staatskirche enstand doch auch nur, weil der damalige englische König sauer war auf Rom, daß seine Ehescheidungen nicht genehmigen wollte. Nur weil der Herrscher es so wollte, verlor die katholische Kirche so ein ganzes Land.
Und die reformation in Deutschland wäre alle gewesen, wenn nicht der sächsische Kurfürst Lther auf seinem Rückweg vom reicstag auf der Wartburg vor den Häschern des deutschen Kaisers in Sicherjeit gebracht hätte. Ohne den sächsischen Kurfürsten wäre die Reformatin ausgefallen - und ohne den katholischen Kaiser wäre heute wahrscheinlich ganz Deutschland evangelisch. Und noch lange galt ja der grundsatz, daß das Volk den Glauben anzunehmen hatte, den der Herrscher befahl.
Gernot Geyer