Hallo Allerseits,
vor einigen Wochen liefen zur Deutschen Einheit zwei Filme, die Rolle der Stasi beleuchteten. Die DDR war ein totalitärer Staat und hat dementsprechend viel Leid verursacht.
Ich hörte nie von irgendwelchen Racheaktionen der Opfer. In der Bundesrepublik kamen, so weit ich es damals mitbekam, die Mauerschützen vor Gericht und DDR-Spione. Und die Stasi-Mitarbeiter verloren ihren Job.
Nun interessiert mich, mit welche Konsequenzen, nach knapp zwei Jahrzehnten betrachtet, die Verantwortlichen, aber auch für einfache Stasi-Mitarbeiter konfrontiert wurden.
Gruß
Carlos
Hallo Carlos,
kurz und gut, so gut wie keine. Die meisten höherrangigen Mitarbeiter fielen unter ohnehin unter einen geheimdienstlichen Deal, den man mit den Russen hatte machen müssen, den Anatoli-Nowikow-Deal. Ab diesem Moment war das Interesse deutscher Behörden an einer Strafverfolgung selbst ausdrücklicher Verbrechen an dieser Front gering. Erschwerend kam hinzu, dass ja im einigungsvertrag steht, dass alle Taten, die im Bereich der DDR durch das Recht der DDR abgedeckt waren, gar nicht zu ahnden sind.
Gruß
Peter B.
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Hallo,
Erschwerend kam hinzu, dass ja im einigungsvertrag steht, dass
alle Taten, die im Bereich der DDR durch das Recht der DDR abgedeckt
waren, gar nicht zu ahnden sind.
Dann waren die Schüsse auf sog. Republikflüchtlinge auch nach DDR-Recht nicht zulässig? Denn da wurden ja einige verfolgt.
Gruß
Markus
Hallo,
ich bin kein Jurist, aber nach allem, was ich mitbekam, hing das sehr von Details im Einzelfall ab. Wobei auch etliche solcher Anzeigen von den Staatsanwaltschaften nicht weiter verfolgt wurden. Aber natürlich war der Soldat an der Grenze auch deutlich weniger durch den Nowikow-Deal abgedeckt als beispielsweise ein hoher Stasi-Funktionär.
Gruß
Peter B.
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Hallo Carlos
Ich hörte nie von irgendwelchen Racheaktionen der Opfer.
Das stimmt, davon hat man nichts gehört, wahrscheinlich, weil die Stasi eine anonyme Institution war und die Opfer somit keinen persönlich Schuldigen finden können. Außerdem wissen sie, daß die Täter manchmal auch erpresst wurden und somit selbst Opfer waren. Andere handelten aus Überzeugung, genau wie ihre Opfer.
Nun interessiert mich, mit welche Konsequenzen, nach knapp
zwei Jahrzehnten betrachtet, die Verantwortlichen, aber auch
für einfache Stasi-Mitarbeiter konfrontiert wurden.
Das kommt darauf an, wo die ehemaligen Stasis heute arbeiten. Wenn sie dem Ruf „Stasi in die Produktion“ gefolgt sind, dann haben sie keine negativen Folgen zu fürchten. In der Wirtschaft zählt nur die Leistung, da sieht man über eine dunkle Vergangenheit gerne hinweg.
Anders sieht die Sache aus, wenn jemand in der Öffentlichkeit arbeitet. Alle Mitarbeiter von Behörden, Vereinen und Institutionen und vor allem Journalisten mußten sich von der Gauck- Behörde einen „Persilschein“ holen. Nur wer diesen hatte, durfte weiter arbeiten. Auch jetzt noch, nach fast zwanzig Jahren, werden Journalisten gefeuert, wenn plötzlich eine Akte über sie auftaucht.
Chrischi